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Klettern in der Sächsischen Schweiz

05.09.2012

Klettern in der Sächsischen Schweiz

Die Sächsische Schweiz ist mit seinen über 1.100 Gipfeln eines der größten Klettergebiete der Erde. Mit insgesamt etwa 18.000 Routen kann man verschiedenste Sandsteinstrukturen erkunden. Die Unregelmäßigkeiten der Gesteinsformationen machen den Sport an den Felswänden sehr interessant; innerhalb von Metern verändern sich hier Farbe, Qualität, Oberflächen und Strukturen.

Die Rathener Felsen in der sächsischen Schweiz

Die Rathener Felsen in der sächsischen Schweiz

Ein Klettertag in der „Sächsischen“, wie wir sie hier liebevoll nennen, beginnt wie so oft mit der Planung. Häufig wird spät am Abend zuvor mit allen telefoniert. Dabei muss man allerdings beachten, dass man keinesfalls zu viel plant, denn „Wer abends plant, plant zweimal”. Das Wetter spielt hier im Gebirge eine sehr entscheidende Rolle. Es ist Feingefühl gefragt und eine genaue Beachtung der Umstände, welche am frühen Morgen am besten einzuschätzen sind. Oft trifft man sich früh im Zug.

Charakter des Gebirges in der Sächsischen Schweiz

Die Sächsische Schweiz ist in verschiedene Gebiete unterteilt, von denen jedes sein eigenes Wesen besitzt. An besonders trockenen Tagen kann man sich in weicheres Gestein wagen. Auch eventuelle Sonnenstunden müssen beachtet werden, denn in der Sächsischen werden Gipfel bestiegen, dass heißt hier wird mit der Vorsteiger – Nachsteiger Technik geklettert und von oben und teilweise in der Wand “nachgeholt”, wo das Wetter seine volle Kraft entfalten kann. Das Wetter ist auf jeden Fall nicht zu unterschätzen.

Durch die Wettereinflüsse ist der Sandstein hier an jeder Ecke (die es mal gab) wunderbar abgerundet. Im Sommer gibt es einige Kletterer, die barfuß, d.h. meist ganz ohne Kletterschuhe unterwegs sind. Die Bilder von Bernd Arnold, einer der Hauptfiguren und Haupterschliesser, und seinen tollkühnen Begehungen in schwierigstem Gelände haben so manche Kletterer noch im Kopf.

Kletter- und Sicherungsmethoden im Elbsandstein

Die Aussicht nach Kletterei auf die Bastei

Die Aussicht nach Kletterei auf die Bastei

Die ersten Bergsteiger vor über 100 Jahren wagten es: Die heute immer noch höchsten Kletter-Schwierigkeitsgrade in der sächsischen Schweiz wurden damals häufig barfuß begangen. Der Vielseitigkeit der Kletterei sind hier keine Grenzen gesetzt. Vom klassischen Kamin- und Rissklettereien, jeder Breite und Hartnäckigkeit, über wunderbare Reibungsplatten bis hin zu schönsten, fein strukturierten Wänden und Platten gibt es hier alles was das Klettererherz begehrt und was der Kletterer auch beherrschen sollte. „Sollte“ ist hier bewusst gewählt, denn oft sind die Gipfel hier so hoch, dass man vom Einstieg schwer alles überblicken kann. Zum Absichern des hier ausschließlich traditionellen Freikletterns nutzen wir hier hauptsächlich Schlingen, Knoten und Bänder aller Größen, Dicken und Farben. Wenn es teilweise auf 80 Meter hohen Wänden keinen Ring gibt, freut man sich über jedes kleine Risslein zum Schlingen legen. Metallische Sicherungen, wie Friends oder Klemmkeile, sind im Nationalpark der Sächsischen Schweiz nicht erlaubt, denn sie würden den Felsen zerstören.

Geschichten zum Weitererzählen

Mit dem Klettern im Sandstein der Sächsischen Schweiz lässt man sich auf ein Abenteuer ein. Man hält Ausschau nach den ersten Ringen, sattelt seinen Gurt mit den notwendigen Schlingen und los geht’s. Schon nach der Kante kann es sein, dass der nächste Ring locker 20 – 30m entfernt ist. Dann sollte man Nerven und Anderes in peto haben, denn Stürzen sollte man im Elbstandstein nicht! Jedenfalls nicht in traditionell abgesicherten Touren! Schlingen können helfen, nicht selten kann man allerdings keine Legen, denn die Felsstrukturen sind nicht überall optimal. Auch der Nachsteiger muss dann die Konzentration behalten.

