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Winter-Biwak: Ein Mondscheinbett im Freien

07.03.2013

Winter-Biwak: Ein Mondscheinbett im Freien

Wenn ich mit den Augen blinzle, sehe ich hinter dünnen Wolken den Mond. Es ist mitten in der Nacht. Ich liege umgeben von einem kleinen Schneewall auf meiner Isomatte. Eingekuschelt in feinste, handverlesene Daune dürfte mir eigentlich nicht kalt sein, wie mir Thomas Holz von Mountain Equipment bei der Ausgabe des Testmaterials erklärt hat. Trotzdem bibbere ich ein bisschen vor mich hin und reibe meine kalten Füße aneinander. Aus den Schleierwolken fallen feinste Schneeflocken und kitzeln mich im Gesicht. Jetzt nicht ans warme Bett zu Hause denken, sage ich mir, nur nicht. Von links oben durchbrechen Schnarcher die winterliche Stille, irgendwo rechts neben mir hustet jemand schauerlich. Ich werde mir hier draußen nicht den Tod holen, nehme ich mir fest vor und sehe all die Bergsteigerlegenden vor mir, wie sie bei weit unter minus 30 Grad im Himalaya oder der Arktis wochenlang der Kälte trotzten. Was machen da schon minus 13 Grad? Lächerlich.

Alle Teilnehmer verkriechen sich tief in ihre Schlafsäcke.

Alle Teilnehmer verkriechen sich tief in ihre Schlafsäcke.

 Umziehen ist das A und O

Es ist kurz vor halb zehn abends, als ich mit 25 Teilnehmern des 2. Skitourenfestivals Berchtesgadener Land zum Gipfelplateau des Toten Mannes (1.329 Meter) am Hochschwarzeck aufsteige. Bergführer Jan Hackenberger führt uns über den Sommerwanderweg. Wir lassen uns Zeit und gehen die 400 Höhenmeter in eineinhalb Stunden. Leopold aus Bad Reichenhall ist mit seinen elf Jahren der Jüngste in der Gruppe und hat sich die Biwaknacht selbst eingebrockt. „Er wollte das unbedingt machen“, erzählt mir  Vater Michael. Die Stirnlampen verschaffen uns genügend Licht für den Aufstieg, die Felle gleiten über den lockeren Schnee. So eine kalte Winternacht hat ihre ganz eigene Atmosphäre. Alles wirkt wie mit weißer, weicher Watte gedämpft.

Gemeinsamer Aufstieg zum Toten Mann.

Gemeinsamer Aufstieg zum Toten Mann.

Unser Biwakplatz wurde tagsüber vom Pistenbully so aufgeschoben, dass zwei Terrassen entstanden sind. Auf denen lassen wir uns häuslich nieder. Jan zündet Fackeln an und wäre es nicht bitterkalt, man könnte das Nachtlager fast gemütlich nennen. Neben 1a-Material braucht man für so eine Winternacht im Freien warme Kleidung, erklärt der Bergführer. Auch eine Kanne mit heißem Tee gehört ins Gepäck. „Und nie mit feuchten Klamotten in den Schlafsack gehen. Man muss sich umziehen“. Auch wenn das in der Kälte nicht verlockend ist. Den Innenskisschuh sollte man tunlichst nicht draußen stehen lassen sondern mit in den Schlafsack stopfen. Bei der Platzwahl gilt: die Nähe zu Bäumen gibt Schutz, auf freien Flächen kann es windig werden.

Vorm Schlafengehen gibt es noch Bella Italia Nudeltopf von Travellunch.

Vorm Schlafengehen gibt es noch Bella Italia Nudeltopf von Travellunch.

Bevor ich mich im Schlafsack verkrieche, gönne ich mir noch einen mitternächtlichen Fertigsnack. Stefan Huber schmilzt mir im Gaskocher Schnee, bringt das Wasser zum Kochen und gießt eine Tüte Travellunch auf: Nudeltopf Bella Italia mit Käsesahnesauce. Schmeckt gewöhnungsbedürftig, aber mit sattem Bauch friert man nicht so schnell, verspricht mir der Koch.

Biwak-Nacht: I did it!

Die Mütze tief ins Gesicht gezogen und den Schlafsack so gut es geht zugeschnürt, versuche ich abzuschätzen, wie spät es wohl ist, zwei Uhr, drei Uhr? Und dann döse ich ein. Bis mich das laute Rattern eines Skidoos weckt. Der Wirt vom Hirscheck bringt heißen Tee und wird uns später in seiner Hütte Frühstück servieren. Ungelenk schäle ich mich aus dem Schlafsack und räume im Schneckentempo meinen Schlafplatz.

Am nächsten Morgen breitet sich über der Hirschkaser-Hütte und dem Hochkalter ein blauer Himmel aus.

Am nächsten Morgen breitet sich über der Hirschkaser-Hütte und dem Hochkalter ein blauer Himmel aus.

Es braucht eine gefühlte Ewigkeit bis ich mit dem warmen Innenskischuh endlich in der eiskalten Außenschale stecke. Innerhalb weniger Minuten sind meine Füße gefühllos. Ich sehne mich nach heißem Kaffee, steige in die Skibindung und mache mich auf zum Frühstücksbuffet. Zaghaft breitet sich über mir ein blauer Winterhimmel aus und schenkt Hochkalter- und Watzmanngipfel die ersten  Sonnenstrahlen. Ich bin stolz auf mich. Es war zwar die längste Nacht meines Lebens und mir war auch nicht so warm wie versprochen – aber ich habe durchgehalten. Der elfjährige Poldi übrigens auch. Und der hat nicht mal gefroren.

 

 

2 Kommentare

  1. Toller Bericht und tolles Biwak! Zugegeben war es recht frisch, allerdings soll es helfen, wenn man den Wärmekragen seines Mountain Equipment Schlafsacks zuzieht(-;

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