Outdoor

Schneeschuh-Wanderung in Finnland

07.03.2013

Schneeschuh-Wanderung in Finnland

Wir stehen am Ende der Straße, das Taxi braust zurück nach Ruovesi, und um uns herum ist nur Wald, Schnee, und ein Schild das in den Helvetinjärvi Nationalpark weist. In Ruhe ziehen wir unsere Schneeschuhe an, trinken noch einen Schluck Tee und stapfen dann los. Erst gemächlich, dann immer steiler geht es hoch, bis wir auf dem Kamm stehen und den Blick schweifen lassen: Schneebeladene Kiefern und Fichten, tiefe Klippen, lange Seen und weit weg, in der Distanz, ein kleines Feld und ein Haus daneben, aus dem Schornstein kommt eine dünne Rauchfahne.

Eisige Klippen

Eisige Klippen

Wir gehen langsam den steilen Hang hinab, und sind froh das wir beide MSR Schneeschuhe anhaben, den ohne deren Steigeisen würde dies schnell eine Rutschpartie mit unschönem Ende. Unten angekommen geht es vom Pfad ab: Die nächsten sechs Kilometer laufen wir über zugefrorene Seen, vorbei an steilen Klippen. Zum Glück bläst der Wind heute nicht so stark, den sonst würde aus den sechs Grad unter Null mit Windchill schnell minus 16°C und mehr werden.

Basti spurt voran

Basti spurt voran

Zugefrorene Seen sind perfekt, um lange Strecken im Winter zurückzulegen –  vorausgesetzt man ist sicher, dass das Eis dick genug ist und trägt. Mit 20 Zentimeter Eisdicke brauchen wir uns heute keine Sorgen machen. Bei einsetzender Dunkelheitkommen wir an unserem Campingplatz an. Zusammen stapfen wir mit den Schneeschuhen einen Weg zur Trockentoilette und Plattformen für unsere Pyramidenshelter. Holz wird gesägt und gehackt. Nicht lange und ein schönes Feuer brennt. Schnee wird geschmolzen, Fertiggerichte rehydriert und  gegessen. Wir trinken viel Tee und Kakao bis es Zeit ist unter den Quilt zu kriechen.

Feuer

Feuer

Klasse Wintershelter: Das Locus Gear Khufu eVent II

Traumhafter Lagerplatz

Am nächsten Morgen bin ich um halb acht wach und kümmere mich wieder um das Feuer, während Basti noch ein wenig länger schläft. Hell wird es eh erst gegen neun Uhr – sofern die Sonne rauskommt und sich nicht den ganzen Tag hinter grauen Wolken versteckt. Es ist halb elf bis wir loslaufen, aber für heute morgen hatte ich sowieso eine kurze Etappe geplant. Einige hundert Meter laufen wir über den See bis wir im Wald verschwinden. Sofort wird das Gehen langsamer, den im Pulverschnee sinken wir trotz unserer Schneeschuhe ein.

In der Tageshütte an der Höllenschlucht machen wir eine kurze Pause, dann geht es weiter über den See. Am Nordende des Sees ist eine imposante Eiswand von fast 30 Meter Höhe. Ich bereue, dass ich nicht genug Zeit habe hier eine Runde Eisklettern zu gehen. Ein anderes Mal! Basti navigiert uns den Hügel hoch, durch einen dichten Wald. Zu unserer Rechten rauscht ein Bach laut glucksend unter der Schneedecke runter zum See. Hätte ich nicht in der Hütte schon genug Schnee geschmolzen wäre das sicher eine klasse Möglichkeit, um Wasser nachzufüllen.

