Leidenschaft

DAV Kletter- und Boulderzentrum München im Kletterhallencheck

14.01.2013

DAV Kletter- und Boulderzentrum München im Kletterhallencheck

Das DAV Kletter- und Boulderzentrum München (KBM) ist unter den Kletterhallen eine Institution mit Geschichte. Es waren die Altvorderen des lokalen Alpinismus, die den Grundstein gesetzt haben zu dem, was durch schrittweisen Ausbau von der ursprünglichen Beton-Außenkletteranlage über den ersten Hallenbau angewachsen ist zur derzeit weltgrößten Kletterhalle. Junggebliebene Altvordere sind es im Übrigen, die hier immer noch fast täglich in der Vertikalen anzutreffen sind…

Die numerischen Fakten zum modernen, 2011 aufwändig erweiterten Hallenkomplex, den das heutige Team um Mark Eisele betreibt, sind Superlative – werft einen Blick auf die offizielle Überblicksseite im Netz. Ein paar Punkte seien herausgriffen – und dann die Frage gestellt, wie die Stimmung in so einer städtischen Mega-Halle ist.

Klettern in über 500 Routen

felsnahe Griffsuche am Freeform Strukturturm der neuen Halle und bunte Routen ringsum

Auf über 6500 Quadratmetern Kletterareal im südlichen münchner Stadtteil Thalkirchen warten mehr als 500 Kletterrouten mit je nach Linienführung und Neigung bis 25m Kletterlänge auf Euch, je nach Sektor mit unterschiedlichen Wandhöhen bis zu 18m.

Darunter finden sich geneigte Reibungsplatten und senkrechte Wände ebenso wie vor allem leicht überhängendes Gelände mit allen möglichen Kanten und Verschneidungen. Hinzu kommen starkmachende Dachsektoren und vier zig Meter auskragende Monster-Dachlinien.

Über die Hälfte der Routen ist witterungsunabhängig im Halleninneren, und selbst in der Außenanlage sind viele Routen überdacht, also bei Windstille wetterfest – und jedenfalls mit Flutlicht bis Betriebsende (23 Uhr, Öffnungszeiten siehe unten) kletterbar.

Die Schwierigkeitsbewertungen der Kletterrouten reichen von 2 bis 10+ (es wird arabisch in UIAA-Werten ausgeschrieben), so dass jeder Kletterer zum Zuge kommt. Die statistische Verteilung der Schwierigkeitsgrade in der Routenvielfalt entspricht breitensportlichem Bedarf: Wer im Bereich UIAA 5-7 alle Routen sauber ziehen will bevor neu geschraubt wird hat gut zu tun. Aktuell listet die Routendatenbank allein indoor 67 Routen zwischen 6- und 6+…

die Hauptwand des alten, nördlichen Hallenflügels von der Tribüne aus – dort und in den weit auskragenden Dächern links und rechts lassen sich bei gastronomischem Genuss die Routen in Ruhe studieren (Photo Copyright: Entre Prises)

 

Ein Vorteil so großer Fläche ist, dass sie Raum für unterschiedliche Nischen bietet: So gibt es Sektoren, die durch kürzere Routen und freundliche Griffe besonders für Kinder geeignet sind. Weiter finden sich Wände mit durchgehend gemäßigten Schwierigkeiten für alle, bei denen der Genuss im Vordergrund steht… und dann sind da eben auch noch jene Winkel, wo ausdefinierte Leute ebenso definierte Linien klettern, der 8-er noch das Leichteste und Flüge Tagesgeschäft sind.

Blick auf Kinder- und Ausbildungs-Eck links, sowie den aufwändigen Freeform-Strukturturm rechts im neuen, südlichen Hallenflügel (Photo Copyright: Entre Prises)

Quer durch diese Aufteilungen variiert auch die Palette unterschiedlicher Wandformen von planen Flächen mit variablen Volumes über Leichtstruktur bis hin zu aufwändigen Freeform-Strukturwänden, die indoor vorführen, was Erosion in all ihren Spielarten im Fels anstellt: Das illustrieren die Strukturwände in der alten Halle, sowie der freistehende Turm in der neuen Halle – vier Seiten, vier verschiedene Strukturtypen von Rissen bis Löcher. Die Kletterer sollen sich durchaus auch auf das Spiel der Griffsuche im Fels, der genaueren Lesart und Planung beim alpinen Klettern in unterschiedlichen Gesteinstypen vorbereiten können.

