Testberichte

Metolius Wood Grips - Trainingsboard

01.03.2011

Metolius Wood Grips – Trainingsboard

Um extrem schwer und lange klettern zu können braucht man Kraft und stabile Haut. Die Kraft kann/muss man trainieren. Die Haut kann dabei schon im Traning in Mitleidenschaft gezogen werden. Um das zu vermeiden sollte das Training haut schonend sein. Die Lösung ist einfach – Holz!

Vorgeschichte

Liest man DEN Klassiker unter den Lehrbüchern im Bereich Klettern – “Sportklettern heute” von W.Güllich&A.Kubin – so ist man schnell davon überzeugt, dass Fingerkraft, Klimmzüge und Maximalkraft im Oberkörper der einzige Weg zum Umlenker des eigenen Projekts sind. Das fanatische Trainieren (selbstverständlich ohne Ruhetage) wie es in den 80ern und 90ern Gang und Gebe war, ist heute nicht mehr ganz so angesagt, aber die Zahl der “ernsthaft Trainierenden” ist nach wie vor hoch in der Kletterszene.

Zu Beginn meiner “Kletterkariere” trainierte ich wie wild – mit einem einzigen Ergebnis: Verletzungen in Folge von Überlastung. Die Fertigkeit Klimmzug half mir dabei weder beim fixieren von schlechten Griffen noch in den senkrechten Routen im 7ten UIAA Grad. Erst nach einem Sommer am Fels konnte i

Das Board ist nicht ganz flach, bietet dafür richtig fette, tiefe Henkel auf der Oberseite

ch mein Level ganz ohne Training anheben und sogar meine Maximalkraft bei üblichen Tranings-Übungen steigern.
Also gab ich das systematische Training auf ging Bouldern und Klettern. Die Umstellung schlug an: keine Überlastungen, bessere Körperspannung und Bewegungsgefühl, waren die erfreuliche Folge.
Erst als ich keine Zeit mehr für regelmäßige Klettertage am Fels begann ich wieder mit dem “Trocken-Training“. Die Klimmzüge und Hangwaagen waren zwar ok, um die Oberkörper Kraft zu erhalten, die Finger bauten an der Stange jedoch immer weiter ab.
Also beschloss ich ein altes, gutes, berühmt-berüchtigtes, Fingerboard aka Trainingsbalken zu kaufen, um meine Finger fit zu halten.
Lange schaute ich im www. nach den geeigneten Geräten und wog vor und Nachteile immer wieder ab. Schliesslich kaufte ich das Trainingsboard von Metolius, dass hier ausgiebig vorgestellt wird.

Optik, Verarbeitung

Das US-Amerikanische Traningsboard aus Holz ist ein wirklich schickes Wohnzimmer taugliches Utensil (ein nicht zu unterschätzendes Detail, denn

Holz fühlt sich weich an und schont die Haut ungemein

ohne die Zustimmung der Frau kommt nichts aber auch gar nichts ins Haus bzw. an die Wand…). Holz ist eben Holz und ist sehr feines Naturmaterial, das Wärme, Gemütlichkeit und Würde ausstrahlt. ich mag Holz sehr, deshalb finde ich die Optik des Boards nach wie vor geil. Ein Edelmetall-Interieur-Liebhaber wird das vielleicht sehen und muss dann zu anderen Materialien greifen.
Die Verarbeitung ist das viele Geld wert. Das Board ist zwar nicht aus einem Stück Holz gemacht, aber sehr sehr sauber geklebt und an allen Stellen perfekt glatt geschliffen. Alle Flächen die mit Haut in Kontakt kommen sind wirklich makellos und bergen keine Gefahren für die zarten Kletterfinger. Die Oberfläche ist auf den ersten Blick ansprechend und angenehm zu greifen – dazu gleich mehr.

Konstruktion & Grip

Das Trainingsbrett ist klassisch gestaltet und bietet die wesentlichen Griffformen die man im Kletteralltag so unter die Finger bekommt und Halten können sollte.
Die Griffe auf der Frontseite sind ins Holz gebohrt und dann entsprechend glatt geschliffen. Die Henkel auf der Oberseite sind wie “ausgehöhlt” wobei sie eigentlich an das Mutter-Brett “dran geklebt” sind. Die Fläche zwischen den Henkeln ist ein Sloper Band von der Tiefe der halben Hand.
Auf dem Bild sieht man die einzelnen Griffpaare mit Nummern versehen. Von oben nach unten und von außen nach innen findet man:

1die Henkel
wirklich tiefe, und breite Kehlen, die ausreichend breit sind und einen engen, breiten /seitlich von außen/ und normalen Ristgriff ermöglichen. Angenehm und absolut anfängertauglich

2Sloperband
Das Band ist zwar groß aber doch nicht ohne. Die Griffbreite ist eingetränkt und nur im engen Ristgriff möglich

3Zweifinger Stecker
3/4 des ersten Fingerglieds tief und von der Breite bei normalen Kletterfingern für max. zwei Finger möglich. Diese anspruchsvollen Stecker sind keine Löcher und auch nicht hineinschnitten, so dass man ordentlich Power im Ring und Mittelfinger braucht, um diese überhaupt benutzen zu können. Dazu kommt erschwerend hinzu, dass die Position dieser Griffe, in Mitten des Bretts, eine hängende Fingerhaltung erschwert, weil man mit der Hand nicht richtig unter die Griffe kommt.

