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Testbericht: Daunenschlafsack Carinthia Nepal

02.04.2013

Testbericht: Daunenschlafsack Carinthia Nepal

Als Einstieg in die Welt der Daunenschlafsäcke bietet Carinthia – bekannt unter anderem für Millitärschlafsäcke – den mit Entendaune gefüllten Schlafsack Nepal zu einem sehr niedrigen Preis an. Erklären lässt sich der Preis zum Einen durch die Verwendung von günstiger Entendaune (hochwertige Modelle verwenden Gänsedaune und Spitzenmodelle zum Teil auch “exotische” Füllungen wie Schneegänsedaune). Zum Anderen, weil man keine  Möglichkeit hat, die Farbe zu wählen. Ich vermute für die Herstellung werden Materialreste von anderen Modellen verwendet. Für mich spricht hier eigentlich nichts dagegen, denn viele Outdoorsportler lieben es ohnehin bunt und so gibt es noch eine Überraschung mehr beim Auspacken.

Auffällig ist die starke Anlehnung des Nepal an das Carinthia-Modell Ladakh Plus 600. Auf der offiziellen Carinthia Homepage findet man keinen Daunenschlafsack, der den Modellnamen Nepal trägt. Nach einem Vergleich der Daten kommt man aber zu dem Schluss, dass es sich hierbei zumindest was die Wärmeleistung angeht, um das fast gleiche Produkt wie den Ladakh Plus 600 handelt. Der größte Unterschied – abgesehen von einem möglicherweise unterschiedlichen Oberstoff – ist der Reißverschluss, der beim Ladakh umlaufend (Deckenfunktion), beim Nepal nur auf einer Seite bis unten hin zu öffnen ist. Ob diese Unterschiede mit  Qualitätseinbußen einhergehen oder eine sehr gute Möglichkeit zum Sparen bieten, habe ich auf einer Winter-Camping-Tour von Nürnberg nach Paris ausprobiert. Wichtige Argumente bei der Auswahl des Schlafsacks waren für mich vor allem Wärmeleistung, Preis und – aus Gewichts- und Komfortgründen – die Daunenfüllung.

Zunächst ein kleiner Überblick zu den Rahmenbedingungen:

  • Testdauer: acht Nächte bei Temperaturen zwischen minus 10 und plus 5°C. Außerdem bei Zimmertemperatur im Hostel;
  • Übernachtung in Ein-Wand-Zelt oder auf einer Plane unter freiem Himmel;
  • Unterlage: zwei Isomatten aus Schaumstoff, eine mit Alubeschichtung, zusammen etwa drei Zentimeter
  • Schlafbekleidung: lange Unterwäsche, Pulli, Wollsocken
Außenmaterial Carinthia Nepal

Außenmaterial Carinthia Nepal

Ich besitzte den Carinthia Nepal in der Größe L, da ich selbst 1,94 Meter groß bin. Mit der Länge bin ich sehr gut zurechtgekommen, auch wenn ich knapp an die empfohlenen Maximalgröße ran komme. Die Temperaturbereiche sind  offiziell mit +0,9, -4,8, -21,9 angegeben, auf meinem Modell findet sich jedoch eine Kennzeichnung mit -2, -8, -20. Selbst in der kältesten Nacht mit knapp zweistelligen Minusgraden hielt mich der Daunenschlafsack schön warm. Auswahlkriterium Nr. 1 war demnach ein voller Erfolg. Gerade mit den Einstellmöglichkeiten des Carinthia Nepal kann man die Wärme auch gut regulieren.

Der Nepal von Carinthia hat einen breiten, verstellbaren Wärmekragen, ein verschließbares Kopfteil, sowie eine Wärmeleiste über dem Reißverschluss. Während sich das Kopfteil bis auf eine kleinste Öffnung zum Atmen zuziehen lässt und somit exzellent Wärme zurückhält, ist der Wärmekragen nicht beliebig weit verschließbar. Da ich ziemlich schlank bin, musste ich den Gummizug sehr weit anspannen. Seine Funktion hat der Kragen aber gut erfüllt. Einziger Nachteil ist dann die lange Schnur, die sich in den Händen verfangen kann. Der Reißverschluss des Daunenschlafsacks war beim ersten Benutzen nicht sehr leichtgängig, mit der Zeit hat sich das aber stark gebessert und auch der Klettverschluss zur Sicherung gegen selbstständiges Öffnen hat sich bei mir niemals gelöst. Die Wärmeleiste ist dank des breiten, schwarzen Bandes auch nie in den Reißverschluss geraten – das Material ist somit gut vor Beschädigungen geschützt.

Im Vergleich zu meinem alten Kunstfaserschlafsack war es deutlich angenehmer im Nepal zu schlafen. Daune ist einfach viel weicher und die auch die Form hat – wider Erwarten – genügend Bewegungsfreiheit erlaubt. Häufig wird bei Daunenschlafsäcken als Nachteil die Empfindlichkeit gegen Nässe genannt. Leider habe ich den Carinthia Nepal auch bei Regen (und Schnee) testen dürfen. Das leicht wasserabweisende Außenmaterial hat nur am Fußteil etwas Wasser durchgelassen. Positiv hat mich dann die Zeit zum Trockenen überrascht. Nach dem vierten Tag Dauernutzung war leichter Geruch wahrzunehmen, doch nach etwa zwei Stunden im Zimmer war alles trocken und bis heute geruchsneutral. Super! Der Verlust von Federn war mit ein bis vier fliegenden Daunen beim Einpacken nichts Dramatisches, gerade weil das Füllgewicht meines Schlafsacks deutlich über den Angaben liegt. Mit 1633 Gramm ist der Nepal kein Leichtgewicht mehr. In seinem Packsack lässt er sich auf gute 33 Zentimeter Höhe und 20 Zentimeter Durchmesser komprimieren. Im Vergleich mit anderen Schlafsäcken war der Carinthia Nepal etwas schwerer in den Packsack zu bekommen.

Carinthia Nepal: Packsack und Gewicht

Carinthia Nepal: Packsack und Gewicht

Fazit zum Daunenschlafsack

Mich persönlich hat der Carinthia Nepal voll und ganz überzeugt. Für das Geld kann man ohne Probleme auch im Winter campen, ohne dass einem kalt wird. Farbe und Alltagstauglichkeit haben mich regelrecht begeistert. Für mich ist ein teurerer Daunenschlafsack nicht notwendig, dieser tut was er soll.

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