Hunderte Boulder in drei Bereichen

Boulder outdoor

Der zunehmenden Popularität des Boulderns wird Rechnung getragen mit inzwischen zwei Boulderräumen indoor mit 740 Quadratmetern – zusätzlich zum Bestand von 450 Quadratmetern Boulderparkour in der Außenanlage (dort geschraubte Griffe auf strukturiertem Beton, über 20m lange Quergänge). Eine Besonderheit ist im DAV Kletter- und Boulderzentrum München die Koexistenz zweier Boulderraum-Philosophien im Indoorbereich.

Teilansicht des Boulderraum im OG2 der nördlichen Halle

Im “alten”, nördlichen Hallenflügel befindet sich ein klassischer Boulderraum mit gemischtem Griffsortiment, Steckkarten und viel, viel Raum zum Selberdefinieren. Entsprechend trifft man hier samt Campusboardkings die ambitionierten Maximalkraftcracks, Individualisten und Definitionsfans an. Die 45° geneigte Hauptwand des dortigen Geschehens samt Stammmannschaft hat sich einen Namen gemacht.

Im “neuen” Boulderraum hat das intuitivere Konzept farbreiner Boulder Einzug gehalten: Eine Boulderlinie – eine Farbe. In allen Schwierigkeitsklassen finden sich hier Probleme für Finger und Hirn, sowie lange Quergänge. Eine Besonderheit: Die Schwierigkeitsklassen im KBM sind nicht durch Festlegung einer Farbe je Klasse, sondern durch nummerierte Plaketten gekennzeichnet, so dass jeder Kletterer in jeder Klasse gleichberechtigt verschiedene Farben und Griffsortimente unter die Griffel bekommt und sich nicht blau, gelb oder grün fühlen muss.

im neuen Boulderraum im Verbindungstrakt zwischen den Hallenflügeln

Fairerweise muss man eingestehen: Wer tatsächlich nur Bouldern im Sinn hat und das Seil partout nicht mag, wird wohl der Boulderwelt München den Vorzug geben – die schiere Menge an Bouldern in dieser derzeit weltgrößten Boulderanlage, die dortigen spektakulären Volumes und Monstersloper plus die auch optisch attraktive Entzerrung der Boulder in der noch konkurrenzlos großen Fläche definieren eben eine spezialisierte Rubrik für sich. Dennoch sieht man häufig Leute mit dem blauen Boulderwelt-Kringel auf dem T-Shirt in Thalkichen moven… Vor allem jene natürlich, die auch am Seil was reißen!

Der Beat der Boulder-Erneuerung im neuen Boulderraum in Thalkirchen aber schlägt schnell: Alle 4-6 Wochen wird der neue Boulderraum komplett neu beschraubt. In nur zwei Tagen werden um die 100 neue Boulderprobleme gesetzt, deren erste bereits am ersten Tag mit der musikalisch wie gastronomisch einladenden Veranstaltung Boulder, Beats & Burger eingeweiht werden.

farbreine Boulderlinien in allen Schwierigkeitsgraden im neuen Boulderraum

 

Immer neue Routen und hohe Standards

Seien wir ehrlich – die Klettermöglichkeiten und Sicherheitsstandards sind doch das Entscheidende an einer Kletterhalle – und immer neu fordernde Routen und Griffe das Auf-geht’s! und Ziag-O.

bunte Vielfalt

Ein starkes Team ambitionierter Routenbauer sorgt im KBM für vielfältige und immer wieder frische Herausforderungen – Mark Eisele, Peter Zeidelhack, Stuart Hardy, Rikki Reinwein, Jiri Kadlec, Markus Härtl, Kilian Knoll, Chiara Clostermann, Bernd Bachfischer, Nils Schützenberger, Axel Voss, Klaus Rösler, Tim Alexander-Schmidt, …

Wechselnde Griffsortimente von über 10 Herstellern finden Verwendung, farblich Leuchtendes ebenso wie dezente Felsoptik. Auf (Finger-) gelenkschonende Trainingsmöglichkeit wird geachtet. Wenn es anspruchsvoll sein soll findet man auch Griffe wie im Weltcup-Einsatz, etwa von Crux, bei denen man felskletterähnlich ausknobeln (bzw. ausknubbeln) muss, wie die detailreiche Oberflächenstruktur am besten zu Greifen ist.