Rissklettern geht auch gut in der sächsischen Schweiz

Rissklettern geht auch gut in der sächsischen Schweiz

Ist der nächste Ring eingehängt kann es sein, dass man eine Entscheidung treffen muss: Holt man den Nachsteiger nach oder klettert man weiter!? Möglicherweise gibt es weiter oben keinen so guten Sicherungspunkt oder die Seilreibung wird extrem hoch. Klettert man weiter wird vielleicht der Nachsteiger langsam nervös, denn irgendwann ist das Seil zu Ende. Man warnst sich gegenseitig vor, soweit das möglich ist, denn manchmal opfeifft der Wind oder man sit schon lange außer Hörreichweite geklettert: „Noch 10 Meter Seil, noch 5 Meter Seil usw.. !“. Der Vorsteiger stutzt häufig, denn die Höhen sind schwer einschätzbar. In jedem Gebiet wirkt die Höhe der Kletterfelsen wegen ihrer optischen Andersartigkeit unterschiedlich. Manchmal ist ein Ring nicht in Sicht oder schon 10m hinter einem, also muss am Felsen bzw. in der Wand gesichert werden. Ein großer Block, Vorsprung, Nase oder Riss kann dabei behilflich sein um Schlingen, Sanduhren, Knotenschlingen oder für breitere Risse sogenannte “Kindsköpfe” zu legen an denen man nachsichern kann.

Aufgrund der durch die Sicherungstechnik erhöhten Schwierigkeit sagt man hier: “Im Nachstieg sei alles drei”. Das heißt der Vorsteiger muss sich sicher sein, dass er den Schwierigkeitsgrad beherrscht oder auch teilweise große Griffe außer Acht lassen können, wenn diese brüchig wirken. Dann sitzt man als Seilschaft in großen, ausgesetzten Höhen auf Bändern oder in Höhlen und begutachtet was noch vor einem liegt. In den meisten Fällen gibt es kein zurück und egal wie es aussieht, man muss durch! Zurück kann man häufig nicht! Es gibt zu wenig Ringe an denen man abseilen könnte.

Tiefgreifendes Suchtpotential

Große, emotionale Momente schweißen hier die Kletterer zusammen. Auf dem Gipfel gehört traditionell der Gipfelbucheintrag und der kameradschaftliche Handschlag nach jedem gemeinsam bezwungenen Weg dazu. Auf dem Heimweg oder beim Bierchen nach dem Klettern, wenn die Sonne untergeht, trifft man andere Kletterer und erzählt von den Erlebnissen des Tages. Viele glauben die Sachsen spinnen! Doch ist man erst mittendrin, können viele davon nicht mehr lassen und sind teilweise mehr als vier Tage die Woche in der Sächsischen zum Klettern unterwegs. Die Sächsische Schweiz ist nicht nur irgendein Klettergebiet; sie ist zudem eines der bedeutendsten Naturerben, ein Nationalpark der seinesgleichen sucht. Die Sächsische Schweiz ist definitiv etwas Besonderes, nicht nur wegen ihrer Felsen, sondern vor allem auch wegen ihrer einzigartigen Schönheit und Biodiversität. Wer sich im Nationalpark Sächsische Schweiz aufhält, muss sich an Regeln halten, damit dieses Kleinod auch in Zukunft bestehen kann!

Noch ein kleiner Tipp am Rande: Wer hier an den kleinen Bäckereien, die es in so manch kleinem Dorf in der Sächsischen Schweiz noch gibt, vorbeifährt ist selbst schuld! Eierschecke und so manch andere Leckerei sollte man sich hier auf keinem Fall entgehen lassen!

Empfehlungen für Sachseneinsteiger (Sächsische Kletterskala beachten)
Bielatal (festes Gestein, niedrige Gipfel, übersichtliche Wege und Abseilen, spektakuläre Felsformationen)
Lilienstein (Eins der wenigen Massive, die beklettert werden dürfen.)
Rathen; Luginsland; Schau mer mal; VIIIa RP VIIIb
Rathen; Höllenhund; Talweg; VIIIa

Litheraturempfehlungen
Elbsandsteingebirge Klettern (Frank und Martin Richter)
Die spinnen, die Sachsen!: Glaubwürdige und unglaubliche Geschichten aus dem Sandsteinland(Peter Brunnert, Gerald Krug und Axel Bierwolf)
Wirklich oben bist du nie (Peter Brunnert)
Erbses Klettercomics (Eberhard Erbse Köpf)

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