Reise

Trekking in Nordchile: Vulkane und Wüste

23.10.2012

Trekking in Nordchile: Vulkane und Wüste

Ziele für Trekking – und Outdoorabenteuer gibt es in Südamerika viele. Ob Bergsteigen in Ecuador, Trekking in Peru oder Bolivien, bis hin zu den Sturm umtosten Gipfel Patagoniens – hier ist für jeden etwas dabei. Noch weniger bekannt ist der Norden Chiles und der stand genau aus diesem Grund auf unserem Reiseplan.

Trekking im Nationalpark Lauca: Vulkane, Lamas und endlose Einsamkeit

Der Parque Nacional Lauca liegt im äußersten Norden Chiles an der Grenze zu Bolivien auf einer Höhe zwischen 3.000 und 6.300 Meter. Es gibt hier zahlreiche Vulkane über 6.000 Meter, der höchste ist der Vulkan Parinacota mit 6.342 m. Neben den schneebedeckten Riesen ist der Park auch ein Naturreservat und Heimat zahlreichen Tierarten wie Lamas, Guanacos, Vikunjas Alpacas, vieler Vogelarten und dem Andenpuma.

Ausgangspunkt für Trekking – Unternehmungen im Nationalpark Lauca ist das kleine Dorf Putre auf 3.650 Meter, ein 2.000 Seelennest und Heimat vieler Aymara Indianer. Allein die Fahrt dorthin ist ein Erlebnis für sich. Von Arica, der ersten großen Stadt im Norden, fahren täglich zahlreiche Busse auf der Ruta 11, der einzigen Verbindungsstraße zwischen Nordchile und Bolivien. Bis nach Putre sind es rund 120 km und ein Höhenunterschied von über 3.600 Meter muss überwunden werden. Am Weg passiert man oasenartige, fruchtbare Tiefebenen, karge Wüstenberge und abenteuerlich engen Kurven, durch die sich die Straße unaufhörlich nach oben windet. Die engen Kurven sind aber kein Hindernis für den Busfahrer, sich wie ein Formel-1-Pilot zu benehmen. Da der Grenzübergang zu Bolivien hier weitgehend unproblematisch ist, ist die Strecke unter Reisenden beliebt und doch sind wir die einzigen, die in Putre aus dem restlos überfüllten Bus springen. Von der Schnellstraße sind es noch einmal rund 5 km ins Dorf und während wir uns fragen, ob hier auch mal ein Bus kommt, entschließen wir uns den Daumen rauszustrecken. Lange warten wir nicht auf eine Mitfahrgelegenheit, auch, wenn es sich nur um die offene Ladefläche eines Pick-Ups handelt. Spätestens jetzt bin ich froh, dass ich meine Windstopperjacke anhabe. Das Klima hier ist trocken, unter Tags liegen die Temperaturen zwischen 10 und 20 Grad, können aber in der Nacht selbst im warmen Andensommer unter 0°C  fallen.

Trekking zum Zeltplatz im Nationalpark Lauca

Unterwegs zum Zeltplatz im Nationalpark Lauca

Im Dorf selbst gibt es nicht viel zu tun, außer einem Besuch der kleinen Restaurants oder netten Kunsthandwerksläden. Wer sich in Putre mit Lebensmittel zum Trekking eindecken will, findet zwar in den Tante-Emma-Läden alles über Wurst, Käse, Obst und Gemüse, die Preise sind jedoch sehr hoch. Am besten, man kauft schon in Arica ein. Die kleinen Gassen beherbergen auch einige Agenturen, die Transport, Treeking -touren, Ausrüstung, bis hin zu Expeditionsbesteigungen im Nationalpark anbieten, wenn sie denn mal offen sind, was wir nie erlebt haben. Man kann sich aber auch ganz einfach selbst mit Zelt und Kocher auf den Weg machen. Und so schultern wir unsere Rucksäcke und warten am nächsten Tag am Ortsende auf eine Mitfahrgelegenheit. Die lässt nicht lange auf sich warten, aber weil wir uns den Beifahrersitz eines chilenischen Straßenbauarbeiters zu dritt teilen – eingeklemmt zwischen unseren Trekkingrucksäcken – sind wir froh, als wir endlich aussteigen können.

