Testberichte

Haglöfs Electron Hardshell - Testbericht

01.10.2012

Haglöfs Electron Hardshell – Testbericht

Da halte ich Sie nun in meinen Händen, meine neue Hardshell, die Haglöfs Electron. Lange darauf gespart, lange im Internet recherchiert, Testberichte gelesen und verglichen, Angebote durchstöbert, überlegt und schließlich zugeschlagen. Nun stellt sich mir die Frage: Ist die Haglöfs Electron knapp 400 Euro wert? Was kann die Hardshell und was kann Sie nicht? Für wen lohnt sich solch eine teure Anschaffung und für wen nicht? Ich habe die Hardshell Haglöfs Electron auf Herz und Nieren überprüft und möchte euch meine Eindrücke im folgenden Testbericht ausführlich schildern.

Design & Passform

Haglöfs Logo

Haglöfs Logo

Die Hardshell Electron aus dem Hause Haglöfs kommt in einem sehr schönen Design auf den Markt. Sie ist relativ schlicht gestaltet und in den Farben blau, rot und schwarz erhältlich. Im roten und blauen Modell besteht Sie jeweils aus 2 verschiedenen Farbtönen, die auch die unterschiedlichen Materialen repräsentieren, aus denen die Jacke gefertigt ist: zum einen aus Gore-Tex® Pro Shell und zum anderen aus Gore-Tex®Paclite®. Dieser Materialmix verspricht maximale Haltbarkeit, Wind- und Wasserdichtigkeit bei gleichzeitig starker Atmungsaktivität und geringem Gewicht – aber dazu später mehr.

Die Electron ist Haglöfs-typisch eher schmal geschnitten – daher muss man bei der Größe eventuell ein wenig experimentieren, bis man die ideale Größe für sich gefunden hat. Mir persönlich passt bei einer Körpergröße von 1,80m und knapp 75kg die Größe S ideal – gut körpernah geschnitten aber gleichzeitig bleibt genug Luft, um gerade im Winter noch mit anderen Schichten zu kombinieren – so passt ein dünnes Shirt, ein wärmeres Langarmshirt und ein Fleece noch gut darunter! Aber auch wenn man im Sommer nur ein T-Shirt darunter trägt, wirkt die Jacke noch körpernah geschnitten. Hier ist Haglöfs wirklich ein guter Kompromiss gelungen! Die Ärmel haben eine angenehme Länge und Weite und lassen sich über die Klettverschlüsse an den Armenden gut einstellen und auch bei Bewegungen der Arme gehen die Ärmel gut mit ohne zu stören. Auch die Jacke selbst ist ausreichend lang geschnitten, wobei man anmerken muss, dass hier dem aktuellen Modeanspruch genüge geleistet wird und die Jacke eher kurz gehalten wurde und hinten nur wenig länger ist. Wer eine Hardshell sucht, die am Rücken sehr lang ist (z.B. für’s Fahrradfahren), für den ist die Haglöfs Electron vielleicht nicht die richtige Wahl. Der Kragen hat eine angenehme Höhe und schließt bei mir knapp am Kinn ab: gerade so, dass man das Kinn bei starkem Wind gut dahinter verstecken kann, er aber gleichzeitig sonst nicht stört oder kratzt. Und auch hier am Kragen wurde eine gute Weite gefunden, damit es beim Tragen von weiteren Schichten nicht zu eng wird. Die Kapuze ist groß genug bemessen um auch über einen Kletterhelm o.ä. zu passen und lässt sich gut einstellen, flattert aber gleichzeitig beim Fahrradfahren oder Skifahren nicht zu sehr im Wind.

Übrigens: Die Haglöfs Electron gibt es auch als Damenversion mit etwas anderem Schnitt und anderen Farbvarianten.

