Alpin

Kaufberatung Eisgeräte

14.04.2011

Kaufberatung Eisgeräte

Ob klassische Firnwand oder technische Steileisroute, die Wahl des richtigen Werkzeugs, sprich Eisgeräte, sollte wohl überlegt sein um sich das Leben nicht unnötig schwer zu machen.

Schritt 1

Im ersten Schritt wollen wir hierfür die wichtigsten Begriffe erläutern. Von oben nach unten betrachtet, besteht das Eisgerät aus…

… dem Kopf, der normalerweise über die Aufnahme für Haue vorne und einen Hammer bzw. Schaufel hinten verfügt. Der Pickelkopf ist fest mit dem Schaft verbunden (i.d.R. vernietet). Mitunter findet man auch Hersteller, die Haue, Kopf und Hammer aus einem Stück fertigen. Das Gewicht des Kopfes ist ausschlaggebend für den Zug, also für den Biss, den das Gerät im Eis hat. Ist er zu leicht benötigt man unnötig viel Kraft um die Haue verlässlich im Eis zu platzieren. Ist er zu schwer benötigt man zum Schwungauslösen auf Dauer zu viel Kraft. Letzteres hängt natürlich auch mit der persönlichen Fitness zusammen.

… der Haue. Im Gegensatz zu klassischen Eispickeln, verfügt das Eisgerät über eine auswechselbare Haue, die in einem steileren Winkel am Pickelkopf befestigt ist und deren Zahnung bissiger gestaltet ist um besseren Halt im Steileis zu bieten. Hauen sind in der Regel aus Stahllegierungen hergestellt um den Anforderungen nach Haltbarkeit und Robustheit gerecht zu werden. Die meisten Hauen sollten vor dem ersten Einsatz nachgeschliffen werden bzw. ein leichtes Tuningprogramm verbessert die Performance (hierzu später mehr).

Kaufberatung Eisgeräte - Kopf, Haue und Hammer

… dem Hammer bzw. der Schaufel. Hinten am Pickelkopf verfügen die meisten Geräte über die Aufnahme für einen Hammer oder eine Schaufel, wie man sie von klassischen Eispickeln her kennt. Während der Hammer nützlich sein kann um Haken zu schlagen, ist die Schaufel eigentlich nur in klassischen Firnrouten von Nutzen um z.B. einen „Toten Mann“ zu vergraben.  Während vor einigen Jahren ein Satz Eisgeräte noch aus einer Hammer- und einer Schaufelvariante bestanden hat, geht der Trend deutlich in Richtung Hammer-Hammer bzw. wird auf Hammer und Schaufel gänzlich verzichtet. Selbiges wirkt sich zum Teil positiv auf das Schwungverhalten des Eisgeräts aus, da es leichter wird, und dient maßgeblich der Verletzungsprävention. Wem schon einmal ein Eisgerät ausgebrochen und ins Gesicht gesprungenist , weiß wovon die Rede ist.

… dem Schaft. Selbiger ist meistens aus Aluminium gefertigt um nicht unnötig ins Gewicht zu fallen. Die Schaftkrümmung entscheidet wesentlich über den Einsatzbereich. Schwach gekrümmte Geräte eignen sich perfekt für geneigte Firn- und Eisflanken. Stark gekrümmte Geräte ermöglichen eine einfachere Fortbewegung im überhängenden Gelände bis hin zu ausladendenden Dächern.

Kaufberatung Eisgeräte - Schaft, Handschlaufe, Griff und Dorn

… der Handschlaufe. Die Handschlaufe dient zum einen dazu, das Eisgerät vor Verlust zu sichern und zum anderen bewirkt sie eine Kraftersparnis, da man nicht auschließlich auf seine Fingernkraft angewiesen ist um sich am Gerät festzuhalten. Die Handschlaufe schränkt allerdings auch ein und macht  einen Griffwechsel extrem umständlich. Im Steileis und beim Drytooling wird daher gänzlich auf Handschlaufen verzichtet.

