Testberichte

Five Ten Anasazi VCS Kletterschuhe - Test

09.10.2012

Five Ten Anasazi VCS Kletterschuhe – Test

Five Ten Anasazi VCS Kletterschuhe – Seit über einem Jahrzehnt gibt es dieses Modell. Five Ten brüstet sich zurecht mit der Anzahl an 11er Routen, welche in Anasazis bezwungen worden sind. Es waren, sind und bleiben viele – sehr viele. Five Ten Anasazi VCS ist also kein unbekannter in der Kletterszene. “Diese Kletterschuhe sollte man geklettert haben”, “Er ist der Beste, den ich jemals hatte”, “Noch nie hatte ich Kletterschuhe mit solch einem Gefühl” – ich habe wirklich viele solche Kommentare gehört, doch irgendwie ergab sich für mich nie die Gelegenheit diesen Klassiker unter den Kletterschuhen zu klettern. Anasazi VCS ist eine Legende, die eigentlich keiner Vorstellung oder Bewertung mehr bedarf. Falls man jedoch in Sachen Kletterschuhe noch unbedarft ist und wieder oder mal wieder vor dem Kauf eines neuen Paares steht, dann sollte man einige Fakten zu den Kletterschuhen wissen.

Optik, Verarbeitung

VCS Kletterschuhe

Optisch alles beim Alten!

Früher war alles besser. Kletterschuhe waren noch Kletterschuhe und keine Modeaccessoires mit bunten Designs und tollen Features. Die Optik der Anasazi VCS Kletterschuhe ist definitiv aus dieser guten, alten Zeit. Noch unauffälliger als die Hautfarbe des VCS sind nur die Tarnfarben und auch den Kampf um die wenigsten Details kann er leicht für sich entscheiden. Bei der Überarbeitung des Modells wurde optisch fast alles so belassen, wie es war – sehr zu Freude der zahlreichen Fans. In der aktuellen Auflage begeistert Anasazi VCS die Massen nach wie vor mit einem hautfarbenen Obermaterial, dem Anasazi Stern auf der Zehenbox und schwarzen Velcros. Für mich persönlich ist die Optik der Kletterschuhe bereits heute Kult, auch wenn mir andere Five Ten Kletterschuhe optisch besser gefallen. Ganz egal wie man die Optik findet, ist die Verarbeitung ein Aspekt welches immer wieder für Five Ten spricht. Bei keinem anderem Hersteller vermitteln die Kletterschuhe so viel Robustheit und garantieren solch eine Langlebigkeit, wie es die Amerikaner tun. Das einzige was bei Five Ten Kletterschuhen passieren kann, sind ein Paar etwas gröbere Verklebungen. Aber selbst diese stellen weder ein Haltbarkeits- noch ein Optikproblem der Kletterschuhe dar. Aus diesen Gründen bleibt Five Ten mein Favorit in Sachen kernige Qualität und die Besinnung auf das Wesentliche.

Konstruktion

Kletterschuhe

Flacher einfacher Aufbau,

In der heutigen Zeit, der Zeit von steilen Routen und noch steileren Bouldern hat sich eine bestimmte Konstruktionsart der Kletterschuhe etabliert. Diese beinhaltet eine Vorspannung einen Downturn und praktikable Gummierungen in Bereichen der Zehen und Ferse. Jeder Hersteller versucht die Verschlusssysteme zu optimieren, neu zu gestalten und sogar neu zu erfinden. Anasazi VCS bringt nichts von all diesen Aspekten mit sich. Er ist nicht nur optisch gesehen “Old School”, sondern auch von seiner Konstruktion her. Der Leisten der Kletterschuhe ist im Sohlenverlauf nahezu flach. Kein Downturn, keine (wirkliche) Vorspannung, keine Toe-Hook-Patches  – einfach und funktionell. Dabei ist der Velcro Verschluss mit der geteilten Zunge langsam so etwas wie State of the Art geworden. Immer wieder sieht man bei amerikanischen und deutschen Firmen dieses Prinzip. Zwei Velcros die einfach nur das machen was sie sollen schnell auf und zu gehen, stark aneinander kleben und den Fuß am Einstieg nicht hindern. Da gibt es nicht viel zu kommentieren – es ist eines der bewährtesten und am besten umgesetzten Systeme in der Welt der Kletterschuhe.

