Testberichte

Kletterschuhe La Sportiva Speedster

28.03.2011

Kletterschuhe La Sportiva Speedster

La Sportiva Speedster ist mittlerweile kein Unbekannter mehr. Obwohl er zu Beginn von der Masse kritisch beäugelt wurde, sah ich ihn im Laufe des letzten Jahres immer mehr an den Füßen des Klettervolkes. Grund zur Skepsis gab es genug: “Runde Kanten“, weiche Sohle und eine runde und stumpfe Spitze liessen viele (mich eingeschlossen) zweifeln. Alle Zweifel warf ich sofort über Bord, als ich zum ersten Mal mit dem Speedster kletterte. Vor kurzem habe ich mir meinen zweiten Speedster zugelegt und muss mal wieder feststellen, dass dieser Schuh einfach genial ist.

Spitze seit einem Jahr im Ensatz und schwächelt gar nicht

Optik, Verarbeitung

Es gibt Kletterschuhe, die mir von Beginn an und für alle Zeiten gefallen. Weil sie so eine geile, gelungene und einmalige Optik haben und einfach hübsch aussehen. Speedster gehört zu dieser Kategorie und beeindruckte mich bereits nach seinem Release. Seit dem hat sich für mich nichts geändert: auch an meinem zweiten Speedster mag ich die auffallende grüne Farbe, die Details (die Die Optik ist einmalig, der Sitz hauteng – eine bunte Socke!

Die Verarbeitung von La Sportiva grenzte für mich immer an die Perfektion. Bei den sieben La Sportiva Kleterschuhen die ich bis jetzt hatte, war die Qualität der Fertigung und der verarbeiteten Materialien 1A. Seit dem La Sportiva (wie es hiess) die Produktion (zumindest teilweise) den Maschinen überlässt, habe ich einen kleinen Abfall der Verarbeitungsqualität festgestellt. Mit Masse betraf es Produkte neueren Produktionsdatums, bei denen der Schliff des Randgummis unsauber war, sowie Kleberreste an den Übergängen zu finden waren. Auch mein neuer Speedster ist von dieser “Entwicklung” betroffen.

unsaubere Verklebung und abröckelnde Schrift – unschön – sicher eine Ausnahme

Während ein Kletterschuh meines Paares sehr sauber und ordentlich verarbeitet ist, sieht der zwote aus wie ein Montagsprodukt. Es fällt der schlechte Schliff, das “Kleckern” beim Kleben, sowie der abbröckelnde La Sportiva Aufdruck auf dem Fersen Gummizug. Natürlich ist es wahrscheinlich eine Ausnahme von der “Good Quality” Regel, ein fader Beigeschmack bleibt dennoch. Die Note 1A kann ich leider nicht (mehr) vergeben. Trotzdem bleibt die Qualität der Fertigung auf einem sehr hohen Niveau, da meine Feststellungen nur optische Fehler betreffen und keinerlei Einfluss auf die Funktion des Schuhs haben.

 

Konstruktion

Das Konzept dieses Kletterschuhs sucht seines gleichen. Kein anderer Hersteller hat einen Schuh mit “runden Kanten” im Angebot. Insgesamt ist dieser Slipper voller Innovationen:

+kombinierter Einsatz von dehnbeständigem Lorica (Zehenbereich) und Suete Leder im Mittelteil

+P3-Sohle für nachhaltigen Downturn und Vorspannung

+Die ultra dünne Sohle, die direkt in den Toehook-Patch übergeht und dadurch einen “runden Cover” an der Spitz bildet.

+Gegen die Ablösung gesicherter oberer Rand des Fersengummis.

+ein natürlicher Leisten mit Multipassform und Komfortgarantie durch dünne und weiche Materialien.

+Halbsolenkonstruktion mit dem XS-Grip 2 Gummi von Vibram

Halbsohle aus XSGrip 2 leistet eine gute Arbeit und bietet extrem viel Gefühl

All das sind Dinge die wunderbar aufeinander abgestimmt ein prächtiges Ergebnis liefern, der sich in der Passform und Performance, sowie in der Haltbarkeit äußert.

Passform und Größe

Bei meinem ersten Speedster hatte ich die Schuhgröße 39,5 EU gewählt, da ich mir nicht sicher war inwieweit dieser La Sportiva Slipper sich dehnen würde. Obwohl der 39,5 EU extrem klein ausgeschaut hat, habe ich damals meinen quadratischen Latschen da rein bekommen und hoffte auf das “sich Weiten”. Doch entgegen allen Erwartungen dehnte sich der Speedster nicht wirklich, so dass es bei der alten “luftleeren”, sockenähnlichen Passform blieb, die trotz allem anfänglichen “Komfort” mir nach 20min ziemliche Schmerzen bereitet hatte.