… dem Griff. Je steiler das Gelände umso wichtiger, dass das Gerät über einen Griff verfügt, der sich angenehm greifen lässt und gut in der Hand liegt. Vor allem durch das Wegfallen der Handschlaufe muss der Griff für eine optimale Kraftübertragung sorgen. Der Eiskletterer profitiert von einer möglichst großen Auflage, was z.B. durch zusätzliche Fingerhaken erreicht wird. Verlängerte Greifzonen erleichtern das Umgreifen und lassen es z.B. zu sich mit beiden Händen an einem Gerät zu halten. Im Idealfall ist das Griffstück verstellbar, so dass es sowohl bei kleineren, als auch bei großen Händen eine gute Performance bietet. Einen Nachteil hat die vergrößerte Auflage bzw. die Fingerhaken: im weichen Firn kann der Pickel nur bedingt als Rammpickel eingesetzt werden. Moderne Eisgeräte die vorwiegend für technischer Routen gemacht sind, verfügen über einen nach hinten versetzten Griff, was dem Gerät bzw. dem Schaft zusätzliche Freiheit verleiht.

… dem Dorn, was nichts anderes ist, als das unterste Ende des Eisgeräts. Der Dorn ist normalerweise aus Stahl gefertigt und verfügt über eine Öse, in die ein Karabiner geklippt werden kann. Letzteres kann zum Beispiel beim Setzen einer Eisschraube nützlich sein, da man Expresse und Seil vorsichtshalber schon am Gerät klippen kann um beim Sturz zumindest über das Gerät gesichert zu sein. Der Dorn ist außerdem nützlich, wenn man das Eisgerät im Zu- oder Abstieg auch zum Stützen hernehmen will, da er durch seine spitze Form Halt auf Eisplatten gibt. Mittlerweile wird bei extremeren Geräten auch gänzlich auf den Dorn verzichtet. Die Öse zum Klippen befindet sich dann meistens im Griff.

Schritt 2

Für eine optimale „Partnerfindung“ gilt es jetzt aus dem oben Genannten die Features zu wählen, die man für seinen individuellen Einsatzbereich benötigt. Hierzu bedienen wir uns dreier Stereotype – dem Nordwandgeher, dem Eiskletterer und dem Drytooler/Mixed-Kletterer.

Der Nordwandgeher…

…hat die „Weiße Spinne“ von Harrer schon zigmal gelesen und auf dem Nachttisch liegt „Firn- und Eisklettern in den Ostalpen“ von den Rabl-Brüdern. Sein Ziel sind klassiche Firn- und Eiswände, wie die Ortler Nordwand, Cima Tosa Eisrinne oder Wildspitze Nordwand. Der Nordwandgeher freut sich daher über ein nur leicht gekrümmtes Gerät, da er selten steiler als 80° klettert, bzw. hauptsächlich zwischen 50 und 70° Steilheit unterwegs ist. Hammer und Schaufel dürfen nicht fehlen, da er sich gerne mit einigen gezielten Schaufelhieben von morschen Eisplatten befreit und der Hammer war beim letzten Durchstieg der Pallavicini äußerst hilfreich um einen Haken zu setzen. Die Handschlaufen an seinem Eisgerät lassen sich zum Schrauben setzen leicht lösen und sorgen für kraftsparendes Klettern bei der kommenden Tour über 1000 Höhenmeter. Der Griff fällt nicht zu üppig aus, um das Eisgerät auch als Rammpickel im Firn einsetzen zu können. Ein zusätzlicher Fingerhaken wäre schön zum Schutz der Finger, muss aber nicht sein. Der Nordwandgeher fühlt sich wohl mit seinem eher leichten Gerät und für die paar Trainingstouren in reinen Eisfällen im Winter, reicht das Gerät allemal aus.

