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Jungfrau Region - Mountainbike und Klettersteig

15.11.2012

Jungfrau Region – Mountainbike und Klettersteig

Es dauert genau 430 km bis endlich die imposante Nordwand des Eigers (3970 m) vor meiner Windschutzscheibe auftaucht. Mitten im Berner Oberland liegt die kleine Ortschaft „Grindelwald“ am Fuße der Eiger Nordwand. Weltruhm erlangte sie durch die Jungfraubahn, die direkt zum Jungfraujoch auf 3454 m Touristenmassen hinauf befördert. Meine Eltern machen dieses Jahr dort Urlaub und ich möchte unbedingt mit meinem Papa zwei Klettersteige in dieser Region erleben. Da ich mich auf einen Alpencross mit meinem Mountainbike vorbereite, habe ich um die Klettersteige jeweils eine Mountainbike -Tour eingeplant. Ich freue mich auf ein paar sportlich-schöne Tage – dabei wird mein Erste-Hilfe-Set leider eine wichtige Rolle spielen.

Donnerstag morgen mache ich mich auf den Weg in die Schweiz. Man würde vermuten das von München aus alle Berge nur einen Katzensprung entfernt sind, dennoch bin ich seit 5 Std. unterwegs. Im Kofferraum meines Wagens liegt mein Bike und mein Rucksack – mehr werde ich für das verlängerte Wochenende nicht benötigen. Die Freude auf meine Eltern und die atemberaubende Region ist sehr groß. Der Donnerstag wird daher zum ratschen und planen der nächsten zwei Tage genutzt.

Am ersten Tag wollen wir den Rotstock Klettersteig gehen. Dieser Genuss Klettersteig befindet sich direkt am Fuße des Eigers und lässt ein ganz kleines bisschen den Mythos Eiger-Nordwand aufleben. Am Folgetag möchten wir den Schwarzhorn Klettersteig machen. Er ist nicht minder spannend, zumal man von dort einen traumhaften Ausblick auf die hohen 4000er hat. Alle die ihr Mountainbike daheim lassen wollen (was ich nicht nachvollziehen kann;) können auch die Klettersteige gemütlich mit der Seilbahn oder dem Zug erreichen.

Tour 1 (Rotstock Klettersteig “B” – 400 Hm, Mountainbike Tour: 40 km, 1700 Hm)

Nach einem kleinen Frühstück geht es direkt los: Erstes Ziel ist die Station Eigergletscher (2320 m) hinter der kleinen Scheidegg. Am Jungfraujoch-Bahnhof von Grindelwald vorbei, geht es anfangs über asphaltierte Sträßchen die ersten Höhenmeter mit dem Mountainbike hinauf. Idyllische Wohnhäuser zieren den Weg. 

Die südliche Seite von Grindelwald ist bei Touristen nicht sehr beliebt, da die Sonne Mittags sich hinter der gigantischen Wand versteckt. Zum einrollen ist die Steigung über Asphalt sehr angenehm und man kommt schnell in einen gleichmäßigen Rhythmus hinein. Nach 300 Hm / 4 km erreiche ich das Restaurant Brandegg. Knapp 500 Meter weiter weicht der Asphalt einem Schotterweg und die Steigung wird anspruchsvoller. 

Ich arbeite mich mit dem Bike die Höhenmeter durch ein Waldgebiet hinauf, dabei wechseln sich lange, steile Passagen mit Kehren ab. Irgendwann stelle ich auf der Landkarte fest, dass ich eigentlich ganz woanders fahre als geplant. Der offizielle Weg führt eigentlich über Alpiglen (ca. 1600 m) – mein Weg liegt bis zum Schluss ein wenig tiefer. Das Waldstück ist aber sehr schön, die Ruhe hier gefällt mir sehr gut, daher fahre ich einfach weiter. Kurz vor Mettla Arvengarten (1809 m) wird es nochmal steiler und der Wald lichtet sich. Am Horizont erscheint die kleine Scheidegg, nun ist es nicht mehr so weit. Man sollte nun ein wenig verschnaufen, da es am Ende nochmal richtig knackig wird!

