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Trekking in der Cordillera Blanca | Der Santa Cruz Trekk - Teil 1

07.08.2012

Trekking in der Cordillera Blanca | Der Santa Cruz Trekk – Teil 1

Unser Trekking Abenteuer beginnt in Huaraz, einer Andenstadt auf 2.700 m. Bei vielen Peru-Reisenden ist die Gebirgsregion rund um Huaraz, der Parque National Huascaran ein fester Bestandteil ist im Backpacking-Reiseplan. Die Berge sind ausreichend erschlossen und dem Reisenden bieten sich bei einfachen Wanderrouten oder gar ganz ohne sportliche Betätigung atemberaubende Aussichten auf die großen 5 und 6000er der Anden. Wir wollen den berühmten Santa Cruz Trekk auf eigene Faust begehen. Einen technisch einfachen Andentrekk, der allerdings bis auf knapp 4.800 m hoch führt und bei dem lange Gehstrecken über 3-4 Tage zu bewältigen sind.

 

Tag 1

Wir beginnen den Trekk etwa um 11 Uhr. Um mit den zahlreichen geführten Touren und ihren Eselkarawanen nicht zu sehr in Berührung zu kommen, wollen wir die Wanderung in drei statt in den sonst üblichen vier Tagen machen. Der Vorteil ist hier, dass unsere Schlafplätze etwas abseits der normalen Sammelpunkte der geführten Gruppen liegen. Wir können uns ganz auf die wunderschöne Natur konzentrieren.

Der Aufstieg beginnt in einem engen Canyon, in dem uns die Sonne so richtig einheizt. Zahlreiche Eukalyptusbäume säumen den Weg. Die 700 Höhenmeter Aufstieg am ersten Tag sind für erfahrene Wanderer ein angenehmes Tagespensum. Unseren schweren Rucksäcken mit all der Kleidung sind wir dennoch bis etwa 17 Uhr unterwegs. Neben der Verpflegung für die 3 Tage ist schließlich auch Kleidung für Minustemperaturen um -5 bis -8 Grad mitzuführen. Nachts kühlt es markant ab, und unsere Schlafhöhe wird noch um gut 1000 Höhenmeter steigen. Heute am ersten Tag müssen wir auch trotz der Hitze und der schweren Rucksäcke mit langer Kleidung gehen.

Wir erreichen wegen unseres späten Starts heute den ersten Übernachtungsplatz auf 3.760 m gemeinsam mit den geführten Gruppen. Ab hier gehen wir noch etwa eine Stunde und erreichen die “Laguna Ichiccocha”, der Quichua-Ausdruck für “kleine Lagune”.

Ein ebener Platz zum Campieren auf bequemem Gras ist schnell gefunden. In der Abenddämmerung bauen wir unser Zelt aus, und kredenzen uns die am Vortag vorbereiteten Kartoffeln mit Ei.

Vereinzelt wird davon berichtet, dass Alleinreisenden ihr Hab und Gut nachts unter Androhung von Waffengewalt abgenommen wird. Ob dies stimmt, oder nur Gerüchte sind, die die Reiseagenturen verbreiten, wissen wir nicht. Vorstellbar wäre beides. Vorstellbar ist auch, dass die angeblich verschwundenen Touristen einfach nur im archaischen Einlass-Auslasskontrollsystem verloren gegangen sind, und selbst nichts von ihrem “Schicksal” wissen. Vieles hier in Peru ist vage und niemand weiß etwas Genaues. Wir hingegen schlafen in unseren Daunenschlafsäcken sicher und dank des weichen Untergrunds auch hervorragend.

Tag 2

Am Morgen geht es zunächst recht gemütlich weiter. Bis zum nächsten Campingplatz sind es nur knapp 400 Höhenmeter und etwa 13km Distanz. Die “Laguna Jatuncocha”  bzw. “große Lagune” liegt nicht minder schön wie die kleine Lagune eingerahmt von den Bergriesen entlang des Rio Santa Cruz. Die Lagune fliegt geradezu an uns vorbei, auch die darauf folgende Ebene ist schnell passiert. Linkerhand auf der Hochebene liegt hier das Alpamayo-Basecamp – der “schönste Berg der Erde”. Wegen seiner spitzen und teilweise vergletscherten Kegelform haben Bergliebhaber dem Alpamayo diesen ruhmreichen Titel gegeben. Doch wir müssen weiter gerade aus. Nach weiteren 4 Stunden Gehzeit erreichen den zweiten Übernachtungplatz, die Taullipampa auf 4.250 m. Am idyllischen Flüsschen machen wir es uns gemütlich.

Hier oben gibt es keine nervigen Stechmücken. Nur einige paar rastende Transportesel und Kühe sagen Hallo. Wir genießen die Ruhe und schauen den Eseltreibern zu, wie sie die Zelte der Agenturgruppen aufbauen und ihr Camp einrichten. Wollen wir den Trekk in nur 3 Tagen schaffen, müssen wir heute noch über den großen Pass. Auf 4760m liegt der Scheitelpunkt dieses Trekks, die Punta Union. Fast auf Gletscherhöhe befinden wir uns hier und gar auf Augenhöhe mit dem höchsten Berg der Alpen (Mont Blanc). Die gletscherbedeckten Andengipfel ragen hier noch weitaus höher hinaus und steil aufsteigend flankieren sie unseren Weg.

Obwohl wir uns zuvor einigermaßen akklimatisiert haben, macht uns die Höhe zunehmend zu schaffen. Die Spitzkehren ziehen sich beim Aufstieg zunehmend in die Länge. Die Schritte werden langsamer und der Atem immer schneller. Wir setzen uns immer nur kurze Ziele. Eine lange Gerade oder zwei Spitzkehren und wieder eine kurze Verschnaufpause. Alle vier Spitzkehren setzen wir uns und unsere Rucksäcke ab. So kommen wir zwar nicht in einer Rekordzeit oben an, dafür gleichmäßig voran.

Noch ein kurzer Schlussspurt und schon stehen wir am Felstor und genießen die Aussicht in die beiden Täler. Doch viel Zeit haben wir heute Abend nicht mehr. Die nächste bequeme Campingmöglichkeit befindet sich etwa 400 Höhenmeter unter uns auf 4300 m Höhe an einer kleinen Lagune.

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