Five Ten Anasazi VCS Kletterschuhe Leisten

Leisten ist fast gerade geschnitten

Die ziemlich gerade und nur wirklich ganz leicht asymmetrische Sohle besteht nun seit einigen Jahren aus dem Stealth Onyxx Gummi, welches (natürlich was sonst!) noch besser als C4 sein soll. Diese Sohlendicke ordnet sich bei guten 4mm und ist sehr überlegt und gestaltet. Die Härte der Sohle ist im Bereich zwischen Anasazi Lace Up (steif) und Quantum (mittelhart). Der VCS verfügt über eine deutliche Spitze, welche den Druck der vorgespannten Ferse bedingungslos auf einen Punkt konzentriert. Dieser Kletterschuh ist nicht nur auf die Spitze pointiert, sondern bleibt auch im inneren und äußeren Kantenbereich kraftvoll und wirksam. Die Magic-Fingers-Heel ist meiner Ansicht nach in der neusten Auflage noch mal optimiert worden. Jedenfalls erinnert mich das geringe Volumen an die des Quantums. Eine tolle Sache. Five Ten Anasazi VCS ist nach wie vor aus dem Cowdura Kunstleder gemacht, welches zusammen mit dem synthetischen Innenfutter ein Ausleiern der Form wirkungsvoll verhindert. Alles in einem hat Five Ten mit diesem Schuh damals die Grenzen verschoben und heute die Latte immer noch verdammt weit oben liegen.

Passform und Größe

Passform Anasazi VCS Kletterschuhe

Bei schmalen Füßen ist Passform problematisch

Die Five Ten Anasazi Familie wurde geliebt und gehasst. Geliebt wegen der konstanten Form und gehasst von allen, die sich in der Größe vergriffen haben. Kauft man einen Anasazi auch nur eine halbe Größe zu klein, kann man es vergessen. Dieser Kletterschuh dehnt sich bei normaler Nutzung nicht. Interessant ist der Effekt der Anpassung des Obermaterials an die Zehen. Nach einigen Malen Klettern oder Bouldern bildet sich nämlich Ausbuchtungen in der Zehenbox welche den aufgestellten Zehen etwas Platz bieten, ohne ihnen zu viel Raum zu gewähren. Genau dieser Effekt ist dafür verantwortlich, dass zu Beginn als unbequem angesehenes Modell schnell zu einem erträglichen oder gar bequemen Kletterschuh wird. Anasazi VCS  ist von der ersten Sekunde an nicht ganz so komfortabel wie die neuste Generation aber man bekommt recht schnell individuell passende Kletterschuhe egal mit welcher Zehenform. Die besten Passform Ergebnisse erreicht man mit einer geraden Fußform mit einer normalen Breite und entsprechenden Volumen. Kletterern mit ganz schmalen und schlanken Füßen sei der Quantum wärmstens empfohlen. Die ordentlich vorgespannte Ferse kann bei dem einen oder dem anderen auf die Achillessehne drücken. Sollte das der Fall sein, sollte man lieber zum Anasazi Verde greifen. Die passende Größe im Bereich Performance erzielt man am besten wenn man 1,5 Größen von seiner Straßenschuhgröße abzieht. Für den alltäglichen Gebrauch reicht es 1 ganze Größe abzuziehen. Diese Angabe kann je nach Fußbeschaffenheit natürlich variieren ist aber ein guter und bewährter Anhalt. Leider hat sich Five Ten damals wie heute weniger an der Fußanatomie und mehr an der bestmöglichen Präzision orientiert. Deshalb kann der VCS eine bestehende Zehenfehlstellung evtl. bemerkbar machen.

Performance

Ich muss ehrlich sagen, dass mich diese Kletterschuhe erst mit der Performance überzeugt haben. Waren die Optik und Passform noch hinnehmbare oder anpassbare Dinge konnte VCS in dieser Kategorie bei mir richtig auftrumpfen und punkten.

Test Kletterschuhe am Fels

Da gehört er hin!

Seine Parade Disziplin ist unbestritten das Treten. Diese Eigenschaft wird vor allem in senkrechten Routen mit komplexen Tritten, der nicht ganz optimalen Felsreibung und wirklich fiesen Griffen deutlich. Das sind genau diese Routen die fußtechnisch die Spreu vom Weizen trennen und einen guten Kletterschuh unabdingbar machen. War einem zuvor nicht klar was für einen Leistungswunder man da am Fuß hat, dann merkt man das spätestens jetzt wenn man dieses Hauch vom speckigen Nichts mit der Spitze sauber antritt, belastet und … nicht abrutscht. Hat man solch einen Moment hinter sich, dann ist man für immer dem Five Ten Fluch verfallen. Hat man ein Mal dieses Gefühl der “Sicherheit” beim Saugen an einem wirklich schlechten Tritt verspürt, dann nimmt man auch den typischen 5.10 Gestank in Kauf. Obwohl die neue Anasazi Generation von der Sensibilität her irgendwie nicht an Pinky und den alten VCS rankommen, blieben sie Spitze. Die Kantenstabilität ist gigantisch und nach einer kurzen Einkletterperiode klebt das Gummi überall, einfach überall. Einzig im Überhang und beim Bouldern kann der VCS den neueren Modellen nicht das Wasser reichen.