Tragekomfort: Atmungsaktivität vs. Wasserdichtigkeit

Absolut hochwertig: GoreTex®ProShell

Absolut hochwertig: GoreTex®ProShell

Hier verspricht die Haglöfs Electron natürlich einiges: Mit ihrem Materialmix aus Gore-Tex®Pro Shell und Gore-Tex®Paclite® vermischt sie zwei der derzeit besten Membranen auf dem Mark. Das Gore-Tex®Pro Shell wurde bei dieser Hardshell für Großteile des Oberkörpers, der Arme und Teile der Kapuze verwendet. Das Gore-Tex®Paclite® im Bereich der Achseln, weiteren Teilen der Kapuze sowie den weniger beanspruchten Teilen des Rumpfes. Dank dieser durchdachten Anordnung der verschiedenen Membranen werde deren Stärken perfekt ausgespielt: In Bereichen mit starker Materialbeanspruchung wie den Schultern, dem Rücken usw. wird das äußert robuste Pro Shell verwendet, in den Teilen wo keine ganz so starke mechanische Beanspruchung vorliegt dagegen das extrem leichte und atmungsaktive Paclite®

Im Praxistest hält die Jacke dann auch, was sie verspricht: Bei starkem Regen (oder auch bei einer Power-Dusche) hält die Haglöfs Electron perfekt dicht. Auch die sonst gefährdeten Stellen der Reisverschlüsse halten komplett dicht. Die Wasserdichtigkeit ist damit vollständig gegeben. Sollte man übrigens mit dieser (und auch mit Winddichtigkeit oder Atmungsaktivität) nicht zufrieden sein, verspricht Gore-Tex® eine Qualitätsgarantie und man kann die Hardshell zur Überarbeitung einreichen. Bei meinem Modell war dies allerdings absolut nicht nötig.

Nun verspricht die Haglöfs Electron aber nicht nur komplette Wasserdichtigkeit, sondern auch absolute Winddichtigkeit bei maximaler Atmungsaktivität – da wird der Mund natürlich relativ voll genommen – aber nicht zu voll wie sich auch hier im Praxistest zeigte. Auch bei starkem Wind kühlt man in der Jacke nicht aus, da es nirgends reinzieht.

Die Haglöfs Electron mit super angenehmen Schnitt

Die Haglöfs Electron mit super angenehmen Schnitt

Die Frage der Atmungsaktivität ist ja oftmals eine weitere kleine Streitfrage: Wie atmungsaktiv ist eine Hardshell denn tatsächlich und ab wann bildet sich auf der Innenseite der Jacke der gefürchtete Wasserfilm? Oftmals wird ja behauptet, dass man bei jeder Hardshell irgendwann entweder von innen durch den Schweiß oder von außen durch den Regen nass wird – und hier muss man wohl auch bedingt zustimmen. An der Wasserdichtigkeit liegt es allerdings nicht – soweit ich das beurteilen kann ist die Haglöfs Electron wirklich dicht. Was die Atmungsaktivität anbelangt muss man (wie vermutlich bei jeder Hardshell) irgendwann Abstriche machen. Sollte es von außen zu warm und man trotzdem auf die Jacke angewiesen sein und zusätzlich noch zu den stark schwitzenden Mitmenschen gehören, wird jede Jacke irgendwann an ihr Maximum der Atmungsaktivität gelangen. Allerdings bin ich mit der Atmungsaktivität der Haglöfs Electron im Rahmen dessen, was man erwarten darf wirklich mehr als zufrieden – in normalem Betätigungsbereich und bei entsprechender Außentemperatur tut die Jacke was sie soll und transportiert den Schweiß prima nach außen – und wenn man stärker Schwitzt als die Membran abtransportieren kann – kann die Membran eben auch nichts dafür. Lediglich bei zu warmen Temperaturen und starkem Schwitzen kommt sie wie gesagt irgendwann an ihre Grenzen – aber ganz ehrlich: tut das nicht jede Hardshell irgendwann? Also auch hier bin ich sehr zufrieden mit der Hardshell.

