Testberichte

Trainingsboard Beastmaker 2000 | Fingerbrett - Test

18.10.2012

Trainingsboard Beastmaker 2000 | Fingerbrett – Test

Training am Trainingsboard

Training und Klettern sind so eng miteinander verbunden, dass dem einen oder anderen die Antwort auf die Frage: “Trainierst du noch oder kletterst du schon”, schwierig fällt. Fakt ist: Ohne Training kommt man beim Klettern, wie übrigens in jedem Sport, nicht weiter. Was in welchem Umfang, Intensität und Reihenfolge gestärkt und verbessert werden soll beschäftigt nicht nur die Spitzensportler des World Cup Zirkels. Auch der “normale” Kletterer möchte stärker und besser werden, um in seiner Halle oder seinem heimischen Klettergarten den einen oder den anderen Projekt abhacken zu können. An sich kann man den Blick in die Trainingsbibel auch sparen, denn es reicht in aller Regel einfach immer wieder in dieses Projekt rein zu gehen, um es irgendwann zu schaffen. Leider hat der “normale” Kletterer neben seinem Beruf und Familie nicht die Zeit permanent in seinem Projekt rum zu hängen. An dieser Stelle wird das Training wieder interessant. Die alte Weisheit: “Was die Finger nicht halten können, kann man auch nicht klettern”, stimmt leider meistens doch. Deshalb ist man gut damit beraten seine Finger zu trainieren.  Hier hat man heut zutage die Qual der Wahl. Eines der wirksamsten Mittel ist immer noch das gute alte Fingerbrett. Im Gegensatz zu früher sind die Trainingsboards immer besser und ergonomischer geworden. Jedes Jahr denke ich: “Das Ende der Fahnenstange ist erreicht”, doch dann erscheint wieder ein neu designtes Trainingsboard und verspricht noch mehr … Die klaren Trainingsmeister kommen (für mich) von der britischen Halbinsel. Von dort stamm bis jetzt mein persönlicher Favorit in Sachen Fingerbretter: Das MOON Trainingsboard. Seit einiger Zeit hat dieses Trainingsboard jedoch einen Konkurrenten aus den eigenen Reihen bekommen: Beastmaker.co.uk. Um dieses Produkt geht es auch in diesem Testbericht, welcher dieses Teil “begreifbar” zu machen versucht.

Optik, Verarbeitung, Montage

Optisch - ein Leckerbissen

Optisch – ein Leckerbissen

Das große Problem beim Trainingsboard allgemein, ist der Platz zum Aufhängen. Der “normale” Kletterer hat nämlich eine Frau, die gar keine Lust auf ein Grün-Blaues Monster über dem Türrahmen hat. Spätestens hier muss man sich nicht nur Gedanken über die Griffgröße und Variationen machen, sondern auch um die Optik. Die beste Lösung in allen Bereichen stellen die Trainingsboards aus Holz dar. Sie sehen gut aus, passen mit etwas Glück farblich zum Möbel und schonen die Haut beim Trainieren. Beastmaker 2000 ist hier für ein wahres Vorzeigeobjekt. Er sieht aus wie ein Wohnraum Accessoire und lädt auch nicht Kletterer schon beim Hinsehen zum Anfassen ein. Die Form ist recht simpel und wirkt genau so, wie sie auch ist: wie ein großes Stück Holz. Die Anordnung und Form der Griffe machen dieses Trainingsutensil dennoch zu einem spannenden Stück der Betrachtung und einem richtigen Blickfang. Die Verarbeitung des Trainingsboard ist erstklassig und spiegelt die hohe Hingabe, mit der die Beastmaker Leute ihre Boards designen und herstellen, wider.

Die Verarbeitung ist vorne wie hinten super

Die Verarbeitung ist vorne wie hinten super

Die Tatsache, dass das Trainingsboard in Sheffield (UK) hergestellt wird, macht es noch interessanter und sympathischer. Die Griffe sind nicht nur sauber und gleichmäßig gefräst, sondern auch noch sehr fein mit Schleifpapier nachgearbeitet. Den einzigen Kritikpunkt stellt die Firmenprägung dar. Diese könnte etwas sichtbarer in das Produkt eingebracht sein, um es von weiten einordnen zu können. Die Montage ist kinderleicht, denn die Schrauben sind bereits im Karton dabei! Man nehme als einen Balken und schrauben das Beastmaker Trainingsboard da dran. Ich nutze immer Türschwellen. Dort bringe ich eine 2,5 cm starke MDF Platte mit 8er Dübeln und entsprechenden Schrauben an (sicher ist sicher). Dann die Wasserwaage drauf und Beastmaker ist fest. Wirklich simpel und bombenfest. Hat man keine tragenden Wände, lohnt sich ein Blick auf die Webseite des Herstellers, dort findet man dann passende Lösungen, die allerdings mit etwas mehr Aufwand verbunden sind. Alles in einem ist das Beastmaker 2000 Trainingsboard ein richtig fein gemachtes und straight aussehendes Gerät, für Zuhause und der Halle.