Hooken mit den Five Ten Anasazi VCS Kletterschuhen

Hooken geht prima

Dafür fehlt im einfach der Downturn und ein wenig mehr Vorspannung. Doch selbst mit der flachen und dicken Sohle kann man mit ihm sau gut im steilen Gelände an den Tritten kleben, es funktioniert nur anders als mit einem Boulderschuh und bedarf etwas mehr Körperspannung. Beim Hooken ist VCS für mich persönlich ein sehr solides Modell. Die nun optimierte Ferse ermöglicht es mit ihrer festen und doch griffigen Form ein Hooken an allen möglichen Flächen und Griffen. Die bissigen Velcros halten die Magic-Fingers-Heel dabei sauber am Fuß und lassen selbst bei extremen Hooks nichts anbrennen. Einzig schmale Formen bleiben das Revier eines Blackwings. Das Setzen von Toe-Hooks ist zum einen größenabhängig und zum anderen eine Frage der besagten Körperspannung. Hängt man sich in einer Route in eine große Schuppe mit den Zehen ein, ist das kein Problem. Ein richtiges Umklammern von Toe-Hook Flächen und Kleben an diesen ist ohne die entsprechende Gummierung nicht gut aber natürlich machbar. Dabei gilt es: Je kleiner die Größe desto schlechter kann man die Zehen anheben und mit diesen beim Toe-Hooken arbeiten. Insgesamt ist die Performance in manchen Bereichen überfangend in manchen gut und in anderen lediglich befriedigend. Five Ten Anasazi VCS ist eben ein Allrounder, er kann überall punkten und muss sich nicht mit Spezialisten messen.

Haltbarkeit

Five Ten Anasazi VCS Kletterschuhe - Verschleiß

Bessere Reibung – (normalerweise) mehr Verschleiß

Wie bereits beim Punkt Verarbeitung herausgestellt, handelt es sich bei den Anasazi Modellen von Five Ten um sehr haltbare Kletterschuhe. Es kursieren zahlreiche Gerüchte und Diskussionen zum Thema, welches Gummi den längsten Atem hat. Fakt ist, dass Anasazi VCS lange halten. Die unterschiedlichen Angaben zum Abrieb etc. sind sehr stark von der eigenen Fußtechnik abhängig. Alle Stealth Gummimischungen bieten jedoch meiner Meinung nach einen guten Kompromiss zwischen Reibung und Verschleiß. Ein klebriges Gummi kann nur mal nicht ewig halten – die Physik kann man nicht wegdefinieren. Alle anderen Teile des Schuhs sind so ausgelegt, dass man den VCS gut zwei Mal wiederbesohlen kann. Ein Wert, der sich bei der heutigen Konkurrenz sehen lassen kann.

Fazit

klassische Kletterschuhe von Five Ten

Zeitlos, klassisch, funktionell

Das Wort Allrounder ist bereits gefallen. Anasazi VCS ist der Inbegriff eines Alleskönners. Einzig der Katana kann in dieser Kategorie mit dem Five Ten Klassiker konkurrieren. Dieser Kletterschuh ist nicht nur bei Granit Kletterern im Harz beliebt, auch im Sandstein ist er ein guter Anti-Sturz-Garant. Quer durch die Welt trifft man an zufriedene Five Ten Anhänger. Dies ist kein Zufall und ist mit dem zuvor gesagten leichte zu verstehen. Ein Kletterschuh für alle Fälle und alle Gesteintypen. Anasazi VCS ist und bleibt ein traditioneller Klassiker, welcher speziell beim Felsklettern seine ganzen Stärken entpuppt. Für das Plastik hat Five Ten etliche neue Modelle herausgebracht, welche das Zerren an Kunsttritten auch optimaler gestalten – keine Frage. Doch, wenn es darum geht, am Fels was zu reißen ist man mit diesem Modell bestens bedient. Zeitlos gut.

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