Reise

La Palma mit dem Mountainbike, Teil 1

24.01.2013

La Palma mit dem Mountainbike, Teil 1

Zwei Meter Pappe, gefüllt mit 13,5 Kilo Aluminium, zusammen mit Wanderschuhen, Kleidung, Schlafsack, Isomatte usw – Ich wuchte den sperrigen Karton mit dem Mountainbike durch den Schnee, der heute Nacht ganz heimlich gefallen ist. Die schlitternden Autos und der zusätzlich etwa 20 Kilo schwere Rucksack auf meinem Rücken machen den Abschied aus Deutschland trotzdem einfach.

Ein toller Empfang auf La Palma

Ein toller Empfang auf La Palma

Von Heidelberg aus geht es für 2,5 Wochen zum Mountainbiken zu Freunden auf die Kanaren. Genauer gesagt auf die nordwestlichste Insel dieses Archipels. La Palma war für Jahrhunderte der äußerste Zipfel und die letzte Bastion für Seefahrer aus der “Alten Welt”. Und La Palma ist noch heute etwas Besonderes: Auf der grünsten Insel der Kanaren sucht man Bettenburgen vergebens. Dafür findet man Hippies, die in Höhlen wohnen, gruseligen Kaffee, der mit Likör genießbar gemacht wird und viele, viele entspannte Insulaner. Das Entscheidendste aber für mich sind die schier unendlichen Bike-Möglichkeiten.

Mountainbiken im Norden von La Palma

Nicht viel hält mich also diesen Winter vor Weihnachten in Deutschland. Zumal so ziemlich jeder Biker von dieser Insel schwärmt, wenn er zurückkehrt. Ich selbst bin Reiseveranstalter und verbinde diesen Urlaub gleich mit dem Ziel, hier Mountainbike-Touren und Infrastrukturen für eigene Reisen zu finden. So bin ich auch wenig überrascht, als ich am Check-in die vielen Bikekoffer und Kartons sehe. Der Hinflug ist zwar voll, mit gut 4 Stunden Flugzeit sehr entspannt. In Santa Cruz de La Palma erwarten mich Sonnenschein und rund 20° Celsius. Die Insel ist mit etwa 47 x 28 Kilometer zwar kein Riese, die Fahrt aus dem Osten in den Nordwesten nimmt dank der in Schlangenlinien angelegten Straßen trotzdem knapp zwei Stunden in Anspruch. Nach der äußerst kurvigen Fahrt nach Las Tricias weiß ich, was “Barrancos” und “Lomos” sind. Diese steilen Schluchten und Bergrücken sollen mich in den nächsten Tagen im Norden dann auch dauerhaft beschäftigen – dazu aber später mehr.

Ich übernachte in einem ausgebauten Bus/Transporter. Spartanisch, aber alles was man braucht. Was mich in der ersten Nacht überrascht, ist der unglaublich klare Sternenhimmel. Da La Palma nur etwa 86.000 Einwohner hat, gibt es so gut wie keine Lichtverschmutzung in der Nacht.

Sternennächte im Dezember

Sternennächte im Dezember

Der erste Biketag beginnt mit einer kurzen Tour. Ich versuche Wanderwegen zu folgen, muss aber viel schieben und tragen. Die Abfahrten fordern volle Konzentration. Wir fahren Richtung Santo Domingo. Trails muss man nicht lange suchen, aber höllisch aufpassen. So soll meine letzte Abfahrt nach dieser kurzen Tour auch gleich schon alles fordern: Slickrock-ähnlich schlängelt sich der Weg auf einem Lomo in Richtung Meer, bis er schmal und voller Geröll ist. Ich muss bei dieser Sicht meine Augen zwingen nicht zu oft den Trail zu verlassen. Meine Reifenstollen suchen ständig nach Halt in dem losen Untergrund. Jede Kurve wird hier zur Mutprobe. Als die Finger schmerzen und ich das Adrenalin in den Schläfen spüre, sehe ich das Ende des Trails.

