Testberichte

The North Face Single -Track Hayasa Trailrunning Schuh - Test

09.10.2012

The North Face Single -Track Hayasa Trailrunning Schuh – Test

Blaues Wunder? Aus der Zusammenarbeit mit Spitzenathleten bringt The North Face einen wettkampftauglichen Trailrunning-Schuh hervor, der den Hersteller wohl durchaus in Konkurrenz zu Brachenmarktführer Salomon treten lassen könnte. Ob der Schuh seinem empfohlenen Einsatzzweck gerecht wird und die amerikanischen Outdoorspezialisten damit in Zukunft auch bei Querfeldein-Laufveranstaltungen die vorderen Plätze „bekleiden“ könnten, lest ihr ihm im folgenden Test.

Optik und Verarbeitung des  The North Face Single-Track Hayasa

Mit dem Design des neuen Wettkampfschuhs erfüllt TNF gleich zwei Erwartungen: Erstens kommt der Hayasa in für den Hersteller typischen jugendlichen und sportiven Farben daher, zudem ist die Optik durch und durch diejenige eines Laufschuhs für Wege jenseits der Fussgängerzone. Standardmäßig wird das Modell in der Mischung Ace Blue/Triumph Green geliefert, erhältlich sind aber auch die Mischungen schwarz mit gelben Hinterlegungen bzw. rot mit schwarzen Elementen. Dass es sich beim The North Face Single-Track Hayasa Trailrunningschuh durchaus um einen Wettkampfschuh handeln soll, fällt beim testen sofort auf: Das Obermaterial besteht nahezu ausschließlich aus luftdurchlässigem, elastischem und bei aller Leichtigkeit dennoch robustem Mash. Damit die Stabilität auf unebenen Wegen garantiert wird, sind die Ränder mit einer TPU-Verstärkung versehen (hier silberfarben). Dass der Schuh „wie ein Brett“ auf der Straße (bzw. dem Schotter) liegt, sticht sofort ins Auge, wenn man sieht, wie gering die Höhe der Dämpfungselemente ausfällt. Insgesamt wirkt die Optik durch

Optik und Technik kombiniert: TPU-Berklebungen beim Single-Track Hayasa

Optik und Technik kombiniert: TPU-Verklebungen beim Single-Track Hayasa

die Kombination knalliger Farben mit einem sportlichen Schnitt genau so, wie man es von einem schnellen Schuh erwartet: Gewagt, anders, auffallend. Die Verarbeitung ist, wie von diesem Hersteller erwartet, gewohnt sauber und robust: Vielstichig vernäht, sauber geklebt, keine abstehenden Fäden und für den Einsatzbereich zweckmäßig schlicht. Schöne Detaillösungen wie eine Schlaufe im Fersenbereich, die das An- und Ausziehen erleichtert, sowie die etwas länger geschnittene und somit (besonders vor hüpfenden Steinchen) schützende Zunge runden den positiven optischen Gesamteindruck funktionell ab. Achtung: Die Schnürsenkel sind beim neuen Schuh überdurchnittlich lang und sollten entweder doppelt geknotet oder etwas gekürzt werden (Tipp: Ich habe das Problem gelöst, indem ich die Bändel abgeschnitten und einen Tanka zum einfacheren An- und Ausziehen angebracht habe – vgl. die Fotos). Überhaupt ist die Materialmischung sehr durchdacht, denn gerade dort,

„snake plate“-Frontverstärkung

„snake plate“-Frontverstärkung

wo der Fuß am meisten Schutz bedarf, arbeitet TNF die robusten TPU-Verstärkungen ein: Zehenbereich, Verse, Seiten. Dass der Schuh in Zusammenarbeit mit dem japanischen Weltklasse-Trailrunner Tsuyoshi Kaburaki entwickelt wurde ist folglich nicht nur ein billiger Marketinggag, sondern die jahrelange Erfahrung des Athleten aus dem TNF-Team wurde im The North Face Single-Track Hayasa überzeugend umgesetzt: Es gibt keine überflüssigen Schnörkel und Leichtigkeit und Dynamik werden durch optische Leckerbissen genau dort ergänzt, wo sie funktionell mit schützenden Verstärkungen kombiniert werden können.

