Testberichte

Black Diamond Posiwire Express Set

22.08.2013

Black Diamond Posiwire Express Set

Black Diamond Posiwire Express Set im Test

Einige meiner älteren Expressen hatten zum Ende der Klettersaison hin ausgedient und wurden durch neue ersetzt. Das kann in der Regel unterschiedliche Gründe haben: abgenutzte und zum Teil scharfkantige Karabiner, aufgeriebene Schlingen, Alter, Kontakt mit Chemikalien usw… Einige Schlingen meiner alten Expressen sahen nicht mehr wirklich vertrauenswürdig aus und wurden deshalb aussortiert, ein oder zwei Expressen waren spurlos verschwunden –  der reduzierte Bestand musste dann natürlich mit neuen Expressen aufgefüllt werden. Dabei stellten sich wie immer einige Fragen: Soll man lieber Gewicht sparen oder auf Widerstandsfähigkeit setzen? Lieber eine dünne Dynema Schlinge oder eine etwas breitere “normale”? Drahtschnapper oder normaler Karabiner? Wie immer viele Fragen, die man sich stellen muss, wenn man die Anschaffung von neuen Expressen plant. Dieses Mal habe ich mich für die Black Diamond Posiwire Expressen entschieden. Wieso es gerade dieses Modell wurde und welche Vor- und Nachteile das Set mit sich bringt, könnt ihr im folgenden Artikel nachlesen.

Aufbau

Black Diamond Expresse - Drahtschnapper

Black Diamond Expresse – Drahtschnapper

Das Black Diamond Posiwire Express Set gehört mit 11€ pro Expressschlinge bzw. 60€ für das 5er Set zu den eher günstigen Express Sets. Dennoch muss man hier keine Abstriche in der Qualität oder dem Handling hinnehmen.

Karabiner

Sowohl der normale Positron-Karabiner als auch der HotWire-Karabiner von Black Diamond sind relativ groß, liegen dadurch sehr angenehm in der Hand und lassen sich durch die große Öffnung auch gut klippen. Auch die Bruchlastwerte beider Karabiner brauchen den Vergleich mit der Konkurrenz nicht scheuen und haben im geschlossenem Zustand mit 25 bzw. 24kN (wire) auch ausreichende Sicherheitsreserven. Generell wirkt das Express Set sehr hochwertig verarbeitet und robust.

Bandschlinge

Die Bandschlinge ist eine 14mm “Dynex Dogbone” und hat mit 22kN ebenfalls einen sehr guten Bruchlastwert. Die Schlinge des Express Sets wirkt ebenfalls sehr hochwertig und ist gut verarbeitet. Die Schlinge ist für beherztes Zugreifen bspw. in Projekten gerade noch breit genug. Ein für manchen Kletterer wichtiger Punkt.

Black Diamond Expresse - untere Befestigung

Black Diamond Expresse – untere Befestigung

Beide Karabiner sind unterschiedlich in der Schlinge befestigt: Der Wire Gate Karabiner wird durch den sog. Straitjacket Einsatz in Position gehalten. Dieses System besteht im wesentlichen aus einem Gummiring, der zwischen Bandschlinge und Karabiner eingenäht wurde und so den unteren Karabiner fest fixiert. Dies soll – wie bei den meisten Expressen auf dem Markt – ein Verdrehen des unteren Karabiners verhindern und das Klippen erleichtern. Der obere Positron Karabiner dagegen ist nicht weiter befestigt, sondern nur in die umgenähte Lasche der Bandschlinge eingeklippt und hat etwas Spiel. Für meinen Geschmack ein paar Millimeter zu viel, da der obere Karabiner relativ lose wirkt. Dadurch hat die Expresse natürlich etwas mehr Bewegungsfreiraum, kann dadurch gut geklippt werden – verdreht aber eben auch mal leichter.

technische Details, Pro’s und Con’s

Hier noch einmal die wichtigsten technischen Details zusammengefasst:

  • Gewicht 103g
  • Bruchlast in kN (geschlossen / offen / quer): 25 bzw. 24 (wire) / 8 bzw. 9 (wire) / 8 bzw. 7 (wire)
  • Schnapperöffnung: 22m bzw. 25mm (wire)
  • Fixierung des unteren Karabiners (“Straitjacket”)
  • HotWire Wiregate verhindert unerwünschtes Öffnen des Karabiners,  den sog. “Whip Lash Effekt” (Das kann man übrigens gut nachvollziehen, indem man den Wire-Karabiner mit der Öffnung nach oben kräftig in die Hand schwingt – kein Geräusch zu hören. Macht man die selbe Bewegung mit dem normalen Karabiner, so hört man ein kurzes Klicken, welches dem minimalen Öffnen des Riegels entspricht). Dadurch bringen Wire-Karabiner eine zusätzliche Sicherheitsreserve mit sich: schlägt die Exe beim Sturz an die Wand, verhindert der Draht-Bügel ein mögliches Öffnen und dadurch ein mögliches Herausspringen des Seils.

Pro’s

  • Allg.: gutes Gewicht, gutes Handling beider Karabiner, große Öffnungen an beiden Karabiner
  • Dyneema-Schlinge: spart Gewicht, dennoch große Sicherheitsreserven
  • Drahtkarabiner: HotWire Wiregate verhindert unerwünschtes Öffnen, spart Gewicht
  • Normalkarabiner: sichere, gute Handhabung

Con’s

  • Dyneema-Schlinge: anfangs gewöhnungsbedürftig im Handling (Greifen beim Ausbouldern etwas schwieriger, tlw. leichteres Verdrehen)
  • Drahtkarabiner: etwas Gewöhnung an die “Nase” am Wiregate-Karabiner beim Aushängen bzw. Abbauen der Route
  • Normalkarabiner: manchmal leichtes Verdrehen durch große Schlingenöffnung

Anwendungsgebiet

  • Sportklettern
  • Alpines Klettern (wegen Gewicht evtl. nur eingeschränkt)

Fazit

Black Diamond Expresse - Drahtschnapper

Black Diamond Expresse – Drahtschnapper

Das Black Diamond Posiwire Express Set ist ein treuer und langlebiger Begleiter für den häufigen Einsatz – das konnte nicht nur ich bisher feststellen sondern auch mein Kletterpartner, bei dem die Expressen ebenfalls am Gurt hängen. Das Set ist robust und besitzt ein überaus gutes Handling. Wer mit dem etwas höheren Gewicht kein Problem hat, bekommt für wenig Geld viel Expressset geliefert! Und für den normalen Gebrauch am Fels ist das Set meines Erachtens komplett ausreichend – wer sich am oberen Limit bewegt oder zu den absoluten Gewichts-Fetischisten gehört, der mag mit dem Black Diamond OZ Express Set vielleicht besser beraten sein – hier bekommt man ein ebenso hochwertiges Express Set, spart aber fast die Hälfte an Gewicht, da das Black Diamond OZ Express Set nur ca. 63g wiegt. Da wirkt das gut 100g schwere Posiwire Express Set natürlich richtig schwer dagegen, doch aus meiner Sicht bzw. für meinen Einsatz ist das vollkommen ausreichend – auf dem Weg zum Fels ist das kein wirklicher Minuspunkt, beim Klettern selbst stört mich das Mehrgewicht auch nicht – bei Routen am Limit werden die Expressen oft schon vorab eingehängt, also alles kein Problem. Anders sieht es aus, wenn man das Express Set im alpinen Bereich einsetzen will – bei langen Zustiegen und langen Klettereien mit viel Material ist man darauf angewiesen, irgendwo an Gewicht zu sparen. Wer diesen Kompromiss aber eingeht, bekommt ein Top Express Set für wenig Geld – von mir eine klare Kaufempfehlung!

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