Der Eiskletterer…

Kaufberatung Eisgeräte - Der Eiskletterer

…fühlt sich in reinen Eisanstiegen wohl, die allerdings einen gewissen technischen Anspruch bieten müssen. Im Sommer klettert er um Fit zu bleiben sportliche Eiswände, wie die Vertainspitze und träumt davon zünftige Anstiege, wie das Supercouloir am Mt. Blanc du Tacul zu durchsteigen. Im Winter fühlt er sich zu fragilen Eisgebilden hingezogen – auf seinem Nachttisch liegt zwar auch ein Buch der Rabl-Brüder, allerdings mit dem Titel „Eisklettern in  Tirol“. WI 3 Eisfälle geht der Eiskletterer meist seilfrei und seine gekrümmten Geräte entfalten ihre volle Performance im senkrechten Gelände und an überhängenden Eissäulen, wo ihre ausgeklügelte Geometrie voll zum Zug kommt. Seine Hauen hat er so nachbearbeitet, dass er manchmal selbst Angst vor deren Schärfe bekommt. Auf Hammer und Schaufel verzichtet er aus Überzeugung und geniest die Freiheit, die ihm das handschlaufenlose Klettern bietet. Der Griff verfügt über eine große Auflage und mindestens einen Fingerhaken. Zusätzlich hat der Eiskletterer mit Griptape seinen Schaft umwickelt um auch beim Umgreifen nicht abzurutschen, was ihm im schwierigen Gelände schon mehrere Male aus der Patsche geholfen hat. Der nicht vorhandene Pickeldorn wäre zwar manchmal im Abstieg hilfreich, allerdings ist der Eiskletterer so trittsicher, dass er den Pickel sowieso nie als Stütze einsetzt.

Der Drytooler und Mixed-Kletterer…

Kaufberatung Eisgeräte - Der Mixed-Kletterer

…mag es kräftig und technisch. Je steiler umso besser und ausladende Felsdächer gespickt mit Eiszapfen erzeugen in ihm Frohlocken. Seine Geräte weisen die extremste Krümmung auf, was ihm erlaubt seine Hauen auf winzigsten Leisten im überhängenden Gelände und an fragilen Eisauflagen zu platzieren. Der Drytooler freut sich über kräftige Eisanstiege, die mitunter von schier unbezwingbaren Felspassagen durchsetzt sind. Er verzichtet aber daher darauf seine Hauen extrem nachzufeilen, weil er um die extreme Belastung beim „Steinpull“ weiß und seine Hauen sich ohnehin schnell abnutzen. In einfacheren Eisanstiegen, die leider ab und zu die interessanten Passagen voneinander trennen, hat er zwar Probleme, da die extreme Geometrie hier entgegenwirkt, was ihn aber nicht weiter stört. Features wie Hammer, Schaufel oder gar Handschlaufen kennt der Drytooler nur vom Hörensagen.

Und los geht’s!

Wer sich jetzt bereits in einem der drei Stereotype erkannt hat – optimal! Ansonsten gilt es wie so oft genau abzuwägen in welchem Gelände man vorwiegend unterwegs sein will und anhand dessen abzuwägen, welches Gerät am Besten taugt. Es macht kaum Sinn sich ein extrem gekrümmtes Gerät anzuschaffen, weil man sich einmal an der M8-Route im Drytoolgebiet um die Ecke versuchen will und ansonsten sich in steilen Firnwänden bewegt. Mittlerweile bieten viele Hersteller auch modulare Eisgeräte an, die z.B. mit Fingerauflagen nachgerüstet werden können, wo Hammer und Schaufel entfernt werden können oder sich sogar der Hauenwinkel einstellen lässt. Wer sich gar nicht sicher ist, tut gut daran ein möglichst vielseitiges Gerät zu wählen, welches in vielen Einsatzbereichen eine gute Figur abgibt. Für alle Einsteiger empfielt sich zudem ein Schnupperkurs bei dem man einen ersten praktischen Einblick in die Welt der gefrorenen Wasserfälle und Eiswände bekommt und das entsprechende Material auch testen kann.

