Outdoor

Lamsenspitze - Mountainbike und Klettersteig

17.10.2012

Lamsenspitze – Mountainbike und Klettersteig

Mountainbike – Via-Ferrata auf die Lamsenspitze

Ich suche in den Bergen oft nach neuen Herausforderungen, dabei versuche ich meine Leidenschaft für das Mountainbike fahren mit neuen Ideen zu ergänzen. Ich habe mich in letzter Zeit oft mit der Kombination von Mountainbike und Klettersteig beschäftigt und viele Touren heraus recherchiert, die beide Sportarten harmonisch verbinden. Dabei muss man gar nicht tief in die Alpen fahren, da das Paradies oft direkt vor der Haustür liegt.

Ostwand Lamsenspitze

Ostwand der Lamsenspitze

Zwischen Pertisau am Achensee und dem großen Ahornboden liegt mitten in der Hinterautal-Vomper-Kette und am Ende des Stallentals die Lamsenspitze (2508 m). Ihre mächtige Ostwand mit dem kleinen Klettergarten und einigen Mehrseillängenrouten, ihre nicht minder eindrucksvolle Nordwand (vom Falzthurntal zu sehen) und der schöne Genussklettersteig über die Südwand machen diesen Gipfel zu einem lohnenden Ziel. Das Gebiet bietet wahrlich viele Varianten für Mountainbike Fahrer, doch sollte man über Kondition für die Anstiege und ein bisschen fahrtechnisches Können für die Abfahrten verfügen.

Das Vorhaben Mountainbike -Via-Ferrata fängt für mich schon beim Packen des Rucksacks an. Was nehme ich mit? Die Entscheidung ist nicht einfach und auf jeden Fall kommt mit dem Klettersteigset (dazu gehört auch der Helm) erhebliches Mehrgewicht hinzu. Ich verzichte beim Mountainbike auf Klickschuhe und entscheide mich für leichte Wanderschuhe – ein sicherer Tritt am Klettersteig ist absolut notwendig. Außerdem muss man entsprechende Wechselklamotten einplanen!
Gut gepackt kann die Tour losgehen und ich mache mich um 6:30 Uhr auf in Richtung Achensee.

Zur Lamsenjochhütte 1953 m (ca. 30 km, 1800 Hm)

Mit dem Mountainbike zum Stallental

Aufstieg Stallental mit dem Mountainbike

Ich starte meine Mountainbike Tour ganz früh am morgen in Pertisau am Achensee (952 m), dort kann man bei der Mautstelle am westlichen Ende des Ortes gut parken. Mein erstes Zwischenziel ist der kleine Wallfahrtsort St. Georgenberg (898 m) ganz versteckt auf einem Felskegel, den man zu Fuß über die Wolfsklamm von Stans aus erreichen kann. Zum Einrollen bietet sich der Weg Nr. 235 an, der nördlich am Zwölferkopf vorbei führt. Eine kurze Abfahrt mit dem Mountainbike bringt mich zum Achensee, wo ich mich Richtung Lärchenwiese, Weißenbachklamm orientiere. Nach der Überquerung des Weißenbachs führt ein schöner Wurzelweg, der sich zu einen Forstweg öffnet, hinunter Richtung Jenbach (563 m).

Die ersten warmen Sonnenstrahlen fallen auf mich herab und versüßen mir ein wenig den nächsten Abschnitt, der über eine Bundesstraße nach Tratzberg führt. Hier beginnt nun der Anstieg zum Schloss Tratzberg und mit etwas Glück begegnet einem der kleine Bummelzug, der Touristen zum Schloss befördert. Die nächsten Kilometer sind von einer homogenen Steigung geprägt, die zum Schluss ein wenig steiler wird. In diesem Wegenetz muss ich öfters mal auf die Karte schauen, da einige Wege sich mehrmals kreuzen und wenn man nicht aufpasst, können schnell die letzten mühevoll erkämpften Höhenmeter verloren sein. Im Optimalfall sollte man aber auf einem Höhenniveau bleiben und nach einigen Kilometern den Wallfahrtsort St. Georgenberg erreichen. Ich halte mich nun links und fahre eine serpentinenreiche kurze Abfahrt ab. Hier begegnen mir die ersten Pilger aus der Wolfsklamm, daher ist Vorsicht geboten, um kein schlechtes Image von Mountainbike Fahrern zu hinterlassen.