4Schmale Leisten
3/4 des ersten Fingerglieds tief bieten diese Leisten Platz für alle Finger. Sie sind nicht hinterschnitten und sind zu Beginn eine gute Herausforderung. Ansonsten gelungen ausreichend Klein, um Maximalkraftausdauer zu trainieren.

5Dreifinger Stecker
Diese doch ziemlich tiefe “Taschen” bieten innen mehr Tiefe (1ter Fingerglied) und werden nach außen hin immer flacher. Sie lassen sich ganz gut halten und sind bei mir wegen der tiefen Position auf dem Fingerbrett und der außenrotierten Haltung sehr beliebt für anspruchsvolle Klimmzugserien.

6 – Dreifinger Taschen

diese Taschen sind tief und lassen sich gut, lange HAlten. nach den Henkeln sind es die dritt besten Griffe an diesem Balken. Klimmzüge an diesen gut platzierten Griffen sind kein Problem.

7Drei-/Vierfinger Taschen

Diese Griffe bieten Platz für bis zu Vier Fingern (ja nach Fingerbreite), die man bis zum dritten Fingerglied versenken kann. Sie sind nah bei einander, so dass Klimmzüge nur mit engem Ristgriff möglich sind. Durch die Tiefe bezeichne ich sie auch gerne als Henkel und nehme sie gerne für Klimmzüge.

Der Grip ist ein wichtiger aber oft falsch eingeschätzter Faktor bei Traningsbalken und Hangboards. Natürlich muss die Oberfläche rau sein, um beim

Mit der Zeit wird das Holz durch Schweiß, Reibung und Chalck “klebriger” ohne abzuspecken!

Hängen nicht runter zu flutschen. Beim Training kommt es aber vor allem darauf an die Haut für das eigentliche – das Klettern (!) zu schonen. Die meisten Hersteller haben das auch sehr gut erkannt und produzieren Traniningsboards mit Oberflächen, die etwas softer sind.
Nachteil ist bei solchen hautschonenden Oberflächen ist die zügige Abspeckung und glatter werdende Griffe. Dieser Effekt ist ganz normal und beruht auf dem mechanischen Abrieb – über kurz oder lang wird alles glatt, selbst Granit!
Mit Chalck kann man da schon gute Abhilfe verschaffen und die Strukturen etwas vor dem Schweiß schützen. Blöd ist natürlich das Chalck im Wohnzimmer ein wirklich ungern gesehener Gast ist…
Holz ist an dieser Stelle nach meiner Erfahrung die Lösung. Die Oberfläche von Metolius Wood Grips ist anfangs sehr glatt, so dass man ordentlich aktiv auf die Griffe pressen muss, um diese wie gewünscht halten zu können. Mit der Zeit verändert sich der Grip durch das Chalcken, Schwitzen und Reiben jedoch positiv. Keine Ahnung wieso aber man “klebtförmlich an den waagerechten Leisten und abschüssigen Slopern. Ich empfinde die Klimmzüge an den Slopern mittlerweile als sehr viel einfacher, da man nicht mehr so stark aktiv halten muss sondern sich zunehmend mehr in das “klebendeHolz hängen kann. Phänomenal und unglaublich!

Training und Benutzung

Ich persönlich benutze das Trainingsboard von Metolius hauptsächlich für das Klimmzugtraining und Entwicklung von Körperspannung (Hangwaage vor- und rücklings). Alle reingefrästen Griffe haben eine Kante, die zwar nicht hinterschnitten ist und rundgeschliffene Kanten hat, aber dennoch auf die Finger drückt. Da das Holz sich angenehm weich anfühlt, lässt sich das jedoch verkraften.

Für strake Fortgeschrittene und “Profis” sind die Griffe für Maximalkraftentwicklung zu gut.

