Alpin

Wer klettert im Bergzeit-Kletterteam

25.02.2011

Wer klettert im Bergzeit-Kletterteam

David Lochner (20), Sepp Mangold (19) und Benedikt Hirschmann (16, Autor dieses Textes) – wir gehören seit Dezember 2009 zum Bergzeit-Kletterteam, betreiben den dazugehörigen Blog und lüften nun endlich das Geheimnis…

…wie alles begann – dank Marietta und Peter

Ohne ein paar Zufälle (oder war es Fügung?) gäbe es uns nicht. Rückblick: Im Herbst 2004…

…wurde das DAV Kletterzentrum Oberbayern Süd in Bad Tölz eröffnet

…gründeten Marietta Uhden und Peter Naumann den Landes-Leistungsstützpunkt Sportklettern des Bayerischen Landesverbandes für Sport- und Wettkampfklettern, kurz BLSW oder Kletterfachverband Bayern genannt

…fand deshalb an einem Freitag Nachmittag ein Sichtungsklettern für Kinder und Jugendliche statt.

Marietta am Schleier (2008)Ziemlich aufgeregt nahmen damals David (gerade mal 14) und ich (10) teil und gaben unser Bestes (bei mir war´s 6+). Mariettas und Peters Blick für versteckte Talente (oder Gnade?) war es zu verdanken, dass wir neben zehn anderen in den Kader aufgenommen wurden. Wir waren ziemlich stolz, von der 12fachen Deutschen Meisterin und dem ehemaligen Bundes- und Landestrainer gecoacht zu werden. Hoch motiviert trainierten wir drei Stunden pro Woche mit den beiden, dazu noch mindestens zwei Mal auf eigene Faust in der nagelneuen Kletterhalle. Ein Jahr später kam unser damals 14jähriger Sepp dazu, vorgestählt vom privaten Training (Bergführer-Kind) und knüppelhart gegenüber sich selbst. Er und David sind inzwischen dem Kader “entwachsen”, ich bin seit über sechs Jahren ohne Unterbrechung dabei.

Die Wettkampf-Phase – da muss jeder mal durch

Sepp und David starteten damals schon bald bei den bayerischen Rockgames und den Deutschlandcups, sahnten Gold bis Bronze ab (Details siehe in den Einzelprotraits im Bergzeit Kletterteam Blog) und fuhren tapfer hunderte von Kilometern bis nach Leipzig, Frankenthal und in andere grässliche Gegenden, um sich in die Reigen der Besten Deutschlands einzureihen. Am schönsten war im Nachhinein doch die Tölzer Stadtmeisterschaft, damals ein Event, an dem sich die heimische Szene versammelte und bei dem man (im Gegensatz zu den bayerischen und Deutschlandcups) üppige Preise ergattern konnte. Angespornt von meinen älteren Vorbildern sammelte ich dort mit zwölf meine ersten Wettkampferfahrungen, ansonsten war bei mir Forchheim und Kempten die Grenze des Erträglichen (noch dazu wenn ein sonniges Wochende geopferte werden sollte). Trotzdem wären wir alle zugegebenermaßen ohne den Trainingsdruck der Wettkämpfe wohl nicht so fit geworden…

Atlantis-, Afrika-, Rockywand – wo unsere Wiege stand

Trotz Medaillen und Urkunden – unsere eigentliche Sehnsucht galt nicht den muffigen Hallen, sondern dem echten Felsklettern – und das jedes Wochenende und an jedem freien Nachmittag nach der Schule. Mangels Führerschein (Taxi Eltern) war Kochel unser erstes, naheliegendes Kletter Ziel, das uns zu harten Männern machte. Nicht nur bei Sonne, meistens bei Dauerregen, Schnee und Kälte schleppten wir unsere Kletter Rucksäcke bevorzugt an die Rockywand – aus der nicht nur einmal das Wasser aus allen Löchern tropfte, sogar aus der “Everdry”. Wir waren voller Ehrfurcht vor den berühmten Locals und den dazugehörenden Routen mit klangvollen Namen wie “Münchner Freiheit” (7c) und “Rocky” (7a+). Wochenlang projektierten wir, boulderten aus, bis sie uns 2007 bzw. im Frühjahr 2008 endlich gehörten. Oft gab uns ein Klettertag in Kochel mit Peter und Marietta den letzten Kick zum Durchbruch.