Konstruktion

Trainingsboard mit abgestufter Konstruktion

Abgestufte Konstruktion

Bevor ich Beastmaker das erste Mal in den Händen hielt, hatte ich bereits Erfahrungen mit anderen Trainingsboards aus Holz gemacht. Egal ob Marke Eigenbau oder von einer namhaften Firma, das Prinzip war immer dasselbe: Löcher im Stück Holz. Dieses große Stück Holz war meistens geklebt und hatte eine gerade nicht abgestufte Frontseite. Die Nachteile wurden nach dem ersten belasten der Griffe klar: 1. die Kanten der gefrästen Löcher bissen sich in die Haut und drückten “unangenehm”; 2. Die Löcher in der “oberen Etage” ließen keine hängende Fingerposition zu. Beastmaker 2000 ist das erste Trainingsboard aus Holz, welches dieses Problem exzellent gelöst hat. Das Trainingsboard besteht zwar auch aus Löchern aber deren Kanten sind so geschliffen, das eine ergonomische Griffposition möglich ist. So drückt der Beastmaker nicht so arg auf die Beugesehnen, was das Trainingskomfort gewaltig steigert. Ein weiterer Pluspunkt des Beastmakers ist das Material. Die meisten Holzgriffe sind aus relativ harten Holzarten gemacht, was natürlich die Formstabilität und Oberflächenbeständigkeit garantiert. Je härter das Holz desto unangenehmer ist es für die Haut der Finger. Die Hautist nämlich oft der begrenzende Faktor beim Klettertraining und hindert den einen oder anderen Trainingsmeister am vollständigen Auspowern.

Wer im Training die Haut schont, muss keine extra Ruhetage einlegen, um an scharfen Felsprojekten zu arbeiten. Weiche Griffoberflächen schonen die Haut und minimieren deren Verschleiß. Das Beastmaker 2000 Trainingsboard ist aus Tulpenholz gefertigt, welches ein Paar ganz nette Eigenschaften hat.

  • Es ist eher weich – das spürt man beim ersten Mal anfassen des Trainingsboard.
  • Es ist sehr leicht, was maximal die Wand und die Dübel interessiert oder auf Reisen mit dem Flugzeug von Bedeutung ist.
  • Es ist trotz der eher weichen Art ziemlich stabil, was ihn im angelsächsischen Raum zum beliebten Material für Möbel usw. macht.

Für uns heißt es: Beastmaker ist sehr nett zu Haut und bricht nicht wenn, wir ihn mit unserem Gewicht plus Gewichtsweste belasten.

Unterschiedliche Grifftiefe am Trainingsboard

Links tief rechts nicht – das muss mir mal einer erklären

Aus einem Stück Holz die besten Griffvariationen raus zu holen ist eine Wissenschaft für sich. Auch die Jungs von Beastmaker haben wohl lange rumexperimentiert, bis sie das Optimum erreicht haben. Beastmaker 2000 hat drei Etagen mit 15 (!) unterschiedlichen Griffen. Ganz oben sind (von innen nach außen) die guten bis hin zu richtig fiesen Sloper untergebracht. In der Mitte findet man die “Henkel” wenn man sie so bezeichnen möchte. Unten hausen dann die kleinen und bösartigen Löcher von Mono bis hin zum 4 Finger Tasche. Der Clou ist die Stufenlösung zwischen dem zwoten und dritten Stock. So kann man die Löcher in der zweiten Etage problemlos hängend halten – ein Traum! Der Schliff der Griffe ist nicht superrau aber auch nicht glatt poliert. Aus meiner Sicht könnte es etwas griffiger sein, aber man kann ja selber bei Bedarf nacharbeiten. Die technische Umsetzung und die Tatsache, das Beastmaker 2000 aus einem ganzen Stück Holz gefräst ist, macht dieses Produkt wirklich einzigartig.

Griffgröße und -schwierigkeit, Training

Beastmaker 2000 ist ein Trainingsboard, welches an die fortgeschrittenen Kletterer adressiert ist. Man findet keine Henkel und keine Reckstangen auf dem Trainingsboard, sondern eine Herausforderung neben der anderen. Nicht umsonst gibt der Hersteller an, dass dieses Teil ab 7c fb aufwärts zu empfehlen ist. Nicht umsonst nutzen es Kletterprofis wie Dave McCloud, Steve McClure, Fabian Christoph usw. um noch stärker zu werden. Und es sind nicht nur 45° Sloper, welche für normale Kletterer unmöglich sind. Mindestens genau so Hardcore sind die Zweifingerlöcher (14) in der untersten Etage. Da schaffen es auch die wirklich tiefen Henkel in der Mitte es nicht, dieses Board in die Softmover Ecke zu ziehen, denn die kommen nur vereinzelt vor und sind für einarmige Klimmzüge und Blockierer gedacht. Da die Fotos nicht so gut die Güte der Griffe wiedergeben, ist hier eine kleine Auflistung.