Über kleine Seen und Wälder geht es zum Haukkajärvi, dem größten See im Nationalpark. Hier möchten wir auf einer der Inseln kampieren, aber als wir mitten auf dem See laufen wird der Untergrund auf einmal weicher. Statt weißem Schnee und Eis sehe ich dunklen, von Wasser durchnässten Schnee. Das sind keine guten Vorzeichen, und so navigiere ich uns schnell zum Ufer. Kurz davor gibt es dann noch einmal einen Adrenalinschub, als wir beide doch erheblich einsinken und nasse Schuhe bekommen. Zum Glück haben wir beide Gore-Tex Trailrunner an und kommen mit trockenen Füßen und einem kleinen Schrecken am Ufer an.

Mitten auf dem See wird das Eis auf einmal suboptimal.

Mitten auf dem See wird das Eis auf eher suboptimal.

Durch den am Ufer angewehten Schnee wandern wir weiter zum Haukanhieta Campingplatz. Schnell sind wieder Pfade und  Plattformen gestampft, und auch im Ofen brennt im Nu ein wärmendes Feuer, das Socken und andere Kleidungsteile zum trocknen magisch anzieht. Die Routine sitzt am zweiten Tag, und so dauert es nicht lange bis genügens Schnee für Speis und Trank geschmolzen ist. Auch heute Nacht bleibt der Sternenhimmel hinter grauen Wolken versteckt, und so machen wir uns wieder nach dem letzten Minttu-Kakao auf den Weg ins Bett.

Wir freuen uns über die warme Sonne am dritten Tag.

Wir freuen uns über die warme Sonne am dritten Tag.

Am nächsten Morgen hängen zwar noch graue Wolken am Himmel, aber es sieht ganz danach aus als ob die Sonne heute durchbrechen würde. Wir frühstücken, packen zusammen, und machen uns wieder auf den Weg. Trotz der minus 12°C in der Nacht sinken wir an einigen Stellen auf dem See wieder ein wenig ein. Mit Vorsicht kommen wir trockenen Fusses am Ufer an und wandern dann auf dem Pirkan Taival weiter nach Süden. Die Sonne kommt durch und wir genießen die Wärme der Sonnenstrahlen auf unseren Gesichtern.

Wir schlagen uns durch ein Dickicht, das durchsäht ist von Elchspuren. Überhaupt ist es faszinierend die Spuren der verschiednen Tiere im Winter zu sehen. Auch wenn man Sie nicht zu Gesicht bekommt sieht man  doch sehr deutlich, dass hier viele Tiere unterwegs sind. Schneehasen-, Hermelin-, Eichhörnchen-, Auerhahn- und Moorschneehuhn-Spuren sehen wir entlang des Pfads. Auch wo eine Eule eine Erdmaus oder ähnliches erbeutet hat: Das abrupte Ende einer Spur und die Abdrücke der Federn im Schnee, die wie weit gespreizte Finger aussehen, erzählen hier im Stillen was in der Dämmerung vorgefallen ist.

Abenddämmerung

Abenddämmerung

Wir wandern nun entlang einer Skiloipe weiter, bis wir an einer der zahlreichen Laavus ankommen und es uns in ihr gemütlich machen. Die Laavu steht auf dem Gipfel eines Hügels, und wir lassen in der einsetzenden Dämmerung noch mal den Blick über die schneebedeckten Baumspitzen schweifen. Mit dem Einsetzen der Nacht kommen auch die Wolken zurück. Auch in der letzten Nacht ist es uns nicht gegönnt die Sterne zu sehen. Zur Hilfe kommt da die Petzl Nao, die mit Ihren 355 Lumen die nähere Umgebung in jedem Fall erhellt. Seit ich einmal im Winter mit einer zu schwachen Lampe unterwegs war, bin ich froh solch eine starke Lichtquelle dabei zu haben, vor allem nun, wo es nur bis zu sechs Stunden hell ist.

Wir stehen in unseren Daunenjacken ums Feuer, trinken den letzten Minttu-Kakao und reden übers Wandern. Um uns herum ist Stille. Es ist unsere letzte Nacht draußen. Nachdem wir noch ein paar Scheite Holz aufs Feuer gelegt haben, kriechen wir in unsere Biwaksäcke und schlafen bald ein.

