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Testbericht Mammut Smart - aber Alpine, bitte!

09.07.2012

Testbericht Mammut Smart – aber Alpine, bitte!

Machen wir es kurz – wer ein Sicherungs- und Abseilgerät sucht, das ihn auf voller Bandbreite beim Klettern in Halle, Felsklettergarten, alpinen Sportkletterrouten und langen Touren in Fels oder auch Eis in Zweier- oder auch Dreierseilschaft begleitet… dem könnte das Mammut Smart Alpine gut gefallen. Sofern man noch nicht über ein separates Abseilgerät wie 8-er respektive eine Sicherungs-Platte verfügt, ist die Neuanschaffung des Smart Alpine auch von der Preis-Leistung her eine gute Wahl! Denn so lassen sich mehrere Fliegen mit einem Mammut-Rüssel erwischen…

Smart und Smart Alpine – Mammut-Rüssel mit Reserve

Das Smart aus dem für hochwertige Qualität bekannten Hause Mammut ist ein Sicherungsgerät, das eigentlich auf dem Tuberprinzip aufbaut. Durch die spezielle Geometrie des Gerätes ergibt sich jedoch gegenüber herkömmlichen Tubern eine Sicherheitsreserve im Falle des Vorsteigersturzes, welche das Gerät näher an die Halbautomaten Grigri&Co rücken lässt. Unter hinreichender Zugbelastung blockiert im Zusammenspiel mit passendem Sicherheitskarabiner und passendem Seil der Seildurchlauf – insbesondere kann der Sichernde wie beim Halbautomaten ohne Kraftaufwand oder Schleifknotenbildung Hängepartien des Vorsteigers aussitzen. Die Vorstiegssicherung bleibt dabei dynamisch, das Bremshandprinzip (immer eine Hand um das Bremsseil) greift (siehe auch das DAV-Lehrvideo).

Das einfache Mammut Smart Sicherungsgerät ist seit längerem auf dem Markt und hat sich im Sportkletterbereich gut etabliert (siehe auch die Kundenbewertungen zum Smart der Bergzeit). Im Sturzfall adressiert das Produktdesign günstig die natürlichen Reflexe (Bremshand klammert fest und wirkt nach unten). Eine Fehlbedienung durch falsches Seileinlegen ist aufgrund der asymmetrischen Geometrie (Rüssel) etwas unwahrscheinlicher als bei anderen Geräten (einfachste Tuber oder komplexe Halbautomaten) – natürlich immer in Verbindung mit Partnercheck. Wie bei jedem Sicherungsgerät hat das Handling seine Eigenheiten, insbesondere die schnelle Seilausgabe nach oben mit parallelem Gerätezug nach vorn, die man allerdings hier schnell erlernt – wie immer am besten verantwortungsvoll unter geeigneter Anleitung in sicherem Rahmen. Das aktuelle, einfache Mammut Smart wiegt nur 82g, ist für Seile der Kaliber 8,9-10,5 mm Durchmesser geeignet und für 29,95.-€ zu haben. Aber da gibt es ja noch des “Rüssels” Bruder!

Mammut Smart Alpine 8,9 – 10,5 mm

 

Ehrlich gesagt – richtig gereizt hat mich der “Rüssel” erst, als Mammut eine “alpine Version” des Smart auf den Markt gebracht hat. Im Gegensatz zum ursprünglichen Smart weist die Alpinversion zwei Seilkanäle auf – zur Ermöglichung der im alpinen Klettern üblichen Doppelseiltechnik, sowie zum Abseilen am Doppelstrang (Einfachseil wie auch Doppelseil).

Tatsächlich gibt es zwei alpine Versionen, eine silber-rote bei 125g Gerätegewicht für 7,5-9,5 mm Seildurchmesser, sowie eine unterscheidbar dunkler graphit-rote mit 135g für Seile der Stärke 8,9-10,5 mm. Hinzu gekommen ist bei beiden alpinen Versionen auch eine zentrale Öse, in welche am Stand befestigt das Smart zur Plate wird und somit für die Dreierseilschaft, zur Sicherung zweier Nachsteiger an separaten Seilsträngen mit Selbstblockierwirkung, interessant wird. In diesem Test haben wir das Mammut Smart Alpine in rot für Kletterseile zwischen 8,9 und 10,5 mm getestet.

Allerlei Funktion – dynamisches Sicherungsgerät mit halbautomatenähnlicher Sicherheitsreserve, Abseilgerät und Plate für Dreierseilschaften in einem? Klingt ein wenig nach “eierlegender Wollmilchsau” – und ist auch ein wenig so! Eigentlich bislang je nach Kontext mit Grigri bzw. HMS, 8er und Plate unterwegs, habe ich inzwischen eine gewisse Präferenz, einfach immer mit dem Smart Alpine am Gurt loszulaufen. Warum? Die Frage ist ja stets “Braucht man’s – bzw. was wäre die Alternative?”

Eines für alles & Alternativen

Dieser Testbericht richtet sein Augenmerk auf die Kategorie “eierlegende Wollmilchsau”, auf dynamische Sicherungsgeräte als ständiger Begleiter für alle Einsätze von Halle bis Dreierseilschaft in langer Wand. Dieser Fokus auf einen ständigen Begleiter hat auch einen Sicherheitsaspekt – es werden Konflikte zwischen eventuell verschiedenen Handhabungen und Reflexen bei unterschiedlichen Geräten vermieden.