Parinacota: Endstation Zivilisation

Abendstimmung in Parinacota, mit dem Hausberg - einem 5000er

Der Parinacota in der Abendsonne

Unser Basecamp errichten wir im Dorf Parinacota, dem einzigen Dorf im Nationalpark, ca. eine Stunde Fußmarsch von der Ruta 11. Schon jetzt begleiteten uns Lamaherden und der überwaeltigende Blick auf die mächtigen Vulkane Parinacota (6342 m) und Pomerape (6286 m). Parinacota liegt auf 4.400 Meter und hat stolze 29 Einwohner, zwei Herbergen und eine wunderschöne weiße alte Kirche am verlassenen Dorfplatz. Unser Zelt schlagen wir innerhalb der Stadtmauern auf, in der Umgebung lauert angeblich der Andenpuma, so hat es uns jedenfalls der Besitzer der Herberge erzählt, nachdem wir ihm als zahlende Gäste durch die Lappen gegangen sind. Mit Blick auf einen Vulkan und einen kleinen See genießen wir unser Abendessen unter freiem Himmel.

Am nächsten Tag geht es los mit Trekking auf den Hausberg von Parinacota, einen Vulkan knapp 5.000 Meter hoch. Obwohl er keinerlei technische Schwierigkeit bietet, haben wir ihn ordentlich unterschätzt. Nicht nur, dass sich der Weg durch Vulkangestein, Schutt und Wüstensand als viel beschwerlicher als gedacht herausgestellt hat, der Weg zum Gipfel verliert sich im letzten Stück in einem Labyrinth aus riesigen Gesteinbrocken und Geröll. Obwohl wir den Gipfel nicht erreichen, haben wir eine herrliche Aussicht Richtung Bolivien und spätestens hier wird uns bewusst, in welcher endlosen Weite wir uns befinden. Unsere einzigen Begleiter an diesem Tag waren die vielen Lamas, die am Fuße des Vulkans grasen.

Aussicht über das Altiplano bis nach Bolivien. Die Seen der Laguna Cotacotani erkennt man rechts im Bild

Aussicht über das Altiplano bis nach Bolivien.

Ein anderer interessanter Weg führt von Parinacota durch den Park. Am Dorfende befindet sich eine Steintafel mit der Wegskizze, es ist die einzige Information, die wir darüber finden. Der Trekkingweg führt durch die Laguna Cotacotani, einem Gewirr aus vielen kleinen Seen und Heimat vieler Vogelarten. Vorbei geht es an erstarrtem Vulkangestein mit Blick auf die 6.000er. Leider ist der Weg sehr schlecht markiert und wir verlieren viel Zeit mit der Suche nach Markierungen. Von hier aus geht es weiter zum Lago Chungará auf 4.566 Meter, wo sich die Nationalparkverwaltungsstation CONAF befindet. Hier gibt es einen Campingplatz und in der Hütte kann man sich übers Trekking und den Park informieren. Viele Leute kommen allerdings nicht vorbei, der Ranger war fast überrascht, als wir nach einer Campingmöglichkeit fragten. Als der Verkehr auf der Ruta 11 immer weniger wird und selbst der CONAF Mitarbeiter bereits nachhause gefahren ist, haben wir das Gefühl, ganz alleine in dieser großartigen Landschaft zu sein.

 

Von den schneebedeckten Vulkanen zu den großen Sanddünen:
Die Atacamawüste

Mountainbike Weg durch die Wüste

Gute Hauptwege erleichtern das biken.

