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Klettern im Winter - Schleier und Achleiten

27.02.2011

Klettern im Winter – Schleier und Achleiten

Kein Zweifel: Wenn es im Januar oder Februar draußen so richtig “greislich” ist (Regen, Schnee oder unter -10 °C), weiß man den geheizten Boulderraum schon zu schätzen. Über den Winter halte auch ich mich am Campusboard, an der Systemwand und mit Slingtrainer, Flexibar & Co fit. Sobald aber die Sonne rauskommt, kreisen meine Gedanken unter der Woche nur um eines: raus an den Fels. Es gibt in meiner Umgebung (Bad Tölz) eigentlich nur zwei tiroler Gebiete, die da in Frage kommen: der Schleier und Achleiten. Grund: Die südseitige Exposition garantiert, dass der Fels auch nach Neuschnee schnell abtrocknet (bzw. von Haus aus schneefrei ist, da überhängend) und die Temperaturen angenehm sind (Stichwort T-Shirt im Januar). Die Details der Spots kann man aus dem Routebook Tirol (http://tirol.routebook.com/) bzw. dem Tirol-Führer von Michael Meisl entnehmen, daher nur kurz meine individuellen Tipps:

Schleier-Wasserfall oberhalb von Going

Eins vorweg: Am Schleier dürften sich im Winter nur Hardmover wohlfühlen, d.h., wer nicht mindestens 7b klettert, hat eher wenig Spaß..Es gibt zwar eine Handvoll 7er, diese sind jedoch extrem glattpoliert, da sie noch nie einen Tropfen Wasser gesehen haben, Wer sich jedoch auf einem bestimmten Niveau bewegt, kann sich richtig austoben:

Die Wand teilt sich auf in drei Sektoren: Der Grauen Wand, dem Sektor Skywalk und dem Hauptsektor. Im Winter kann nur im Hauptsektor geklettert werden, an der Grauen Wand nur dann, wenn sehr wenig Schnee liegt. Als Aufwärmtour empfehlen sich die Siebener beim Bankerl oder auch die “Überraschung” (7b). Im Zehnerbereich gibt´s eigentlich nur gute Touren: White Winds (8a+), La pulce d’aqua (8b), Cool your foot man (8b), Opportunist (8b) oder Heinzelmännchen (8b).

Das Besondere am Schleier sind nicht nur die große Dichte an schweren und sehr schweren Routen, sondern auch das geniale Ambiente: Im Winter bildet sich am Fuß des Wasserfalls eine Eissäule, die in manchen Jahren bis zu zehn Meter groß werden kann!

Der Zustieg dauert etwas weniger als eine Stunde, bei Neuschnee ist Spurarbeit angesagt, dafür kann man zur Belohnung mit dem Schlitten bzw. Zipfelbob wieder runterfahren.

PS: Wichtig beim Winterklettern: Eine dicke Daunenjacke mit Kapuze (am besten Expeditionsmodell, z.B. von Marmot), warme Stiefel mit Profilsohle (ich hab die Surrey-Lo-Winterstiefel von Kamik), Tourenhose mit Gamaschen für den Aufstieg, Funktionsunterwäsche, Mütze, Handschuhe, viel heißer Tee – und: eine kurze Hose und ein  T-Shirt für´s Klettern. Aber man beachte: wenn die Sonne mal hinter den Wolken verschwindet oder sie gar untergeht, kann´s auch am Schleier saukalt werden.

Achleiten bei Kufstein

 

 

 

Eines der beliebtesten Gebiete der Münchner Szene und leider dementsprechend überlaufen. Achleiten ist ein sehr, sehr langer Felsriegel, an dem man im Winter fast überall klettern kann. Hier hat jeder seinen Spaß – vom Siebener- bis zum Zehner-Kletterer. Erst vor kurzem wurde das geniale Panoramawandl komplett erschlossen, das Bauernwandl gehört schon zur vorletzten Generation.

Der Schwerpunkt der Schwierigkeiten liegt in Achleiten im Neunerbereich. Zu den besten schweren Routen gehören für mich: Rauchopfer (8a+), Feuersalamander (8a), Space Hopper (8a+), Rocket Man (8b+), Silver Surfer (8b+), Prost Gambrinus (7c+/8a) oder Falling Pieces (8a+). Zum Aufwärmen ist auch der neueste Sektor, das Natursektwandl (unterhalb des Panoramawandls), bestens geeignet. Hier gibt´s einige 7er und 8er, die noch nicht abgespeckt und sehr gut abgesichert sind.

PS: Weitere Infos und aktuelle Berichte über die beiden Gebiete findet Ihr laufend im Bergzeit Kletterteam Blog!

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