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Wilder Osten - Klettern in Rumänien

10.12.2012

Wilder Osten – Klettern in Rumänien

Klettern in Rumänien: Coltul Crapat

Coltul Crapat: die Csipkes-Route (VII+) führt durch die graue Wand.

Vor fünfundzwanzig Jahren noch klangen die Namen wie Gold in den Ohren der kletternden Alpinisten der ehemaligen DDR: Fagaras, Costila, Pjatra Crajului oder Vysoke Tatry. Die Klettergebiete in den rumänischen Karpaten waren der Himalaya des Ostens oder die Alpen der DDR. Dort fanden sich Evereste, K2s, Matterhörner und Marmoladas. Freilich meist niedriger, selten vergletschert und auch kaum von weltbekannter Bedeutsamkeit. Doch ihre Anziehungskraft war ebenbürtig – zumindest auf Zeit.
Und heute? Wer fährt schon noch zum Klettern nach Rumänien, in die südosteuropäischen Hochgebirge, in die rohen Ecken des Karpatenbogens? Dabei haben die Karpaten einen solchen Charme und jenes raue, wilde, gesetzlose Flair, das wir als Alpinisten doch gerade so lieben.

Rumäniens Berge bestehen im wesentlichen aus Süd-, Ost- und Westkarpaten, die sich hufeisenförmig um Siebenbürgen (Transsilvanien) erstrecken. Mit der Verlängerung nach Norden, durch die Ukraine und die Slowakei, bilden sie einen etwa 1300 Kilometer langen Gebirgszug, der aus zahlreichen Einzelgebirgen besteht, die mehr oder weniger felsdurchsetzt sind.

Klettern in der Turda-Klamm

Csipkes- Route (VII+) - Klettern in Rumänien

Die Csipkes- Route (VII+) bietet steile Plattenkletterei

Zwischen Cluj Napoca (Klausenburg) und Tirgu Mures (Neumarkt am Miersch) durchschneidet die etwa zwei Kilometer lange Turdaschlucht das hügelige Land der Westkarpaten. Mit Wandhöhen bis 350 Meter bietet sie sowohl dem Sportkletterer, als auch dem Freund alpiner Klettereien eine große Auswahl an Routen in den verschiedensten Schwierigkeitsgraden. Traumhaft ist der ebene Zugang von beiden Seiten in die Schlucht: Von der Hütte am Osteingang oder von der Pension und der Campingwiese am Westeingang gelangt man ohne Mühe über kurze Zustiege an die Felsen. Die Schlucht liegt auf einer Höhe von 330 Metern und ist im Frühling, Sommer und Herbst bekletterbar, da man sowohl sonnige, als auch schattige Wände findet. Steigeisenspuren – selbst in den schwereren Mehrseillängenrouten – verraten, dass in der Turdaschlucht auch im Winter geklettert wird.

 

Klettern im Bucegi-Gebirge

Klettern in Rumänien: Die Route "Blauer Riss" wartet an der Wand des weißen Tales.

Die Wand des weißen Tales: Hier wartet der 400 Meter hohe “Blaue Riss” auf Begeher.

Wesentlich alpiner geht es im Bucegi-Gebirge zu. Dieser Teil der Südkarpaten, unweit Graf Draculas Heimat auf der Burg Bran, beherbergt Rumäniens längste Kletterrouten und die Gipfel erreichen Höhen bis zu 2500 Meter. Wer im Bugegi-Gebirge an der Costila, dem namhaftesten alpinen Gemäuer, klettern möchte, der braucht möglichst Insiderinformationen von Locals oder Gebietskennern. Denn in Rumänien herrscht in den Bergen eher Wildnis als Zivilisation. Oft sind die Karten älter, das Wegenetz dünn und es fehlen detaillierte Kletterführer, speziell über die alpinen Anstiege.

Wir hatten das Glück an der Costila-Biwakhütte eine Gruppe rumänischer Kletterer zu treffen, die uns unaufgefordert umsorgten. Mit einer großen Portion Gastfreundschaft und Geduld erklärten Sie uns die oft durch dichte Latschen versteckten Zustiege und vor allem die nicht immer leicht zu findenden Abstiege. Ganz nebenbei sei an dieser Stelle bemerkt, dass es in Rumänien entgegen vieler Vorurteile wahrscheinlicher ist beschenkt zu werden, als bestohlen.

 

Transsilvanien, das Land hinter den Wäldern.

Transsilvanien heißt soviel wie: Das Land hinter den Wäldern.

Was Rumänien noch zu bieten hat

Die Reise nach Rumänien lohnt sich nicht nur wegen den zahlreichen Möglichkeiten zum Klettern. Das Fagaras-Gebirge beispielsweise ist ein langer Gebirgszug mit weit lieblicherem Touch. Hier kann man tagelang trekken und wandern, dabei in Hütten oder im Zelt übernachten. Rumänien verfügt über mehrere Nationalparks, Bären leben hier noch in großen Mengen und man stolpert ständig über ihre Spuren. Im Winter kann man in verschiedenen Ecken Eisklettern und im gesamten Karpatenraum finden sich Skitourenziele, denn trotz der recht südlichen Lage ist es aufgrund der abgeschotteten Lage im Winter sehr kalt. Nicht zuletzt ist Rumänien reich an architektonischen und kulturellen Highlights. Viel Spaß beim Erkunden!

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