Reise

Bouldern in Europa (Schweiz, Frankreich, Italien)

01.10.2012

Bouldern in Europa (Schweiz, Frankreich, Italien)

Sechs Wochen Bouldern. Das ist eine Zeitspanne, die man sich als Angestellter nur schwer vorstellen kann. Wir haben sie uns dennoch genommen, denn die Freiheit, gemeinsam neue Länder und neue Sitten zu erleben, ist uns einfach wichtiger. Aber nicht nur Mensch und Kultur, sondern vor allem auch die Felsen wollten wir sehen. Deshalb starteten wir mit unserer dreitürigen Rostlaube auf unsere kleine große Erkundungstour durch Europa. Angefangen in der Schweiz, sollte uns die Route dorthin führen, wo das Wetter gut, die Felsen rau und das Panorama groß ist. Da das Ladevolumen unseres 3er Golfes nicht unendlich ist, war nur Platz für ein einziges kleines Crashpad. „Ob das reicht?“, fragten wir uns bis zuletzt. “Tut es!”, wissen wir jetzt.

Los geht’s mit dem bouldern! (Gotthardpass, CH)

Bouldern am Gotthardpass Ausgangspunkt war für uns der Gotthardpass. Bouldern im Sonnenschein auf über 2.000 Metern. Was könnte im Hochsommer bitte besser sein!? Ausgerüstet mit dem SwissBloc (Gebro-Verlag), einer Espressomaschine im Dauereinsatz und dem kleinen Crasphad, verbrachten wir drei grandiose Tage in den Gebieten Parking, Dark Side, Exstasy, Scary Christmas und Il Cecchino. Die militärischen Panzerattrappen und Bunker wirken im ersten Moment etwas seltsam, die unendlichen Touristenmassen direkt auf dem Pass ebenso. Komisch schien es, dass bei so einem abwechslungsreichen Gebiet zum Bouldern doch nur so wenige Leute da waren, die sich die Finger an den Blöcken zerstören wollten. Abends waren wir jedes Mal annähernd allein. Auch nicht schlecht, keine Frage!

Weiter, weiter! (Grimselpass, CH)

Grimselpass bouldernZitat aus dem SwissBloc: „Besonders die am Hang gelegenen Blöcke im Sektor „Elfe“ liegen in stark verblocktem Gelände, hier sind mehrere Crashpads und gutes Spotten von Nöten“.  Super, wie gut, dass wir nur unser kleines Crashpad zum bouldern haben! Wir verkrümelten uns also in den Sektor Kristallweg, wo das Absprunggelände so human ist, dass wir mit der kleinen Matte Bouldern am Grimselpassgut bedient waren. Überwindung ist direkt an Block 1 gefordert, denn diese klassische Platte bietet wenig zu Greifen und noch weniger zum Stehen. Wer es dann doch lieber mit Fingereinsatz hätte, muss unbedingt den etwas längeren Weg auf sich nehmen und zu Block 22 wandern, denn diese leicht geneigte, mit Rissen durchzogene Wand ist nicht nur für die Kamera gefundenes Fressen.

Ab zu den Zebras (Kandersteg, CH)

Kandersteg bouldernKandersteg kennt man ja vor allem vom Eisklettern. Dass es hier allerdings auch ein enorm abwechslungsreiches Gebiet zum bouldern gibt, wissen gar nicht so viele. Allein die Optik der Blöcke ist aber so kurios, dass sich ein Besuch definitiv lohnt, denn die Felsen zum bouldern bestehen größtenteils aus einer hellen, kalkähnlichen Schicht mit tiefen Furchen und einer dunklen, sandsteinartigen Masse, die die Blöcke tatsächlich wie Zebras erscheinen lässt. Im Swiss Block ist zwar nur eine kleine Auswahl an bestehenden Sektoren aufgeführt, die aber dennoch für genug Beschäftigung sorgt. Das Absprunggelände im Sektor Blausee-Teuffe ist einwandfrei und durch den weichen Waldboden wirklich ideal. Leider trocknet der Fels nur recht langsam, aber wir haben immer etwas Machbares gefunden.

Nach langer Fahrt: Annot. ANNOT!! (F)

Boultern in AnnotDas Gebiet zum bouldern etwas nordöstlich der Verdonschlucht ist insgesamt gar nicht so bekannt, aber wer es kennt, der kommt aus dem Schwärmen kaum noch heraus. „Schönstes Gebiet zum bouldern überhaupt!“ und „wie in Fontainbleau. Nur mit viel schönerer Aussicht!“ wurde mir im Vorhinein von einigen Freunden eingebläut. Und tatsächlich. Um das Gebiet überhaupt erreichen zu Boultern Annotwollen, muss man eine lange, doch ziemlich ruppige Anfahrt in Kauf nehmen. Ist man allerdings endlich in Kehre 24 angekommen, kann man bereits erahnen, was für eine Aussicht einen gleich erwartet. Und tatsächlich. Nach 10 Minuten Fußmarsch steht man auf einer Klippe, von der man, zumindest gefühlt, bis ans Meer schauen kann. Und das Highlight: Genau auf dieser Klippe liegen so enorm abwechslungsreiche Blöcke, dass man eigentlich gar nie mehr wo anders hin will. Der Sandstein bietet Fingerlöcher, Reibungskletterei, Pumpiges und Technisches. In Kombination mit den darunter und darüber liegenden Sektoren ist Annot definitiv ein Gebiet, in dem einem auch über Wochen kaum langweilig werden kann.


Anmerkung
: Wir hatten den Auswahlführer „Mistral 2 Süfrankreich Ost“ dabei, der nicht nur in Annot völlig unbrauchbar war! Es ist nicht so, dass wir uns das erste Mal in einem Gebiet zum bouldern zurecht finden mussten, aber die Darstellung der Blöcke war so dermaßen falsch, dass wir auch nach über einer Stunde Suchen keinen einzigen Block finden konnten. Die Wegmarkierungen fanden wir zwar noch, die eingezeichneten Blöcke waren aber entweder falsch angeordnet, zahlreiche waren einfach weggelassen und so mancher Block war im Topo plötzlich als zwei oder drei einzelne Boulder eingezeichnet. Als hätte man die Übersicht eines falschen Gebiets aufgeschlagen!

Abschluss im Herzen der Alpen (Val di Mello, I)

Bouldern Val di melloEs gibt ja diese Gebiete, die man sich schon am Tag des Kaufs im Handbuch zum bouldern dick  eingekringelt hat. Val di Mello ist eines davon. Die Blöcke sahen schon auf den Bildern spannend aus und in Kombination mit dem grandiosen Panorama und dem einwandfreien Absprunggelände wirkte das alles wie die würdige letzte Station unserer Reise. War es dann auch: Die Sonne Bouldern Val di melloschien, die Temperatur war angenehm, die Probleme beim bouldern spannend, das Absprunggelände hallentauglich. Leider war der Campingplatz (Jacksground, mitten im Gebiet) verhältnismäßig teuer und die Leute dafür erstaunlich wenig herzlich, so waren wir das gar nicht mehr gewöhnt. Von gemütlicher Klettereratmosphäre keine Spur (zumindest als wir da waren).

Übrigens: Wer im Sommer anreist, muss für die Anfahrt die Maut (5€) nicht bezahlen, denn Gäste bekommen einen eigenen Ausweis, mit dem man kostenlos die kurze Straße nutzen darf.

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