Schleier und Zillertal – die große Welt für die Kleinen

Bene in Damengambit (2008)Die zwei waren es auch, die uns unsere Kreise weiter ziehen ließen: Im Sommer 2008 nahmen sie uns mit leuchtenden Äuglein zum ersten Mal mit an die geweihten Stätten der echten Kletterer, an den Schleier und ins Zillertal. Kochel ist eine harte Schule, umso großartiger war das Gefühl, endlich festen Kalk und bombigen Granit in den Händen zu haben und von einer traumhaften Landschaft umgeben zu sein (weg vom Dreckloch hin zum Panoramablick auf Kitzbühel). In der Arena des Schleiers und am “Monkey Island” trafen wir leibhaftige Kletterlegenden, die wir bisher nur aus den hundert Mal gelesenen Kletterheften kannten: Heli Kotter, Markus Bendler, Adam Ondra. Unzählige Male wurden wir mal von den Naumanns, mal von anderen großherzigen Fahrern nach Going, Achleiten und Ginzling kutschiert bis Davids Führerschein uns neue Freiheit verlieh. Es folgte eine harte Zeit für seinen Vater, der manch sonnigen Nachmittag und viele Wochenenden ohne Auto verbringen musste, weil wir damit unterwegs waren.  Im Herbst 2008 fielen mit “Californication” (Zillertal) und “Damengambit” (Schleier) die ersten 8a+-Touren, noch vor Weihnachten die 8b-Klassiker  “Wo die wilden Kerle wohnen” in Kochel und “Opportunist”, wieder mal am Schleier. Ein halbes Jahr später gelang mit “California Next” im Zillertal die erste von insgesamt sechs Routen, die mit 8b+ bewertet sind. Es war übrigens wieder Peter, der uns zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Touren “zuführte.

Der Bayernkader – jeder gehört(e) dazu

Nicht nur Peter, sondern auch den anderen Trainern am Stützpunkt (u.a. den Boulderern Uli Lindenthal und Andi Gehrke) und dem Landestrainer Andi Hofmann mit seinem Team haben wir viel zu verdanken. David und Sepp waren schon während ihrer Wettkampfzeit dabei (sie sind inzwischen aus “Alters”gründen ausgeschieden), ich wurde 2009 aufgenommen. Trainiert wird nach individuellem Trainingsplan weiterhin am Stützpunkt, hinzu kommen mit dem Bayernkader zwei bis drei Trainingswochen am Fels (von der Pfalz und Franken über´s Zillertal und Tessin bis nach Osp und Mallorca war bisher alles dabei) und einige Kletter-Workshop-Wochenenden im Winter. Für Andi ist dabei nicht nur die Leistung wichtig, sondern auch die Gesundheit: jährliche sportmedizinische Untersuchungen und physiotherapeutische Unterweisungen in Sachen Ausgleichsübungen gehören genauso dazu wie Bio-Ernährung.

Bouldern – wenn´s nicht zu viel staubt

Zwei wichtige Teile unseres Kletterlebens fehlen noch: Bouldern und Alpinklettern. Indoor-Bouldern ist für uns in erster Linie Training für´s “richtige” Klettern, nicht Selbstzweck. Im Freien tun es zur Not die staubigen, asseligen Löcher in Kochel (sorry Atlantis, aber es gibt Schöneres als ein Sitzstart bei -15° C), lieber zieht´s uns aber nach Chironico oder an die traumhaften Boulderspots im Zillertal, David hat es sogar schon bis nach Texas geschafft.

Am liebsten alpin – wenn der Regen nicht wär´

Wenn der kalte, lange Winter und die zeitraubende Schule nicht wären (David hat es ja schon hinter sich), gäb´s zumindest für David und mich nur eins: die echten, hohen Wände. Er war 17, ich 13, als wir eines unserer ersten gemeinsamen Mehrseillängen-Abenteuer in Arco durchstanden: “Soleado” (7a). Weitere Touren bis zum 9. Schwierigkeitsgrad folgten im Val di Mello, Bergell, Zillertal und natürlich immer wieder in Arco (Pannen wie Schuh-Absturz inbegriffen, David kann auch barfuß klettern). Nach den Schrecken der Abiturzeit erholt sich David beim Bigwall-, Sportklettern und Bouldern in den USA und in Thailand, ich bin am liebsten an der Schüsselkarspitze, dem Kaiser oder im Zillertal unterwegs. Wenn das Wetter mitspielt und alles klappt,  sind meine Ziele im Sommer 2011 die Westalpen, Dolomiten und ein paar schwere Touren im Kaiser.

Wie geht´s weiter? – Teamarbeit Klettern

Auch wenn gemeinsame Unternehmungen dank Schule und Studium seltener geworden sind – Klettern bleibt unsere Leidenschaft. Jeder hat dabei seinen eigenen Schwerpunkt: Bei David sind es die selbst abzusichernden alpinen Touren und das Routenschrauben (er ist bayernweit unterwegs). Sepp bleibt dem Sportklettern treu und gibt sein Wissen an jugendliche Leistungskletterer in München weiter (Trainer C). Ich trainiere im Winter hart, um Ausdauer für lange, schwierige Alpinrouten in hoffentlich trockenen Sommer 2011 zu bekommen (eine 8c beim Sportklettern wäre auch nicht schlecht). Mein Problem ist nach wie vor der  fahrbare Untersatz und oft fehlt mir genau dann, wenn ich Zeit habe und voll motiviert bin, der geeignete Kletterpartner. Denn eins ist klar: Ohne die Hilfe von nervenstarken, aufopferungsbereiten Trainern und fitten Kletterpartnern, des DAV, der Tölzer Kletterhalle und unserer Sponsoren ginge nichts (Dank an dieser Stelle!). Und nachdem Seile verschleißen, Exen verloren gehen und Jacken Löcher kriegen, sind wir auch heilfroh, dass wir seit gut einem Jahr von Bergzeit unterstützt werden! Als Dank dafür könnt Ihr auch weiterhin unsere Tourenberichte, Tests und Tipps unter http://www.bergzeit-kletterteam.de lesen!

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