Ob klassische Firnwand oder technische Steileisroute, die Wahl des richtigen Werkzeugs, sprich Eisgeräts, sollte wohl überlegt sein um sich das Leben nicht unnötig schwer zu machen.

Schritt 1

Im ersten Schritt wollen wir hierfür die wichtigsten Begriffe erläutern. Von oben nach unten betrachtet, besteht das Eisgerät aus…

… dem Kopf, der normalerweise über die Aufnahme für Haue vorne und einen Hammer bzw. Schaufel hinten verfügt. Der Pickelkopf ist fest mit dem Schaft verbunden (i.d.R. vernietet). Mitunter findet man auch Hersteller, die Haue, Kopf und Hammer aus einem Stück fertigen. Das Gewicht des Kopfes ist ausschlaggebend für den Zug, also für den Biss, den das Gerät im Eis hat. Ist er zu leicht benötigt man unnötig viel Kraft um die Haue verlässlich im Eis zu platzieren. Ist er zu schwer benötigt man zum Schwungauslösen auf Dauer zu viel Kraft. Letzteres hängt natürlich auch mit der persönlichen Fitness zusammen.

… der Haue. Im Gegensatz zu klassischen Eispickeln, verfügt das Eisgerät über eine auswechselbare Haue, die in einem steileren Winkel am Pickelkopf befestigt ist und deren Zahnung bissiger gestaltet ist um besseren Halt im Steileis zu bieten. Hauen sind in der Regel aus Stahllegierungen hergestellt um den Anforderungen nach Haltbarkeit und Robustheit gerecht zu werden. Die meisten Hauen sollten vor dem ersten Einsatz nachgeschliffen werden bzw. ein leichtes Tuningprogramm verbessert die Performance (hierzu später mehr).

… dem Hammer bzw. der Schaufel. Hinten am Pickelkopf verfügen die meisten Geräte über die Aufnahme für einen Hammer oder eine Schaufel, wie man sie von klassischen Eispickeln her kennt. Während der Hammer nützlich sein kann um Haken zu schlagen, ist die Schaufel eigentlich nur in klassischen Firnrouten von Nutzen um z.B. einen „Toten Mann“ zu vergraben. Während vor einigen Jahren ein Satz Eisgeräte noch aus einer Hammer- und einer Schaufelvariante bestanden hat, geht der Trend deutlich in Richtung Hammer-Hammer bzw. wird auf Hammer und Schaufel gänzlich verzichtet. Selbiges wirkt sich zum Teil positiv auf das Schwungverhalten des Eisgeräts aus, da es leichter wird, und dient maßgeblich der Verletzungsprävention. Wem schon einmal ein Eisgerät ausgebrochen und ins Gesicht gesprungenist , weiß wovon die Rede ist.

… dem Schaft. Selbiger ist meistens aus Aluminium gefertigt um nicht unnötig ins Gewicht zu fallen. Die Schaftkrümmung entscheidet wesentlich über den Einsatzbereich. Schwach gekrümmte Geräte eignen sich perfekt für geneigte Firn- und Eisflanken. Stark gekrümmte Geräte ermöglichen eine einfachere Fortbewegung im überhängenden Gelände bis hin zu ausladendenden Dächern.

… der Handschlaufe. Die Handschlaufe dient zum einen dazu, das Eisgerät vor Verlust zu sichern und zum anderen bewirkt sie eine Kraftersparnis, da man nicht auschließlich auf seine Fingernkraft angewiesen ist um sich am Gerät festzuhalten. Die Handschlaufe schränkt allerdings auch ein und macht einen Griffwechsel extrem umständlich. Im Steileis und beim Drytooling wird daher gänzlich auf Handschlaufen verzichtet.

