Reise

Eine Island Umrundung mit Zelt und Auto

10.07.2012

Eine Island Umrundung mit Zelt und Auto

Mit Auto und Zelt durch Island? Eine seltsame Kombination, denken sich jetzt bestimmt viele, doch wie selbst damit Trekkingspaß und Outdoorfeeling nicht zu kurz kommen, erfährt man hier.

Grenzenlose Freiheit auf vier Räder

Island ist eine kleine Insel im Norden, die aber allerhand zu bieten hat. Ein stürmisches Meer, hohe Berge, riesige Gletscher, aktive Geysire, tosende Wasserfälle, die bekannten Island-Pferde und angeblich auch so manche Trolle. Die Mitternachtssonne scheint von Juni bis Juli und bis weit in den September ist es noch bis 21:00 Uhr hell. Deswegen haben wir den Sommer für unsere Reise gewählt, besser gesagt den Spätsommer, wenn die Hauptsaison bereits vorbei ist und es allmählich ruhiger wird auf den Straßen und Zeltplätzen. Ruhig ist es tatsächlich, als wir Mitten in der Nacht bei eisigen Temperaturen und Sturm aus dem Flugzeug steigen und unser Mietauto am Flughafen abholen. Die nette Mitarbeiterin hat uns dann, mit einem Verweis auf das Wetter belehrt, vorsichtig zu sein und uns eine Broschüre in die Hand gedrückt, wie man sich bei Vulkanausbrüchen verhält. Eine Straßenkarte gibt es auch noch dazu, aber die ist fast überflüssig. Eine einzige Straße führt einmal um die Insel – die Ringstrasse ist rund 1.300 km lang und fast durchgehend asphaltiert. Ins berüchtigte Hochland dürfen wir mit unserem kleinen Toyota nicht fahren, aber dazu haben wir ja die Trekkingschuhe dabei. Wir haben uns für die Kombination kleinstes Mietauto und Zelt entschieden, was für Island relativ preisgünstig ist. Also steigen wir ein in unser mobiles Heim uns los geht das Islandabenteuer.

Land aus Feuer, Eis und Wasser: der Skogarfoss

Reykjavik ist die einzige große Stadt und wegen ihrer vielen netten kleinen Holzhäuschen, dem überschaubaren Hafen und den kleinen Einkaufsstrassen, wirkt sie eher wie ein Dorf. Kaum fährt man aber raus, ist man auch schon umgeben von einer einsamen Landschaft, sanften Hügel in faszinierenden Farben und einem blitzblauen Himmel mit Schäfchenwolken. Trotzdem ist es eher kühl und deswegen wollen wir uns in einer der vielen heißen Quellen aufwärmen. In der Umgebung von Hveragerdi lässt es sich schön wandern, auf der Strecke liegen brodelnde Erdlöcher und ein heißer Fluss. Unterwegs kommt man auch an einigen Lavafeldern vorbei, versteinerte Zeugen, dass die gesamte Insel vulkanischen Ursprungs ist. Einige Überwindung kostet es mich bei den kalten Temperaturen den Bikini anzuziehen, aber einmal drinnen, ist das Thermenfeeling perfekt – nur eben mit viel weniger Leuten.
Am Abend können wir beim Kochen die Griffzange für den Topf nicht finden – war da vielleicht ein Troll am Werk? – jedenfalls war von da an das Hantieren mit dem Topf eine eher umständliche Angelegenheit.

Unbewohntes Hochland

Keine Reise nach Island ist perfekt ohne Abstecher in das Inselinnere, das Hochland. Erst hier offenbart sich die wahre Schönheit aber auch die Einsamkeit der isländischen Wildnis, die wir manchmal fast als beklemmende Totenstille empfunden haben. Wenn dann nicht zufällig ein Vogel zwitschert oder ein Schaf blökt, dann kann man ehrfürchtig dem großen Nichts lauschen. Die Natur hat allerdings viel zu bieten hier, das Hochland zählt zu den faszinierendsten Landschaften, die ich je bereist habe. Schwarzes Lavagestein, rote, heiße Erde, sanfte grüne Mooshügel, schneebedeckte Berge oder tosende Wasserfälle – so präsentierte sich der Zauber Islands. Einige Straßen ins Landesinnere sind auch mit unserem kleinen Spucker leicht befahrbar, wie etwa die Standardroute zu den Geysiren.