Weitere technische Details der Haglöfs Electron

Nun schauen wir uns einmal die kleinen Feinheiten der Haglöfs Jacke Electron an und gehen dabei Schritt für Schritt von unten nach oben vor: Der untere Jackensaum lässt sich beidseits enger oder weiter schnüren,wobei man aber mit etwas Fingerfertigkeit nur eine Hand benötigt und dies quasi so nebenbei erledigen kann. Zusätzlich findet sich am Ende des Reißverschlusses ein Druckknopf der ein zufälliges Öffnen des Reißverschlusses verhindern soll. Der Hauptreißverschluss selbst lässt sich angenehm und störungsfrei öffnen und schließen und wurde wasserdicht versiegelt. Oben im Bereich des Kinns ist er von innen durch eine Lasche aus sehr weichem Material überdeckt – so reibt auch nichts am Kinn.

...mit ordentlichem Lüftungsschlitz unter den Armen!

…mit ordentlichem Lüftungsschlitz unter den Armen!

Hals und Kapuzenbereich der Jacke
Hals und Kapuzenbereich der Jacke

Die Haglöfs Electron besitzt nicht wie viele andere normale Seitentaschen sondern eine Art modifizierte Napoleon-Brusttaschen. Diese sind sehr geräumig, tragen nicht nach vorne auf und sind ebenfalls wasserdicht versiegelt. Aber – und dies ist wirklich das einzige Aber, das ich an der Jacke finden konnte – sie sind etwas ungeschickt angebracht. Solange man im Klettergurt hängt ist alles einwandfrei und man kommt – im Gegensatz zu normalen Taschen – perfekt an den Inhalt. Nur sobald man einen Rucksack trägt liegen die Öffnungen der Taschen genau unter dem Träger und sind damit nur schwer zugänglich. Dies ist sicherlich kein Weltuntergang, aber man sollte es in seine Kaufentscheidung mit einbeziehen ob es einen wirklich stört. Mich stört es wirklich nur minimal, da man meistens die Muße hat um den Rucksack auch kurz zur Seite schieben zu können. Neben den zwei Taschen auf der Brust gibt es noch zwei Innennetztaschen, die ebenfalls geräumig sind und Stauraum für Handschuhe oder sonstigen Kleinkram bieten.

Unter den Armen befinden sich beidseits Öffnungsschlitze, die sich sowohl nach oben als auch nach unten mit einem Reißverschluss öffnen lassen und so für eine gute Klimatisierung sorgen, auch wenn es mal etwas schweißtreibender werden sollte – hier ist anzumerken, dass sich unter den Reißverschlüssen kein Netz oder ähnliches befindet – d.h. man sollte vor einer Abfahrt im Pulverschnee eventuell daran denken das Ganze zu schließen.

Weiter zur Kapuze: Diese lässt sich über mehrere leicht zu bedienen Zügel sowohl in der Länge als auch in der Weite gut regulieren und bietet dank ihrer großzügigen Bemessung auch Platz für einen Kletterhelm. An der Spitze der Kapuze befindet sich ein modellierbarer Draht, der es erlaubt die Kapuze so zu formen, wie man es möchte. Alles in allem gibt es auch hier wenig zu klagen (von den Brusttaschen mal abgesehen) – die Haglöfs Electron ist eine Hardshell ohne allzu großen Schnickschnack funktioniert aber so wie sie ist super!

Einsatzgebiet

Haglöfs Electron: Rückenansicht

Haglöfs Electron: Rückenansicht

Eine Jacke für fast 400€ muss mehr können, als einen beim Einkaufsbummel in der Innenstadt trocken zu halten – und das kann die Haglöfs Electron. Die Jacke ist eindeutig für mehr konzipiert – sei es als absolut verlässlichen Partner beim Wandern, als robusten Wetterschutz fürs Klettern oder auch als oberste Schicht für Winterwanderungen oder Skitouren – die Electron fühlt sich im Gebirge am wohlsten. Die Jacke ist robust, absolut wasser- und winddicht, gleichzeitig hoch atmungsaktiv und kommt daher an das Anforderungsprofil der meisten alpinen Sportarten heran – hier hat man wirklich eine “Allround-Hardshell” – natürlich teilweise nur in Kombination anderer Kleidungsstücke (Zwiebelschalenprinzip im Winter). Gleichzeitig kann man die Jacke dank des modernen Designs aber auch ohne Probleme für den Spaziergang in der Stadt benutzen.