Schneebedeckte Vulkane, schroffes Lavagestein tauschen wir am nächsten Tag gegen die heißen Sanddünen der Atacamawüste. Der Weg über Arica und Calama dauert ca. 12 Stunden. Der Gegensatz in der Landschaft könnte nicht größer sein und so klebe ich die ganze Fahrt an der Fensterscheibe und bestaune die menschen- und tierleere Wüste mit ihren schneebedeckten Vulkanen in der Ferne. Die Atacamwüste ist einer der trockendsten Plätze der Welt mit Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht von bis zu 40 Grad. Das quirlige San Pedro de Atacama lebt hauptsächlich vom Tourismus und so reiht sich in der Stadt Agentur an Agentur. Trotzdem hat San Pedro Dank der typischen Adobehäuser einen ganz eigenen Charme. Nach den kalten Tagen im Nationapark Lauca, flanieren wir hier gerne in T-shirt und Short durch die Gassen und lassen uns die leckeren Empanadas schmecken.

Die Atacamawüst: menschenleere Mondlandschaft

Die Atacamawüst: menschenleere Mondlandschaft

 

Mit dem Mountainbike die Wüste entdecken

Das Tal des Devil's Canyon

Das Tal des Devil’s Canyon

Wer keine teure Tour buchen will, kann ganz einfach auf eigene Faust in die Wüste fahren. Wir haben uns für zwei Tage Mountainbikes gemietet. Mountainbike fahren in der Wüste? Genau! Dank einer asphaltierten Hauptstrasse und guten Schotterpisten, kämpfen wir meistens eher gegen den Wind als den Sand. Unsere Tour führt uns in das Tal des Todes, einem Labyrinth aus riesigen Sanddünen. Vom „Gipfel“ einer solchen Düne hat man eine atemberaubende Aussicht über die Wüste, bis hin zu den schneebedeckten Vulkanen an der Grenze zu Bolivien. Danach geht es ein kurzes Stück auf der Hauptstrasse entlang, bis wir wieder abbiegen und nach einiger Zeit das Tal des Mondes erreichen – einem Naturpark mit bizarren Gesteinsformationen, Canyons und Sanddünen. Zum Sonnenuntergang besteigen wir eine große Düne und erleben ein magisches Farbschauspiel über der endlosen Wüste. Vom Ende des Parks schließt sich die Rundtour zurück nach San Pedro – Stirnlampe nicht vergessen, denn hier ist es schon dunkel! Unser nächstes Ziel sind die Inkafestung Pukará de Quitor und der Devil’s Canyon. Zusammen ist das ein schöner Tagesausflug mit dem Bike. Durch den Canyon kann man sogar mit den Rad fahren, nur, wenn es stellenweise richtig eng wird, muss man absteigen und sich zu Fuß weiter durch die Wände zwängen. Ein richtiges Abenteuer!

Wer Abwechslung und faszinierende Berglandschaften sucht, ist im Norden Chiles genau richtig.

Tipps:

Wer im Nationalperk Lauca nur trekken will, kann problemlos auf eigene Faust loswandern. Wer eine Bergbesteigung plant, sollte so viel wie möglich vorab organisieren und Karten mitbringen, da die Informationen der Agenturen in Putre mager sind, wenn diese überhaupt geöffnet anzutreffen sind. Die Weiterfahrt nach Bolivien ist einfach was die Kilometer betrifft, doch der Bus kommt zu willkürlichen Zeiten und ist meist restlos überfüllt. Wer sich für eine Anschlussfahrt entscheidet, dem bleibt Autostoppen oder man kann versuchen über die Büros in Putre oder Arica einen Platz zu reservieren – die Betonung liegt auf ‚versuchen’.

San Pedro de Atacama ist relativ hochpreisig für Rucksacktouristen. Abseits des Hauptzentrums lässt sich aber um die Zimmerpreise verhandeln und man findet einige sehr gute und günstige Einheimischenrestaurants. Angebote von Mountainbikeverleihern gibt es genug – einfach selber schauen und Preise vergleichen. Meist bekommt man Rabatt, wenn man die Bikes mehr als einen Tag ausleiht. Auf jeden Fall Helm, Windstopperjacke und genügend Wasser nicht vergessen!

 

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