Sämtliche Routen werden rechtzeitig erneuert – abgegrabbelte, immergleiche Griffe: Fehlanzeige! Umgeschraubt wird im Routenbereich übrigens in Wellen circa alle 3 Monate drinnen und zweimal jährlich in der Außenanlage. Im alten Boulderraum wird jährlich, im neuen wie oben schon erwähnt sogar alle 4 bis 6 Wochen komplett neu geschraubt. Über etwaige Umschraubarbeiten wird stets auf der Website des KBM informiert.

Zudem sorgen regelmäßige Wartungen samt Team der Routenbauer und Wandbetreuer dafür, dass das installierte Material den selbstauferlegten, hohen Ansprüchen gerecht wird – man versteht sich als Aushängeschild und setzt Standards. Im Sommer 2012 erst wurde aufwändig ein besonders elastischer Boden in der Halle verlegt, um den Kletterer vom Fersenbein an zu schonen.

Kletterangebot noch und noch plus Service…

Was sollte noch erwähnt werden in Punkto Angebot über Selbstverständliches wie hinreichend viele sanitäre Anlagen plus Umkleiden mit Spinden, Waschbecken, Duschen, Föhn und natürlich obligates Café hinaus? Dazu gibt es im KBM sogar ein ganzes Bistro mit warmer Küche, Biergarten und Dachterasse.

Kinderparadies – Klettern und Austoben im Kleinen für die Kleinsten

Dazu kommt: Vielfältiges Kursprogramm über die DAV-Trägersektionen, buchbare Seminarräume, Materialverleih und -shop, Slackline, Kinderspielplatz draußen, betreute Kinderkurse für den wirklich kletternden Nachwuchs, sowie Kinderparadies mit Spiel- und Klettermöglichkeiten indoor, wenn die Kleinen Herumtollen und Fangen spielen wollen, ohne im Hallenbereich sich Gefahren auszusetzen. Frischer Wind weht zusätzlich durch diverse Veranstaltungen und Kletterwettbewerbe.

Stichwort Bandbreite: Es gibt sechs fix installierte Top-Rope-Linien indoor für Einsteiger ebenso wie Sektoren im Außenbereich, in denen sich nur Umlenker und Hakenlaschen (oder Sanduhren) befinden, so dass man sich geistig schon aufs alpine Selberklippen einstellen kann. Selbst Zwischenstand lässt sich in ausgewählten Routen zu Übungszwecken beziehen. Noch eine Trainingsmöglichkeit, die nicht jede Halle aufweisen kann, ist die jüngst erneuerte Dry-Tooling Wand im Außenbereich.

Licht, Luft und anderes Atmosphärisches

Die moderne, fensterreiche Architektur und die hellen Wände und Böden setzen den Grundstein für eine freundliche Atmosphäre inklusive Versorgung der Kletterer mit viel Licht. Der Deutsche und der Münchner zumal ist aber nicht nur architektonisch leicht verwöhnt, sondern auch was Sauberkeit angeht – und auch hier gibt es nix Wesentliches zu meckern. Insbesondere fehlt erfreulicherweise der Hallenmief Dank automatischer Stoßlüftung. In Konsequenz fällt auch auf, dass man Magnesia-Staub im Kletter- und Boulderzentrum München im Griff hat – kein fieser Chalk-Nebel trübt die Sicht. Die Nutzungsordnung der Halle sieht auch vor, nur Chalkballs oder Liquid Chalk zu verwenden.

Service- und Thekenbereich

Zum Publikum: Attraktives Angebot ist eben attraktiv… der Erfolg des KBM zeigt sich insbesondere zur Feierabendzeit und an regnerischen Wochenenden, wenn selbst Felskletterer vor Blitz und Donner zum Training nach Thalkirchen flüchten. In der weltgrößten Halle kann man auch einen repräsentativen Querschnitt der sportlich interessierten Bevölkerung erwarten – Breitensport, Vergnügen von jung bis alt, von Einsteiger-Freizeitsportler bis Aussteiger-Fingerlochcrack. Das KBM ist eben kein verschworener living-on-the-edge-Hinterhof-Hardmover-Club – ein Blick auf den Kundenfuhrpark vorm Haus lässt es ahnen. Irgendwie, sowieso und wie auch immer scheinen sich in den diversen Milieus, die hier alle zum Training unterkommen zumindest bei den häufigen Gästen doch viele zu kennen, die Atmosphäre ist nicht so steril wie in manch anderem städtischen sportlichen Etablissement.

