Alpin

Kurzes Gastspiel im Wallis

16.11.2012

Kurzes Gastspiel im Wallis

Die Anfahrt

„Welches Fahrzeug nehm` ma für de Fahrt ins Wallis?“  „Nimm dein 3er VW Bus“…“ Guad, bis moing um 10.30 Uhr!“…basst, des bestellte Material von Bergzeit ist a rechtzeitig kemma, einwandfrei highaut, bei dene komm ma guad bstelln – guad Nacht“ Das war das letzte Telefonat vom Hansi und mir (Sepp), bevor wir tags darauf unsere Reise ins Wallis motiviert und mit reichlich anspruchsvollen Zielen im Gepäck angingen. Mit der fahrbaren Schlafmöglichkeit und Kaffeestation wollten wir auf etwaige Wetterverhältnisse flexibel reagieren können.

Außerdem hatten wir somit unsere Capanna oder Refuge ja schon mit dabei. Ziele waren in Reihenfolge Obergabelhorn Südwand, Schaligrat am Weißhorn und über Nordgrat/Young Rippe hinab nach Zinal, Matterhorn Zmuttgrat mit Biwak auf Grat und wenn alles klappt als „Zuckerl“ noch nach Chamonix den Brouillardgrat auf den Mont Blanc. Für die Reise wurden noch ein paar Camelots, T-blocs, ein ultrageilen Passion Five Schlafsack von Yeti für nächtlich geplante Biwacks im Wallis(z.B. auf dem Zmuttgrat) und weiteres notwendiges Material über Bergzeit.de besorgt.

Schrifttafel Im Wallis

Blick auf die in Sonne getauchten Berge

Als wir am 19.08.2012 um 10.30 Uhr bei bereits 29 Grad Celsius von zu Hause starteten war uns bewusst, dass uns eine heiße Fahrt bevorsteht.Ja…reichlich spät. Unser Ziel an diesem Tag war neben der An- bzw. Hinfahrt noch der Aufstieg zum Arbenbiwak. Ziel war tags drauf die Obergabelhorn Südwand. Wir waren sehr gut trainiert und planten am Tag der Anreise die angegebene Aufstiegszeit diverser SAC Führer von 5-7h auf 3-4h Zeit auf das Biwak verkürzen zu können. Der Bus hatte keine Klimaanlage. Desweiteren erhöhte sich die Kühltemperaturanzeige bei zähfließendem Verkehr und Bergauffahrten bedrohlich. sodass notgedrungen die Heizung voll aufgedreht werden musste um eine Überhitzung des Motors und weitreichende Schäden zu vermeiden.

Voll aufgedrehte Heizung in der heißesten Woche des Jahres… – ja merce!

Kurz nach Mittag hatte es bereits 39 Grad im Schatten, und uns war bewusst, das obwohl der Wetterbericht stabile Wetterlage in den Westalpen vorhergesagt hatte, es keine sehr guten Bedingungen haben kann (Stein und Eisschlag, plötzliche Wärmegewitter immer möglich, starke Frequentierung von Bergtouristen). Nach schweißtreibender Fahrt kamen wir schließlich um 19 Uhr in Täsch an. Mit dem Taxi ging es nach Zermatt und von dort zu Fuß Richtung Arbenbiwak. Der Taxifahrer sowie der in die Jahre gekommene mitfahrende Bergführer zeigten sich sehr erstaunt, als wir auf die Frage des heutigen Ziels Antwort gaben.

Der Aufstieg zum Arbenbiwak im Wallis

Es herrschte zu diesem bereits leicht dämmernden und abkühlenden Zeitpunkt eine angenehme Ruhe. Auf den Weg zum Arbenbiwak über den Stafelspeicher konnten wir die Matterhorn Nordwand sowie Zmuttgrat und dessen Zugang im Sonnenuntergang Begutachten. Am Speicher mussten wir dann unsere Stirnlampen anschalten. Um 23 Uhr, also nach 4 h kamen wir über einen zum Schluss etwas exponierten Klettersteig am Arbenbiwak an. Dieses war halbvoll besetzt. Vor dem Eingang kochten wir noch eine Packung Nudeln und tranken das mitgenommene Bier. Die Lage sowie der Zustand des Biwaks begeisterten uns und gaben uns Vorfreude auf Weiteres.

Tag 2 – Ausschlafen und weiter mit voller Kraft

Vorrausgesagtes stabiles Wetter im Wallis, der frühzeitige Aufbruch der Bergführer mit Gästen, die Höhe des Ausgangspunktes und bewusst unserer Fähigkeiten schliefen wir bis 8 Uhr aus um Kräfte zu sparen für kommende Ziele. Nach kleinem Frühstück und genauren Einblick in die Südwand gingen wir um 9 Uhr los.

Über Blockgelände ging es zu einer ca. 45 Grad steilen exponierten Firnflanke. Diese wurde mit Steigeisen gequert. Anschließend am strukturierten Wandfuß wurde noch kurz über den sinnvollen Einstieg der breiten und mächtigen Südwand des Obergabelhorn ausgiebig diskutiert. Der Beginn unserer Routenwahl war ca. 50 – 100m rechts des eigentlichen Einstiegs. Über genussvolle Verschneidungs und strukturierte Wandkletterei im 4. Grad bei “laufenden Seil” stießen wir auf einem in Wandmitte befindlichen Plattensektor. Vermutlich gefräst, gerundet und glattgeschliffen durch ein früheres Firnfeld. Dieses dient nun als Auffangtrichter für Steine und Wasser. Dieser war so gut wie nicht abzusichern. Lediglich ein windiger Keil und ein 2er Camelot von Black Diamond konnte in 3 Seillängen als Zwischensicherung gelegt werden. Der Camelot konnte z. B. nur mit 3 von vier notwendigen Haltepunkten in einem kleinen Querloch untergebracht werden. Mit steigeisenfesten Hochalpinschuhen und mageren Standplätzen querten wir im teilweise nassen 5-6ten Grad diesen von Steinschlag und Schneewächten bedrohten leicht geneigten Trichter.

