Reise

Trekking im Managtal - Nepal - Eine Klassenreise der besonderen Art

27.09.2012

Trekking im Managtal – Nepal – Eine Klassenreise der besonderen Art

“Drei Wochen Reis und Linsen – wir haben es geschafft!”

12 Schüler vom Gymnasium Geretsried und Miesbach waren im Frühling 2012 zusammen mit drei Lehrkräften für knapp drei Wochen zum trekking in Nepal.

„Seht euch mal den Luxus hier an!“, hörte ich die anderen rufen. „Ja, das ist der Wahnsinn, es gibt sogar Klopapier!“ Wir standen auf der Toilette des Münchner Flughafens. Es war sieben Uhr morgens und wir waren gerade aus Nepal zurückgekommen. Doch trotz der tollen Toiletten sehnten wir uns schon wieder in diese ganz andere Welt zurück, aus der wir am Vortag erst aufgebrochen waren. Manche von uns verspürten – so schien es zumindest – den Wunsch, sich einfach auf das Gepäckband zu legen und gleich wieder zurück zu fliegen …

Als wir am 25.04. nach Nepal aufbrachen, waren wir voller Erwartungen auf die drei Wochen, die wir dort verbringen würden. Und die Erwartungen haben sich mehr als erfüllt. Ein Rückblick:

Gruppenbild vor der Abreise ins wunderschöne Nepal

Nach einem ungefähr 12-stündigen Flug konnten wir bereits bei der Ankunft in Kathmandu die herzliche nepalesische Art spüren. Lachend und mit offenen Armen wurde die Trekking-Gruppe am Flughafen von Phuntsok, dem Angestellten der Nepalinitiative Schongau, der als Tibeter in Nepal lebt, begrüßt. Er kümmert sich um die Spendenangelegenheiten zwischen dem Gymnasium Geretsried und Lophelling-Schule und steht in engem Kontakt mit unserer Schule. Er hat unserem Lehrer Stephan Baur bei der Organisation der Trekking-Reise geholfen und sollte uns nun auf einem Teil des Weges begleiten.

Die Stupa von Bodnath, einem Vorort im Nordosten von Kathmandu.

Nach 2 Tagen Aufenthalt in Kathmandu machten wir uns mit dem Bus auf nach Besisahar, wo unsere Trekking-Tour, die uns ins Himalaya auf über 3500 Meter Höhe führen sollte, begann. Auf der Busfahrt zu dieser Kleinstadt, die ungefähr 150 km von Kathmandu entfernt ist und auf nur 800 Höhenmetern liegt, begegneten wir zum ersten Mal unseren Portern, die unser Gepäck trugen. Mit diesem netten Trupp hatten wir besonders Glück gehabt, vor allem mit unserem Guide Mingmar, der sogar Deutsch sprach und all unsere Fragen über Land und Leute bereitwillig beantwortete. Mit ihm konnte man die interessantesten Gespräche führen und ihn herrlich über alles, was man über Nepal wissen wollte, ausfragen.

Mit von der Partie waren auch 4 nepalesische Studenten, die uns auf unserer Wanderung begleiteten. Mit ihnen hatten wir eine Menge Spaß und lernten viel über die nepalesische Denk- und Lebensweise.

Das Trekking dauerte insgesamt 6 Tage und führte uns zur Lophelling-Schule.
Die Wanderung war insgesamt konditionell auch für die, die normalerweise nicht regelmäßig wandern gehen, gut machbar, weil die Etappen großzügig eingeteilt worden waren. Doch mit zunehmender Höhe fiel das Gehen schwerer und auch unsere Raser mussten ihr Tempo zügeln, um nicht zu riskieren höhenkrank zu werden.
Auch wenn auf der bekannten Annapurna-Trekkingtour (Annapurna-Umrundung) alles auf Touristen ausgerichtet ist, waren die Unterkünfte einfach. Doch auch von der kalten Dusche und der Riesenspinne, mit der wir Bekanntschaft machten, ließen wir uns nicht abschrecken.
Wir verzichteten zwar in den drei Wochen auf Annehmlichkeiten wie warme Dusche, komfortable Toiletten oder Computer, die in unserem Leben selbstverständlich geworden sind, doch gewannen viel dazu: vor allem im Rahmen der vielen Begegnungen mit den Nepali, sowohl beim homestay, wo wir bei einer einheimischen Familie übernachteten als auch beim Kontakt mit den Kindern an der Lophelling-Schule. Man kann von den Einheimischen lernen, dass man auch ohne den Luxus, den wir Tag für Tag hier in Deutschland in Hülle und Fülle genießen, glücklich sein kann.

