Outdoor

Svalvogar Circuit: Mountainbiken auf Island

12.03.2013

Svalvogar Circuit: Mountainbiken auf Island

Die Westfjorde im Nordwesten Islands sind ein Traumreiseziel für Naturliebhaber und Abenteurer. Ihre zerklüfteten Fjorde, riesigen Berge und die unberührte Natur machen sie zu eine der schönsten Gegenden, die ich jemals gesehen habe. Die Fahrrad-Route “Svalvogar Circuit” führt um die gleichnamige Halbinsel entlang der Fjorde Arnafjörður und Dýrafjörður, über den Kaldbakur-Bergpass und durch das Tal Kirkjubólsdalur.

Ein Mann, eine Straße und ein Teelöffel

Kjaransbraut

Kjaransbraut

In den 1970ern errichtete der Isländer Einar Kjaransson einen Teil der Straße einzig und allein mit einem Bulldozer, dem er den Spitznamen “Teelöffel” (Teskeiðin) gab. Seinem eisernen Willen ist es zu verdanken, dass diese technische Meisterleistung verwirklicht werden konnte. Bis dahin konnten die entlegenen Höfe nur mit Booten erreicht werden, weil die isländische Straßenbehörde (Vegagerðin) den Straßenbau aufgrund zu hoher Kosten und technischer Schwierigkeiten ablehnte. Trotz Kjaranssons Bemühungen konnten sich viele Höfe nicht von der wirtschaftlichen Krise erholen und mussten aufgegeben werden. Die leerstehenden Ruinen entlang der Straße erinnern an die Trostlosigkeit und den harten Überlebenskampf am Rande der Welt.

 

Vorbereitung auf den Svalvogar Circuit

Um die atemberaubende Landschaft und die faszinierende Geschichte möglichst nah zu erleben, habe ich den Svalvogar Circuit im Juli 2012 mit dem Mountainbike umrundet. Als Ausgangspunkt eignete sich das Fischerdörfchen Þingeyri hervorragend. In dem gemütlichen Kaffeehaus Simbahöllin konnte ich Mountainbike, Radbekleidung, Helm und Fahrradtaschen ausleihen. Außerdem bekam ich eine Karte mit Routenbeschreibung und ein reichhaltiges Lunchpaket. Neben dem Wetterbericht war es auch wichtig den Gezeitenplan abzurufen, da ein Teil der Strecke direkt am Meer entlangführt und deshalb nur bei Ebbe passierbar ist.

Die erste Etappe

Kirkjubólsdalur

Kirkjubólsdalur

Voll bepackt und hochmotiviert machte ich mich also um zehn Uhr morgens auf den Weg. Ich hatte mich entschlossen zuerst den Kaldbakur-Pass zu überwinden. So hatte ich die größte Anstrengung gleich zu Beginn hinter mir.
Das Tal Kirkjubólsdalur lag im wunderschönen Sonnenschein vor mir und ich freute mich riesig auf mein bevorstehendes Abenteuer. Der Anstieg auf etwa 600 Höhenmeter erwies sich als ziemlich anstrengend und die Sonne brachte mich ordentlich ins Schwitzen. Zeitweise war der Weg so steil, dass ich mein Rad schieben musste und mehrere kleine Pausen einlegte. Außer mir gab es nur ein paar vereinzelte Schafe im Tal, die mich kritisch beobachteten und verständnislos anblökten. Ich blökte einfach zurück und verdrängte dabei die Tatsache, dass der größte Teil der Strecke noch vor mir lag. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichte ich schließlich die Bergspitze und gönnte mir eine längere Pause.

Beflügelte Abfahrt

Strecke entlang des Fjords Arnafjörður

Strecke entlang des Fjords Arnafjörður

Nach der Stärkung kehrten sowohl meine Energie als auch die anfängliche Euphorie zurück, sodass ich mich bald an die Abfahrt wagte. Da ich nicht viel Erfahrung hatte, fühlte ich mich anfangs recht unsicher. Mit der Zeit jedoch gewöhnte ich mich an das Gefühl und genoss die Abfahrt in vollen Zügen. Wohl wissend, den anstrengendsten Teil hinter mir zu haben, freute ich mich über den Fahrtwind im Gesicht. Unterwegs durchquerte ich mehrere Bäche, die sehr flach und leicht passierbar waren.

Mit allen Sinnen

Der Leuchtturm Hafnarnes

Der Leuchtturm Hafnarnes

Entlang Stapadalur verwandelte sich die Straße in einen Steinstrand. Dieser Teil der Strecke ist nur bei Ebbe zugänglich. Das Fahren über die Steine war eine ziemlich wacklige Angelegenheit und erforderte meine volle Konzentration. Ein paar Wellen spritzten mir ins Gesicht, was mir bei der Wärme sehr gelegen kam. Nie im Leben hätte ich mit den Autofahrern getauscht, die mich gelegentlich überholten. Ein weiteres Highlight war die Bucht in der Nähe des Leuchtturms Hafnarnes. Hier machte ich eine ausgiebige Pause und wünschte mir, die Zeit einfach anhalten zu können.

Lange Heimfahrt

Mittlerweile spürte ich die sportliche Belastung im ganzen Körper. Vorbei an Islands ältesten geologischen Gesteinsformationen und unzähligen spektakulären Ausblicken erreichte ich schließlich erschöpft und glücklich Þingeyri. Nach einer ausgiebigen Stärkung im Kaffeehaus ließ ich den Tag bei einem Strandspaziergang ausklingen.

Die Westfjorde mit dem Mountainbike erleben:

  • Viele Mountainbikestrecken auf Island sind nur wenige Monate im Jahr befahrbar. Informationen gibt es bei der isländischen Straßenbehörde Vegagerðin.
  • Wer im Gepäck nicht genug Platz für das eigene Fahrrad hat, kann sich Mountainbike und Equipment vor Ort ausleihen – beispielsweise im Café Simbahöllin in Þingeyri.
  • Von Þingeyri aus sollte man für den „Svalvogar Circuit“ (rund 55 km) je nach physischer Kondition mindestens acht Stunden einplanen.
  • Neben dem Wetterbericht ist es empfehlenswert auch den Gezeitenplan anschauen, da ein Teil der Route bei Flut unpassierbar ist.
  • Unterwegs gibt es viele Bäche, aus denen das Wasser getrunken werden kann. Man muss also keinen extra Wasservorrat einplanen.
  • Nicht vergessen: ausreichend Verpflegung, Fotoapparat, Badesachen und Handtuch, Sonnencreme, Regenkleidung.
  • Eine Karte für den Nordwesten Islands gibt’s hier.

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