Jetzt geht es erstmal ein kurzes Stück bergab nach Weng (ca. 810 m). Bin ich hier richtig? Schon wieder muss mich die Landkarte retten. Ja das passt noch – auch wenn die Wegmarkierungen nicht eindeutig sind nehm ich mein Mountainbike und  fahre weiter. Nun wird es ein wenig steiler und damit beginnt auch der knapp 1000 Hm Anstieg zur Lamsenjochhütte. Meine Beine signalisieren mir – du kannst heute alles reißen – meine Atmung ist entspannt, ich fühle mich sehr gut und ahne noch nicht, dass ich noch ordentlich fluchen werde!

Am Bärenrast Parkplatz vorbei geht es weiter (Weg Nr. 227) mitten durch die wunderbare Natur des Stallentals. Es ist durchgehend steil aber gut fahrbar. Einzelne Rampen fordern aber überfordern nicht. Es bleibt genug Zeit nebenher die imposanten Felswände des Brentenkopfs und der Fiechter Spitze (2299 m) zu bestaunen. Kurz vor der Stallenhütte (1340 m) zweige ich links ab, jetzt beginnt ein deutlich anspruchsvollerer Weg. Die nächsten Kilometer sind theoretisch am Stück fahrbar, Voraussetzung ist aber sehr gute Kondition und eine gute Technik im Aufstieg. An manchen Stellen fehlt es mir aber mindestens an einer der beiden Eigenschaften. Kaum ist ein steiles Stück geschafft, schon gräbt sich das Hinterrad an der nächsten Rampe in den losen Schotter. Durchatmen – etwas Trinken – neuer Antritt. Nun signalisieren mir meine Beine – nach der nächsten Rampe machen wir nicht mehr mit! Die letzten Meter zur Hütte sind aber sehr dankbar und nicht mehr so steil außerdem erhält man zur Belohnung einen fantastischen Blick auf die imposante Ostwand der Lamsenspitze.

Zur Lamsenspitze 2508 m über die Via-Ferrata (B – C, 560 Hm)

Klettersteig Richtung Brudertunnel

Klettersteig Richtung Brudertunnel

Die Zeit ist auf meiner Seite, daher lege ich das Mountainbike mal zur seite und entschließe ich mich etwas zu rasten und zu essen. Die Hütte ist voll, was zeigt wie beliebt der Gipfel und die Region ist. Alle genießen die Sonne auf der Terrasse, manche bereiten sich auf eine der Kletterrouten vor, andere übernachten und entspannen. Ich unterhalte mich mit einer Wandergruppe, die ein wenig verwundert ist, dass ich heute noch auf den Gipfel will. Am frühen Nachmittag schließe ich mein Mountainbike ab, ziehe mich um und starte Richtung Lamsenspitze. Der Klettersteig mit den Durchstieg des Brudertunnels war schon in der Beschreibung spannend. Er wird mit B – C angegeben und ich erhoffe mir einen Genussklettersteig mit schönen Ausblicken.

Am Einstieg hänge ich mich mit meinen Klettersteigset in das Führungsseil und auf geht’s nach oben! Die ersten Meter sind sehr angenehm und man kann gut im Kopf vom Mountainbike auf Klettersteig umstellen. Dank der guten Absicherung und der vielen Metalltritte / Stifte sind auch die steilen senkrechten Stellen nur mäßig schwierig. Der Brudertunnel ist direkt vor mir, der Untergrund ist feucht, also ist Vorsicht geboten. Die Schlüsselstelle bildet für mich der Ausstieg aus dem Tunnel, der ganz leicht überhängend ist und ein wenig Kraft fordert. Nach dieser Stelle endet auch der erste Teil des Klettersteigs und es eröffnet sich ein Bergpanorama sondergleichen. Der Spätsommer und die diesige Luft hüllen die Landschaft in eine traumhafte, beruhigende Stimmung. Die Sicht reicht über die Mitterkarlspitze (2418 m) weiter zum sprichwörtlichen Hochglück (2573 m). Ich verweile nur kurz, da es schon Nachmittag ist und der zweite Teil des Klettersteigs bevorsteht. Ich wende mich nach rechts und folge dem Weg Nr. 226 Richtung Lamsenscharte / Südseite Lamsenspitze.