Aufbau des  Laufschuhs

Will man heutzutage einen Wettkampfschuh an den Mann bringen, stellt sich dieses Vorhaben vor dem Hintergrund eines allgemeinen „Höher, schneller, weiter!“-Trends der Sportartikelindustrie nicht gerade als Zuckerschlecken dar: Jedes Gramm zu viel kostet unnötige Zeit, wobei allzu wenig (Gewicht) nicht unbedingt immer ein Mehr (an Schnelligkeit) bringen muss! Gerade ein Trailrunningschuh muss auf unebenem Grund trotz seines Wettkampfgewichts die nötige Stabilität für den Fuß gewährleisten und Verletzungen durch ein grobes Profil und eine angepasste Dämpfung vermeiden helfen. Das altbekannte Packlisten-Prinzip lässt sich damit auch auf den neuen blauen Flitzer von TNF übertragen: „Soviel wie nötig, so wenig wie möglich!“. Der Hayasa bringt trotz seines erstaunlich geringen Gewichts von gerade einmal 500g/Paar (Herstellerangabe; ein Nachmessen ergab sogar einen Wert von knapp unter 490g/Paar) trotzdem einen stabilen und griffigen Sohlenaufbau mit. Die Fußstellung ist geneigt, da die Sprengung sich von 18mm im Fersenbereich auf beachtliche 8mm am Forderfuss reduziert. Damit wird neben dem Abrollverhalten auch ein natürliches und bodennahes Laufgefühl gefördert.

Deutlich zu sehen ist der keilförmige Sohlenaufbau

Deutlich zu sehen ist der keilförmige Sohlenaufbau

Die kombinierte Zusammensetzung der Sohle ist durchdacht und in jeder Hinsicht auf das Einsatzgebiet des Schuhs abgestimmt: Im vorderen und mittleren Bereich des Fußes (also da, wo beim Auftreten Griffigkeit und Bodenkontakt gefragt sind) ist kaum Dämpfung vorhanden, während an der Ferse die Sohle durch eine druckgeformte Zwischeneinlage aus EVA-Schaum verstärkt ist und der Schuh somit die für den Absprungvorgang des Läufers nötige Stabilität liefert. Auch der Aufbau des Sohlengummies deckt sich mit dem Ablauf des des Läuferschritts und rundet das Gesamtbild der Sohle ab: Vorne kommt ein etwas weicherer Gummi zum Einsatz, der mit seiner strukturierten Oberfläche mehr (und damit: besseren und festeren) Bodenkontakt bietet, während an der Ferse mit einem extrem abriebsfesten und weniger nachgiebigem Material ein solider Untergrund für die Abdruckphase gebildet wird.

Passform des Trailrunningschuhs

Der Single-Track Hayasa ist tendenziell eher für schmale Füße geschnitten. Ich selbst habe nicht gerade einen schmalen Fuß und kann den Schuh dennoch gut laufen, da das umliegende dünne Mash-Material sehr dehnbar ist und bis zu einem gewissen Grad auch einem breiten Fuß einen guten Halt gibt. Zudem passt der Schuh auch Läufern mit verhältnismäßig stark ausgeprägtem Fußrückenknochen (die sogenannte „hohe Reihe“). Interessant ist, das TNF die Schnürung des Schuhs nicht wie von den meisten Laufschuhmodellen gewohnt bis in den Bereich der Zehenbox zieht. Im Gegenteil sogar: Die Schnürung fällt extrem kurz aus. Umso erstaunlicher, dass der Schuh bei fester Schnürung einwandfrei sitzt. Das ermöglicht vor allem die hoch geschnittene und weich gepolsterte Zunge,

Der Schuh hat einen schmalen Schnitt und läuft vorne recht spitz zu.

