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Allein im Ruderboot über den Atlantik

25.02.2011

Allein im Ruderboot über den Atlantik

Rud­ern? Quer über den Atlantischen Ozean? Ganz ohne Segel, ohne Motor? Weit mehr als 5000 Ki­lo­me­ter, monatelang und oh­ne Un­ter­bre­chung? Eine Frau, völlig ALLEIN und ohne Begleitboot in haushohen Wellen? Eine Mission zum Schutz der Meere und seiner Bewohner? Völlig verrückt, nicht wahr! Nein, das ist natürlich nicht der Fall! Eine unglaubliche Herausforderung liegt vor mir, keine Frage. Ein Projekt, welches die wahren Grenzen der menschlichen Leidensfähigkeit in beeindruckender Weise aufzeigt. Und ein Projekt, das die enorme Aufmerksamkeit, die es nunmal automatisch generiert, bewusst nutzen möchte um etwas zu bewegen. Intensivste Vorbereitung, größtmögliche Erfahrung, leistungsfähigstes Equipment = Ein Extrem(st)projekt, ja, aber sicher kein Leichtsinn! Starke Partner an meiner Seite: Berater, Organisationen, Verbände, Behörden, führende Unternehmen und Medienanstalten – ein unglaublich großes Team steht hinter dieser Herausforderung und war bereit sie anzunehmen. Und die Jungs von Bergzeit gehören natürlich dazu!

Natürlich weiß ich was mich erwartet, ganz genau sogar. Ich bin nicht waghalsig, leichtsinnig oder verrückt – und nach fast 10 Jahren, die ich mich in dem Projekt “Ozeanrudern” vergraben habe, bin ich bereit die Herausforderung anzunehmen. Ich suche keine Erleuchtung, erwarte nicht, dass meine Welt nach vier oder fünf Monaten eine komplett andere ist. Obgleich ich mir natürlich erhoffe, dass ich sie ein wenig zu verändern imstande bin – dass ich mit dieser Aktion Menschen für unsere Mission zum Umwelt- und Meeresschutz begeistern, ja, sie mit auf diese Reise nehmen kann. Ich möchte diese Chance ergreifen, möchte die Aufmerksamkeit und die ungewöhnliche Perspektive nutzen, um damit etwas Positives zu bewirken. Und sicher, natürlich möchte ich mir und der Welt eben auch etwas beweisen, die erste Deutsche sein, die allein über den Atlantik rudert, wie könnte ich das bestreiten. Wo ich auch andere Menschen damit motiviere und begeistere, na, das freut mich umso mehr!

Mein Boot ist natürlich eine Spezialanfertigung aus hochspeziellen Glas- und Kohlefaserverbundswerkstoffen. Es ist damit für seine Größe sehr leicht, aber auch extrem robust … und teuer. Mit mehr als sieben Metern Länge, und zwei Metern Breite, wiegt es in etwa 275 Kilogramm. Nun ja, unbeladen und ohne Lack jedenfalls. Am Ende rudere ich circa eine Tonne über weit mehr als 5000 Kilometer in die Karibik. Das Boot verfügt über zwei winzige, “wasserdichte” Kabinen für Equipment, Nahrung und den “Motor”, einen 1,77m langen Zweitakter und Zweischaufler aus Fleisch und Blut. Die Geschwindigkeit eines Ozean-Ruderbootes dieser Solo-Klasse liegt in ruhiger See bei etwa 2kn – also weniger etwa 3,5 km pro Stunde. Das Ganze bei einer Strömung von ca. 0,5 Knoten.

Das Boot ist aggressiv selbstaufrichtend, was im Falle einer Kenterung (und damit ist oft zu rechnen!) ein vollständiges Durchkentern um 360° gewährleistet. Dazu befinden sich Ballasttanks im Kiel, die über diesen Zweck hinaus mit einer Notration an Süßwasser gefüllt sind. Das Boot verfügt zudem über Solarpanels (160 Watt) auf der Kabine, die, leider nur bei Sonnenschein, genügend Strom für die Entsalzungsanlage, das Kommunikationsequipment, den aktiven Radar-Reflektor, das AIS und den GPS-Tracker und Plotter liefern, sowie Licht, Lüftung und Unterhaltung an Bord sicherstellen. Gespeichert wird die Energie in zwei 105Ah Gel-Batterien, die Zusammen schon fast 100 Kilogramm wiegen. Ach ja: Und zwischen beiden Kabinen befindet sich letztlich der Rudersitz.

Ich unterstütze mit dieser Aktion ganz bewusst und aktiv die Kampagne “Silent Oceans” von OceanCare bzw. der Internationalen Ocean Noise Coalition. Denn wie könnte ich Kindern heute dieses Boot zeigen, von Walen und Delphinen erzählen, um große Augen in Ihre Gesichter zu zaubern, wohlwissend, dass wir im Begriff sind diese Geschöpfe auszurotten. Wohlwissend, dass Delfinmütter in diesem Lärm für immer von Kindern getrennt werden, und diese nicht überleben können. Wie kann ich von Walgesängen schwärmen, wo ich weiß, dass sie zu tausenden mit inneren Verletzungen an unseren Stränden angeschwemmt werden. Und das ist nur die dunkle Spitze eines gewaltigen, bedrohlichen Eisberges, der da in unsere Zukunft treibt.

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