Outdoor

Schneeschuhtour aufs Hörnle bei Unterammergau

07.03.2013

Schneeschuhtour aufs Hörnle bei Unterammergau

Mein Handy klingelt. Wiederholt. Etwas verschlafen nehme ich an und murlme “Öhhh?”. Es ist Judith, sie will mich auf meine erste Schneeschuhtour mitnehmen. In fünf Minuten ist sie bei mir. Mir fallen nochmal kurz die Augen zu, dann realisiere ich erschrocken: Fünf Minuten, und ich liege noch im Bett! Gepackt ist noch nichts, gefrühstückt habe ich auch nicht und außerdem trage ich eine ansehnliche Fahne vor mir her. “Jetzt aber flott”, denke ich, während ich Wasserflasche, Butterbrot und Kamera in den Rucksack stopfe und mir dabei die Zähne putze. Noch während ich mein Gerödel in Judiths Auto umlade, fällt mir auf, dass ich meine Snowboardboots vergessen habe, was für zusätzliche Hektik sorgt. Hoffentlich habe ich sonst alles dabei. Und ein wenig Schlaf kann ich mir auf der Fahrt bestimmt auch noch gönnen…

An diesem Vormittag sind wir die ersten, die unterhalb der kleinen Kirche in Unterammergau die Parkuhr füttern. Laut Judith ein ungewöhnliches Bild, denn das Hörnle zählt zu den Touren-Klassikern in der Region. Am Wochenende ist hier in der Regel die Hölle los. Die heutige Ruhe ist wohl dem Faschingsdienstag geschuldet – oder dem Wetter.

Schnell werden die zuvor noch schnell im Supermarkt ergatterten Müsliriegel in eine der vielen Taschen verstaut und das geliehene LVS aktiviert. Dann kann es eigentlich losgehen – wenn da nicht ein klitzekleines Problem wäre: Meine Boots wollen nicht in die Schneeschuhbindungen passen. Ja sapperlot, zuhause hat das doch geklappt?! Fluchend fummle ich an den Schnallen herum, versuche sie noch ein Stück weiter zu ziehen, bis endlich das erlösende “Klack” der Arretierung ertönt. Judith, eben schon ein Stück vorgelaufen, ist nur noch ein kleiner Punkt im Schneegestöber, jetzt aber flott!

Schneefall? Minimal.

Schneefall? Minimal.

Nach wenigen Metern merke ich, dass es doch nicht so flott geht: Das Snowboard auf meinem Rücken wackelt und knallt mir bei jedem Schritt in die Hacken. So geht das nicht! Also Rucksack abnehmen, Handschuhe aus, Snowboard zurechtgezupft, Gurte angespannt, Rucksack wieder auf, Handschuhe an, weiterstapfen. Alles passt, ich fühle mich langsam weniger verkatert, die frische, kühle Luft hilft mir, einen klaren Kopf zu bekommen. Wenn da dann doch nicht die dicken Handschuhe wären! Ich kann die Stöcke kaum greifen, ich schwitze, weg mit denen. Selbes Prozedere erneut: Rucksack ab, Handschuhe aus, alles verstaut, Rucksack wieder auf, losstapfen. Nach weiteren 15 Minuten habe ich auch zu Judith aufgeholt, die es mir zuliebe gemütlich angehen lässt – allerdings zeugt mein hochroter Kopf doch, wie sehr mir die Party vom gestrigen Abend in den Knochen steckt.

Schneeschuhe vs. Tourenski

Wo wir sind? Irgendwo über uns erstrecken sich die drei Gipfel des Hörnles. Der anhaltende Schneefall erlaubt uns keinen Ausblick auf unser Ziel – oder irgendwas anderes. Macht aber eigentlich auch nichts, erstmal habe ich genug mit mir selbst zu tun. Immer wieder trete ich mir selbst auf die ausladenden Enden meiner Schneeschuhe, kann mich gerade noch abfangen. Gerade Spitzkehren sind für mich als Anfänger nicht einfach.

Nach kurzer Einfindung läuft es dann aber ziemlich gut, ich komme in den richtigen Tritt. Auf ihren Tourenski zieht Judith mit geradezu stoischer Ruhe Spitzkehre um Spitzkehre. Verflucht, ist das steil hier! Ich muss öfters kurze Verschnaufpausen einlegen. So legen wir Höhenmeter um Höhenmeter zurück – fast 700 sollten es am Ende sein. Dann sieht es endlich so aus, als ginge es nicht mehr höher. “Fast geschafft!”, denke ich mir, und laufe die letzten Meter voraus. Oben auf der kleinen Erhöhung dann aber die Enttäuschung: Nach einer kurzen Senke geht es weiter aufwärts. Nicht mehr sehr steil, nicht mehr sehr weit, aber es geht noch weiter. Krisenrat mit Judith: weiter oder abfahren? Nach einem kritischen Blick auf die Uhr (Judith hat noch einen Zahnarzttermin) entscheiden wir uns zur Umkehr. Augenzwinkernd versprechen wir uns, niemandem von unserer Gipfelschmach zu erzählen (also pssscht, liebe Leser!) und fallen über unsere Brotzeit her.

Das obligatorische Gipfelfoto – nur leider ohne Gipfel.

Das obligatorische Gipfelfoto – nur leider ohne Gipfel.

Nachdem auch der letzte Krumen Müsliriegel seinen Weg in meinen Magen gefunden hat, wir die Aufstiegssachen in den Rucksäcken verstaut haben und Judith sich für eine von drei Jacken entscheiden hat, können wir los. Die ersten Meter auf dem Board sind etwas holprig, fast bleibe ich in einem Strauch hängen, kann mich aber noch fangen. Tiefschnee ahoi! Etwas übermutig ziehe ich meine Spuren in den hüfthohen Powder, ohne auf Judith oder die Landschaft zu achten. Anfängerfehler, prompt bleibe ich mit dem Snowboard in der flachen Senke stecken. Abschnallen? Keine Option. Schneeschuhe auspacken? Das dauert Jahre… was nun? Hüpfend bahne ich mir einen Weg zu Judiths Skispur, wackle dort weiter, bis das Gelände wieder genug Gefälle hat. Ab jetzt fliegen wir dem Tal entgegen. Diverse Skitourengeher haben die Strecke in einen pistengleichen Zustand versetzt, auf dem jetzt etwa fünf Zentimeter Neuschnee liegen. Mein Kater ist wie weggeblasen. Wir kurven durch vereinzelte Tiefschneeflecken und unsere Aufstiegsspur. Etwas enttäuscht muss ich dann aber doch feststellen, das aus gut zwei Stunden Aufstieg gerade mal fünf Minuten Abfahrt werden. Dennoch war das sicher nicht meine letzte Schneeschuhtour.

Kann man mit Schneeschuhen eigentlich einen Salto springen?

Kann man mit Schneeschuhen eigentlich einen Salto springen?

Schaut schonmal ganz gut aus...

Schaut schonmal ganz gut aus…

Leider reicht die Sprunghöhe nicht wirklich aus.

Leider reicht die Sprunghöhe nicht wirklich aus.

Finale Rotation...

Finale Rotation…

... und dann der Einschlag.

… und dann der Einschlag.

 

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