Umfangreiches Griffboard - 15 Griffarten

15 Griffarten – super!

(1) 45°Sloper – eigentlich unmöglich … (2) 30° Sloper – mit viel Schmalz (oder Daumen an anderen Griffen) und Chalck machbar. (3) Gute Sloper – machbar aber nicht langweilig, (4) Gutes 3 Finger Loch leider nur eins denn (5) ist deutlich flacher gemacht – warum nicht symmetrisch? (6) Die Henkel der 2000er Serie – gute 4 Finger Tasche für etwas mehr als das erste Fingerglied (FG). (7) Der Mono Henkel – ein muss für die Fränkische. (8) Der Zweifinger “Henkel” interessant ist die unterschiedliche Tiefe für Ring- und Mittelfinger. (9) Zweifingerloch für erstes Fingerglied – machbar. (10) Der 4 Finger Henkel für einarmige. (11) kleine “Leiste” für den ersten Drittel des ersten FG – toll aber rutschig! (12) Mono für das erste FG – krass aber machbar. (13) Zweifingerloch für ½ erstes FG – geht irgendwann. (14) Zweifingersloper in etwa so tief wie (13) nur richtig flach – geht gar nicht! (15) Leiste für den ersten FG – speziell für Güllich-Gedächtnis-Blockierer. Wie man sieht, hat man an diesem Trainingsboard eine Spielwiese an Herausforderungen, um ein richtiger Profi zu werden.

2 Fingersloper am Griffboard

2 Fingersloper

Es soll niemanden abschrecken, denn mit Entlastung durch Fußkontakt zum Boden lässt sich auch für nicht ganz so starke Kletterer effektiv trainieren. Oder man nutzt die Henkel in der Mitte des Bretts, um mit der einen Hand die “Herausforderung” zu pressen. Danach wechselt man wieder. Aus meiner Sicht ist es eine sinnvolle Zukunftsinvestition, denn wenn man an allem Klimmzüge machen kann, braucht man sich um Sponsoren keine Gedanken mehr zu machen. Im Ernst: man wirkt tagtäglich mit der Schwierigkeit konfrontiert und arbeitet an dem, was man nicht kann. Für meinen Geschmack sind es zu viele Löcher – ich hätte mich über diverse unterschiedlich tiefen, flache und hinterschnittene Leisten mehr gefreut. Für Frankenjuraveterane ist Beastmaker genau richtig, da wird das Training nicht so schnell langweilig. Apropos Training – auf Beastmaker.co.uk findet man genügend Programme um sich in die 8b+ Sparte zu katapultieren, deshalb verzichte ich an dieser Stelle auf Tips von mir.

Fazit

Trainingsboard mit Verpackungsinhalt

Richtig feines Teil mit viel Potenzial

Beastmaker 2000 Series ist ein Trainingsboard der extraklasse. Hier haben die Hersteller alles richtig gemacht. Er bringt viele Herausforderungen mit sich, die allein durch ihre Anwesenheit im Raum zum Training animieren. Unterhalb des 9ten UIAA Grades empfehle ich zwar zur 1000er Serie von Beastmaker zu greifen, möchte die 2000er jedoch nicht gleichzeitig abraten. Auch damit kann man als “normaler Kletterer” wirkungsvoll trainieren, nur hängt man nicht so viel in der Hangwaage vorlings rum. Insgesamt lässt sich FESTHALTEN: Wenn Training dann Fingerbrett, wenn Fingerbrett dann aus Holz, wenn aus Holz dann ein Trainingsboard von Beastmaker. Auf geht´s!

3 Kommentare

  1. Ich dachte eher, dass sie für einarmige Klimmzüge und Blockierer mit 3 Fingern gedacht sind, kann mich da aber auch irren. Im Endeffekt kann man sie verwenden wie man will und das 2000er kann ich auch nur empfehlen!

  2. Hallo Schorsch, super Bericht! Ich habe das Board in der 2000er Version und kann Dir (denke ich) deine Frage, was die Griffe in der Mitte (4,5) betrifft, beantworten: Die beiden Griffe sind unterscheidlich gearbeitet, da sie bei Übungen zum einarmigen Blockieren als Unterstützung (4=viel Unterstützung, 5=eher wenig Unterstützung)dienen können! So kann man entweder Links oder rechts die Griffe (fast) einarmig belasten und sich so hart an Intensität einfahren … Gruss M

    • Grüß dich Martin,
      Ich dachte der 10er wäre DER Hilfsgriff um sich an die fiesen Dinge heranzutasten … :-) Spaß bei Seite. Danke für die Aufklärung !!! VG Schorsch

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