Mit dem Mountainbike gut befahrbare Wege

Gut befahrbare Wege

Ich hole also nochmal ordentlich Luft und mache mich an den letzten Anstieg, der führt über einen Mountainbike – Trail direkt hoch zur kleinen Scheidegg. Ein Stück muss ich leider schieben, für geübte Biker ist der Weg aber komplett fahrbar. Oben angekommen bietet sich einem ein kurioses Bild. Auf der einen Seite die wilde Natur, auf der anderen ein gigantisches Touristenaufkommen. Ich verlasse auf schnellsten Wege diese Szenerie und trete die letzten Höhenmeter zur Station Eigergletscher.

Man Papa erwartet mich und mein Mountainbike bereits oben, jetzt muss nur noch umgepackt werden und dann kann der Klettersteig mit Klettersteigset losgehen. Zuerst folgt man dem Eigertrail bis zur Abzweigung „Rotstock Ferrata“. Hier kann man sich noch einmal ausruhen und die prächtige Eiger Nordwand aus unmittelbarer Nähe erforschen. Nach dem mühsamen Zustieg über einen breiten Grasrücken, geht‘s direkt über Leitern und Drahtseile hinauf. Der Anfang macht Spass, man kann viel am Fels klettern und es gibt keine kräftezehrenden Passagen. Wir erreichen schließlich ein Stollenloch mit Fenster: dieses gehört zur ehemaligen Station „Rotstock“ der Jungfraubahn. Spannend – mich würde interessieren was hinter dem Fenster ist.

Gut gesichert am Klettersteig

Gut gesichert geht es nach oben

Wir setzen unseren Weg aber fort, weil durch die Nordlage des Rotstocks wenig Sonne auf die Wand fällt und es ein wenig fröstelt. Nun folgen wir einem kurzen Band zum nächsten Aufschwung. Es ist viel Bewegung am Steig, daher müssen wir kurz abwarten bis die Gruppen vor uns die Stellen gemeistert haben. Es bleibt angenehm im Anstieg – man ist ein wenig ausgesetzt aber hat immer was zu greifen oder zu treten. Wir erreichen eine flachere Passage, hier sind wir genau zwischen Eiger und Rotstock. Wir wechseln über Bänder und eine Leiter von der Eiger-Seite auf die Rotstock-Seite und folgen dem Steig bis direkt auf den Gipfel. Mit Pausen haben wir knapp 1:30 Std. benötigt und machen nun entspannt Brotzeit.

Am Ziel des Klettersteigs

Am Ziel des Klettersteigs (Rostock)

Die Abfahrt mit dem Mountainbike habe ich über Wengen (1200 m) und Lauterbrunnen (803 m) geplant. Der kurze Trail zurück zur kleinen Scheidegg, ist zum Auftakt perfekt. Ich folge zuerst den Bahngleisen abwärts in Richtung Wengen. Nach kurzer Zeit biegt der breite Schotterweg weg und schlängelt sich über Wiesen und Wälder hinunter. Konzentriert nehme ich jede Kurve und lasse es auf den Graden laufen.

Stopp!! Die flowige Fahrt mit dem Mountainbike wird abrupt beendet. Vor der nächsten Kurve nimmt das Gefälle plötzlich zu und ich schaffe es nicht mehr abzubremsen. Es ist ein blöder Fehler, der mich aber bei knapp über 40 km/h aus dem Sattel direkt auf den Boden befördert. Das Vorderrad des Mountainbike stellt sich quer, ab da bin ich nur noch Statist und kriege es gerade noch hin mich abzurollen. Ich bleibe wenige Sekunden iegen und gehe in Gedanken meinen Körper durch. Nein – gebrochen oder verstaucht ist nix, also stehe ich auf. Der ganze linke Arm und Oberschenkel sind aufgerissen. Die Radhose ist hin, ein Wunder das die Softshelljacke gar nix abbekommen hat! Am Mountainbike ist nur der hintere Bremshebel verbogen und der Rahmen weist eine dicke Macke auf. Was nun? Es sind noch 20 km, alles schmerzt und kein Handyempfang. Ich rolle erst einmal nach Wengen runter und Wasche an einer Tränke meine Wunden. Es hat schon seine Gründe wieso ich mein Erste-Hilfe-Set immer auf Tour nehme. Ich desinfiziere alles und verbinde meinen Arm und den Oberschenkel und beschließe auch den Rest auf dem Mountainbike heimzufahren.