Der Leisten ist asymmetrisch und mittelbreit und bietet dank Lorica allen Füßen einen “sockenähnlichen Sitz”

Beim meinem zweiten Speedster entschied ich mich deshalb für 40 EU und musste feststellen, dass diese Größe deutlich entspannter für meine Füße ist und den Zehen noch die Möglichkeit gibt durch das dünne, weiche Gummi greifen zu können. Die Passform bleibt eng und luftleer. Einzig die Ferse hat etwas mehr unausgefüllten Raum, was allerdings nicht stört. Das Geheimnis hinter der Socken-Passform ist das flexible Lorica und sehr dünn gestaltetes Randgummi, welches nicht so stark auf die aufgestellten Zehen drückt. Mit der Zeit bilden sich sichtbare kleine Ausbuchtungen an der Stelle im Randgummi, wo die einzelnen Zehen ihren Platz haben.

Dank diesen “Tricks” finden selbst breite römische Füße gut Platz in diesem eher schmalen Kletterschuh. Auf dieser Weise passt der Speedster fast allen Fußtypen und Formen. Einzig die Menschen mit sehr flachen Spann und extrem schmalen Fuß könnten bei diesem Slipper Probleme bekommen. Ansonsten sorgt das gelbe Gummiband für einen bombenfesten Sitz und ein zügiges Ein-/Ausziehen.

Mein Tip: orientiert Euch an der “Normalen La Sportiva Größe” (bei mir ist es 40 EU). Dann wird Speedster eng genug sitzen, so dass die Ferse beim Hooken nicht rausrutscht und den Zehen dass ermöglichen was sie in diesem Schuh machen sollen – Greifen.

Kauft man ihn zu klein wird das Greifen durch die große Spannung schwieriger, die Kantenstabilität jedoch nicht besser.

 

Performance – wie lässt sich La Sportiva Speedster klettern

Speedster ist weich wie man sieht und lässt sich “wie Barfuss” klettern

Das Klettern mit dem Speedster ist anders als mit einem herkömmlichen “kantigen” und festen Kletterschuh. Es sollte das “Barfuss Gefühl” vermitteln und das tut es auch. Man spürt einfach alles was unter dem Zeh ist, kann dank der weichen, dünnen Sohle selbst auf unförmigsten und schwierigsten Tritten einen Formschluss herstellen und macht die Füße zu den zweiten Händen. Man kann sich halt nicht auf eine feste, steife Kante der Spitze stellen und darauf ausruhen, sondern muss mit der Zehenfläche Antreten aufrollen und drauf drücken. Dass solches Klettern auf Dauer anstrengend ist und eine Portion Kraft im Zeh und Fuss abverlangt leuchtend jeden ein. Nichts desto trotz kann man mit dem Speedster ALLES (bis vielleicht ganz kleine Löcher) antreten und stehen, es ist halt umso anstrengender, je kleiner die Tritte werden.

Das ist aber auch der einzigeNachteil” der Konstruktion. Die Vorteile: Wahnsinns Gefühl, Greifen mit den Zehen wie mit den Händen, Präzision und Natürlichkeit beim Antreten die Möglichkeit richtige komplexe Tritte einfach zu umfassen sowie hervorragende Hook Eigenschaften, überwiegen für mich persönlich deutlich.

 

Trotz spartanischer Gummierung ist Speedster Weltklasse beim Hooken

Das Hooken mit dem Speedster ist sehr gut und macht viel Freude. Die Ferse sitzt eng, die Gummierung ist zwar leider nicht geschlossen, so dass Ablösungen des Gummis möglich sind, hat aber ausreichend gutes griffiges Gummi an den richtigen Stellen und bietet ein natürliches Feeling beim legen und belasten von Hooks. Bei manchen Hooks bietet die spartanisch dünne Konstruktion zwar keinen Schutz vor schmerzhaften Erfahrungen aber in den meisten Fällen ist sie ausreichend und funktioniert wirklich super. Dabei ist es egal, ob man auf Reibung, Leisten oder “Nichts” Hookt, durch das gigantische Feedback kriegt man Positionen und Züge hin, die ich zum Teil mit dem Solution nicht gepackt hatte.

Diese “Gummizunge” ist wahnsinnig effektiv beim Toe-Hooken – Weltklasse!