Ein Gruppenfoto (links) und eine typische Unterkunft (rechts)

Auf der Tour wurde mir auch klar, dass schon der Weg das Ziel ist. Wir durchwanderten die unterschiedlichsten Landschaften und kamen durch die schönsten Bergdörfer. Am Anfang bestimmten Anbauterrassen und das Flusstal des Marschyandi die Landschaft. Später wurde die Umgebung immer karger und bergiger. Die 7000er und 8000er Berge und Gletscher, wie z.B. der Annapurna II waren beeindruckend, besonders als wir ins Manangtal eintraten, in dem sich die Lophelling-Schule befindet.
Dort oben blieben wir vier Tage lang. An zweien besuchten wir die Schule, verteilten Spenden, gestalteten selber Unterricht mit den Kindern und spielten mit ihnen.

Um den Menschen in Nepal unsere bayerische Kultur näher zu bringen, hatten wir eine Ziehharmonika mitgebracht. Schon bei der Ankunft an der Schule zogen wir mit Bayernflagge und entsprechender Musik ein. Danach gaben die Jungs erstmal ihren einstudierten Schuhplattler zum Besten – ein wohl einzigartiges Ereignis auf 3500 Metern Höhe! Später gaben sie den älteren Schülern sogar Unterricht im Schuhplattln, was sehr gut bei diesen ankam. Nun hat das auf Ebay ersteigerte Instrument einen Ehrenplatz neben dem Bild des Dalailama bekommen.

Trekking in Nepal - Kinder beim Essen

Nepalesische Kinder beim Mittagessen

Bei der Spendenverteilung war die Dankbarkeit der Kinder deutlich zu spüren.
Momente, in denen man einem Kind eine Zahnbürste schenkt und ein strahlendes Lächeln zurückbekommt, sind berührend. Die Kinder schätzen es sehr, dass sie die Möglichkeit haben, eine vergleichsweise so gute Schule besuchen zu können. Der Schulbesuch ist in Nepal keineswegs eine Selbstverständlichkeit, obwohl in der Grundschule offiziell Schulpflicht herrscht. Doch daran halten sich die wenigsten, weil sie sich den Schulbesuch nicht leisten können oder ihr Kind für die Arbeit zu Hause benötigen und den Wert der Bildung nicht sehen. Vor allem bei Mädchen ist dies keine Seltenheit.
Die Schüler der Lophelling-Schule sind vor allem Kinder tibetischer Flüchtlinge, aber auch Kinder aus den ärmsten Familien der umliegenden Dörfer. Die meisten wohnen an der Schule, da ihr Zuhause zu weit entfernt ist. Gleiches gilt für die Lehrer die größtenteils aus Kathmandu kommen.
Mit im Spendengepäck waren Laptops. Sie waren in einem Projektseminar von unserem Lehrer Stephan Baur organisiert worden. Zur Stromerzeugung dienen zwei auf dem Dach installierten Solarzellen. Nun wird es bald möglich sein, dass das Gymnasium Geretsried und die Lophelling-Schule E-Mail-Kontakt pflegen und auch die Lehrer aus Kathmandu Kontakt zu ihren Familien halten können.

Nach der ereignisreichen Zeit und den vielen Erfahrungen, fiel es uns am Ende schwer, das Manangtal und die Schule wieder zu verlassen. Die Kinder winkten uns noch lange hinterher.

   
(Videos zur Tour: Die Schulklasse beim Mittagsgebet (links) und wir beim Wandern vor traumhafter Kulisse (rechts))

Diese Reise hat uns viel gegeben. Besonders den Besuch an der Schule werden wir wohl für immer im Gedächtnis behalten. Unser Direktor Dr. Hermann Deger betont immer wieder, wie wichtig es ihm ist, dass nicht nur wir der Schule etwas geben, indem wir Spenden verteilen, sondern dass auch wir viel von den Menschen dort lernen können. Dies sei kein einseitiger Prozess, von dem nur die Lophelling-Schule profitiere. Dem stimme ich voll und ganz zu.
Wir haben profitiert: Das war eine einzigartige Reise!

Text: Sophie Schilcher
Fotos: Stephan Baur

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