Über ein Geröllfeld erreiche ich den sehr steinschlaggefährdeten Einstieg. Überall hallen kleine Kiesel in der Rinne, die durch andere Klettersteiggeher ausgelöst wurden und zu Tal bröckeln. Ich bin beruhigt einen Helm zu tragen und versuche die ersten Höhenmeter schnell hinter mich zu bringen, um aus der Steinschlagzone herauszukommen. Dabei schaue ich oft nach oben in die Rinne, um gegebenenfalls auf herabfallende Steinchen zu reagieren. Der zweite Teil ist nicht schwer aber durchgehend ausgesetzt. Die Schlüsselstelle bildet eine mäßig schwierige Stelle B. Im oberen Teil wird der Steig mehr und mehr zum Gehgelände und das Gipfelkreuz ist nun auch gut sichtbar.

Gipfelkreuz auf der Lamsenspitze

Gipfelkreuz auf der Lamsenspitze

Ich erreiche den Gipfel um 17:30 Uhr und bin hin und weg: Die tiefen Sonnenstrahlen brechen durch das filigrane Metallgerüst des Gipfelkreuzes. Die späte Stunde zaubert eine prachtvolle Lichtstimmung. Die umliegenden Gipfel verlieren sich am Horizont als ob die Welt nur aus Bergen bestehen würde. Ich suche mir ein ruhiges Plätzchen, um meine Brotzeit in dieser Kulisse zu genießen. Außer einem Pärchen sieht man keinen Menschen weit und breit. Schon um 18 Uhr muss ich mich leider auf den Rückweg machen damit ich noch vor Sonnenuntergang unten bin. Im Abstieg ist nochmal Konzentration erforderlich, damit mir kein Fehltritt passiert. Von der Südseite wechselt der Weg an der Lamsenscharte in die gewaltige Ostseite des Berges und die Hütte ist wieder sichtbar. Einige verkürzen den Abstieg über den Schotterhang, dieser ist mir aber zu monoton und ich bleibe am Weg bis zur Hütte.

Abfahrt über das Falzthurntal (ca. 12 km, 1000 Hm Downhill)

Es ist nun kurz nach 19 Uhr und die Hütte ist von der Abendstimmung eingeholt worden – es ist ruhig und nur noch die Übernachtungsgäste sind anzutreffen. Ich ziehe mich um, verpacke meine Klettersteigsachen und konzentriere mich noch einmal bewusst auf die Abfahrt mit dem Mountainbike. Die Abfahrt habe ich über das Falzthurntal geplant, das direkt an Pertisau anschließt. Ich rolle mich durch einen schönen Trail in Richtung östliches Lamsenjoch ein und biege dann in einen steilen zum Teil verblockten Trail runter zum Gramaier Grund ein. Einige Stellen muss ich absteigen und herunter schieben aber vieles ist auch fahrbar. Die Abfahrt erfordert meine volle Konzentration, manche Passagen hätte ich wahrscheinlich nie gemacht, wäre ich nicht schon in Fahrt gewesen. Insgesamt ist dieser Teil für Fahrer und Mountainbike technisch sehr anspruchsvoll. Wer viel fahren möchte sollte auch das Umsetzen in Kehren beherrschen.

Blick ins Falzthurntal

Blick ins Falzthurntal

Im Gramaier Grund nimmt die Steilheit ab und der Trail wird flowiger und macht richtig Spaß! Ich habe zeitweise das Gefühl, ich surfe mit meinen Mountainbike herunter. Der Untergrund besteht ausschließlich aus losem, größeren Geröll. Mit ein wenig Geschwindigkeit schwimmt das Mountainbike auf und man hat das Gefühl der Untergrund ist wie ein Meer aus Gestein.

Die Franze Hütte (1263 m) erscheint am Horizont und damit auch die Zivilisation. Alternativ kann man ab jetzt die Asphaltstraße direkt nach Pertisau nehmen und ist mit Highspeed am Achensee. Ich entscheide mich für den Trail rechts daneben, der parallel zur Mautstraße verläuft und noch mal richtig Spass macht. Um mich herum bauen sich mit Sonnjoch (2457 m), Schaufelspitze (2306 m) und Bettlerkarspitze (2268 m) prominente Begleiter auf. Von der Falzthurnalm (1089 m) führt die Mautstraße abschließend nach Pertisau zum Parkplatz zurück.