Wenn an diesem Kletterschuh eine richtige Stärke genannt werden soll, dann würde ich Toe-Hooken nennen wollen. Das Klammern mit den Zehen funktioniert einfach nur fantastisch und ist sogar besser als beim Solution (der meiner Meinung nach unangefochtener “König” in dieser Disziplin ist. Das Toe-Hook Patsch erstreckt sich zwar nicht auf den gesamten Zehenbereich, ist aber komischer Weise absolut ausreichend, um auf großflächigen und wirklich flachen Kanten aber auch schmalen Schuppen genügend Halt zu finden. Insgesamt bin ich wirklich überzeugt von der Konstruktion und der draus resultierenden Performance.

 

Haltbarkeit

Die Reihe der positiven Meldungen über Speedster reißt nicht ab… Trotz der dünnen Materialen und des fragil wirkenden Äußeren ist Speedster ein richtiger Dauerbrenner. Bei meinem alten Modell konnte ich nach einem Jahr intensiver Benutzung im Granit, Kalk und (dem Killer) Plastik nur ein Paar Kratzer an der Spitze feststellen. Grund dafür ist die “runde Kanten” Konstruktion, die die Spitze auf erstaunliche Weise vor der unvermeidlichen mechanischen Abnutzung schützt. So lange hat bei mir noch kein Kletterschuh an der Kunstwand überlebt. Am Ende hatte ich mein alten Speedster noch weitergegeben, so dass er wahrscheinlich immer noch im Einsatz ist.

Die runde Gummibedeckte Spitze ist der Schlüßel für ein langes Leben – mein Tip für raue Plastikwände

Wie und ob, man den Speedster wiederbesohlen kann und sollte lässt sich nur mutmassen. Ich vermute, dass es kein normaler Schuster hinbekommen würde, so dass nur der Weg zum Hersteller bleibt. Fakt ist eins dieser Slipper hält um ein vielfaches länger als jeder Kletterschuh dieser Art, den ich bis dato hatte. Auch das Obermaterial und das Gummiband leiern weder aus noch bekommen sie Risse und Löcher. Einzige Schwachstelle des Speedsters ist die dünne Sohle unter dem Zeh, denn dort findet das Aufrollen statt. Hat man es mit scharfen Kanten, Ecken und Kristallen zu tun droht ab dieser Stelle schnell ein Loch. Insgesamt ist es jedoch wirklich erstaunlich, wie langlebig dieser Slipper doch ist!

 

Empfehlung/Einsatzbereich/Klettergebiet

Der Downturn und Vorspannung schreien förmlich nach Überhang

Am Fels ist Speedster für mich ein Mittel für speziale Fälle: komplexer Toe-Hook, das Klammern mit dem Fuss im fränkischen Dach extreme Reibungsprobleme usw. Um ihn in Kochel und Voralpen zu klettern bin ich mit 80 kg einfach zu schwer. Elbi, Bleau und andere “Rebungsgebiete” sind dagegen wie für den Speedster geschaffen, denn auf Reibung ist er eine wahre Macht.

Nach meinem ersten Speedster, wollte ich unbedingt ein weiteres Paar haben, da es meiner Meinung nach ein perfekter Hallenschuh ist. Der Nachteil dieses Kletterschuhs an kleinen Tritten ist zwar da und sollte nicht verschwiegen werden aber man darf das auch nicht über dramatisieren. Auf großen Plastiktritten und Reibung ist dieser Kletterschuh eine Wonne und zwar sowohl für Fortgeschrittene als auch Anfänger. Zudem kommt seine Verschleißresistenz an rauen, beschichteten Kunstwandplatten dem Halleneinsatz zu gute.

mit Speedster klettern bedeutet vor allem – viel Gefühl und Greifen mit den Füßen

 

Fazit

Zu diesem Schuh fällt mir irgendwie nur positives ein. Es ist halt schwierig etwas was man selber so gut und gelungen findet neutral darzustellen und zu bewerten. Für mich ist Speedster DER Plastik Trainings-, Boulderschuh schlechthin. Dank der mäßigen Kosten, sehr hoher Haltbarkeit und phänomenalen Leistungen beim Klettern, ist Speedster wie geschaffen für den harten Hallenalltag. Diese Klettersocke muss natürlich gefallen und passen, aber wenn diese beide Faktoren stimmen, dann gibt es keinen langlebigeren Slipper auf dem Markt als den Speedster.

Dieser Kletterschuh hat meine uneingeschränkte Empfehlung für fußstarke (Barfuss)Felsathleten und alle Plastikfreunde.

Kletterschuh Video Test

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