Für diejenigen, die tatsächlich nur eine Regenjacke für die Stadt suchen ist die Haglöfs Electron aus meiner Sicht eine Nummer zu groß – es gibt für deutlich weniger Geld Regenschutzjacken, die diese Aufgabe auch gut erfüllen und dabei den Geldbeutel schonen.

Qualität / Verarbeitung

Die Qualität ist oft eines der Streitthemen bei solch teuren Produkten – Ist eine so teure Jacke qualitativ einer günstigeren Jacke überlegen? Dies kann natürlich nur ein wirklich langfristiger Test zeigen, aber von der Verarbeitung her wirkt die Haglöfs Electron wirklich einwandfrei – die Nähte sind perfekt verklebt, alles wirkt sauber und hochwertig, alle Kanten und Übergänge sind perfekt verarbeitet, die verwendeten Materialen fühlen sich absolut großartig und mehr als hochwertig an. Wie man es eben bei einer Jacke für dieses Geld auch erwarten sollte. Auch nach mehrmaliger intensiver Benutzung erscheint die Hardshell wie neu. Die Verwendung des Gore-Tex®Pro Shell verspricht natürlich auch ein Maximum an Haltbarkeit und ich hoffe, die Hardshell wird dieses Versprechen auch langfristig halten – bisher wie gesagt gibt es absolut keinen Grund zu klagen.

Ich werde euch auf dem laufenden halten, sollten sich im Langzeittest Neuigkeiten bzgl. der Qualität und Verarbeitung der Haglöfs Electron ergeben – bisher bin ich allerdings hochzufrieden.

Fazit

Haglöfs Electron: Seitenansicht

Haglöfs Electron: Seitenansicht

Die Haglöfs Electron hält was sie verspricht – aus meiner Sicht eine absolute top Hardshell Jacke – auch wenn man vielleicht kleine Punktabzüge für Details (fehlendes Netz unter den Armöffnungen, ungeschickte Lage der Brusttaschen). Gleichzeitig bietet sie aber für 379€ den Einstieg in die Gore-Tex®Pro Shell Liga und gehört damit zu den günstigsten Jacken, in denen diese Top-Membran verarbeitet wurde – sicherlich ein Grund sich gerade für dieses Modell zu entscheiden. Für jemanden, der einfach nur ein Regenjacke für die Stadt sucht, ist die Haglöfs Electron sicherlich überqualifiziert – man bekommt auch für weniger Geld wirklich dichte Jacken. Für denjenigen aber, der eine Allwetter-Hardshell für Wandern, Klettern, Skitouren und vieles mehr sucht und dabei langfristig eine Jacke will, auf die er sich in jeder Situation verlassen kann – für den ist die Haglös Electron sicherlich eine gute Wahl um ins High-End Segment der Hardshell Jacken einzusteigen.

Technische Fakten

- Materialmix aus Gore-Tex®Pro Shell und Gore-Tex®Paclite®

- Verstärkungen an Schultern, Rücken, Hüfte

- helmtaugliche verstellbare Kapuze

- wasserdichter Zwei-Wege-Front-Reißverschluss

- zwei große Seitentaschen mit Reißverschluss, Netzinnentasche

- Belüftungs-Reißverschluss unter den Armen

- per Klett verstellbare Ärmelbündchen

- Kordelzug am Hüftsaum

- wie alle Oberteile von Haglöfs eher schmal geschnitten

- Gewicht: 420g (Gr. L)

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