Alpin

Eine Nacht im Schnee: Biwakwochenende auf dem Stubaier Gletscher

13.12.2012

Eine Nacht im Schnee: Biwakwochenende auf dem Stubaier Gletscher

Schon als kleines Kind war ich mehrmals im Jahr in den Bergen unterwegs und noch immer bin ich ihrer Faszination erlegen. Sei es Ski- oder Skilanglaufen im Winter, Wandern im Sommer, MTB – alles hat einen besonderen Reiz für mich. Als ich dann vom Biwakwochenende am Top of Tyrol gelesen hatte, wusste ich, dass ich das unbedingt machen muss. Eine Nacht auf einem Gletscher hatte ich bis dahin noch nie erlebt und es klang einfach nur faszinierend. Allein die Vorstellung war schon wahnsinnig toll. Aber die Realität sollte noch besser werden.

Traumhafter Ausblick zum Start des Biwakwochenendes.

Traumhafter Ausblick zum Start des Biwakwochenendes.

 

Zum Auftakt des Biwakwochenendes trafen wir uns an der Talstation des Stubaier Gletschers. Bis alle Teilnehmer im Laufe des Tages eingetrudelt waren, konnten wir das Skigebiet erkunden und uns über unsere Vorstellungen und Erwartungen an das Wochenende austauschen. Schnell stellte sich heraus, dass noch keiner solch eine Tour unternommen hatte.

Biwakwochenende am Stubaier Gletscher

In Reih und Glied: Unser Biwakcamp am Stubaier Gletscher.

Die erste Nacht verbrachten wir auf der Dresdner Hütte auf 2308 Metern Seehöhe. Dies war wichtig, um sich an die Höhe zu gewöhnen. Am Abend wurden Fragen und Grundlagen zum Biwakbau und zum Verhalten auf dem Gletscher besprochen. Auch mögliche Gefahren am Berg wurden thematisiert. Außerdem lernte man sich innerhalb der Gruppe gut kennen. Durchaus ein wichtiger Punkt bei so einer Tour, denn man muss sich aufeinander verlassen können.

Richtig los ging es dann am Samstag: Zunächst musste das gesamte Expeditionsmaterial und Equipment zum Top of Tyrol auf 3210 Meter Seehöhe gebracht werden, dann suchten wir uns den passenden Bauplatz. Dabei lernten wir viel über Schneebretter und Lawinen bis wir schließlich mit der Planung des Biwaks loslegten. Unter Anderem ist dabei die richtige und sinnvolle An- und Ausrichtung der Zelte zu beachten, so dass ihnen der Wind möglichst wenig anhaben kann.

 

Biwak-Nacht am Stubaier Gletscher

Kaum ist die Sonne weg, sinken die Temperaturen in die Tiefkühltruhe. Der Stimmung tat dies keinen Abklang.

Anschließend legten wir die Untergründe für die Zelte frei, bauten sie auf und sicherten sie zusätzlich mit Schneemauern vor dem Wind. Ein gemeinsames Zelt diente zum Schmelzen von Wasser, um immer Tee und Nahrung zubereiten zu können. Außerdem war es der Treffpunkt für die gesamte Gruppe.

Als unsere kleine Zeltstadt fertig war, lernten wir wie man sich allein oder zu dritt ein Notiglu bzw. eine Notunterkunft mit einem Biwaksack baut. So kann man bei einem plötzlich eintreffenden Notfall sicher überleben. Unsere Bergführer erklärten uns das richtige Verhalten am Berg, im Schnee, am Gletscher und auf Expeditionen. Außerdem war es ein toller Austausch unter den Teilnehmern, wer schon welche Touren gemacht hatte und diese empfehlen konnte.

Sonnenaufgang am Stubaier Gletscher.

Sonnenaufgang am Stubaier Gletscher.

Der Tag verabschiedete sich mit einem herrlichen Sonnenuntergang auf dem Top of Tyrol. Die Eindrücke in diesem Moment waren unbeschreiblich. In der Weite der Alpen kam man sich so winzig klein vor. Es herrschte eine wahnsinnige Stille. Kaum einer wagte noch zu reden, da wir alle von dieser Stimmung überwältigt waren. Allerdings kam mit dem Sonnenuntergang auch die klirrende Kälte von etwa minus 20°C.

Schließlich begann der spannendste Teil des Wochenendes: die Übernachtung im Zelt. Nachdem alle Kleidung (und besonders die Schuhe) im Schlafsack verstaut waren, hieß es die Erlebnisse des Tages zu verarbeiten -  und die vielen neuen Eindrücke aufzunehmen. Das Gefühl in dieser Nacht war einfach nur wahnsinnig toll: Die Stille auf dem Berg, das Rütteln des Windes am Zelt. Nicht zu vergessen der unglaubliche Sonnenaufgang mit Blick auf die Dolomiten am Horizont am kommenden Tag.

Am nächsten Morgen wurde das ganze Camp gemeinsam abgebaut. Anschließend konnten wir als Erste des neuen Skitages die menschenleere Abfahrt bis zur Mittelstation der Gletscherbahn genießen, wo wir dann noch gemeinsam frühstückten.

Für Bergfreaks und als Tourenvorbereitung

Ein Biwakwochenende ist als erster Test für eine Mehrtagestour im Eis oder ähnliches sehr zu empfehlen. Auch als Geschenk für Bergfreaks ist es durchaus passend. Da das Bauen des Biwaks auf über 3200 Metern richtig anstrengend ist, sollte man als Teilnehmer körperlich fit sein. Zudem sollte man guter bis sehr guter Skifahrer/Boarder sein, um in einem Notfall bis ins Tal abfahren zu können.

Packliste für ein Biwakwochenende:

Bekleidung: Temperaturen von bis zu -30° Celsius sind keine Seltenheit auf 3.200 Metern Höhe

Skihose und Jacke

  • Wechselwäsche, am besten Funktionsunterwäsche
  • Rolli + warmer Pullover/Fleece
  • Skisocken (2 Paar)
  • Handschuhe (evtl. Ersatzhandschuhe)
  • Mütze, Helm – falls vorhanden
  • warmes Schuhwerk für den Biwakaufenthalt – es ist nicht zu empfehlen die Skischuhe beim Biwakbau anzubehalten.

Skiausrüstung (wahlweise):

  • Tourenski
  • Freerideski
  • Telemarkski
  • Snowboard
  • Skischuhe, falls vorhanden Tourenschuhe, Snowboardboots
  • Schneeschuhe
  • Stöcke

Sonstiges:

  • Thermosflasche
  • Stirnlampe, Taschenlampe (an Ersatzbatterien denken)
  • Fotoapparat (an Ersatzakku denken, da sich die modernen Li-Ionen Akkus bei sehr kalten Temperaturen schnell entleeren)
  • Feuerzeug (Sturmfeuerzeug)
  • Skibrille
  • Sonnenbrille mit UV-Schutz
  • Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor
  • Rucksack (ca. 40l) mit Hüftgurt für guten Halt (Transport Biwak Ausrüstung, Abfahrt am Morgen mit eigenem Material)
  • Tagesproviant (Müsliriegel, Schokolade)
  • Ausweise, Geld

Neuer Kommentar

Deine Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht!

*


*