Reise

Teil 3/5 - Der Himalaya - Von den Reisterassen Indiens zur Wohnstätte des Schnees

01.10.2012

Teil 3/5 – Der Himalaya – Von den Reisterassen Indiens zur Wohnstätte des Schnees

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Tag 6:

Akklimatisationstag im Exped Zelt, Pare Megu, 3900m

Gemütlich im Exped Schlafsack

Akklimatisationstag

Wir lassen es gemütlich angehen. Es bleibt Zeit, das Leben und Arbeiten auf einer Yak-Alm kennen zu lernen: Zwei einsame Hirten haben hier für die Sommermonate – bis der erste Schnee kommt – ihr zu Hause in der aus Steinplatten und Holzbrettern aufgerichteten Hütte gefunden. Wir relaxen und trinken viel Wasser und Tee, was für eine solide Höhenanpassung sehr wichtig ist. Unser Exped Zelt, unsere Exped-Schlafsäcke und warme High-Tech-Kleidung in den vielen funktionellen Lagen bringen uns kuschelig warm durch den Tag.  Wir essen und schlafen zufrieden und gut. Ein Zeichen guter Akklimatisation.

Tag 7:

Pare Megu, 3900m nach Lasmi Pokuhri, 4400m über Daphne-Bir, 4530m.

Schneesturm am Daphne-Bir

Wind und Wetter kennen kein Erbarmen

Wir starten kurz nach Sonnenaufgang. Im Licht der Stirnlampen haben wir uns aus den Schlafsäcken geschält, die Schlafmatten und Ausrüstung verpackt und ein eiliges, kräftiges Frühstück eingeworfen. Eine lange, anstrengende, die erste Königsettape steht an. Für die nächsten zehn Stunden wird uns der Mund offen bleiben: Nein, wir atmen natürlich langsam durch die Nase. Uns bleibt vor Staunen der Mund offen, während wir uns in die gigantische, hochalpine Gebirgslandschaft aus Fels und Stein hinauf arbeiten.

Wir machen die Schotten unseres „Gore tex Panzers“ dicht und haben es trotz des Wetters „da draussen“ von Kopf bis Fuß schön warm und trocken. Und laufen laufen, laufen… Unser intensives, monatelanges Training, die vielen Vorbereitungs-Bergtouren und Schweißtropfen zu Hause zahlen sich endlich aus.

Langsam um Luft ringend steigen wir im sich entwickelnden Schneesturm zum Daphne-Bir auf. Zwischen den aufgeschichteten Steinpyramiden und den tobenden Gebetsfahnen auf der Passhöhe (4530m) schlägt uns der Wind mit voller Wucht ins Gesicht. Die Schneeflocken schlagen schmerzhaft wie Eiskristalle auf die wenigen Fetzen Haut, die unbedeckt sind.. Wir sind fasziniert von der Wildheit der Natur und dem rapiden Wechsel von Wetter, Landschaftsformen und Eindrücken. Zügig steigen wir ab und errichten mit unserem Exped Zelt in geschützter Lage ein Notcamp unterhalb des Passes am zugefrorenen See Lasmi Pokuhri.

Tag 8:

Lasmi Pokuhri, 4400m nach Gomathang, 3800m.

Trekking im Himalaya

Ausblick für Götter

Der Wecker klingelt um fünf Uhr. Es ist still draussen. Der Wind hat nachgelasen, das verheißt Gutes. Ein erster Blick aus dem Zelt bestätigt unsere Hoffnungen: Sternenklar ist der Himmel, eisigkalt die Nacht: Minus 15 Grad messen wir in unserem Camp auf 4400 Meter über dem Meersspiegel. Im Exped Zelt ist das Kondenswasser unserer Atmenluft an die Zeltwand gefroren. Ein heißer Kaffee, die Sonnenbrille nicht vergessen und los geht’s zum Daphne-Bir mit dem ersten Morgenlicht. Jeder Schritt in der Höhe kostet Mühe, lässt uns um Atem ringen. Auf der Passhöhe angekommen, macht uns das Panorama in der klaren Morgenluft komplett sprachlos: Die großartige Weite, die Klarheit, Schönheit und Gewalt der Berge, der „Wohnstätte des Schnees.

Hier müssen die Götter wohnen!

Als Wolken aufziehen steigen wir ab ins Lager. Unser glücklich lachenden Träger genießen erleichtert den Wetterumschwung, die Sonne und Wärme. Ein kräftiges spätes Frühstück lässt den fantastischen Morgen ausklingen. Wir verlassen das Grenzgebiet Nepal / Indien (auf dem wir in den letzten Tagen fortlaufend „illegal“ nach Nepal ein- und ausgereist sind, ohne Visa und Stempel) und steuern in Richtung Sikkim. Ein technisch anspruchsvoller, nicht allzu langer Abstieg steht uns bevor. Entlang eines immer steiler werdenden Wildbaches geht es hinab ins heimelige Wiesenlager Gomathang.

Tag 9:

Gomathang, 3800m nach Pangding, 4150m.

Yaks im frühen Morgengrauen

Yaks im frühen Morgengrauen

Am Morgen liegen die schwarzen Yaks reglos, von Eis und Reif überzogen im Gras von Gomathang. Ein wunderbares Bild, wenn hinter den zotteligen Genossen die Sonne über den Bergen aufgeht. Nur ohne Handschuhe frieren schier die Finger an der Kamera fest. Wir starten spät zu unserer heutigen Etappe, trockenen in der morgendlichen Sonne noch ausgiebig Ausrüstung und Exped Zelt.

Der heutige Weg beginnt mit einer kleinen sportlichen Herausforderung: Auf einem Eis überfrorenen, spiegelglatten, quer über den kleinen Fluss liegenden Baumstamm gilt es das reißende Wasser zu überqueren. Eine Balanceübung mit echten, nass kalten Konsequenzen am späten Morgen: Na das kann ja heiter werden heute. Wird es auch: Schier endlos geht es rauf und runter, immer wieder über Anhöhen und durch Bachtäler. Auch heute zieht es im Laufe des Tages schnell zu: Erst steigen die Wolken aus dem Golf von Bengalen auf, dann beginnt leichter Schneefall. Durch verschiedenste Vegetationen auf anfänglich eindeutigem Wegverlauf erreichen wir wieder hochalpine Regionen: Durch Fels, Schnee und Eis stapfen wir zum Kamsey-Bir Pass auf 4150 Meter.

Den Bergsattel erblicken wir in „alter Tradition“ im Schneefall. Endlos scheint der Tag, immer bergauf und wieder bergab durch wilde Stein und Fels-Landschaft. Bei einbrechender Dunkelheit erreichen wir die verfallenen Steinhütten von Pangding. Die Sherpas haben bereits das Lager aufgeschlagen. Trotz der widrigen Umstände im improvisierten Lager bei Schnee und Wind gelingt ein opulentes Abendessen. Satt und warm kriechen wir in unser Exped Zelt und unseren Exped Schlafsack: Wieder einmal „Zu Hause“ angekommen!

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