Die Sonne produziert einen leuchtend orangen Horizont am Himmel und ich strahle nach dieser tollen Abfahrt bis über beide Ohren. Es war ein anstrengender Tag aber jede Mühe wert. Das Mehrgewicht im Rucksack, wegen der Klettersteigausrüstung, ist merkbar aber behindert nicht sonderlich. Ich kann jedem, der das Mountainbike wie den Klettersteig mag, empfehlen diese zu kombinieren. Es gibt dazu genug Möglichkeiten in den Alpen und die Abwechselung bildet eine zusätzliche Herausforderung.

Variante Lamsenjochhütte –Plumsjochhütte – Pertisau (ca. 30 km, 500 Hm)

Alle, die mit Klettersteiggehen nichts zu tun haben wollen und denen die normale Runde noch etwas zu kurz ist, können die Tour mit dem Mountainbike um das Plumsjoch erweitern. Pertisau als Ziel bleibt gleich, nur dass ich nicht über das Falzthurntal abfahre. Stattdessen zweige ich oben bei der Lamsenjochhütte links ab und folge einem schönen Trail in Richtung westliches Lamsenjoch (1940 m). Dieser geht mal auf, mal ab und dabei immer ein bisschen ausgesetzt – also sollte man nicht stürzen.

Blick von Plumsjochhuette

Blick von der Plumsjochhuette

Der Weg hinunter wird nun breiter und ist mit dem Mountainbike gut befahrbar. Über Schotter und Kehren erreiche ich die Binsalm und folge der Abfahrt weiter zur Engalm (1227 m). Mitten im großen Ahornboden liegt dieses beschauliche Plätzchen. Durch die Touristen und Wanderurlauber ist es aber ein wenig überlaufen, so dass man die Ruhe woanders suchen muss. Der große Ahornboden ist dennoch eine Reise wert, besonders im Herbst ist die Farbenpracht der Ahornbäume ein bezauberndes Erlebnis. Ich fahre mitten durch die Alleen über die asphaltierte Straße bis zum nächsten Autoparkplatz an einem Waldrand. Hier beginnt der Anstieg zum Plumsjoch. Die knapp 500 Hm auf breiter Schotterpiste bei moderater Steigung sind mit dem Mountainbike problemlos zu schaffen, auch wenn ich nach dem Anstieg zur Lamsenjochhütte meine Beine deutlich spüre und diese schon träge sind. Zuletzt sehe ich die Hütte oben am Joch, doch die zahllosen Winkel im Anstieg lassen mich diese nicht erreichen. So wird es noch ein kurzes Stück anstrengend bis ich endlich oben bin.

Die Aussicht in Richtung des großen Ahornbodens auf die Roßkopfspitze (2015 m) ist beeindruckend. Ich bin fasziniert von der ruhigen Stimmung. Die Hütte thront über dem Tal und ich beschließe vor der Abfahrt noch eine Rast zu machen, um ein wenig den Moment zu genießen. Von hier ist es nicht mehr weit bis nach Pertisau, die Abfahrt ist steil und läuft über einen Asphaltweg aus. Im oberen Teil sollte man konzentriert sein, der breite Schotterweg ist zwar technisch einfach doch die Steilheit beeindruckt mich, daher ist Tempokontrolle absolut wichtig. Spätestens als die Mautstraße beginnt lasse ich es rollen und bin im Handumdrehen wieder in Pertisau zurück.

In Kombination mit der Lamsenjochhütte ist das Plumsjoch eine sinnvolle und auch schöne Ergänzung und mit insgesamt ca. 60 km und 2300 Hm eine anspruchsvolle Tagestour, die aber viele Einkehrmöglichkeiten bietet. Natürlich kann man den Klettersteig auch in diese Runde einbauen. Jedoch würde ich eine Übernachtung in der Lamsenjochhütte empfehlen, damit die Tour in guter Erinnerung bleibt!

Kompass Karte Achensee (Nr. 027, 1:35000)

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