Reise

Wintertour in Norwegens

10.03.2011

Wintertour in Norwegens “Heim der Riesen”

Abgeschiedenheit, Kälte und wunderschöne Landschaften sind die Zutaten die keineswegs bei einem gelungenen Winterurlaub fehlen dürfen. Sebastian vom Bergzeit Team zog es im Februar wieder in Skandinaviens Norden auf der Suche nach der perfekten Wintertour.

Der Atem keucht, das Herz pumpt fast am Anschlag. Fast 400 Höhenmeter wollen noch bewältigt werden ehe wir den 1700 Meter hoch gelegenen Pass zwischen Russtvatnet und dem Veodalen mit der Glitterheim Hütte erreichen. Es ist der 2. Tag unserer diesjährigen Wintertour. Die Wahl fiel dieses Jahr auf den Nationalpark Jotunheimen, das „Heim der Riesen“. Ich zweifele schon etwas ob die Wahl schlau gewesen ist. Die letzten Tage haben wir kaum Strecke machen können. Die fast 40 kg schweren Pulkas sind nur mit großer Mühe hangaufwärts zu bewegen. Zudem liegt teilweise so wenig Schnee dass wir die Ski abschnallen und die Pulkas über die Steine schleifen müssen. Doch wir erreichen den Pass, die Sicht auf den 2464 Meter hohen Glittertind und das Veodalen ist phantastisch, das entschädigt alle Mühe.

In Glitterheim verbringen wir die 3. Nacht einmal nicht im Zelt, sondern in einer der sehr komfortablen Selbstversorgerhütten des Norwegischen Wanderverbands DNT. Gegen Entgelt kann jeder die Annehmlichkeiten eines Holzofens, gemütlichen Betten und gefüllten Essensvoräten in Anspruch nehmen. Wir trocknen die Ausrüstung und genießen Dosenpfirsiche mit Milchreis, was für ein Genuss.

Der nächste Tag führt uns Richtung Skautesflye wo wir wieder das Keron 4GT aufschlagen. Das Zelt ist für uns drei ein Palast, bietet er doch genug Platz um im Zelt zu kochen und dabei gemütlich im Eingang zu sitzen. Nicht unwichtig wenn jeden Tag 2-3 Stunden der Benzinkocher faucht um Schnee für Travellunch und Tee zu schmelzen.

Vorbei an kleinen Gletschern führt uns der Weg im Spiterstulen Richtung Süden. Der Abstieg ins Tal ist verdammt tückisch, und so steil, dass wir gezwungen sind die Ski abzuschnallen. Beim Queren bleiben die Pulkas nur selten in der Spur, brechen nach unten aus und überschlagen sich. Ein Riss des Zugkabels und sie machen die letzten 100 Höhenmeter ohne uns.

Sind wir die letzten Tage im Nebel gelaufen, bessert sich das Wetter zusehends, die Berge rings um uns zeigen sich in ihrer ganzen Schönheit. In der Sonne steigt das Thermometer auf erträgliche -10°C, die Pausen fallen trotzdem verdammt kurz aus. Schnell etwas Heißes trinken, einen Oatsnack, Nüsse und Salami gegessen. Wir rasten in Sichtweite einer Rentierherde. Schon nach 10 Minuten werden die Hände eisig, der Körper kühlt merklich aus, so dass man gezwungen ist weiterzulaufen.

Wir wollen noch Leirvassbu erreichen, in der Hoffnung dort eine offene Hütte vorzufinden. Wie wir leider feststellen müssen gibt es dort keinen Winterraum, die Fjellheime sind wie fast alle in den Wintermonaten geschlossen. So schlagen wir unser Zelt neben dem Hauptgebäude auf, welches übrigens für den norwegischen Thriller „Cold-Prey – Eiskalter Tod“ als Kulisse diente. In dem Thriller wird eine Gruppe von jungen Leuten von einem Psychopathen gemetzelt. Wir haben unsere eigene Gruselatmosphäre , denn in der menschenleeren Hütte brennt noch Licht!

Die Nacht wird deutlich kälter als die letzten. Das Thermometer fällt auf -25°C.

Aufgrund des langsamen Vorrankommens in den ersten Tagen, entschließen wir uns die Route abzukürzen und nicht über Olavsbu zu laufen. So schlagen wir direkt den Weg nach Osten ein. Das Wetter spielt mit und beschert uns Sonnenschein pur. In Serpentinen steigen wir hinter Leirvasbu einen Pass hinauf Richtung Langvatnet. Die Temperatur ist zapfig. Am Ende des ca. 4 km langen Sees schlagen wir gegen 16 Uhr unser Zelt auf dem Eis auf, spannen es wieder gut ab und heben die Grube im Vorzelt auf. Zu tief können wir allerdings nicht graben. Das Eis unter dem Schnee ist eher Matsch uns gefriert erst als wir den Schnee entfernen. Ein mulmiges Gefühl so auf dem See zu campieren.

In der Nacht rieselt immer wieder Raureif von der Zeltdecke in mein Gesicht. Es ist merklich frostiger, was wir aber nur am freiliegenden Gesicht merken. Die dicken Winterschlafsäcke mit Overbags und VBL isolieren hervorragend.

Am nächsten Morgen staune ich nicht schlecht. -35°C zeigt das Quecksilber vor dem Zelt. Und so fühlt es sich auch an. Das Packen der Pulkas dauert lang. Kaum hat man einen Handgriff getan muss man die Hände in den dicken Fäustlingen aufwärmen. Die Sonne schafft nur mühsam die Luft zu erwärmen. Wir machen uns auf dem Weg nach Gjendebu wo wir noch einmal den Luxus einer geheizten Hütte genießen, bevor wir am Tag darauf die letzten 20 km am Stück über den Gjende zum Ausgangspunkt unserer Tour laufen.

Tipps zur Tour:

- Jotunheimen im Winter hat einen bleibenden Eindruck bei uns hinterlassen. Die Unberührtheit und Abgeschiedenheit zu dieser Jahreszeit hat ihren ganz eigenen Reiz.

Unterschätzen sollte man eine Tour in dieser Gegend und zu dieser Jahreszeit auf keinen Fall. Wenn man, wie wir die Reisezeit Mitte Februar wählt, muss man davon ausgehen selten auf andere Personen zu treffen. Bei uns waren es in 9 Tagen nur 3 Menschen.

- Reisezeit: Ist man mit Wintertouren noch wenig vertraut bietet sich der März – April eher an als der Februar. Die Hütten sind geöffnet, Winterrouten markiert, die Tage länger und die Temperaturen nicht mehr ganz so eisig. Günstig ist natürlich sich einer Person anzuschließen, welche schon Erfahrungen damit hat.

- Handyempfang ist in dem Gebiet nur sehr eingeschränkt bis nie möglich. Die Mitnahme eines Notsenders ist also nicht verkehrt.

- Wetter, Schnee-, Eislage auf den Seen: Als Informationsquelle kann man auf die Website der norwegischen Wetterämter und Energieversorger zugreifen.

4 Kommentare

  1. Hallo Sebastian,
    tolle Tour. Hast Du auch schon mal eine Wintertour auf der Hardanger Vidda gemacht? Wir haben das vielleicht im nächsten Winter vor und suchen noch Leute, die Tipps geben können.
    Viele Grüße
    Uwe & Bianka

    • Hallo Martin,

      Danke für die Blumen, war wieder einmal einfach grandios, wenn auch sehr anstrengend.
      Die Lumix GF1 hat ihren Job getan auch bei -30°C.
      Viele Grüße
      Sebastian

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