Ums Feuer

Ums Feuer

Am vierten Tag sitzt die Routine: Wir sind schnell fertig mit Schnee schmelzen, frühstücken, packen und schon um halb zehn auf dem Weg nach Ruovesi. Es ist Sonntagmorgen, und schon vor 11 Uhr begegnen uns einige Skiläufer, die sich neugierig nach unserer Wanderung erkundigen. Es kommt wohl nicht so oft vor, dass hier Leute mit Rucksäcken und Schneeschuhen unterwegs sind. Die 15 Kilometer nach Ruovesi sind schnell hinter uns. Im Dorf finden wir auch gleich eine Pizzeria,

um die Wartezeit auf den Bus nach Tampere sinnvoll zu nutzen =).

Schneeschuh-Revier Finnland

Anreise
Ab Frankfurt Hahn und Bremen mit Ryanair nach Tampere. Alternativ nach Helsinki und mit dem Bus oder der Bahn weiter nach Tampere, von dort mit dem Bus nach Kuru oder Ruovesi. Aktuelle Bus Fahrpläne unter www.matkahuolto.info

Unterkunft
Das Dreamhostel in der Nähe des Bahnhofs ist in der Tat ein Traum-Hostel. Das freundliche, moderne Hostel wurde gerade eben erst von der Englischen Zeitung The Guardian als eines der zehn Besten Hostels der Welt geehrt, trotzdem sind die Preise sehr vernünftig: Ein Bett im Mehrbettzimmer gibt es ab 23 Euro. Wer Ausrüstung hier lassen möchte kann dies kostenlos im Aufbewahrungsraum tun.

Einkaufen
Wer mit dem Flugzeug nach Finnland kommt und Spiritus, Gas oder Primus Powerfuel für seinen Kocher braucht, schaut bei Partioaitta in der Hämeenkatu 18 in Tampere vorbei. Supermärkte gibt es in Tampere entlang der Hämeenkatu einige. Der Stockmann Herkku in der Hämeenkatu 4 und der Sokos Herkku in der Hämeenkatu 21 haben beide ein breites Sortiment an Finnischen und internationalen Lebensmittel. Wanderer finden hier sicher das eine oder andere für eine Tour. Mein Tip: Lämmin Kuppi Mansikka-Vanilja ist ein sehr leckrer Nachtisch für Abends und sehr einfach zuzubereiten – Pulver in die Kuksa, heißes Wasser dazu, umrühren, fertig!

Ein leckerer Nachtisch für Abends: Lämmin Kuppi.

Ein leckerer Nachtisch für Abends: Lämmin Kuppi.

Essen & Trinken

  • In der Kauppahalli gibt es eine breite Menge an Spezialitäten: von den Karelische Piroggen (finnisch: Karjalanpiirakka) bis zur Mustamakkara, einer Finnischen Blutwurst; gibt es alles was das Herz begehrt. Einige Wanderer werden den Rentiermetzger aufsuchen wollen. Getrockneter Rentierschinken hält sich auch bei warmen Wetter und schmeckt sehr gut.
  • Die Pizzeria Napoli in der Aleksanterinkatu 31 hat über 100 verschiedene Pizzas und so sicher etwas für jeden Geschmack.
  • Das Kahvila Valo serviert den besten Kaffee in Tampere, da hier selbst geröstet und gemalen wird. Im Sommer sitzt man auf der gemütlichen Terrasse im Hinterhof und kann die Sonne genießen.

Reiseführer
Wer mehr Informationen über Touren in der Region Pirkanmaa sucht sollte einen Blick in den Pirkan Taival-Reiseführer vom Conrad Stein Verlag werfen, der fünf Touren und die zwei Nationalparks in der Region vorstellt. Das Buch erscheint im Mai 2013.

Neuer Kommentar

Deine Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht!

*


*