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Am eisernen Faden: Der 1. Arlberger Winterklettersteig

02.04.2013

Am eisernen Faden: Der 1. Arlberger Winterklettersteig

Früh morgens geht es los: vom Schwarzwald an den Arlberg. Wir haben uns eine Tour vorgenommen, die wir schon seit Jahren machen wollten, aber noch nie Gelegenheit dazu hatten. Den Arlberger Winterklettersteig. Langsam kommen wir unserem Ziel näher, die Vorfreude mischt sich mit Respekt. Das Wetter ist gut, keine Wolke am Himmel. Aber wie wird es wohl am Steig sein? Tags zuvor hatte ich von den Informationstellen nur die knappe Auskunft bekommen, dass der Steig begehbar ist. Aber sind die Seile frei von Schnee? Ist der Steig vereist und welche Bedingungen werden wir am Grat vorfinden? Klettersteige haben wir schon viele gemacht, aber noch nie mit Skischuhen. Wie wird das sein, mit der kompletten Ausrüstung auf dem Rücken? Schon fast mechanisch gehe ich im Kopf das ganze Material durch. Haben wir auch alles dabei? Mit einem Blick in den Kofferraum vergewissere ich mich, Tourenski, Schuhe und Stöcke sind schon mal da, ebenso unsere Rucksäcke. Einen Eispickel haben wir für alle Fälle auch dabei. Kurz darauf kommen wir in St. Anton am Arlberg an.

Parken, Skischuhe anziehen, Ausrüstung schnappen, Liftkarte kaufen (Bergfahrt 15,00 Euro) und hoch geht’s auf den Rendel. Von dort queren wir über die Pisten des Skigebiets zur Talstation der Sesselbahnen Riffel, von wo aus wir bis zur Riffelscharte liften. Dort angekommen legen wir unsere Ausrüstung an. Die LVS-Geräte tragen wir bereits, schalten sie nun aber ein. Sitz- und Brustgurt anziehen und  Klettersteigset einbinden – dann sind wir startklar für den Winterklettersteig.

Arlberger Winterklettersteig: Auf dem Grad

Arlberger Winterklettersteig: Auf dem Grad

Gleich beim Einstieg wartet eine Passage mit Schwierigkeitsgrad C auf uns. Eigentlich ist das für uns keine große Sache aber mit Skischuhen an den Füßen und den Skiern auf dem Rucksack klettert sich so eine Stelle ganz anders. Wir lassen uns nicht abschrecken und klettern weiter. Immer wieder gibt es Gehpassagen, bei denen man ein wenig verschnaufen kann. Das spart Kraft für weitere, steilere Abschnitte. Nachdem wir etwa ein Drittel des Steigs bewältigt haben kommen wir zur ersten D-Stelle, einem kleinen Felsaufschwung der nahezu schneefrei ist. Da bei der Bewertung auch jahreszeitlich bedingte Erschwernisse wie Eis und Schnee berücksichtigt wurden, ist auch diese Passage überraschend gut zu bewältigen. Kurz darauf das erste Problem: Das Drahtseil ist extrem hoch. Selbst mit 1,80 Meter Körpergröße ist es stellenweise außerhalb meiner Reichweite. Das Klettersteigset haben wir zum Glück so am Gurt befestigt, dass wir es bei Bedarf verlängern können. Also Eigensicherung verlängern und direkt am Fels klettern. Selbst mit den dicken Lederhandschuhen geht das erstaunlich gut.

Arlberger Winterklettersteig: Im Aufstieg

Im Aufstieg.

Die Schlüsselstelle im Winterkletterseig

Dann folgt schon das nächste Problem: Da wir das Drahtseil nicht erreichen können, ist es uns auch nicht möglich die Karabiner des Klettersteigsets nachzuschieben. Sie verhaken sich mehrfach. Nach einigem Ziehen und Zerren haben wir auch diese Stelle bewältigt. Aber nur, um kurz darauf vor einem Felszacken inklusive Schneewand zu stehen. Keine Frage,  das Seil weist uns den Weg. Da müssen wir jetzt durch. Schlagartig wird uns klar, wie eine D-Stelle aussehen kann, wenn die Bedingungen alles andere als optimal sind. Umkehren ist mindestens genauso schwierig, also hinauf! Vergeblich suchen wir nach helfenden Eisentritten. Nichts, nur ein Kamin aus Fels und Schnee. Nicht hoch, aber für uns eine echte Herausforderung. Nach einigem Hin und Her und unter Einsatz des Eispickels erreichen kurz darauf die Vordere Rendelspitze (2816 Meter). Der Rest des Steiges ist Genuss pur. Das Seil führt überwiegend in gemäßigtem Gehgelände dem Grat entlang. Einzig beim finalen Aufschwung auf die Mitterkarspitze ist nochmal ein Krafteinsatz gefragt.

Oben angekommen machen wir eine wohlverdiente Pause. Besonders eilig haben wir es nicht, wir sind gut in der Zeit. Also genießen wir erstmal die Sonne und unsere Brotzeit. Danach wartet die Abfahrt auf uns. Wir verstauen die Klettersteigausrüstung und den Eispickel und prüfen nocheinmal unsere LVS-Geräte. Dann schnallen wir die Skier an und hinunter geht es. Zunächst ist der Schnee noch hart und vereist. Das ändert sich aber bald und wir gleiten durch leicht verspurtes Gelände und gewalzte Ziehwege von der Rossfallscharte (2732 Meter) durch das Malfontal bis hinab nach Pettneu (1222 Meter). Zurück nach St. Anton geht es dann mit dem Postbus und wir beschließen einen gelungenen Tag bei zwei heißen Schoki auf einer Sonnenterasse.

Herrliches Panorama vom Arlberger Winterklettersteig

Traumhafte Aussichten bei Kaiserwetter.

 

2 Kommentare

  1. Danke für den Bericht.
    Habe gehört das sich die Abfahrt nicht wirklich lohnt, stimmt das?
    Also ein nettes “Abenteuer” aber für Anstrengung wenig Abahrt?

    Würd mich über ein kurzes Fazit freuen.

    • Wie bei nahezu allen Klettersteigen ist es auch beim Arlberger Winterklettersteig so, dass man ihn nicht wegen des Abstieges bzw. der Abfahrt macht. Für uns stand das Abenteuer deutlich im Vordergrund. Der Klettersteig selbst macht riesig Spaß, wenngleich er je nach Bedingungen nicht gerade einfach ist. Das Panorama und ein Bergerlebnis der besonderen Art entschädigen für die ‘Strapazen’ des Steigs. Die Abfahrt nimmt man dann natürlich gerne mit. Diese ist ganz brauchbar aber wahrlich nichts Besonderes. Dennoch ist es meines Erachtens noch immer angenehmer mit den Skiern abzufahren als zu Fuß abzusteigen. Wer jedoch auf eine unvergessliche Abfahrt hofft, wird hier sicherlich enttäuscht werden und sollte lieber eine Skitour machen.

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