Reise

Mountainbike Neuseeland: St. James Cycle Trail in North Canterbury

07.08.2012

Mountainbike Neuseeland: St. James Cycle Trail in North Canterbury

Auf der Suche nach den schönsten Mountainbike Single-Trails auf der Südinsel Neuseelands

Es ist kein Geheimtipp mehr: Neuseeland – vor allem die Südinsel – besticht durch einen in seiner Häufigkeit selten gesehenen Wechsel an Vegetation und Landschaftsbild. Bei Travellern und Wanderern sind die Inseln schon seit Jahrzehnten beliebt und eigentlich sollte es da nahe liegend sein die Einsamkeit auch mal mit dem Mountainbike zu erkunden! Zum Anfang wollen wir einen der bekanntesten Wander- und Mountainbike-Tracks der Südinsel beschreiben: den St. James Cycle Trail.

Seit einigen Jahren wird vom neuseeländischen Tourismus-Ministerium ein Projekt vorangetrieben, welches das ehrgeizige Ziel hat einen Radweg durch ganz Neuseeland zu eröffnen: The New Zealand Cycle Trail. Die verschiedenen Sektionen sind zum Großteil schon fertig gestellt (Sommer 2012) und es fehlt nicht mehr viel bis man auf verschiedenen Wegen durch die wilde Einsamkeit der beiden Inseln fahren kann. Nicht auf allen Etappen lohnt sich allerdings der Gebrauch eines Mountainbikes – manche Weg führen zum Teil auf geteerten Straßen.

St. James Cycle Trail in North Canterbury

Einer der ersten Teilabschnitte wurde im Jahr 2010 mit dem St. James Cycle Trail fertigstellt. In Anlehnung an den schon seit Jahrzehnten bestehenden Wanderweg wurde ein Mountainbike-Weg markiert, der zum Teil auf Schotterstraßen, teils auf 4WD Tracks, aber meist auf einsamen Single Trails (ca. 60%) führt, auf denen man im Frühling eher selten anderen Bikern begegnet. Die eigentliche Runde beginnt am alten St. James Homestead und ist 90 km lang. Insgesamt sind knapp 1500 Höhenmeter zu bewältigen – womit das Unterfangen durchaus an einem Tag gestemmt werden könnte – wir empfehlen aber mindestens eine Nacht in der Abgeschiedenheit des Waiau Tals oder am Lake Guyon zu verbringen. Vorausgesetzt man wählt nicht gerade die Hochsaison (Frühsommer bis Herbst) der berüchtigten Sandflies oder ist mit entsprechendem Mückenschutz (hilft meist nicht viel!) bzw. Moskitonetzen ausgestattet.

St James Cycle Trail - Bildquelle: Totti Lingott

St James Cycle Trail – Bildquelle: Totti Lingott

Den Ausgangspunkt des St. James Cycle Trails erreicht man vom pittoresken Ort Hanmer Springs aus über eine Schotterstraße, die meist noch mit dem Auto bewältigt wird. Vom St. James Homestead lässt sich der Trail in beide Richtungen befahren. Entscheidet man sich diesen gegen den Uhrzeigersinn zu befahren gestalten sich die ersten 26 km als ebene Einfahrstrecke auf einer Schotterstraße (Top Road Richtung Norden). Schon hier muss man ein paar Flüsse durchwaten bis man den Lake Tennyson (30 km) erreicht. Außerdem muss man im Frühjahr bei Südwetterlage mit reichlich Gegenwind rechnen, was das vermeintliche Einfahren meist gleich in ein kräftezehrendes Unterfangen verwandelt. Von dort geht es in westlicher Richtung knapp 500 Höhenmeter zum höchsten Punkt der Tour – dem Mailing Pass (1308 m) – von welchem aus man die ersten beeindruckenden Blicke in das Waiau Tal werfen kann.

St James Cycle Trail - Bildquelle: Totti Lingott

St James Cycle Trail – Bildquelle: Totti Lingott

Eine 30-minütige Downhill-Passage bringt die Biker in den Talboden an die Ufer des Waiau Rivers, dem man weitere 5 km bis zur Abzweigung zum Lake Guyon (45 km – Halbzeit!) folgt. Von hier kann man auch die kürzere (aber deutlich schwerere und technischere) Variante über den Fowler’s Pass wählen, um zurück zur Top Road zu gelangen. Entscheidet man sich für die große Runde geht es knapp 10 km am Ufer des Waiau Rivers entlang bis dieser über eine beeindruckende Hängebrücke überquert werden muss. Nun geht es auf der anderen Flussseite mit besonders reizvollen Fernsichten bis zur Pool Hut (62 km) – hier empfiehlt es sich keine längeren Stopps einzulegen, denn die Gegend ist mit Sandflies regelrecht verseucht. Mittels einer weiteren Hängebrücke quert man den Waiau River nochmals und der Weg steigt dann zum Charlies Saddle (68 km) an, der sich dagegen wunderbar zum Übernachten eignet. Kurz vor Scotties Camp (72 km) muss man dann den Edwards River durchwaten. Achtung: bei hohem Wasserstand ist dies nicht zu empfehlen bzw. unmöglich. Ab hier überquert man per pedes so viele Flüsse, dass es sich bei jedem Einzelnen nicht mehr lohnt die Schuhe auszuziehen. Der Trail schlängelt sich nun durch ein weites Tal hinauf zum Peter’s Pass (80 km), von wo es die letzten zehn Kilometer bis zum St. James Homestead nur noch bergab geht.
Teile vom St. James Cycle Trail befinden sich im Einzugsgebiet von größeren Bachläufen, die nach Unwettern zu reißenden Flussläufen werden. Darum muss vor Beginn unbedingt die Wettervorhersage gecheckt werden bzw. muss man sich bei lokalen Institutionen nach den aktuellen Verhältnissen des Trails erkundigen – oft sind Teilabschnitte dann nicht befahrbar.

Tipps:

  • Auf dem ersten Abschnitt Richtung Lake Tennyson herrscht im Frühjahr recht starker Gegenwind.
  • Vor allem im Frühjahr muss man sich auf mehrere Flussdurchquerungen einstellen – unbedingt checken, ob der Edwards Stream am Ende der Tour passierbar ist.
  • Mückenmittel und Moskitonetz gegen Sandflies einpacken.
  • Beste Jahreszeit: Frühling (Oktober, November)

Literatur: Classic New Zealand Mountain Bike Rides – Jonathan, Simon, and Paul Kennett; 8. Komplett überarbeitete Auflage; 2011, Wellington, NZ; 368 Seiten, 310 beschriebene Routen jeweils mit Höhenprofil, Bewertung und einer Menge einladender Fotos.

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