Reise

Ein Klettersommer in Presles in Frankreich

13.08.2012

Ein Klettersommer in Presles in Frankreich

Presles – Klettern satt für Alle!

Was tun wenn der Hunger auf Baguette, Croissants und Felsen nicht mehr in der Bäckerei um die Ecke oder im Hausgebiet gestillt werden kann? Es ist Sommer, wir haben uns Urlaub genommen und in weiser Voraussicht die Kühlwasserpumpe unseres Autos erneuern lassen. Wir haben Lust einfach nur zu Klettern. Es geht nach Presles bei Grenoble – soweit der Plan! Der Kletterführer von Presles verspricht uns Touren vom Hardcore Alpinstil bis hin zum relaxten Plaisirklettern – sogar einige neue und sehr verlockend aussehende Sportklettergebiete mit gigantischen Grotten und Sintertouren werden im Führer angepriesen. Die Felsriegel von Presles liegen zentral im Vercors zwischen Grenoble und Valence in der Region Royans. Auf mehr als 300 verschiedenen Routen kann man sich an ihnen versuchen. In den Siebzigern und Achtzigern, als das Sportklettern auch in Frankreich so richtig in Mode war, trugen hier die Lyonnais und die Grenoblois ihre Konkurrenzkämpfe in der Senkrechten aus. Presles, bzw. der Vercors, ist dadurch sehr gut erschlossen und bis heute beliebt, jedoch ohne eines jener Modegebiete zu werden, bei denen man eine Nummer für eine Begehung ziehen muss.

Willkommen in Presles, Photo: Simon Graf

Willkommen in Presles, Photo: Simon Graf

Karabiner, Blumen und Fels

Alles deutet auf einen Klettertrip hin, der vielseitiger nicht werden kann. Hier fällt es gar nicht so leicht die Kletterausrüstung zu packen – neben Friends und Klemmkeilen dürfen die Kletterhelme und eine ordentliche Vorratspackung Magnesium nicht fehlen – es könnte heiß werden! Die Kletterschuhe wählen wir bequem, falls wir uns vermehrt für die sonnigen Mehrseillängen entscheiden! Wir fahren vollbepackt voller Erwartung vom verregneten Allgäu los. Die Flucht vor Regen und Nebel geling! Nach 8 Stunden Fahrt kommen wir an: uns bietet sich ein imposantes Panorama! Gigantische Felsriegel stehen hier in in einer Landschaft, die ihresgleichen sucht. Wir machen uns auf die Suche nach einem Campingplatz, aber nach einer so anstrengenden Fahrt wollen wir nur noch schlafen. Der Campingplatz muss morgen gefunden werden. Erschöpft fahren wir nach Presles, was sich auf einer Anhöhe als ein kleines typisch französisches Dorf präsentiert. Eine große vor Wildblumen strotzende Wiese oberhalb des Sportklettersektor Tina Dalle im Les Rochers de Nugues muss für die erste Nacht herhalten. Camping auf so einer Wiese mit solch einem Ausblick hat Seltenheitswert und wir freuen uns schon auf das erste Panoramafrühstück.

Panorama pur, Photo: Simon Graf

Panorama pur, Photo: Simon Graf

Baguettes, Pains au Chocolate und Walnüsse

Der erste Morgen ist frisch und sonnig zugleich und wir beschließen zunächst einen Kletterführer zu kaufen und uns mit echten französischen Croissants und Pains au Chocolate einzudecken. Wir staunen nicht schlecht als wir im ca. 10km entfernten Pont en Royans ankommen: Das Örtchen gleicht einer Ansammlung von Schwalbennestern an einer Felswand. Durch den Ort fließt der Fluss Isère und schneidet tief unterhalb des Ortes in den Fels ein. Wir finden in einem kleinen aber sehr feinen Kletterladen auf der Hauptstraße die aktuelldte Ausgabe des Kletterführers. In der unmittelbaren Nachbarschaft zeigen sich kleine Supermärkte, die alles nur erdenkliche anbieten: frisches Obst und Gemüse aus der Region – ideal für die Outdoorküche! Die kleinen Bäckereien von Pont en Royans bieten eine der vielen Walnussspezialitäten der Region an: Walnusskuchen. Nach einem solchen Kuchen hat man genug Energie für einen langen Klettertag!

Pont en Royans, Photo: Simon Graf

Pont en Royans, Photo: Simon Graf

Sonnenbrille und Klemmkeile

Zurück in Presles machen wir den Sportklettersektor Tina Dalle im Rochers de Nugues unsicher und genießen feinsten Kalk, der mit traumhaften Sintern durchsetzt ist. Der Fels und insbesondere die Ausrichtung machen Tina Dalle zur guten Alternative für kurze Tage oder Tage an denen das Wetter zweifelhaft ist. Die Touren können schon hier nicht vielseitiger sein: Die Höhe der Linien reicht von 10-50m, wobei Schwierigkeiten von 5a bis 8b+ vertreten sind. Im linken Teil des Rochers de Nugues finden sich abenteuerlich aussehende alpine Sportkletterei und Aid Climbing Touren. Im Osten von Rochers de Nugues erstreckt sich das Massiv von Presles. Das Massiv ist knapp 2,5 km lang und an seiner höchsten Stelle ca. 300m. Der gigantische Felsriegel ist nach Süden ausgerichtet und verspricht mit seiner überwiegend guten Absicherung entspanntes und vor allem sonniges Klettervergnügen.

