Leidenschaft

King Swing: Riesenseilschaukel hoch über dem Kochelsee

10.01.2013

King Swing: Riesenseilschaukel hoch über dem Kochelsee

Als Kind gab es nichts Schöneres als zu Schaukeln – für mich zumindest. Dann kommt letztens ein Kumpel um die Ecke und meint: “Lass uns mal nen King Swing machen.” Ahnungslos frage ich nach, was das denn sei – und werde aufgeklärt: Eine riesen Schaukel – oder auch “King Swing”. Das Seil hängt im Stand (oder – der Sicherheit halber – in zwei Ständen) einer überhängenden Route. Der Swinger bindet sich ein, lässt sich sichern, springt dann irgendwie von irgendwo ab und kann schaukeln bzw. swingen. Hört sich alles SEHR geplant an, also gesagt, getan. Recht schnell stellt sich heraus, dass es dann doch nicht so durchgedacht ist. Dennoch schwang inzwischen bei zwei kleinen Aktionen am Reservat in Kochel die Königsschaukel. Hier die Details. Mehr Bilder gibt’s in der Fotostrecke rechts!

Reservatfels mit Kochelmonster vom Kraftwerksparkplatz aus gesehen

Reservatfels mit Kochelmonster vom Kraftwerksparkplatz aus gesehen.

Unterwegs zum King Swing

Schon vom Kraftwersparkplatz kann man das Reservat in Kochel sehen. Es ist der Fels in der Mitte, der oben über die Bäume hinausragt. Ganz gemütlich steigen wir über den Forstweg zu, bis es wieder flacher wird. Dort zweigt rechts in den Wald ein überwucherter Weg ab. Wir folgen dem Pfad, vorbei an den Reservatsblöcken, zur Grashalmwand. Es geht links vorbei nach oben bis rechts eine Schorfenkletterei folgt. Wenn es nicht 100 Prozent trocken ist, ist hier in jedem Fall Vorsicht geboten. Einmal abgerutscht gibt es kein Halten mehr – bis ganz unten! Und damit wäre der King Swing sofort gelaufen. Doch wir schaffen den Zustieg ohne Probleme.

Abseilen vom Baum über die Kante oberhalb vom Stand

Abseilen vom Baum (nicht das kleine Gestrüpp auf dem Bild!!) über die Kante oberhalb vom Stand.

Oben am Plateau finden wir ein lohnendes Plätzchen für eine Pause, um die Sicht zu genießen. Der King Swing ist nun greifbar nah, aber zunächst braucht es einen Freiwilligen! Bewaffnet mit einem (besser zwei) 70-Meter-Seil, Abseilgeräten, Selbstsicherung und einer Menge mentaler Stärke steigt der die Schroffen wieder runter. Die Seillänge von 70 Metern stellt sich schnell als Mindestmaß heraus. Ansonsten würde unser Freiwilliger am Ende mindestens fünf Meter über abschüssigem Grund hängen – ohne Möglichkeit zum Absprung! Unterhalb der Schorfen angekommen steigt unser Freiwilliger links weiter auf bis er oben am Berg angekommen ist. Dort hält er sich rechts und fixiert am Baum oberhalb der Route “Reservoir Dogs” das Seil. Die Kletterroute lassen wir heute links liegen, auch wenn sie eine der schönsten in Kochel sein soll. Vor allem, wenn man denn den X. Grad meistern will.

Am 2. Stand in der Wand. Das fädeln hat etwas gedauert, der Nebel ist schon nach unten gerückt.

Am 2. Stand in der Wand. Das fädeln hat etwas gedauert, der Nebel ist schon nach unten gerückt.

Für den Aufbau des King Swing seilt sich unser Freiwilliger über die Kante ab. Direkt über den Stand kommt er runter, sichert sich dort, zieht das Seil ab und fädelt im Stand ein. Nun heißt es Sicherung lösen und ablassen. Das zweite Seil fiexiert er etwa acht Meter tiefer an einem zweiten Stand und seilt sich weiter bis in eine Spalte ab.

Die folgende Kletterei für den Aufstieg in der Spalte ist nicht ganz ohne, da viel Grünzeug und loses Gestein vorhanden ist. Jetzt lohnt es sich ein drittes Seil dabei zu haben. Von oben Zugeworfen dient es zum Sichern des Aufsteigenden. Oben am Plateau kann dieser erstmal verschnaufen. Nur noch wenige Augenblicke bis zum King Swing!

 

 

 

 

Mit Schwung raus

Mit Schwung raus!

 

Fertig zum Absprung

Nun kann es losgehen mit der Schwingerei: Der Sicherer steigt am Fixseil mit je einem Ende der beiden Seile in die Wand, baut einen Stand, fixiert ein Seil und nimmt das andere in die Sicherung (am besten GriGri oder sonst ein Halbautomat). Der Swinger knotet sich in beide Seile ein. Auch das dritte Seil wird eingeknotet und mitgenommen. So kommt er am Ende zurück an das Plateau und spart sich den neuerlichen Aufstieg durch die Spalte. Nun heißt es Sicherung festziehen und Absprung zum King Swing!

Beim Abbau des King Swing ziehen wir einfach alle Seile durch- und ans Plateau. Der Abstieg erfolgt wie der Aufstieg über die Schorfen. Hier ist Vorsicht geboten, denn die Route ist steil und mit Gepäck teils sehr gefährlich!

Alle Schwingenden des Tages dürfen nun offiziell den Titel “King Swing” tragen. Unser Freiwilliger, der auch noch die Seile eingehängt und für die Sicherheit der anderen gesorgt hat, trägt verdient den Titel “Swing-Kaiser”.

Abstieg auf dem Forstweg in Richtung See und Kraftwerk

Abstieg auf dem Forstweg in Richtung See und Kraftwerk.

Anmerkund des Autors & der Redaktion: Wer’s versuchen will nur zu. Plant aber vorher richtig und jedes Detail und seid verdammt vorsichtig! Vor allem wenn es etwas feucht ist und Nebel oder Nieselregen gab. Nehmt lieber zuviel Material mit als zu wenig. Jeder ist für sich, seine Tour und die Sicherheit selbst verantwortlich. Der vorliegende Text ist ein Erfahrungsbericht und keine Anleitung! Die Verantwortung liegt somit nicht beim Autor oder bergzeit.de. Für weitere Infos steht der Autor gern zur Verfügung und begleitet gerne auch eine kleine Gruppe. Einfach einen Kommentar hinterlassen.

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