Outdoor

Ahoi Hoppetosse - Kanutour in Schweden

19.12.2012

Ahoi Hoppetosse – Kanutour in Schweden

Paddeln im Outdoor-Paradies Schweden: Wer in der Provinz Dalsland im Westen des skandinavischen Landes ins Kanu steigt, kann Hunderte Kilometer weit paddeln und die Stille, Einsamkeit und Schönheit der tiefblauen Seen und dunkelgrünen Wälder genießen. Es sei denn er paddelt mit Hunderten anderen Outdoor-Enthusiasten beim Dalsland-Kanumarathon im August um die Wette. Dann wird es weniger einsam.

Kajak-Test im Västra Silen

Christer Emanuelsson vom Silverlake Camp schleppt für uns zum Ausprobieren ein Kajak ans Wasser.

Leise knirschend rutscht der silberne Kanadier über den Sand in die Bucht von Kråkviken. Wir sind im Westen von Schweden. “Så där! So müsst ihr das Paddel halten!“ Christers linke Hand umschließt das obere Ende des Paddels wie einen Türknauf, die rechte Hand fasst es rund zehn Zentimeter oberhalb der Schaufel. “Inget problem! No problem!“, ermuntert uns der Outdoor-Schwede mit dem trendy Schnurrbart vom Silverlake Camp nördlich von Bengtsfors. Der Västra Silen im schwedischen Kanumekka Dalsland ist unser erster See, den wir im Kanu erobern wollen. Als wir die blaue wasserdichte Tonne mit Christers Lunchpaket in unser Kanu laden, freue ich mich, dass der südliche Västra Silen und der nördliche Svärdlång uns Kanu- und Schweden-Anfängern ein breites, ruhiges Übungsterrain bieten. Es ist kurz vor Mittsommer, der vielleicht wichtigste Tag im Kalender der Schweden. Der Himmel ist wölkchenverziert, hier, zwischen der schärenübersäten Westküste Schwedens und dem Vänernsee. Wir nennen unser Kanu “Hoppetoose”, nach dem Seeräuberschiff von Pippi Langstrumpfs Papa Ephraim. 

Paddeln für Anfänger: in Dalsland in Schweden gibt es viel Übungsterrain.

Paddel marsch! Bei Anfängern ist die Paddelrichtung im Kanadier nicht zwingend sofort vorwärts geschweige denn geradeaus.

Paddeln für Anfänger

Zeitgleich das Paddel ins Wasser, kraftvoll nach hinten schieben, und wir gleiten wackelig über den schwarzblauen See, dessen Ufer von Tannen, Birken, Fichten, Buchen gesäumt wird. Tage, Wochen, Monate könnten wir im Outdoor-Paradies Dalsland paddeln, ohne dieselben Wasserwege zu nutzen: Hunderte von Kilometern webt sich ein Seen- und Kanalnetz durch die westschwedische Provinz, nur selten unterbrechen kurze Tragepassagen das Paddelvergnügen. Wir sind allein auf „hoher See“ – Mitte August sei das anders, wird uns Christer später erzählen. Wenn der Startschuss zum legendären Kanumarathon fällt, sehe man aus der Vogelperspektive mehr bunte Boote als Wasser. Ein überwältigendes Outdoor-Event.

Fasziniert beobachten wir die schwedische Wildnis von der Stille des Wassers aus, hoffen darauf, dass ein Elch röhrend am Ufer erscheint, ein Biber vor dem Boot herschwimmt. „Kuck-kluiii! Kuck-kluiii!“ Uns hebt es aus den Kunststoff-Sitzen, so dass das silberne Kanu ins Wanken gerät. Direkt vor uns durchbricht ein Schwarm schwarz-weiß gesprenkelter Vögel die spiegelblanke Wasseroberfläche. Unsere Paddel haben die Prachttaucher in ihrem Tauchgang gestört, wir selbst sind jäh aus der Trance befreit, die die geruhsame Landschaft der Seen, Felsen und Wälder in uns auslöste. Gerade rechtzeitig, bevor das Wasser zum Ufer hin seichter wird, Felsen knapp unter der Oberfläche auftauchen. Eine Straße muss überquert werden, dank Christer keine unlösbare Aufgabe. Wir schieben mobile Räder unter das Boot. Flugs sind wir wieder im Wasser – jetzt im wildromantischen Svärdlång-See, der von Felsen gesäumt eher wie ein Canyonfluss als ein See wirkt. Der Wind bläst uns unverschämt ins Gesicht, kleine Wellen kräuseln sich wie Gänsehaut. Es wird anstrengend. Nach einer halben Stunde schafft unser Kanu die rettende Linkskurve.

