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Auf Biber-Expedition per Kanu über die polnische Grenze

11.09.2012

Auf Biber-Expedition per Kanu über die polnische Grenze

Es ist fast wie das Ende der Welt hier. Naja. Es ist das Ende von Deutschland. Das Östliche. Am Fluss Oder, zu Ostzeiten als „Friedensgrenze“ proklamiert, war Schluss. Das blieb noch so bis zum 21. Dezember 2007. Erst danach wurde die Grenze am Fluss durch das Schengener Abkommen offen. Und Frauke Bennett nutzte die Chance, mit ihrem Unternehmen „flusslandschaft reisen“ ein grenzüberschreitendes Angebot für Wassersportlern und Naturliebhabern aus ganz Deutschland zu schaffen.

Biberburg

Eine noch unfertige Biberburg im verzweigten Oder-Delta kann man nur mit dem Kanu entdecken.

So wie für Caroline und Martin Mengel aus Bonn, die mit Eltern und Kindern in diesem Sommer in Vorpommern und der Uckermark urlauben. Den Rest der Familie haben die beiden Paddel-Frischlinge – „Wir haben 0,0 Kanu-Erfahrung“ – in ihrer hübschen Ferienwohnung in Welsow zurückgelassen. Ein wunderschöner Resthof, den sich Berliner zu einem kinderfreundlichen Refugium für Ruhesuchende Großstädter ausgebaut haben. Caroline und Martin suchen offenbar die menschenleere Einsamkeit. Darum sind sie vom betriebsamen Rheinufer an die Oder gekommen. „Von der Tour haben wir im Nationalparkzentrum Unteres Odertal im Schloss Criewen erfahren” erzählt der Familienvater. Sie hatten sofort Lust auf Kanu-Expedition zu gehen um nach Biberburgen, Graureihern und Flussadlern Ausschau zu halten.

Rosailie

Rosalie Harles aus dem bergigen Thüringen staunt nicht schlecht, wie abwechslungsreich die Natur im gewässerreichen Nordosten ist.

Mit Frauke Bennett, die es selbst aus Heidelberg nach Mecklenburg-Vorpommern gezogen hat, haben sie und die anderen 10 Kanu-Besatzungen eine kundige Führerin. Die studierte Geografin weiß viele so unterhaltsame wie lehrreiche Geschichten über Flora und Fauna in und entlang der Oder zu erzählen. Sie weiß Bescheid über Wachstum und wohltuende Wirkung von Beinwell, Kalmus, Arnika und kennt (fast) jeden Biber persönlich. So berichtet sie ihren neugierigen Zuhörern, warum der Biber mit Vorliebe Weiden um seine Burg „pflanzt“ und warum ihn das zu früheren Zeiten oft das Leben kostete. Die Weidenrinde ist für den zweitgrößten lebenden Nager ein Leckerbissen und reich an Salicylsäure. Diese Säure wird seit dem frühen Mittelalter als Rheuma-Mittel geschätzt.

Gerenzstein

Einmal über die Oder und schon wird in Polen gepaddelt.

Und auch Geschichtliches hat sie zu berichten, das sich hier am „Weltende“ zu trug. So wie über die beiden Schuten deren Wracks gleich am Beginn der Tour aus dem Fluss ragen. Auf ihnen sollte laut Ortschronik 1945 das deutsche U-Boot-Archiv vor der anrückenden Roten Armee in Sicherheit gebracht werden. Doch die Russen beschossen den Bootsverbund und so verrotten diese Kriegsüberbleibsel bei heute in der Oder.

Das tut aber der Wasserqualität keinen Abbruch, erklärt Frauke Bennett ihren Gästen. „Wir könnten damit unseren Kaffee kochen“, sagt sie mit Augenzwinkern. Das kommt natürlich auch der Tier und Pflanzenwelt in dem verzweigten Fluss-Delta zwischen Gartz auf deutscher Seite und dem polnischen Städtchen Gryfino zu Gute. Am polnischen Ufer werden die Kanus für eine Picknickpause auf den Strand gelegt. Auf ihren Touren fährt die Naturführerin mit Booten der nordamerikanischen Canoe-Manufaktur Wenonah. „Sie sind geräumig und liegen tief und sicher im Wasser, laufen gut und sind in jeder Situation bestens als Familienboote geeignet.“ Auch bei Touren auf dem Stettiner Haff erweisen sie sich sich als sehr seetüchtig. Ein solches Boot von Wenonah kann bei mehrtägigen Wasserwanderungen ideal schwere Lasten auf anspruchsvollen Flüssen schleppen.

Wenona Canoe

Ein regelrechter Lastenesel ist dieses nordamerikanische Kanu von Wenonah, fasst wie der “große Bruder” da auf dem östlichen Oder-Arm bei Gryfino. Fotos: Ralph Schipke

Solche Vorzüge braucht die Tourenführerin im kommenden Sommer auf jeden Fall. Sie plant jetzt schon eine mehrtägige Kanutour von der Neiße-Mündung bei Ratzdorf im Süden bis hinauf ins Untere Odertal. Sollte jemand Lust bekommen haben, sich selbst mal dieses herrliche Ende Deutschlands anzuschauen, dann findet er Infos im Web unter:

http://www.flusslandschaft-reisen.de/

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