Outdoor

Traumbiwak im Neunerkar

28.02.2013

Traumbiwak im Neunerkar

Im Neunerkar unterhalb der Breitrgrieskarscharte ist die Karwendel-Welt noch in Ordnung – erst recht während eines Biwaks in einer lauen Juni-Nacht.

Aufbruch ins Karwendeltal

Aufbruch ins Karwendeltal.

Wie sehr habe ich mich auf diesen Abend gefreut – endlich geht es zusammen mit meinem Bruder wieder einmal ins Karwendel, ins malerische Neunerkar. Schon die Fahrt mit dem Rad von Neuperlach nach Bad Tölz ist das reinste Vergnügen. Gegen 19 Uhr packen wir die Räder ins Auto und fahren Richtung Scharnitz, wo wir gegen 20 Uhr kurz vor der alten Grenzstation parken und Richtung Karwendeltal losradeln.

Eigentlich haben wir vor, die in der Breitgrieskarscharte gelegene Biwakschachtel zu erreichen, um pünktlich zum Morgengrauen auf dem Gipfel der Großen Seekarspitze anzukommen. Doch der Weg ins Karwendeltal zieht sich, und erst gegen halb zehn verstecken wir die Mountainbikes hinter einigen Bäumen und machen uns auf, dem alten Jagdsteig Richtung Neunerkar zu folgen. Kehre reiht sich an Kehre, ehe der Steig eine steilere Schuttreise erreicht. Durch leichtes Schrofengelände geht es weiter bis an den Bach, der das Neunerkar entwässert. Inzwischen haben wir uns dazu entschlossen aufgrund der vorgerückten Stunde unser Lager zwischen den Wiesenbuckeln auf dem Karboden aufzuschlagen.

Schnell ist eine Mulde gefunden, in der wir unsere Schlafsäcke ausrollen können. Der Schlaf will jedoch nicht kommen, zu faszinierend ist der Blick auf den sternenübersäten Nachthimmel. Schließlich klingelt gegen halb vier der Wecker und wir gönnen uns ein karges Frühstück. Immerhin wollen wir bis zum Sonnenaufgang den Gipfel der Großen Seekarspitze erreichen. Bis dort sind es noch gut 750 Höhenmeter, die größtenteils in grobem Geröll zurückgelegt werden müssen. Doch andererseits, was gibt es motivierenderes als die Aussicht auf ein atemberaubendes Karwendel-Panorama am Morgen? Noch dazu in einer so einsamen Ecke des Gebirges und abseits jeglicher Hütten.

Blick Richtung Osten zu den Ödkarsspitzen und Birkkarspitze

Blick Richtung Osten zu den Ödkarsspitzen und Birkkarspitze.

Atemberaubende Biwaknacht

Der Weg durch das Neunerkar ist zwar mühsam, die einsetzende Dämmerung versetzt uns jedoch in eine euphorische Stimmung. Letzte, eisige Schneefelder zeugen vom Winter und geben dem Kar einen hochalpinen Charakter. Wir müssen aufpassen, wohin wir den Fuß setzen. Gegen 05:00 Uhr erreichen wir das Notbiwak in der Breitgrieskarscharte, einen ehemaligen Sanka-Koffer mit Platz für zwei bis drei Bergsteiger. Inzwischen ist er dank eingebauter Profilbleche recht “komfortabel” eingerichtet. Eine halbe Stunde später sind wir an der Scharte zwischen Kleiner und Großer Seekarspitze, ein letztes Schneefeld leitet uns hinauf zu den Gipfelfelsen. Noch ein paar beherzte Handgriffe, und wir sind ganz oben.

Unser Biwakplatz zwischen den Latschen

Unser Biwakplatz zwischen den Latschen.

Ein eisiger Wind schlägt uns entgegen. Es ist noch ein wenig Zeit, den Sonnenaufgang abzuwarten. Wir reiben uns die Hände, bewundern den Tiefblick in die umliegenden Täler und die wie ein Schiffsbug aufragende Ostseite der Breitgrieskarspitze. Traumhafte Momente, die sich tief is Gedächtnis einprägen.

Kurz darauf bahnt sich eine dunkelorange Scheibe ihren Weg durch den Dunst. Am Horizont ist die Luft weniger klar, als wir gehofft haben. Die Sicht ist etwas diffus. Trotzdem sehen wir dem Naturschauspiel Sonnenaufgang staunend und in Gedanken versunken zu. Nach einer Stunde auf dem Gipfel ist uns ein wenig kalt geworden und wir verlassen die Große Seekarspitze wieder Richtung Biwakplatz. Den Schneefeldern sei Dank sind wir bereits eine viertel Stunde später an der kleinen Biwakschachtel und drehen nach rechts ins Neunerkar ab.

 

 

Dank MTB sind wir im Nu wieder in Scharnitz.

Schwungvoll wollen wir die folgenden Schneefelder abrutschen. Doch es ist Vorsicht geboten, sie sind von der Nacht noch ziemlich eisig. Später wird der Schnee etwas weicher aber auch löchrig, der darunter liegende Bach hat bereits fleißig Schmelz-Arbeit geleistet. Die Rutscherei endet erst auf rund 2000 Meter Höhe. Was für ein Spaß!

Wie immer war die Tour viel zu kurz

Bald haben wir wieder unseren Biwakplatz in der Mulde zwischen den Latschen erreicht, packen unser recht spärliches Gepäck ein und machen uns auf den Abstieg. Eine kleine Katzenwäsche am Bach erfrischt die Gesichter und Gemüter. Später, bei den Rädern, wagen wir noch ein Bad im eiskalten Karwendelbach. Nun nichts wie ab auf die Drahtesel und zurück nach Scharnitz. Auf dem Weg dorthin kommen uns gut 30 Radler und Bergsteiger entgegen, die noch einen großartigen Tag im Karwendel vor sich haben.

Eine wunderbare, herzerfrischende und viel zu kurze Tour geht dem Ende zu. Kurz nach neun Uhr sind wir wieder beim Auto an der Grenze.

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