Für die Entwicklung der Maximalkraft der Fingerbeuger sind die Griffe für einen 9er Kletterer zu b. Die Maximalkraftausdauer (8er Klimmzugserien) und Kraftausdauer (15+ Klimmzugserien) ist diese Metolius Produkt aus dem weiten Übersee perfekt geeignet.
Ich möchte an dieser Stelle keine Tips und Trainingspläne raushauen, denn ich persönlich finde, dass so etwas nicht allgemeingültig sein kann. Abwechslung und spielerische Herangehensweise sind die wichtigsten Komponenten, um dauerhaft Spaß an seinem Tun zu haben.
Daher mache ich unterschiedliche Serien bei denen ich zBsp:

3 Klimmzüge an Henkel-Taschen mache dann ohne Pause, 3 an schmalen leisten, 3 an 3-Fingersteckern, 3 an Slopern und 3 an Henkeln. Auf diese Weise versuche ich die Maximalkraftausdauer zu entwickeln, mich nicht zu langweilen und Zeit für die Familie zu sparen ;-)
Weitere Übungen und Tips zum Training befinden sich unten im Link-Bereich.

Empfehlung

Klimmzüge an 95% der Griffe sind selbst für Anfänger gut machbar

Dieses Fingerboard, würde ich alle empfehlen die Holz, Klimmzüge und gute Optik mögen und ihre Haut für den Fels schonen möchten. Für Kletterer im 9ten UIAA Grad dürfte dieses Hangboard höchstens als Alternative zu Reckstange und als Kraftausdauer Trainer interessant sein. Die Anfänger und Fortgeschrittene kommen aber voll ihre Kosten und werden neben der Portion Kraft, ein langlebiges immer griffiger werdendes “Kletter-Fittnes-Studio” bekommen.

Fazit

Metolius Wood Grips Traningsboard ist tolles Produkt aus Holz, das mit gutem Grip, schonenden und optisch schönen Oberfläche auftrumpft. Egal wie spät es zeitlich ist, Metolius Wood Grips Fingerbrett schafft es immer wieder zum Training zu bewegen und ein Paar Klimmzüge an ihm “zu ziehen”. Das einzige Manko: es fehlen Zangen und Griffe die das aktive Greifen trainieren. Könnte Metolius die von Jason Kehl kreierten Trainingsbretter im Holz verwirklichen wäre dies DAS perfekte Trainingsgerät für den Klettersport überhaupt.

8 Kommentare

  1. hi, ich habe auch noch eine Frage zur Befestigung der Holzplatte. Sehe ich das richtig, dass die mit “nur” vier Schrauben an der Wand befestigt ist?

    Lg Marius

  2. Hi! Habe mir auch gerade das Board gekauft. Da ich hier eine MW Wand mit Betonsturz habe, wollte ich auf die Befestigung mit der Platte darunter verzichten. Habe daher die beiliegenden Schrauben + 10x50er Dübel verwendet. Leider war es sehr wackelig :-(
    Kann ich die Schrauben (mit entsprechenden Dübeln) für MW verwenden? welche Dübel wären angemessen?
    Oder komme ich doch nicht um die Platte darunter herum, da entsprechende Schrauben für MW viel dicker wären und ich die nicht durch das Board geschraubt bekomme?
    Thx!

    • Ich kann Dir die Lösung mit der Holzplatte nur empfehlen. Zum einen ist dann alles wirklich bombenfest, zum anderen kannst Du das Trainingsboard einfacher austauschen, wenn es irgendwann zu einfach oder zu langweilig wird. Zusätzlich kann man andere Griffe auf die Platte schrauben.
      Ohne deine Wand gesehen zu haben: Du kriegst die längeren, dickeren Schrauben schon durch das Board durch (evtl. vorbohren), wenn die lang genug und dick genug sind (bedeutet wieder dickere Löcher und neue Dübel) kriegst du das Board ohne Platte fest.10x50er sind zu klein, das wird weiterhin wackeln, es sein denn du machst mehr Löcher in die Wand + in Board – also auch blöd.
      Viel Erfolg

  3. ich find die bretter von metolius zwar ganz gut zum trainieren aber wirklich schön sind die dinger nicht… ebenfalls sehr gut und noch dazu schön find ich das ding namens gripup von galamant. hängt seit letzter woche hier bei mir und bin sehr zufrieden damit!

  4. Wie wurde denn das Brett (in diesem Artikel) an der Wand befestigt?
    Welche Maße haben die Schrauben und Dübel?
    Welche Maße hat das Brett?

    Grüße

    • hey!
      Befestigung:
      8er Dübel in die Wand. Dann mit entsprechend fetten Schrauben die 2,2cm dicke OSB Platte (21x95cm) drauf schrauben und dann mit mind. 4,5mm dicken Spax Schrauben (sind Inhalt der Lieferung) das Griffbrett am OSB Untergrund befestigen. FERTIG! OSB Sieht im Wohnzimmer echt sch.. aus. Also entweder streichen oder eine hübschere Multiplex Platte kaufen.
      Viel Erfolg.

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