Von Wengen nach Lauterbrunnen führt ein unheimlich steiler Wanderweg hinunter. Ich fahre extrem vorsichtig, da meine Hinterradbremse nicht mehr optimal funktioniert und der Weg mit vielen Kehren gesäumt ist. In guter Form macht es hier bestimmt mächtig Spass, dennoch sollte man auf die vielen Wanderer achtgeben. In Lauterbrunnen bleibe ich rechts der Schienen und fahre entlang dieser auf einem Wiesenweg Richtung Gündlischwand (ca. 600 m). Nun geht es wieder hinein ins Lütschental, das mit Grindelwald endet. Ich halte mich auf Nebenwegen und meide die stark befahrene Bundesstraße. Die letzten 10 km auf meinem Mountainbike entwickeln sich zu einer Tortur, alles schmerzt und ich kann nicht mehr gescheit in die Pedale treten. Am Ende bin ich froh daheim anzukommen und mich erst einmal auf die Couch fallen zu lassen.

Tour 2 (Schwarzhorn Klettersteig “B” – 300 Hm, Mountainbike Tour: 27 km, 1240 Hm)

Am nächsten Morgen scheint die Sonne warm durch das Fenster hinein. Ich kann mich nicht so gut dahin drehen weil alles schmerzt, aber ich lasse diesen Tag keineswegs ausfallen. Es sind ja nur Schürfwunden und leichte Prellungen, gut verpackt geht das schon! Das Ziel heute ist der Schwarzhorn (2928 m) der höchste Gipfel des kleinen Gebirgszugs nördlich von Grindelwald. Ich habe meine Mountainbike Tour dafür über die große Scheidegg nach First geplant. Eigentlich wollte ich für die Abfahrt am Bachsee (2265 m) und Faulhorn (2680 m) vorbei, den Trail zur Busalp nehmen. Der soll mit dem Mountainbike ein Traum sein. Leider musste ich mich für die vernünftige Variante direkt ab First runter entscheiden.

Nach dem Frühstück geht es wieder direkt los. Ich habe meinen Verband am Arm mit einem Armling geschützt und hoffe das ich heute alle Strapazen schaffen kann. Der Weg zur großen Scheidegg ist technisch nicht anspruchsvoll aber 1000 Hm am Stück lassen die Pumpe ordentlich arbeiten. Ich starte wieder in Grindelwald und fahre nach Osten durch die Ortschaft. Schon hier steigt der asphaltierte Weg an. An Gydisdorf (1050 m) und Egg (1150 m) schlängelt sich der Weg vorbei, immer von vielen Autofahrern begleitet. Die hektische Situation endet aber am Parkplatz Oberer Gletscher, ab da ist nämlich Fahrverbot! Interessant zu wissen ist, dass in dem Wald neben dem Oberen Gletscher ein kleiner Mountainbike Park versteckt ist.

Nun geht es über 22 Kehren, homogen ansteigend, hinauf zur großen Scheidegg. Das Treiben im Tal wird allmählich ruhiger und trotz der asphaltierten Straße macht der Anstieg mit dem MOuntainbike Spass. Wenn man nicht aufpasst wird man am Anfang zu schnell und hat gegen Ende keine Körner mehr. So schlängelt sich der Weg Kurve um Kurve immer steiler den Berg hinauf. Ab und zu hupt mal ein Postbus, der vor jeder Kehre auf sich aufmerksam macht. Am großen Scheidegg fahre ich direkt weiter und halte mich links. Hier beginnt ein, anfangs sehr steiler, Schotterweg in Richtung First (2166 m). Zu meiner Linken baut sich der Eiger über dem Tal auf und begleitet mich von da an die ganze Zeit. Die Steigung hat abgenommen und ich folge einem Panorama Höhenweg bis kurz vor First. Am Ende wird es noch einmal etwas steiler aber es bleibt alles fahrbar.

Wolkenverhangen

Wolkenverhangen

In First angekommen ziehen ein paar Wolken auf. Mein Papa ist mit der Seilbahn hochgefahren und wartet bei einem Café auf mich. Routiniert ziehe ich mich um und verstaue meine Mountainbike Klamotten im Rucksack. Die ganze linke Seite schmerzt ein wenig, aber man kann es ertragen. Die Luft, der fordernde Anstieg und der bevorstehende Klettersteig motivieren mich! Von First aus gehen wir zuerst ein Stück den Schotterweg zurück bis ein kleiner Wanderweg in Richtung Schwarzhorn abzweigt. Von hier sind es etwa 3,5 Stunden zum Gipfel laut Wegschildern. Wir wandern über saftig grüne Almwiesen: Ab und zu trifft man auf eine kleine Kuhherde und wenn man ganz genau hinschaut, kann man auch Murmeltiere sehen. Nach einer Weile passieren wir ein hölzernes Murmeltier und biegen links weg Richtung „Chrinnenboden“ (ca. 2400 m). Wolken und Nebel zieht immer stärker auf, es sieht zwar nicht nach Gewitter aus, aber die Sicht wird immer bescheidener. Am Chrinnenboden ist der Klettersteig schon ausgeschildert, hier machen wir kurz Rast und ziehen unsere Klettersteigset an.