Der Schuh hat einen schmalen Schnitt und läuft vorne recht spitz zu.

die durch die Schnürung geradezu an den Fuß gepresst werden kann. Die ungewöhnliche Konstruktion der Schnürung bringt jedoch auch einen Nachteil mit sich: Zwar kann der Hersteller hier nochmals Gewicht sparen und schafft es, dass der Schuh trotzdem gut am Fuß sitzt (wobei das Fehlen von Schnürzeug natürlich auch dem Abrollkomfort im Forderfußbereich zu Gute kommt), jedoch muss die Zehenbox, wenn sie nicht durch Variieren der Schnürung vergrößert oder verkleinert werden kann, passen. Das heißt der Schuh bietet im Vorderfußbereich keine Einstellmöglichkeiten und ist für Läufer (wie) gemacht, deren Zehen ebenso schmal zusammenlaufen (nahezu spitz) wie das vordere Ende des Hayasa. Trotz meines breiten Fußes kann ich den Schuh gut laufen, was daran liegt, dass selbst das verstärkte Obermaterial am Vorfuß noch etwas

Kurze Schnürung beim Hayasa

Kurze Schnürung beim Hayasa

nachgibt und somit Platz liefert für weniger schmale Füße. Mit einem spürbaren (wenn auch nicht unangenehmen) Drücken außen am Fuß ist dann allerdings zu rechnen.

Trage- und Laufkomfort

Wem der Hayasa passt (oder wer ihn, wie ich, trotz breiten Fußes läuft und dabei ein leichtes Kneifen in Kauf nimmt), der wird sich wünschen, schneller zu regenerieren, um noch mehr Tempoläufe durchführen zu können! Der Tragekomfort ist klasse und man spürt bei jedem Schritt, wie man bodennah auftritt, um dann entlang der keilförmigen Sohle abzurollen und sich schließlich über die stabile Verse abzudrücken: Stein für Stein. Der Schuh fällt, wie sollte man es anders erwarten, mit seinem Fliegengewicht kaum auf und rollt aufgrund der niedrigen Sohle direkt ab. Dieses „natural running“-Gefühl unterstreicht nicht nur seinen Status als schnellen Trainings- und Wettkampfschuh, sondern deckt sich auch mit dem Aufbau der Sohle des Trailschuhs: Wenig Dämpfung und ein bodennahes Auftreten übertragen Kraft und Druck bei jedem Schritt in die strukturierte Sohle und pressen diese geradezu in den groben Untergrund. Egal ob Wurzeln, Steine, Schlamm oder Asphalt: Der blaue Flitzer beißt sich geradezu im Boden fest und ermöglicht dem Läufer damit, nahezu unabhängig zu sein von den Untergrundbedingungen und Energie und Konzentration voll und ganz auf Laufstil und Stoppuhr zu fokussieren.

Sieht wenig aus, hält aber besser, als man denkt: Die unterteilte Sohle mit gekeiltem Hartgummi hinten und weichem, griffigen Gummi vorne.

Sieht wenig aus, hält aber besser, als man denkt: Die unterteilte Sohle mit gekeiltem Hartgummi hinten und weichem, griffigen Gummi vorne.

Da die Sohle für unebenen Boden ausgelegt ist, sollte man den Hayasa allerdings wirklich nicht allzu lange auf Asphalt laufen. Zum einen ist er dafür als geländetauglicher Wettkampfschuh nicht ausgelegt, was die Haltbarkeit angeht: Der Asphalt „radiert“ die Sohle quasi weg. Außerdem ist die Sohle relativ steif, um auf Stock und Stein genügend Schutz zu gewährleisten. Das führt dazu, dass der Schuh sich auf ebenem Untergrund recht hart läuft. Auch die kaum vorhandene Dämpfung ist ein Aspekt, der dagegen spricht, mit dem Hayasa längere Strecken auf festen Boden durchzuführen. Ansonsten werden Sprung-, Knie- und Hüftgelenke auf Dauer zu sehr beansprucht. Wer in der Stadt wohnt, kann durchaus die Strecke bis zum nächsten Wald oder Park mit dem Hayasa zurücklegen und ihn dann dort auslaufen, wo er sich geradezu heimisch fühlt. Als Alternative zum schnellen Trainingsschuh auf Bahn oder Radweg oder als Wettkampfschuh für Straßenläufe und Marathons ist der Schuh nicht zu empfehlen! Auch längere Distanzen sind damit nur von gut trainierten und wettkampferfahrenen Athleten zu absolvieren. Andernfalls drohen Verletzungen durch Überbeanspruchung der Gelenke mangels ausreichender Dämpfung. Am besten eignet sich der Schuh für schnelle Trainingsläufe und Cross-Wettkämpfe. Die Zielgruppe sind leichte, gut trainierte Läufer. Diese können den Hayasa auch ohne Beschwerden für Trailruns mittlerer Länge (10-20 km) tragen. Nur Sportlern, die mit Schuhen schon viele Erfahrungen gemacht und das Laufen solcher Distanzen gewohnt sind, würde ich nahelegen, den Schuh für lange Strecken über 20 km zu verwenden.

