Testberichte

Ausprobiert: Rucksack Deuter ACT Trail 28 SL

26.01.2013

Ausprobiert: Rucksack Deuter ACT Trail 28 SL

Fünf Tage, drei Klettersteige in den Sextener Dolomiten: Der ACT Trail 28 SL von Deuter hat den Test bestanden – mit Bravour. Er wiegt mit 1270 Gramm zwar 50 Gramm mehr als etwa der cleane Deuter Spectro 32 SL, der ganze vier Liter mehr fasst. Doch das Mehrgewicht sitzt an den richtigen Stellen des Rucksacks, wurde investiert in Reißverschlussfächer, elastische Seiten- und Frontfächer sowie einen Zugang von vorn.

 

Für Tour und Reise: Rucksack ACT Trail 28 SL von Deuter

Super: Der ACT Trail 28 SL lässt sich von vorne öffnen. Foto: Deuter

Richtig packen

Doch noch einmal umpacken. Der Rucksack soll ja schließlich optimal passen, für fünf Tage quer durch die Sextener Dolomiten. Der geliehene 35-Liter-Rucksack hat nach dem Probe-Packen erstaunlicherweise noch ziemlich viel Luft oben. Also versuche ich es einmal mit meinem Deuter ACT Trail 28 SL in Türkis-Arktisblau, den ich eigentlich für zu klein halte, um Wechselklamotten, Klettersteigset, Helm, Hüttenschlafsack und alle anderen nötigen Kleinigkeiten für die geplante Tour zu transportieren. Außerdem würde die SL-Variante, die Deuter speziell für Frauen gemacht hat, besser zu meinen schmalen Schultern und zu meinem Rücken passen, als der Unisex-35-Liter-Rucksack. Das Klettersteigset packe ich ganz nach unten, ebenso wie meinen Klettergurt, so fühlt es sich beim Tragen am angenehmsten und ruhigsten an. Oben drauf die Klamotten für die Hütte und der Schlafsack, darüber die Wechsel- und Regenbekleidung. Meine Wertsachen stecke ich ins innere Deckelfach, die Karte und die kleine Kamera ins äußere Fach. Die Stirnlampe, mein Bufftuch und meine Armlinge auf die eine Seite, das Waschtäschchen und ein paar Energieriegel auf die andere Seite, in die beiden Reißverschlussfächer. Zwei Trinkflaschen mit je einem halben Liter rechts und links in die Gummizugfächer des ACT Trail 28 SL. Vorne in das kleine Täschchen am Bauchgurt kommen Bonbons und Magnesiumsticks.

 

Erster Trage-Test

Erstaunlich, dass das alles tatsächlich in den 28-Liter-Rucksack reinpasst. Lässt sich der ACT Trail 28 SL auch noch gut tragen? Der Rücken des Rucksacks ist ein bisschen ausgebeult. Kurz gerade gedrückt und rauf auf den “Buckel” zum ersten Trage-Test. Fühlt sich gut an, dank des so genannten Delrin-System passt sich die Rückenpartie auch improvisierten Klettersteigbewegungen an. Der ACT Trail 28 SL sitzt perfekt auf der Hüfte, die Schultern sind gut entlastet. Die mit Air Mesh gepolsterte Rückenpartie, die Deuter „Aircontact“ nennt, liegt mit den ergonomisch geformten Polster-Pads direkt auf – vier rechts, vier links. Dazwischen kann angeblich die Luft zirkulieren – ob es sich auch nach fünf Tagen noch frisch anfühlt? Die Tour wird es zeigen. 9,7 Kilo wiegt der Rucksack nun samt Zuladung.

 

Praxis-Test: ACT Trail SL in den Sextener Dolomiten

Praxis-Test: Rucksack ACT Trail 28 SL in den Sextener Dolomiten

Mit dem ACT Trail 28 SL on tour

Auf geht’s in die Sextener Dolomiten! An den Klettersteigpassagen habe ich dank des Reißverschlusses von vorn schnellen Zugriff auf Set und Gurt, ohne den ganzen Rucksackinhalt durcheinander bringen zu müssen. Auch wenn der ACT Trail 28 SL mal Felskontakt aufnimmt, nimmt er dank des robusten Obermaterials keinen Schaden. Unten ist die Regenhülle integriert und kann so nicht verloren gehen. Vorne ist unter der Deckelschnalle ein Fach, über dem ich den Helm platziere und an den kleinen Schlaufen rechts und links fixiere. Die vielen Fächer sind großartig, alles ist prima verstaut und leicht zu finden, auch im Dunklen in der Hütte (vorausgesetzt man packt mit „Hirn“). Rückenschmerzen habe ich auch nach fünf Tagen nicht, der ACT Trail 28 SL ist so bequem, dass ich manchmal beinahe vergesse, dass er da ist. Am Rücken schwitze ich zwar unter den Polster-Pads, dank Merino-Shirt ist das aber nicht weiter schlimm. Mein Microfaser-Handtuch kann tagsüber an einer anderen Schlaufe des Rucksacks befestigt fix trocknen.

 

Anmerkungen

Zwei Dinge würde ich ändern: Zwei Fächer im Deckel (eins für den schnellen Zugriff außen, ein verstecktes innen) sind toll. Allerdings sind sie beim ACT Trail 28 SL wie bei vielen anderen Rucksäcken auch so angeordnet, dass kleine Gegenstände beim Aufklappen schnell herausfallen, wenn man einmal vergessen hat, den Reißverschluss zu schließen (und das passiert mir oft). Da würde ich mir eine andere Lösung wünschen. Vor- und Nachteile hat die Reduzierung auf eine Schnalle zum Schließen des Deckelfachs: Klobige Utensilien darunter, etwa der Helm, lassen Schnalle und Deckelfach zur Seite wandern und Optik und Tragegefühl werden irgendwie schief. Aber das ist Geschmackssache, nur ein Verschluss des Hauptfaches hat den Vorteil, dass der ACT Trail 28 SL schneller zu öffnen und zu schließen ist.

Grandios ist der Reißverschluss, der den Zugang von vorne erlaubt. Gerade wenn man unterwegs schnell an die schweren Dinge ran muss, wie ans Klettersteigset und den Gurt, ist es angenehm, wenn man nicht den ganzen Rucksack durchwühlen muss. Eigentlich war der ACT Trail 28 SL beim Kauf ursprünglich als Reiserucksack und für Tagestouren gedacht – positiv überraschend, dass er für mich tatsächlich auch für Mehrtagestouren in den Bergen geeignet ist und trotz des vergleichsweise geringen Volumens von 28 Litern alles Nötige sinnvoll aufnimmt. Das geringe Mehrgewicht wird durch die praktische Vielzahl an Verstaumöglichkeiten auf jeden Fall wettgemacht.

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