Der Steig beginnt mit ganz leichter Kraxelei im Ier- bis IIer-Gelände – alles ist abgesichert und problemlos machbar. Wir steigen weiter auf und erreichen nach kurzer Zeit den Grat. Links von uns türmt sich sedimentartig die große Chrinne (ca. 2650 m) und rechts sieht man den weiteren Verlauf des Klettersteigs über einige Leitern. Wir folgen dem Grat Richtung Schwarzhorn, einige Tritthilfen erleichtern uns manche Steilstufe. Es sind insgesamt 5 Leitern auf unserem Weg, diese sind schön ausgesetzt aber in einem sehr gutem Zustand. Wir machen schnell Höhenmeter gut und hoffen bald auf dem Gipfel zu stehen. Nach den Steilstufen aber wird es erstmal wieder etwas flacher und wir steigen langsam weiter. Durch die dramatische Wolkenstimmung fühlen wir uns wie in einer anderen Welt. Der Steig windet sich über den kompletten Grat hinauf, sodass wir nach weiteren Steilstufen den Normalweg kreuzen und fast am Ziel sind.

Der Gipfel ist geschafft! Die Wolken dominieren, aber das macht den Ausblick noch einmal spannender! Einzelne Gipfel tauchen auf und verschwinden wieder im weißen Wolkenmeer. Außer uns ist keiner hier oben und wir entspannen nach dem langen Weg und schauen dem Schauspiel der Natur zu. Ein paar Bilder mit Selbstauslöser zum Abschluss dürfen natürlich auch nicht fehlen! Da mein Papa die letzte Seilbahn ins Tal erwischen muss, machen wir uns schließlich auf den Rückweg.

Wir steigen über den Normalweg (Südgrat) ab. Dieser erscheint mir unheimlich lang und führt über endlose Schotter- und Steinfelder, die sich im Dunst auflösen. Ich bin froh, dass wir den Klettersteig zum Aufstieg gewählt haben und nicht den Südgrat. Es soll dann auch knapp 2 Std. dauern bis wir wieder unten an der First Steilbahn sind. Mein Papa ist froh noch die letzte Bahn zu erwischen und ich freue mich auf eine entspannte Abfahrt ins Tal, obwohl ich ein wenig wehmütig bin, dass ich die coolere Variante nicht machen kann.

Gipfelfoto Jungfrauen Region

Gipfelfoto die 2te (Schwarzhorn)

Zuerst folge ich dem Hinweg ein Stück bergab, bis zu einer Hütte. Dort zweigt der Weg ab Richtung Mittelstation und Bort. Da meine Hinterradbremse beschädigt ist, muss ich bei der Abfahrt trotz der befestigten, kleinen Sträßchen aufpassen. Es folgen etliche Abzweigungen und der Landkarte nach, führt auch jede irgendwie hinunter nach Grindelwald. Daher beschließe ich mich und mein Mountainbike einfach treiben zu lassen. Eine halbe Stunde später bin ich auch schon wieder daheim bei meinen Eltern. Jetzt merke ich auch wieder meine Verletzungen und bin dankbar das dieser Tag dennoch so gut gelungen ist! Schließlich geht es morgen früh wieder zurück nach München.

Die Jungfrau-Region ist schon spitze! Neben den berühmten Gipfeln gibt es hier viel zum Wandern, Klettern und Mountainbike. Ich habe die Tage hier sehr genossen, nicht zuletzt weil ich sie mit meinen Eltern verbringen konnte. In der Landkarte habe ich zudem weitere interessante Mountainbike Touren gefunden, die ich dann beim nächsten mal in Angriff nehmen werde – dann hoffentlich ohne Sturz und Verletzung!

Kompass Karte Nr. 84 – Jungfrau-Region (1:50000)

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