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Winterwanderung auf der Schwäbischen Alb

29.01.2013

Winterwanderung auf der Schwäbischen Alb

Die Schwäbische Alb, das knapp 200 Kilometer lange und etwa 40 Kilometer breite Mittelgebirge in Süddeutschland, hat keine ausgeprägten Gipfelberge, sondern tafelförmige Hochflächen, die nach Norden und Westen steil abfallen. Weilheim an der Teck, der Startpunkt unserer Tour, liegt am nordwestlichen Steilabfall, am Albtrauf, auf 385 Metern Seehöhe.

Winterwanderung mit Beinen und vier Pfoten

Winterwanderung auf der Schwäbischen Alb:Wettstreit der Tupfen

Winterwanderung auf der Schwäbischen Alb:Wettstreit der Tupfen

Von der Peterskirche weist das blaue Dreieck, die Markierung des Schwäbischen Albvereines für Zugangswege aus dem nördlichen Vorland, zum Alb-Nordrand-Weg. Immer am Kohlesbach entlang führt der Weg über ein Wiesengelände mit losem Baumbestand zunehmend steiler bergan. Während Dalmatiner-Dame Emma unter der Schneedecke Äpfel aufspürt, sie ausbuddelt und genüsslich verspeist, stapfen wir, bei jedem Schritt in die noch unberührte Schneedecke an den Hängen des Albausläufers “Wolfscherre” einsinkend, bergan. Der Waldweg, den wir bald erreichen, scheint stärker frequentiert. Auf der niedergetrampelten weißen Pracht stimmt Emma nun den für Dalmatiner so typischen Kutschenbegleithunde-Trab an. Dann und wann hält sie kurz inne, um über ihre Schulter zu schauen, so, als wolle sie fragen: “Könnt Ihr mir noch folgen?” [1]

Winterwanderung auf der Schwäbischen Alb: Mystische Stimmung im Winterwald

Winterwanderung auf der Schwäbischen Alb: Mystische Stimmung im Winterwald

Wir können. Der Schnee knirscht unter unseren Stiefeln. Die Sonne blinzelt zwischen den Wolken hindurch und sorgt für ein mystisch anmutendes Farbenspiel im Schwarzweiß des Winterwaldes. Emmas schwarz getupftes weißes Fell harmoniert wunderbar mit dem braun getupften Schnee des noch andauernden Herbstes. Den Abzweig nach Eckwälden lassen wir links liegen und gehen bei strahlendem Sonnenschein weiter auf dem Pflugeisenweg zum Wanderparkplatz nahe des Kaltenwanghofes, der besser bekannt ist als “Deutsches Haus”; die Geschichte des einst als “Deutscher Hof” geführten Landgasthofes reicht zurück bis in das Jahr 1872. Eine ganze Weile bleiben wir stehen und freuen uns an der Wärme der Sonnenstrahlen, die unsere blassen Wintergesichter dankbar entgegennehmen.

Auf dem Weg zum Deutschen Haus Kaltenwang

Auf dem Pflugeisenweg nahe des Deutschen Hauses Kaltenwang

Wir wandern weiter bis zur Landesstraße 1213 von Weilheim nach Gruibingen, wenden uns nach rechts und bummeln ein Stück die am sonntäglichen Vormittag nur wenig frequentierte Straße hinab, bis der Wanderweg links in den Wald hinein abzweigt. Eine blaue Raute – sie weist auf einen Albvereins-Querweg hin – leitet uns durch die Kernzone “Bosler” des Biosphärengebietes Schwäbische Alb zwischen Kleinem und Großem Erdschliff, einem ehemaligen Bergsturz. Die Natur in Kernzonen soll dem unbeeinflussten Zustand sehr nahe kommen, weshalb natürliche und naturnahe Lebensräume und Lebensgemeinschaften dort unter Schutz stehen. [2]

Winterwanderung auf der Schwäbischen Alb: Der Weiler Häringen

Winterwanderung auf der Schwäbischen Alb: Der Weiler Häringen

Über den Häringer Weg gelangen wir hinunter nach Häringen, ein Ort, der mindestens den Eindruck von tiefster “Pampa”, wenn nicht sogar vom Ende der Welt vermittelt. Knapp 70 Einwohner, die sich auf eine Handvoll Häuser verteilen, zählt der zu Weilheim gehörende Weiler. Drei Gasthäuser – ein Schwabe, ein Italiener und eine Besenwirtschaft – liefern den Hinweis auf die wahre Bestimmung dieses beschaulichen Fleckchens Erde. An Wochenenden und Feiertagen fallen Touristen in Massen ein, und Blechlawinen “zieren” die schmalen Dorfstraßen auch an diesem Sonntag.

