Alpin

Pinzgau: Entschleunigte Skitour ins Trattenbachtal

18.04.2013

Pinzgau: Entschleunigte Skitour ins Trattenbachtal

Es ist zu schön, um wahr zu sein. Der Hochnebel hat sich verzogen, der Himmel strahlt hellblau. Frau Holle hat eine feine Schicht Neuschnee spendiert und weit breit ist niemand zu sehen. Nicht mal eine Spur zieht sich durch die Winterlandschaft. „Gehen die Leute bei Euch keine Skitouren“, frage ich meinen Begleiter Hans-Peter Kreidl. „Doch. Aber hier oben erst Mitte oder Ende April, je nach Schneelage und wenn man möglichst weit mit dem Auto die Forststraße rauf fahren kann.“ Verstehe. Oder auch nicht. Was sind schon zwanzig Minuten auf einem breiten Weg, wenn man dafür Powder und unberührte Hänge vom Feinsten hat?

Die Tour beginnt zeimlich flach, erst auf einer Forststraße, dann im Gelände.

Die Tour beginnt zeimlich flach, erst auf einer Forststraße, dann im Gelände.

Ich habe mich im Pinzgau, in Neukirchen am Großvenediger mit Hans-Peter verabredet. Über sein Projekt Skitourenwinter.at bietet der 39-Jährige verschiedene Skitourenevents an, vom Ladies Camp bis zur Mehrtagestour. Sogar Skiwochenenden für Hundehalter hat er im Angebot. Hans-Peter, den alle nur HP nennen, ist von Kindes Beinen an in den Bergen unterwegs. Etwas Schöneres als seine heimatliche Bergwelt gibt es für ihn nicht und ein bisschen was davon will er mir heute zeigen.

Das Trattenbachtal mit der Almhütte (vorne im Bild).

Das Trattenbachtal mit der Almhütte (vorne im Bild).

Basecamp Bilderbuchalm

Auf einer schmalen Teerstraße fahren wir zunächst mit dem Auto zum Berggasthaus Rechtegg (1.287 Meter) hinauf. Ein Stück oberhalb parken wir und schlüpfen in die Skibindungen. Die LVS-Geräte haben wir schon an und schalten sie nur noch ein. Unser Ziel: das Trattenbachtal. Gemächlich gehen wir das erste Stück über den fast ebenen Forstweg dahin. Mit von der Partie ist HP’s Hund Aiko, der munter vor uns her trabt. Schließlich biegen wir links ins Gelände ab. Hans-Peter geht vorweg und spurt, ich folge ihm und kann mich gar nicht satt sehen an der Umgebung.

Die Trattenbachalm ist Ausgangspunkt für viele Skitouren.

Die Trattenbachalm ist Ausgangspunkt für viele Skitouren.

Das Gelände wird langsam steiler und ich muss etwas mehr schnaufen. Unser erstes Ziel ist die 1.718 Meter hoch gelegene Trattenbachalm. Sie gehört der Familie von Hans-Peter. Schon als Kind war er im Sommer immer heroben bei den Großeltern. Mittlerweile nutzt er die Hütte in den Wintermonaten als Basecamp für den Skitourenwinter. Als sich hinter einem kleinen Buckel das Tal vor uns auftut und ich die urige Alm sehe, weiß ich auch warum: es gibt keinen besseren Platz, um Leuten das Skitourengehen näher zu bringen.

Weit und breit sind keien anderen Tourengeher unterwegs.

Weit und breit sind keien anderen Tourengeher unterwegs.

Die Idee für seinen Skitourenwinter kam dem Neukirchner, weil er immer wieder von Leuten angesprochen wurde: Sie würde ja gerne eine Skitour gehen, aber sie wüssten nicht wie und wo. Also gründete er seine Tourenplattform. Dass der Sport so viele Anhänger findet, wundert HP nicht. „Das hat sicher auch mit dem Trend zur Entschleunigung zu tun und dass die Menschen sich wieder mehr bewegen wollen. Und wenn man am Vormittag eine Tour geht und am Nachmittag im Büro sitzt, dann wirkt das nach.“

Viele Skitouren-Gipfel auf einen Haufen

Im Süden breiten sich die Gipfel der Hohen Tauern mit dem Großvenediger aus.

Im Süden breiten sich die Gipfel der Hohen Tauern mit dem Großvenediger aus.

Bei der Trattenbachalm hinterlegt Hans-Peter schnell den Hüttenschlüssel, bevor wir weiter gehen. So ein Tag muss ausgenutzt werden, Büronachmittag hin oder her. Man kann von der Alm zum Beispiel auf den Steinkogel (2.299 Meter) oder das Kröndlhorn (2.444 Meter) aufsteigen. Wir marschieren einfach ein Stück ins Tal hinein und dann links den Hang Richtung Laubkogel-Gipfel (2.317 Meter) hinauf. Der Blick auf die Hohen Tauern, die sich gen Süden ausbreiten, ist der Hammer. Zur Alm zurück fliegen wir durch feinsten Pulverschnee. Auch wenn die Sonne mit aller Kraft scheint, hat die Kälte der letzten Wochen die weiße Pracht bestens konserviert. Viel zu schnell sind wir unten. Zur Belohnung gibt’s ein Weißbier-Hollunder-Radler auf der sonnigen Hüttenbank. Im Sommer wird die Trattenbachalm bewirtschaftet und ist nicht nur für Wanderer sondern auch für Mountainbiker ein beliebtes Ziel. Ich war auf jeden Fall nicht das letzte Mal hier.

Neuer Kommentar

Deine Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht!

*


*