Der Felsriegel von Presles, Photo: Simon Graf

Der Felsriegel von Presles, Photo: Simon Graf

Die Routen sind sehr gut abgesichert, wer jedoch gerne mit Friends und Klemmkeilen unterwegs ist und sich seiner selbst sichert, kommt hier auch auf jeden Fall auf seine Kosten. Kleiner Tipp: Was auf keinen Fall in keiner Tour bei keinem fehlen darf ist die Sonnenbrille auf der Nase und die Sonnencreme im Nacken! Die Felsqualität ist absolut überzeugend, auch wenn man die meisten Standplätze auf grasbedeckten Bändern oder mit kleinen Bäumen bewachsenen Absätzen findet – für uns immer wieder willkommene Ruheplätze im Schatten! Den Vergleich in Sachen Felsqualität mit Verdon kann Presles standhalten. Wir können unter der Woche ganz in Ruhe die unterschiedlichen Plaisirrouten im Presles Massiv genießen. Die Touren variieren von athletischer Dachkletterei bis hin zu technisch anspruchsvoller Plattenkletterei. Eigentlich sind alle Routen im Massiv ausgesetzt, mal mehr mal weniger. Wir geniessen zuerst die Längen in den Touren “Singes en Hiver” und “Couer de Sable”. Die Touren sind phantastische Klettereien, die erstere wartet mit einem kleinen aber feinen athletischen Dach auf und die zweitere mit einer ausgesetzten Querung, die jedoch perfekt gesichert ist und somit sehr zu geniessen ist! Der Führer bietet eine gigantische Auswahl an lohnenden Touren in niedrigen bis sehr hohen Schwierigkeiten. Eins ist sicher: Im Felsriegel findet jeder Touren nach seinem Geschmack.

Schattige Standplätze und tolles Panorama, Photo: Simon Graf

Schattige Standplätze und tolles Panorama, Photo: Simon Graf

Am Abend beschließen wir bei Forelle und Wein, die verschiedenen Sportklettergebiete rund um Presles anzutesten, um auch im Schatten ein paar Touren zu genießen. Rauer Fels und klasse Linien belohnen hier für zum Teil für anstrengende Anstiege durch schönste Wälder und durch typisch französische Dörfer. Die Gegend bietet ܜberraschungen jeglicher Art! Platten mit Wasserrillen, senkrechte Powerleistenkletterei und anstrengende Dachklettereien mit teilweise perfekten Sinterstrukturen machen unsere Reise komplett und lassen uns jeden Abend in die Taverne einfallen und anschließend tief schlafen.

Schattenspiele, Photo: Simon Graf

Schattenspiele, Photo: Simon Graf

Bei der Anfahrt egal in welches Gebiet sollte man auf seine Außenspiegel achtgeben, denn die Straßen sind eng und zum Teil wird hier relativ rasant gefahren! Wenn man gut in die vielen Gebiete rund um Presles gefunden hat, trifft man auf nette Locals und wird schon mal zum Grillen und einen Schoppen Wein nach dem Klettern eingeladen. Vive la France!

Nach so vielen Erlebnissen und Routen in unterschiedlichen Graden fahren wir mit wunden Fingern und sonnengebräunt zurück ins immer noch verregnete Allgäu, wo uns nach langer Nachtfahrt auch sogleich ein ordentlicher Regenschauer begrüßt!

Tourenempfehlungen / Gebiete:

Tina Dalle: Annie dalle 6a+, Toi mon toit 6b+, Alpinista 6ch 7a, Coulée douce 7a/b, Grain de poussière 7c, Trapèze 8a, …

Pierrot Beach: Merry Mary 6a, Jupons et grattons 7a+, Hutus ou rien 7b, Pan bagnard 7c, Épaulé jeté 7c+, …

Presles: Buis D, Temps des guenilles, Fhara Kiri, Coucou nous revoilou, Droit Chemin, Méli-mélo, Doigt de passion, Singes en hiver, Vue de l’extérieur, Banc public, Bêtes qui s’ignorent, …

La Goulandiere: Lohnenswerte Sinterklettereien

Les Grands Goulets: Klasse Fels

… hier nur eine kleine Auswahl an lohnenswerten Touren in naheliegenden Gebieten in verschiedenen Schwierigkeitsgraden!

Informationen und Tipps

Beste Zeit:
Ideal ist es im Spätherbst oder im Frühjahr. Auch im Sommer kann man dort schöne Klettertage erleben.

Anreise:
Auto: Auf der A49 Valence–Grenoble bis zur Ausfahrt Saint-Marcellin, von dort aus Richtung Saint-Romans, ein kurzes Stück auf die N532, danach weiter nach Saint-Pierre-de-Chérennes, ab hier der Beschilderung nach Presles folgen.
Zug: TGV bis Grenoble, mit dem Zug weiter bis Saint-Marcellin, dann Taxi nehmen oder Daumen raus!

Unterkunft:
Auberge de Presles (Tel. 0033/476360475, http://aubergedepresless.free.fr), in Charanche gibt es zwei Campingplätze. Man findet im ganzen Tal ein Reihe von netten Möglichkeiten Unterkunft zu beziehen.

Einkaufen:
Kletterladen, Supermärkte, Bäckerei in Pont en Royans

Auskunft :
Office du Tourisme de Pont-en-Royans ()Tel. 0033/476360910, www.ot-pont-en-royans.com)

Tipps zur Ausrüstung:
Kletterseile: 2 Halbseile 60m, Einfachseil 70m. Kletterhelm, 18-20 Expressschlingen, Friends und Klemmkeilen, Sonnenbrille, Rucksack mit Trinksystem für Sommer

Allgemeine Tipps:
Walnusskuchen in Pont en Royans, Schweinelende mit Pflaumen und Polenta in der Auberge de Presles, Besuch in der Grotte de Choranche (optimal um sich im Sommer anzukühlen)

Photos: Simon Graf

Neuer Kommentar

Deine Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht!

*


*