Bei Andrang ist einfach Sachverstand respektive Anstand in Verbindung mit der generell zu kultivierenden bairischen Gemütlichkeit von allen gefordert, sich auf die begehrten Linien zu verteilen. Aber das Thema stellt sich bekanntlich in anderen Hallen im Großraum der Ståderer zu den Stoßzeiten ähnlich… Über die Web-Cam lässt sich übrigens live der Blick auf denn Füllstand der Hallen werfen. Voll genießen kann man das große Angebot jedenfalls abseits der rush-hours: Tagsüber gibt es lange gemütliche Stunden, in denen sich geradezu familiäre Atmosphäre einstellt.

Kulinarisches

Ressourcenknappheit gilt großstadttypisch für die Parkplätze – die sind abends gerne mal knapp. Aber wenn möglich kommt man aus dem nahen Umkreis ohnehin besser per Rad oder von einer der nahen U-Bahnstationen Brüdermühlstrasse oder Thalkirchen (U3, je ca. 500m Distanz). Mit Rücksicht auf die Bedürfnisse der Anwohner finden sich auch in Gehweite noch einige kostenfreie Parkplätze.

Noch etwas merkt man Gott sei Dank in Thalkirchen – das Personal, auch im Bistro, klettert selbst im KBM; es gibt einfach bessere Stimmung, wenn an der Theke kein Nullachtfünfzehn-Coffee-To-Go-Sprech herrscht. Da würde man sich eher von manchem Besucher wünschen, dass ihm gegenwärtig ist, dass er in einer Kletterhalle abhängt und nicht bei Starbucks in der Schlange steht. Kulinarisch wird von der Brezn und dem Weißbier über Bio-Saft und Cocoscreme-Suppe bis zur Pizza einiges geboten.

Was die Gaudi kostet…

… findet Ihr hier im Detail. Der Eintritt wird für einen vollen Tag entrichtet – unabhängig von der Verweildauer. Wer Spaß am Klettern hat und häufiger im DAV Kletter- und Boulderzentrum München trainieren will, der sollte jedenfalls die Mitgliedschaft im DAV in Kombination mit einer Jahresmarke für die drei Hallen im Verbund München, Gilching und Bad Tölz erwägen. Das reduziert im KBM den Eintritt pro Person auf 5€ pro Tag, bzw. 3,50€ für jene, die nur Bouldern gehen oder alle Markeninhaber, die zum Spartarif nach 21 Uhr (Mo-Fr) bzw. 19 Uhr (Sa, So, Feiertag) anrücken.

Ohne irgendwelche Mitgliedschaften steuert man als Erwachsener für die Tageskarte bis zu 15,50€ zum Betrieb der DAV-Halle bei – in allen möglichen Abstufungen und mit diversen Nachlässen für Kinder, Senioren, DAV-Mitglieder, Bergretter und so fort – jedem sein Preis, siehe die detaillierte Preisliste. Also: Reinschauen und die entsprechende Mitgliedschaft ansteuern!

Fazit

Das DAV Kletter- und Boulderzentrum bietet enorm viele, abwechslungsreiche und immer wieder neue Routen. Es deckt breite Trainingsmöglichkeiten samt Nischen ab, für jeden Kletterer ist etwas dabei – man muss sich eben seine Nische suchen. Ein Probebesuch in der weltgrößten Halle beeindruckt allemal. Einen virtuellen Proberundgang kann man schon vorab starten – und als Neuling am besten einen der vielen sinnvollen Kurse von Schnupperklettern bis Sturztraining buchen. So wird man der eigenen Verantwortung gerecht und lernt gleich Leute vor Ort kennen. Viel Spaß!

 

Adresse, Kontakt und Öffnungszeiten

DAV Kletter- und Boulderzentrum München
Thalkirchner Straße 207
81371 München
Telefon (Kletterhalle): (089) 1894163 – 11
Telefon (Büro): (089) 1894163 – 0
Telefax: (089) 1894163 – 29

Montag 7:00 – 23:00 Uhr
Dienstag 7:00 – 23:00 Uhr
Mittwoch 7:00 – 23:00 Uhr
Donnerstag 7:00 – 23:00 Uhr
Freitag 7:00 – 23:00 Uhr
Samstag 8:00 – 23:00 Uhr
Sonntag 8:00 – 23:00 Uhr
Feiertag 8:00 – 23:00 Uhr

 

 

Neuer Kommentar

Deine Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht!

*


*