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Balderschwang: Von der Skitour in die Loipenspur

05.04.2013

Balderschwang: Von der Skitour in die Loipenspur

Über den Gipfel des Riedbergerhorns (1.787 Meter) weht stürmischer Föhnwind. Schnell werden Jacken und Mützen über-, die Felle ab- und die Tourenski wieder angezogen. Wir sind vom Skigebiet Grasgehren die rund 300 Hundert Höhenmeter aufgestiegen. Vor uns liegen drei weitere Bergspitzen und ein paar schöne Powderhänge – hoffen wir jedenfalls. Die erste Abfahrt hinunter in eine Senke führt durch lichten Wald. Der Schnee ist gut, an einigen Stellen sogar richtig pulvrig, an anderen kompakt. Bei einer Almhütte fellen wir auf und peilen der Reihe nach erst den Dreifahnenkopf an, dann das Höllritzereck und nach einem herrlichen Tiefschneeritt das Bleicherhorn.

Skitour in Balderschwang: Föhnwind auf dem Riedbergerhorn (1.787 Meter)

Föhnwind auf dem Riedbergerhorn (1.787 Meter)

Karl Traubel, unser Vermieter vom Hotel Hubertus in Balderschwang, hat uns die Skitour beschrieben. Er war lange Hüttenwirt auf Grasgehren, bevor er das elterliche Hotel komplett sanierte und hinunter ins Tal ging. Erst tags zuvor war er mit ein paar Skitourenkumpels hier oben unterwegs. Wir treffen in rund Dreieinhalbstunden niemanden, sind mutterseelenalleine unterwegs und genießen die Stille. Genau deswegen sind wir für ein paar Tage ins Oberallgäu gereist. Mit ihren gerade mal 259 Bürgern ist Balderschwang nicht nur die kleinste selbständige Gemeinde Bayerns, sie liegt auch am höchsten, nämlich auf 1.044 Meter. Die Grenze zum österreichischen Bregenzer Wald verläuft genau am Ortsrand. Hier oben gibt es kein riesiges Skigebiet. Balderschwang selbst hat ein paar Lifte und Grasgehren ist gleich ums Eck. Wir haben die Alpinski sowieso zu Hause gelassen und nur die langen Langlauflatten und die Skitourenausrüstung eingepackt.

Skitour in Balderschwang: Vom Riedbergerhorn geht's weiter zum Dreifahnenkopf, zum Höllritzereck und auf das Bleicherhorn.

Vom Riedbergerhorn geht’s weiter zum Dreifahnenkopf, zum Höllritzereck und auf das Bleicherhorn.

Vom Bleicherhorn geht’s über mittelweile doch schon sulzig gewordene Hänge hinab ins Tal, vorbei an der Balderschwanger Eibe – die möglicherweise der älteste Baum Deutschlands ist –  bis fast genau vor die Hotelhaustür. Alles in allem haben wir bei dem ständigen Auf und Ab doch über 1.000 Höhenmeter zusammengesammelt.

Bei Kaffee und Kuchen auf der Sonnenterrassen werden wir gleich mit dem nächsten Tourentipp versorgt: der Brustkopf liegt gleich gegenüber und stellt sich am nächsten Tag als beschauliche Vormittags-Skltour heraus: circa 600 Höhenmeter in 1,5 Stunden. Die Spur ist auch für Einsteiger leicht zu meistern, genauso wie die Abfahrt.

 

Der frühe Vogel tut sich leichter

Skitour in Balderschwang: Schnee gibt's in Balderschwang genug und bis weit ins Frühjahr hinein.

Schnee gibt’s in Balderschwang genug und bis weit ins Frühjahr hinein.

Am Nachmittag kämpfen wir uns über die Skatingloipe. Zwischen Balderschwang und Hittisau befindet sich das erste grenzüberschreitende DSV-(Deutscher Skiverband) Nordic Aktiv Zentrum, das mit 40 Langlaufkilometern aller Schwierigkeitsgrade und Top-Beschilderungen auftrumpft. Heute hat die Märzsonne ganze Arbeit geleistet: der Schnee ist weich, tief und unglaublich stumpf. Balderschwang liegt zwar in einem Tal, flach ist es deswegen nicht. Das hatte ich mir etwas leichter vorgestellt. Die breite Spur geht hoch und runter, hoch und runter, hoch und runter. Beim Feuerwehrhaus in der Dorfmitte sind wir gestartet, haben zum Warmlaufen die zwei Kilometer lange Dorfloipe genommen und schwitzen jetzt auf der Riedbergpassloipe, die entlang dem Fluss Bolgenach verläuft. Das letzte Stück schenke ich mir, es ist eindeutig zu warm für Wintersport. Dafür wird der Wecker am nächsten Tag auf 7 Uhr gestellt, das große Frühstücksbuffet vorerst ignoriert und gleich mit Langlauf begonnen. Die Belohnung: Wir haben die Wahl zwischen 20 Runden perfekt präparierter und noch hart gefrorener Langlaufloipen. Allein mit der Allgäuer-Latschenkiefer-Grenzlandloipe stehen über 30 Kilometer Spur nach Hittisau und Sibratsgfäll zur Verfügung. Gäste, die in Balderschwang ihren Urlaub verbringen, zahlen fürs Langlaufen nichts, für Tagesausflügler wird eine Gebühr von 4,50 Euro erhoben, die Saisonkarte kostet 60 Euro. Zu Recht: Als „Bayerisch Sibirien“ gilt das Balderschwanger Hochtal nicht nur als schneesicheres Langlaufrevier, es wird täglich und oft auch mehrmals top gepflegt.

Der Sonne entgegen: Morgens ist die Spur noch hart gefroren und gehört gaz alleine uns.

Das abgelegene Balderschwang, das erst seit Anfang der 1960er Jahre über eine Passstraße erreichbar ist, war einst eine Enklave und galt als Strafposten – für den Lehrer, den Pfarrer, für die Gendarmen und die Zöllner. Für uns ist es ein ruhiges und verstecktes Winterörtchen abseits vom lauten Skizirkus.

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