Reise

Trekking im Colca Canyon in Peru - Teil 1

06.07.2012

Trekking im Colca Canyon in Peru – Teil 1

Mitten in der Nacht beginnt unser Trek im prächtigen kolonialen Zentrum in Arequipa im Süden Perus. Um 3 Uhr werden wir von der Reiseagentur in einem für peruanische Verhältnisse äußerst komfortablen Kleinbus abgeholt. Ein deutsches Markenerzeugnis mit Stern auf dem Kühlergrill und keinen Unfallschäden. Eine Premiere für uns in Südamerika. Unser Ziel ist der Colca Canyon, zweimal so tief wie der Grand Canyon und eine der großen Natur-Sehenswürdigkeiten Südamerikas.

Das Rangerhäuschen ist Startpunkt der Canyon-Trekkingtour.

Klingt einfach, ist es auch.

Wahre Horrorgeschichte verbreiten die Reiseagenturen über die Canyontour. Vermisste Allein-Wanderer, ganze Trekking-Gruppen sollen verschwunden sein, weil sie keinen der lokalen Wanderführer angeheuert haben. Doch unsere Sorge ist gänzlich dem wirtschaftlichen Interesse der Trekking-Reiseanbieter geschuldet. Der Ranger zeigt uns den Weg: Hier rechts dem Pfad folgen, unten über die einzige Brücke, anschließend linkerhand dem Fluss entlang. Rechts in einen Seitencanyon hoch, durch die beiden Siedlungen hindurch und hinunter zur Oase. Am zweiten Tag von hieraus früh starten um den Bus um 9-10 Uhr für die Rückfahrt zu erreichen. Klingt einfach – und ist es auch. Fast der komplette Weg ist hier einsehbar und viele Wege gibt es ohnehin nicht.

Wir starten den Trek und folgen der Abbruchkante entlang. Rechterhand erhebt sich der Fels senkrecht über uns, linkerhand fällt er ebenso steil ab. Dahinter blicken wir auf die schneebedeckte 5000er Bergkette. Auf der Rückseite der größten Berge hier findet irgendwo der größte Fluss der Welt seinen Ursprung: der Amazonas.

Satte 1000 Höhenmeter bergab sind am ersten Tag in den Canyon hinabzusteigen

Der Weg beginnt aussichtsreich mit Weit- und Tiefblicken. Dies ändert sich allerdings, je weiter wir vorankommen. Wir müssen heute die vollen 1000 Höhenmeter am Stück hinuntersteigen. Immer weiter erheben sich die Felswände über uns, und langsam erscheint der Fluss im Tal immer größer. Nach etwa 3 gemütlichen Stunden erreichen wir das kühle Nass und erfrischen uns kurz. Die Gruppen der Reiseagenturen sind hier nun nicht mehr zu sehen. Wir haben ihnen gleich am Start Vorsprung gegeben und haben uns Zeit gelassen.

Wir überqueren den Fluss über die Hängebrücke und auf der anderen Flusseite flussabwärts entlang. Wir passieren kleine mit Steinwällen abgesteckte Bauernsektoren und folgen einem künstlich errichteten Waal. Angelegt um eine bessere Bewässerung der Felder zu erreichen kennen wir diese künstlichen kleinen Bäche ganz ähnlich schon aus den Alpen. Charakteristisch wird diese bewährt Bewässerungsmethode noch heute z.B. im Vinschgau angewendet, um das Wasser der hohen Bergregionen direkt zur Bewirtschaftung der Felder zu nutzen.

40 Spitzkehren, verteilt über 400 Höhenmeter haben wir bergauf von San Jua de Chuccho Cosniruha zu bewältigen. Nach jeweils 6 Spitzkehren verschnaufen wir kurz, nach einem Dutzend genehmigen wir uns einen Schluck Wasser. Das feuchte Nass sprudelt hier zwar in den Bewässerungsgräben, Trinkwasser, das ohne weitere Hilfsmittel wie z.B. Pillen für europäische Mägen genießbar ist, ist Mangelware. Für eine Flasche Wasser zahlt man hier schnell das 5-Fache ihres Wertes. Dabei werden die nötigen Produkte von den “Touristen-Esel” – sie bringen die konditionsschwachen Reisenden gegen ein saftiges Entgelt wieder an den oberen Rand des Canyons -  kostenfrei ins Tal befördert. Eine typische Verfehlung des Massentourismus a la Peru.

Peruanisches Luxusappartement in der Oase

Wir folgen dem gut ersichtlichen Pfad durch die beiden Cosniruha und Malata (2.450 m), passieren dabei einige Kleinstbauernhöfe. Zahlreiche Esel, streunende Hunde und auch ein paar Hühner begleiten uns ein Stückchen. Der Rest der ersten Tagesetappe hinunter zur Oase (2.160 m) ist schnell erledigt. Rechtzeitig zum Sonnenuntergang erreichen wir unsere Unterkunft. Eine einfache Lehmhütte. Keine Fenster, keine abschließbare Tür. Die Hütte ist dafür mit einer 50cm dicken Matratzenauflage gesegnet. Wir kennen diese Matratzen mittlerweile nach einem Monat Südamerika bereits. Kaum legt man sich auf die Matratze gibt sie wie Badeschaum nach. Kaum fünf Minuten später liegt der Oberkörper quasi ungepolstert auf dem unebenen Holzrost. Zum Glück haben wir immerhin unsere Isomatten dabei.

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