… dem Griff. Je steiler das Gelände umso wichtiger, dass das Gerät über einen Griff verfügt, der sich angenehm greifen lässt und gut in der Hand liegt. Vor allem durch das Wegfallen der Handschlaufe muss der Griff für eine optimale Kraftübertragung sorgen. Der Eiskletterer profitiert von einer möglichst großen Auflage, was z.B. durch zusätzliche Fingerhaken erreicht wird. Verlängerte Greifzonen erleichtern das Umgreifen und lassen es z.B. zu sich mit beiden Händen an einem Gerät zu halten. Im Idealfall ist das Griffstück verstellbar, so dass es sowohl bei kleineren, als auch bei großen Händen eine gute Performance bietet. Einen Nachteil hat die vergrößerte Auflage bzw. die Fingerhaken: im weichen Firn kann der Pickel nur bedingt als Rammpickel eingesetzt werden. Moderne Eisgeräte die vorwiegend für technischer Routen gemacht sind, verfügen über einen nach hinten versetzten Griff, was dem Gerät bzw. dem Schaft zusätzliche Freiheit verleiht.

… dem Dorn, was nichts anderes ist, als das unterste Ende des Eisgeräts. Der Dorn ist normalerweise aus Stahl gefertigt und verfügt über eine Öse, in die ein Karabiner geklippt werden kann. Letzteres kann zum Beispiel beim Setzen einer Eisschraube nützlich sein, da man Expresse und Seil vorsichtshalber schon am Gerät klippen kann um beim Sturz zumindest über das Gerät gesichert zu sein. Der Dorn ist außerdem nützlich, wenn man das Eisgerät im Zu- oder Abstieg auch zum Stützen hernehmen will, da er durch seine spitze Form Halt auf Eisplatten gibt. Mittlerweile wird bei extremeren Geräten auch gänzlich auf den Dorn verzichtet. Die Öse zum Klippen befindet sich dann meistens im Griff.

Schritt 2

Für eine optimale „Partnerfindung“ gilt es jetzt aus dem oben Genannten die Features zu wählen, die man für seinen individuellen Einsatzbereich benötigt. Hierzu bedienen wir uns dreier Stereotype – dem Nordwandgeher, dem Eiskletterer und dem Drytooler/Mixed-Kletterer.

Der Nordwandgeher hat die „Weiße Spinne“ von Harrer schon zigmal gelesen und auf dem Nachttisch liegt „Firn- und Eisklettern in den Ostalpen“ von den Rabl-Brüdern. Sein Ziel sind klassiche Firn- und Eiswände, wie die Ortler Nordwand, Cima Tosa Eisrinne oder Wildspitze Nordwand. Der Nordwandgeher freut sich daher über ein nur leicht gekrümmtes Gerät, da er selten steiler als 80° klettert, bzw. hauptsächlich zwischen 50 und 70° Steilheit unterwegs ist. Hammer und Schaufel dürfen nicht fehlen, da er sich gerne mit einigen gezielten Schaufelhieben von morschen Eisplatten befreit und der Hammer war beim letzten Durchstieg der Pallavicini äußerst hilfreich um einen Haken zu setzen. Die Handschlaufen an seinem Eisgerät lassen sich zum Schrauben setzen leicht lösen und sorgen für kraftsparendes Klettern bei der kommenden Tour über 1000 Höhenmeter. Der Griff fällt nicht zu üppig aus, um das Eisgerät auch als Rammpickel im Firn einsetzen zu können. Ein zusätzlicher Fingerhaken wäre schön zum Schutz der Finger, muss aber nicht sein. Der Nordwandgeher fühlt sich wohl mit seinem eher leichten Gerät und für die paar Trainingstouren in reinen Eisfällen im Winter, reicht das Gerät allemal aus.