Stummer Zeitzeuge

Ein stummer Zeitzeuge

Wir ziehen die Einsamkeit vor, blicken ab und zu sorgenvoll hinüber zu der dunkelgrauen Wolkenwand, die sich vor die Sonne geschoben hat, und folgen auf unserer Winterwanderung abermals dem blauen Dreieck. Über ein recht steiles Wiesengelände mühen wir Zweibeiner uns hinauf bis zum Waldrand. Der Pfad, über dessen Steigung der Vierbeiner vor uns nur ein mildes Hundelächeln übrig hat, windet sich schließlich im Zickzack hinauf bis zum Sattel, der den Erkenberg vom Albtrauf trennt. Uralte, knorrige Bäume säumen, stummen Zeitzeugen gleich, die einstige Heimstätte zweier Burgen. Von der Höhenburg Merkenberg (743 m), die bis in die 1330er Jahre Sitz der Aichelberger Grafen war, und Burg Windeck (723 m), vermutlich Neben- oder Vorburg von Burg Merkenberg, sind heute nur noch Gräben übrig.

Schließlich schlendern wir über weite Streuobstwiesen-Hänge hinunter und erreichen die auf 460 Metern gelegene “Kirschengemeinde” Neidlingen – das 1800 Einwohner zählende Dorf ist zur Kirschblüte ein beliebtes Ausflugsziel. Die Kirschbäume halten gerade Winterruhe und bereiten sich auf den Schneefall vor, der sich ankündigt. Einzelne Flocken rieseln schon vom Himmel, und wir entschließen uns, im Gasthaus Lamm eine Rast zu halten. In der gemütlichen Gaststube genießen wir Kässpätzle und sehen zu, wie die Zahl der Schneeflöckchen immer größer wird.

Dichtes Schneetreiben empfängt uns, als wir den Gasthof verlassen und Richtung Hepsisau wandern. Emma scheint die tief winterliche Stimmung sehr zu genießen. Die vierjährige Hündin dreht noch einmal so richtig auf, während unser Blick immer wieder von der 597 Meter hohen Limburg, die ab und zu aus dem Grau in Grau hervorblitzt, angezogen wird. Der “Hausberg” von Weilheim ist in der Tat “ein hübsches Schmuckstück der Gegend”.[3] Vor 15 Millionen Jahren war der Bergkegel Teil des “Schwäbischen Vulkans”. Ungefähr 350 solcher Vulkanschlote waren im Bereich der Mittleren Schwäbischen Alb aktiv. Heute beherbergt die Limburg an ihrer Südseite einen Weinberg und blickt auf eine wechselvolle Geschichte als Wohn- und Kultstätte zurück.

In Hepsisau, einem für seine Edelbrände bekannten Teilort von Weilheim, endet unsere Winterwanderung. Von Schnäpsen wollen wir nichts wissen, wir wollen nur noch eins: Sitzen. Da kommt der Bus nach Weilheim gerade recht, und so darf er vier so zufriedene wie müde Beine und Pfoten zurück in die Stadtmitte von Weilheim bringen.

Infos zur Winterwanderung auf der Schwäbischen Alb

Anfahrt

  • mit dem Kfz: A 8 Stuttgart-München, Ausfahrt Aichelberg, diverse Wanderparkplätze in Weilheim/Teck.
  • mit dem ÖPNV: von Stuttgart-Hauptbahnhof mit der S-Bahn S1 Richtung Kirchheim/T., vom Bahnhof Kirchheim/T. mit Bus 174 Richtung Neidlingen bis Weilheim/T. Haltestelle KSK/Brunnenstraße.

Einkehren

Über Land und Leute

Landeskundliches Informationssystem Baden-Württemberg

Möbus, F., Die Schwäbische Alb und ihre Natur. Die Faszination des Juragebirges.

Schmitt, G. (1991). Burgenführer Schwäbische Alb, Band 4. Biberach: Biberacher Verlagsdruckerei.


Zitierte Literatur

[1] In Baden-Württemberg herrscht kein Leinenzwang für Hunde. Sie sollten allerdings ohne Leine abrufbar sein. Quelle: ForstBW, Hund & Katz, aus http://www.forstbw.de/erlebenlernen/waldknigge/haustiere

[2] Biosphärengebiet Schwäbische Alb: Entstehung & Zonierung, aus http://www.biosphaerengebiet-alb.de/04-Basisinfo/04-2-entstehung.php
dto., Karten & Daten, aus http://www.biosphaerengebiet-alb.de/04-Basisinfo/04-3-karte-gebietskulisse.php

[3] Häcker, O. (1905). Die schönsten Aussichtspunkte der Schwäbischen Alb. Blätter des Schwäbischen Albvereins, Jg. XVII, Nr. 2, 42-52.

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