Picknick auf der einsamen Insel

Läcker lunch: Nudelsalat gehört zum schwedischen Picknick dazu.

Outdoor-Paradies Schweden

Erschöpft lassen wir uns auf der Picknickdecke auf den Felsen nieder, breiten Christers Lunchpaket aus. Über hundert solcher offizieller Lagerplätze gibt es in dieser herrlichen Seenregion Schwedens, alle haben mindestens eine Feuerstelle, ein Plumpsklo und einen Unterstand. Alles blitzsauber – die Kanuten scheinen das Allemannsrätt – Jedermannsrecht – ausnahmslos vernünftig zu interpretieren: Im Outdoor-Land Schweden darf man sich in der Natur zwar frei bewegen – inklusive Zelten –, auf Grundbesitzer, Tiere und Pflanzen nimmt man aber Rücksicht und seinen Abfall wieder mit. Bevor wir wieder zurückpaddeln, wagen wir den Sprung ins eiskalte Nass, mehr als ein paar klamme Strampler sind nicht drin. Beinahe ganz Dalsland ist durch natürliche Wasserstraßen vernetzt, der Dalsland-Kanal verbindet die wenigen Gewässer miteinander, die durch feste Landstriche voneinander getrennt sind. Bei Bengtsfors wurde ein Aquädukt über eine Schlucht gezogen, über das Kanuten in den nächsten See geschleust werden. Wir paddeln mit Rückenwind zurück ins Silverlake Camp. Die Sonne scheint uns noch sehr lange auf den Bauch, während wir den Blick über den See genießen, am anderen Seeufer donnernd ein Elch röhrt und wir das Dalsland-Kapitel im schönsten Reiseführer Schwedens, in „Die wunderbare Reise des Nils Holgersson“, lesen.

Info: Paddeln im Dalsland

Dalsland-Nordmarken ist die seenreichste Region Schwedens. Einer der schönsten Wasserwege Europas – der Dalsland-Kanal – verbindet eine Unzahl kleiner und großer Seen, Flüsse und malerischer Kanäle zu einem Traumziel für Kanuten. Zehn der 240 schiffbaren Kilometer führen durch Kanäle – den Hauptteil der Strecke bilden natürliche Wasserwege.

Naturpflegekarte: Pro Person und Tag für 50 SEK (knapp 6 Euro) erlaubt die Naturpflegekarte die Nutzung der Lagerplätze, Toiletten etc. Das Geld fließt in die Wartung und in den Ausbau der Plätze.

Kanuverleihtipp: Kanuverleihstationen gibt es viele, zum Beispiel Christer Emanuelssons “Silverlake Camp“ in Kråkviken nördlich von Bengtsfors. Silverlake Canoeing in der Brogatan in Bengtsfors bietet zudem mehrtägige Kanu-Pauschaltouren an. Tel. +46 (0)531-12173,  www.silverlake.se

Extratipp: Zwischen Bengtsfors und Årjäng rollt man 52 km lang per Draisine auf stillgelegten Bahnschienen.

Eventtipp: Immer in der zweiten Augustwoche findet ein Kanumarathon über 55 km statt: www.kanotmaraton.se

Lesetipp: Die ausführliche Broschüre “Kanotland“ fasst alles zusammen, was der Kanutourist im DANO-Seengebiet (Dalsland-Nordmarken) wissen muss, mit großen Karten und vielen Tipps und Adressen. Erhältlich bei Kanuverleihern, Touristenbüros, in Buchhandlungen oder für 125 SEK zu bestellen bei Dalsland Kanal AB in Åmål: Tel. +46 (0)532-10477, www.dalslandskanal.se

 

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