Der Eiskletterer fühlt sich in reinen Eisanstiegen wohl, die allerdings einen gewissen technischen Anspruch bieten müssen. Im Sommer klettert er um Fit zu bleiben sportliche Eiswände, wie die Vertainspitze und träumt davon zünftige Anstiege, wie das Supercouloir am Mt. Blanc du Tacul zu durchsteigen. Im Winter fühlt er sich zu fragilen Eisgebilden hingezogen – auf seinem Nachttisch liegt zwar auch ein Buch der Rabl-Brüder, allerdings mit dem Titel „Eisklettern in Tirol“. WI 3 Eisfälle geht der Eiskletterer meist seilfrei und seine gekrümmten Geräte entfalten ihre volle Performance im senkrechten Gelände und an überhängenden Eissäulen, wo ihre ausgeklügelte Geometrie voll zum Zug kommt. Seine Hauen hat er so nachbearbeitet, dass er manchmal selbst Angst vor deren Schärfe bekommt. Auf Hammer und Schaufel verzichtet er aus Überzeugung und geniest die Freiheit, die ihm das handschlaufenlose Klettern bietet. Der Griff verfügt über eine große Auflage und mindestens einen Fingerhaken. Zusätzlich hat der Eiskletterer mit Griptape seinen Schaft umwickelt um auch beim Umgreifen nicht abzurutschen, was ihm im schwierigen Gelände schon mehrere Male aus der Patsche geholfen hat. Der nicht vorhandene Pickeldorn wäre zwar manchmal im Abstieg hilfreich, allerdings ist der Eiskletterer so trittsicher, dass er den Pickel sowieso nie als Stütze einsetzt.

Der Drytooler und Mixed-Kletterer mag es kräftig und technisch. Je steiler umso besser und ausladende Felsdächer gespickt mit Eiszapfen erzeugen in ihm Frohlocken. Seine Geräte weisen die extremste Krümmung auf, was ihm erlaubt seine Hauen auf winzigsten Leisten im überhängenden Gelände und an fragilen Eisauflagen zu platzieren. Der Drytooler freut sich über kräftige Eisanstiege, die mitunter von schier unbezwingbaren Felspassagen durchsetzt sind. Er verzichtet aber daher darauf seine Hauen extrem nachzufeilen, weil er um die extreme Belastung beim „Steinpull“ weiß und seine Hauen sich ohnehin schnell abnutzen. In einfacheren Eisanstiegen, die leider ab und zu die interessanten Passagen voneinander trennen, hat er zwar Probleme, da die extreme Geometrie hier entgegenwirkt, was ihn aber nicht weiter stört. Features wie Hammer, Schaufel oder gar Handschlaufen kennt der Drytooler nur vom Hörensagen.

Wer sich jetzt bereits in einem der drei Stereotype erkannt hat – optimal! Ansonsten gilt es wie so oft genau abzuwägen in welchem Gelände man vorwiegend unterwegs sein will und anhand dessen abzuwägen, welches Gerät am Besten taugt. Es macht kaum Sinn sich ein extrem gekrümmtes Gerät anzuschaffen, weil man sich einmal an der M8-Route im Drytoolgebiet um die Ecke versuchen will und ansonsten sich in steilen Firnwänden bewegt. Mittlerweile bieten viele Hersteller auch modulare Geräte an, die z.B. mit Fingerauflagen nachgerüstet werden können, wo Hammer und Schaufel entfernt werden können oder sich sogar der Hauenwinkel einstellen lässt. Wer sich gar nicht sicher ist, tut gut daran ein möglichst vielseitiges Gerät zu wählen, welches in vielen Einsatzbereichen eine gute Figur abgibt. Für alle Einsteiger empfielt sich zudem ein Schnupperkurs bei dem man einen ersten praktischen Einblick in die Welt der gefrorenen Wasserfälle und Eiswände bekommt und das entsprechende Material auch testen kann.

Neuer Kommentar

Deine Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht!

*


*