Ein toller Ausblick

Ein toller Ausblick

Noch ein paar Serpentinen und ich bin im unbewohnten Fischerort direkt am Meer angekommen. Die Brandung lässt leider wenig Hoffnung auf Bademöglichkeiten. Doch dann entdecke ich ein kleines Becken aus Lavagestein. Hier schwappt nur ab und an Meerwasser hinein. Das Wasser hat etwa 20° Celsius. Perfekt zum Baden!

Nach der Tour als Belohnung

Nach der Tour als Belohnung

Die Tage im Norden vergehen wie im Zeitraffer. Jeden Tag sammele ich auf meinen Mountainbike-Touren so viele Eindrücke, dass ich sie kaum verarbeiten kann. Dschungelabfahrten, Kiefernnadeln, wohin das Auge reicht und Trails, die mir den Atem stocken lassen. Dabei ist das Wegenetz unglaublich gut ausgeschildert. Verfahren unmöglich! Nur weiß man vorher leider nie, was einen erwartet.

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: mit jedem Tag länger im Norden muss ich mehr bergauf shutteln. Kaum ein Weg lässt sich dauerhaft bergauf fahren. Zu steil und anspruchsvoll sind die Wege. Das Bike tragen ist hier oft Pflicht. Die perfekte Enduro/Freeride-Region, aber weniger für Tourenfahrer. Mich stört das nicht, aber es würfelt meine Planung für Touren gehörig durcheinander.

An einem Tag muss ich es trotzdem probieren: Ich lasse mich samt Bike auf 1400 Meter bringen und strample dann einen Wanderweg bergauf, mit dem Ziel “Roque de Los Muchachos“. Mit 2426 Metern der höchste Berg der Insel. Nach einigen Kilometern soll sich das als schwieriges Unterfangen herausstellen. Nur etwa die Hälfte der Strecke kann ich wirklich fahren, aber mein Ehrgeiz lässt kein Umkehren zu. Jeder Kilometer dauert ewig, viele Wanderer feuern mich an und zollen mir Respekt. Als ich über den Wolken bin und die Sonne schon einen Rotstich bekommt, bin ich angekommen. Es bleibt nur noch wenig Zeit bis zum Sonnenuntergang, doch ich muss die sagenhafte Aussicht kurz genießen.

Wolkenmeer am Roque des Los Muchachos

Wolkenmeer am Roque des Los Muchachos

Dann suche ich mir den ersten Trail, der mir unter die Stollen kommt. Und Bingo! Eine Wahnsinnsabfahrt, die Finger schmerzen, aber der Trail hat so viel zu bieten. Alle fünf Minuten wechselt das Terrain und der Anspruch: verblockt mit hohen Stufen, bis hin zu Kiefernnadelboden mit engen Spitzkehren auf Lavagestein. Je mehr ich von der 1600 Höhenmeter langen Abfahrt geschafft habe, desto entspannter wird der Trail. Am Ende surfe ich auf Kiefernnadeln um Spitzkehren und fühle mich durch den aufgezogenen Nebel wie im Märchenwald. Eine traumhafte Abfahrt!

Traumhaft schön, die Mountainbike-Abfahrt vom höchsten Berg La Palmas

Traumhaft schön, die Mountainbike-Abfahrt vom höchsten Berg La Palmas

Durch das viele Auf und Ab habe ich knapp 1500 Höhenmeter beim Aufstieg gesammelt. Eigentlich kein Problem, aber das viele Tragen und Schieben hat mich geschafft. So bin ich zwar traurig, dass der Trail nach knapp einer Stunde Abfahrt vorbei ist, aber auch etwas froh heil in Tijarafe angekommen zu sein.

Zum Glück wartet mein Gastgeber schon mit dem Auto auf mich und ich kann mir das verdiente Feierabendbier gönnen. Das sollte der finale Tag im Norden sein. Acht der 17 Tage habe ich jetzt hier verbracht. Oft steil und unbarmherzig ist das Terrain. Aber auch sehr grün und wie sich später herausstellen soll, auch deutlich ruhiger als im Süden. Oft fährt man durch unbewohntes Gebiet; die eigenen “Privatstrände” und Buchten braucht man nicht lange suchen. Man wird selten gestört. Aber jetzt geht es für mehr als eine Woche in den Süden. In die heimliche Hauptstadt Los Llanos.

Fortsetzung folgt…!

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