Haltbarkeit

Den Single-Track Hayasa konnte ich im Rahmen der Testzeit nicht mehr als 150 km laufen. Ein Dauertest und eine Bewertung der Gesamthaltbarkeit steht damit noch aus. Wer den Schuh wie empfohlen hauptsächlich für Wettkämpfe zurückhält und nur ab und an kurze Tempoläufe (es reichen 5 km) absolviert, damit der Füße sich an die Passform und das Laufgefühl gewöhnen können, wird – je nach Ambitionen und Trainingsumfang – lange Spaß damit haben. Meine Schätzung bezüglich der Haltbarkeit im Vergleich mit anderen Wettkampfschuhen liegt bei etwa 500 km. Viel mehr wird der Hayasa wohl aufgrund der gering ausfallenden Dämpfung kaum hergeben. Das ist allerdings sehr vom Läufer abhängig. Schwerere Athleten werden möglicherweise bereits früher an Gelenkschmerzen leiden, Spitzensportler bringen die Lebensdauer sicher auch bis auf 600 km hinauf. Da die Sohle zwar Steine und Wurzeln gut schluckt, auf Asphalt aber recht leicht abgerieben wird, verringert das Laufen abseits weicher Waldwege die Lebensdauer auch in Hinsicht auf die Abnutzung des Sohlenprofils deutlich. Da eine geringe Haltbarkeit bei Wettkampfschuhen nichts besonderes ist, ist dem Hayasa hierin nichts anzulasten. Im Gegenteil macht dafür das Obermaterial mit den Verstärkungen an den passenden Stellen und einer sauberen Verarbeitung sogar einen überdurchschnittlich guten Eindruck, was die Robustheit angeht.

The North Face Single-Track Hayasa Trailrunningschuh im Test

The North Face Single-Track Hayasa Trailrunningschuh im Test

Fazit des Tests

Beim neuen Trailrunningschuh Single-Track Hayasa von The North Face hat sich die Zusammenarbeit mit Topathlet Tsuyoshi Kaburaki durchaus bewährt, was der Test eindeutig Zeit: Die Amerikaner bringen einen dynamischen, leichten Schuh auf den Markt, der dabei auch noch optisch richtig was hermacht. Leider ist der Flitzer nicht für Jedermann gemacht: Aufgrund der etwas engen Passform im Vorderfußbereich sollte der Schuh auf jeden Fall anprobiert und probegelaufen werden. Die geringe Dämpfung macht den Hayasa außerdem ungeeignet für etwas schwerere Läufer (über 80 kg) und Untrainierte. Wem der Schuh passt, der findet hier einen innovativen Trailrunner, der zum Schnelllaufen geradezu auffordert. Der Hayasa bietet trotz der Leichtbauweise eine unwahrscheinlich gute Kontrolle auf unebenem Untergrund und läuft sich angenehm direkt. Trotz der ultraleichten Konstruktion steckt der Schuh die Beanspruchungen von Läufen auf groben Boden gut weg. Vergleicht man den North Face dabei mit Modellen anderer Hersteller aus diesem Einsatzbereich (etwa dem Salomon Speedcross), lässt sich folgendes festhalten: In derselben Preiskategorie (UVP: 119,95 ) liegt das Gewicht des Hayasa deutlich unter dem der Konkurrenz, was bei einem Wettkampfschuh durchaus interessant ist. Aufgrund des schlichteren, sportlichen Designs sieht der Schuh außerdem weniger nach „Offroad“ aus. Die Sohle ist zwar weniger langlebig, greift im Test dafür aber noch direkter und macht den Single-Track Hayasa zu einer regelrechten Tempo-Waffe auf den Trails dieser Welt!

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