Zeltplatz in Landmannalaugar

Weiter rein kommt man nur mit einem 4×4 Fahrzeug oder einem öffentlichen Bus. Das Bussystem ist eigentlich recht gut, nur kommt man ab September nicht mehr überall hin. Unser 4×4 Bus hat uns jedenfalls ohne Probleme nach Landmannalaugar, einem Ausgangspunkt für Wandertouren, gebracht. Schon die Fahrt war ein Highlight. Zeitweise glaubten wir, wir sind auf dem Mond und im nächsten Augenblick ging es durch grüne Hügel und zahlreiche Flüsse raus auf eine weite Ebene, in der sich ein großer Zeltplatz befindet. Ein atemberaubender Ort zwischen farbigen Bergen und Vulkanen. Hier weht ein ungemütlicher kalter Wind, aber zum Glück kann man in den nahe liegenden heißen Fluss springen und sich aufwärmen. Zelten auf isländisch! Die Wanderwege sind gut markiert, wenn man denn mal aus dem Lava-Labyrith hinter dem Zeltplatz herausgefunden hat.

Nach unseren Wanderungen durch das Hochland behielten wir die Bergschuhe gleich an, weil wir uns mit einer Tour zum Vatnajökull Gletscher aufmachen. Die Wanderung über den riesigen Gletscher ist einfach atemberaubend schön und man hat eine Aussicht bis zum Meer. Anschließend fahren wir weiter zum Gletschersee Jökulsárlón, der etwas weiter nördlich ins Meer mündet und in dessen Lagune riesige Eisberge in teils bizarren Formationen schwimmen. Wir hatten bei der Fahrt über den See einen ganz besonderen Begleiter, nämlich eine Seerobbe, die immer wieder ans Boot gekommen ist und neugierig aus dem Wasser guckte.

Akrtis für Anfänger: Gletschersee Jökulsárlón

Im Norden der Insel befindet sich der große See Myvatn, in dem man zwar nicht baden kann – es sei denn man ist ein abgehärteter Inselbewohner – der aber durch seine vulkanische Umgebung viele Natursehenswürdigkeiten bietet – abgesehen von den vielen Mücken, die es gratis dazu gibt. Viel lieber als im See, haben wir in der heißen Quelle gebadet, die hier oben zwar kleiner aber auch ruhiger als die berühmte Blaue Lagune bei Reykjavik ist.

Nicht nur bei Myvatn kocht und brodelt es

Ein super Wandergebiet auch für kurze Abstecher ist die Kjölur Hochlandrute, die man mit guten Autos befahren oder mit guten Schuhen begehen kann. Letzteres ist viel beeindruckender, wenn auch nicht ganz einfach. Nicht nur das schnell wechselnde Wetter macht einem hier zu schaffen, auch der oft starke Wind. Bäume gibt es nicht, deshalb fegt der Wind oft mit solcher Wucht durch die Hochebene, dass die Kieselsteine des Weges zu unangenehmen Geschossen werden. Doch die Anstrengung lohnt sich, dann am Weg liegen Gletscher, einsame Seen und natürlich heiße Quellen.

In drei Wochen kann man sich schön Zeit lassen, viele Abstecher ins Innere machen und die Natur genießen. Wer nicht wild zelten will, kann auf einem der vielen Zeltplätzen übernachten. Die sind meist sehr gut ausgestattet. Das Wetter im Spätsommer ist eigentlich sehr gut, dem Regen entkommt man in Island ja selten aber oft ist es nur ein kurzer Schauer und das Wetter wechselt sowieso alle fünf Minuten. Ein kleines Mietauto reicht völlig um rund um die Insel zu fahren – einige Abstecher auf Schotterstrasse sind auch erlaubt und für alles Weitere kann man den Bus nehmen oder wandern.

Thermalbad bei Myvatn

Autostoppen haben wir auch einmal versucht auf einer Wanderung ins Hochland. Da aber nicht wirklich reger Verkehr herrschte, mussten wir nach einigen Stunden enttäuscht die Rückkehr antreten. Preislich kann man in Island auch gut zu recht kommen, wenn man zeltet. In Reykjavik gibt es einige große Supermärkte, wo man die Preise vergleichen kann und sich für die Fahrt eindecken kann. Am besten an Island ist aber die Natur, die hier überall noch gratis ist und ohne große Absperrungen entdeckt werden kann. Auch im Spätsommer war ich froh über meine gute Isomatte und einen warmen Schlafsack, denn es ist ja nicht immer ein heißer Fluss in der Nähe zum Aufwärmen.

Und wie war das noch gleich mit den Trollen und angeblich vielen unsichtbaren Bewohnern der Insel? Nun ja, gesehen haben wir keinen, aber nachdem wir bei der Autorückgabe außer unserer Kocherzange noch allerlei andere Kleinigkeiten vermisst haben, sind wir überzeugt, dass es sie tatsächlich geben muss.

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