Im südöstlich gelegenen Monte Rosa Gebiet und im Grand Combin Massiv zogen dunkle hohe Gewitterwolken auf. Das Wetter verschlechterte sich drastisch und schien uns einzuschnüren.

Nach weiteren Querpassagen am laufenden Seil (Tblocs) erreichten wir den eigentlichen Südpfeiler der Südwand sowie die ersten beiden Schlaghacken nach ca. 350m Wandkletterei. Plötzlich …. Donner ….! Ok, jetzt wurde es ungemütlich. Die Sonne wurde von 2 mächtigen Gewitterfronten verdeckt. Als wir dann den äußerst brüchigen oberen Teil des dann exponierten Pfeilers angingen, fing es zu Schneien und Graupeln an. Als wir das Kohleband betraten, sah ich bei meinen Nachkommenden Seilpartner einen Funken über dem Helm aufblitzen. Das war das Zeichen ernsthaft über einen Biwakplatz nachzudenken bzw. das Wetter an einem verhältnismäßig sicheren Ort ohne Material abzuwarten. Der Ausstieg auf den sehr exponierten Gipfel bei Gewitter wäre sehr riskant. Ein geeigneter Paltz konnte auf dem Kohleband gefunden werden. Aber aufgrund der fortgeschrittenen Zeit und der Annahme von dem direkten Kontakt mit der natürlichen Elektrizität verschont zu bleiben, stiegen wir über die sehr erdige, brüchige und von Wechten bedrohte Ausstiegseillänge aus.

Einige Eindrücke des Gipfels und seiner Umgebung im Wallis:

Gewitter am Wallis

Gewitter am Weißhorn und im Walliser Tal

Die ersten Gewitter bereits vorbeigezogen...

Die ersten Gewitter bereits vorbeigezogen…

Rückblick in die Südwand

Rückblick in die Südwand

Rückblick in die Südwand

Rückblick in die Südwand

Wo es rauf geht, gehts auch wieder runter

Nach geknippsten Gipfelfotos im Wallis wurde der Abstieg über den Nordostgrat und Wellenkuppe Richtung Rothornhütte angegangen. Dabei wurde ca. 4-5 mal 30 m (hatten 2 x 30m lange Halbseile dabei) abgeseilt. weiter ging es auf den exponierten Grat über stark angerissene mächtigen Wechten, die bei derartig warmen Temperaturen der Vortage sehr heikel zu queren waren. Ausweichen in die in diesem Bereich blanke bis 55 Grad steile Nordwand schied aus.

Im Einbruch der Dämmerung an der Wellenkuppe angekommen wurdedie „Kanzel“ abgeklettert. Im Dunkeln konnten wir dann zügig über den sulzigen Rothorngletscher ziemlich ausgelaugt die Hütte erreichen.

Tag 3 – Sicherheit geht vor – Es geht heim

Am Nächsten Tag im Wallis wurde diskutiert, ob wir bei diesen äußerst warmen und aufgeheizten Verhältnissen zum Schalibiwak aufsteigen sollten. Der Wetterbericht verlautete nur noch ein Tag „stabiles“ Wetter im Wallis, mit der Gefahr auf Wärmegewitter gen Abend. Nach den am Vortag erlebten Ereignissen (auch das zu beobachtende Unwetter am Gipfel des Weißhorn), hatten wir keine Lust am Weißhorn Schaligrat oder Nordgrat / Youngrippe von einem Wärmegewitter überrascht zu werden. Denn ein schneller Rückzug, eine Unterstellmöglichkeit etc. waren dort dann kaum mehr möglich. Also stiegen wir schweren Herzens jedoch mit der Vernunft mittlerweille etwas ”gereifter” Alpinisten ab, genehmigten uns noch Schweizer Rösti mit Spiegelei, 2-3 Bier und fuhren mit dem VW Bus auf die Täschalp zum Waschen, Kaffetrinken, Lagebesprechung, Essen, Material sortieren und Schlafen. Leider wurde das Wetter für die nächsten Tage im Wallis und Frankreich deutlich unbeständiger angesagt. Somit kamen wir zu dem Entschluss nach kurzem Aufenthalt im Wallis (jedoch bereits der 3. im Jahre 2012) zurück in die Heimat zu fahren. Wir hätten natürlich in ein französisches Klettergebiet fahren können, aber in Rosenheim wurde das Herbstfest angezapft – Prosit. Somit fiel uns dann die Entscheidung doch etwas leichter.

Die Ziele laufen ja dann für ein längeres Gastpiel im Wallis nicht davon…

Obwohl dies nur die Einstiegstour bedeuten sollte und wir hochmotiviert waren. Mussten wir leider die Heimreise antreten. Das Wetter war sehr gut vorausgesagt… aber zu warm für Hochalpine Unternehmungen. Dies war uns bei der Hinfahrt schon bewusst. Neben einer tollen Tour konnten wir auch wieder einige Lehren ziehen. Die wichtigste Lehre hatten wir jedoch viele Jahre zuvor kennengelernt – „Umdrehen können“.

Berg Heil!

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