Nachsichern am Stand in Dreierseilschaft mit Doppelseil – die 8-er Knoten vertreten die Nachsteiger…

Damit liegt eigentlich insbesondere das Mammut Smart Alpine 8,9-10,5 mm im Fokus, da es auch mit den üblichen Hallenstricken verwendbar ist. Das 7,5-9,5 mm Smart hat seinen Platz eher im hochalpinen Leistungsbereich, bei langen und schweren Touren, wo es auf jedes Gramm ankommt und entsprechend hochwertige, schlanke Seile zum Einsatz kommen. Für die meisten Hallenseile sind die schlanken Kanäle des 7,5-9,5 mm Modelles nicht geeignet.

Ebenso fliegt auch das einfache Mammut Smart mit nur einem Seilkanal aus dieser Betrachtung – es ist eben der Minimalist, nicht zum Abseilen, nur für Vor- und Nachstiegssicherung. Meiner Meinung nach kann man sich besser gleich das Smart Alpine zulegen, jedenfalls, bevor man sich ein Normal-Smart plus einen 8-er oder auch eine Platte kauft. Für 15.-€ mehr gegenüber Normal-Smart sind diese Funktionen im Smart Alpine einerseits bereits integriert. Andererseits gibt es keinen Ausschlag gebenden Handling-Vorteil beim einfachen Smart gegenüber dem alpinen Smart beim üblichen Sportklettern, selbst wenn, am Einfachseil kletternd, asymmetrisch in nur einem der zwei Kanäle belastet wird. Mit einem breiten HMS-Karabiner gibt es keinerlei Problem. Schließlich spielen die ca. 30g Gewichtsdifferenz zwischen normalem und einem der Alpinen Smarts keine große Rolle beim “Zustieg” zur Halle…

Abseilen am Doppelstrang, hier mit Einfachseil, durch Druck am Hebel dosierbarer Seildurchlauf, unten rechts Standard-Hintersicherung (Prusikklemmknoten)

Das Smart Alpine konkurriert eigentlich mit dem klassischen Paket HMS-Karabiner und Plate (gegebenfalls extra 8-er aus Komfortgründen oder Tradition…) einerseits, sowie den deutlich günstigeren Tubern für den alpinen Einsatz wie Petzl Reverso oder Black Diamond ATC-Guide bzw. das hauseigene Mammut Bionic Alpine Belay andererseits. Hier also ein paar Konkurrenten:

Kong Gi-gi Sicherungsplate: 63g, für Seildurchmesser 8-12 mm, 9,95.-
Black Diamond ATC-Guide: 88g, für Seildurchmesser 7,7-11,0 mm, 25,95.-
Petzl Reverso 4: 59g, für Seildurchmesser ab 7,5 mm (je nach Seiltyp), 29,95.-
Mammut Bionic Alpine Belay: 70g, für Seildurchmesser 7,5-10,5 mm, 24,95.-

Der Unterschied zu den für alpine Mehrseillängenunterfangen fähigen Tubern ist simpel. Das ist der Rüssel. Er macht das Smart einerseits knapp 20.-€ teurer, 30-60g schwerer, bei mitunter kleinerem Spektrum möglicher Seildurchmesser. Andererseits bietet er die zusätzliche Sicherheitsreserve für den Sturzfall und den Mehrkomfort beim kraftlosen Halten, während der Vorsteiger in schwieriger Passage hängt (angenehm beim alpinen Sportklettern und unkomfortablem Stand). Das kann einem gern mal 20.-€ Wert sein, gerade beim Arbeiten an der Tickliste beim Sportklettern. Gegenüber Reverso und Co. besitzt das Smart Alpine mehr Öffnungen – Potential auch zur Fehlbedienung. Die Gefahr ist allerdings sehr beschränkt, Fehlbedienung wird im Vorstieg beim Partnercheck klar, beim Nachsichern in der Seilschaft vom Stand aus hat ein versehentliches Einhängen des Bremskarabiners durch das Smart (statt korrekt nur durch Seilschlaufen oberhalb, siehe Anleitung) den Effekt wesentlich höherer Reibung – was im Übrigen rasch bemerkt werden dürfte, bevor zum Nachkommen aufgefordert wird.

im Mehrseillängeneinsatz – Stand zu dritt, auch mal nett

Die Abwägung gegenüber klassischem Paket aus HMS-Karabiner plus Plate oder auch noch 8er ist angesichts der Preisspanne weniger klar. Mit dem klassischen Paket kam man ja früher auch schon in schwierigstem Gelände zurecht… Aber beim häufigen Einsatz auch zum Sportklettern kommen die Punkte geringere Krangelbildung beim Smart, sowie Sicherheitsreserve und Blockade ohne Kraftaufwand bzw. Schleifknoten (bei HMS mit geringem Durchlaufwert!) als Plus zum Tragen. Beim Abseilen fällt allerdings auf, dass der Komfort einer “Abfahrt” am 8-er das Abseilen mit dem Smart nicht so leicht gleichkommt. Hier muss man den Rüssel dosiert heben und Komfort und Reserve hinauf mit etwas Kraftmehraufwand hinab begleichen, zumal wenn man defensiver Norm folgend Hintersicherung mit Prusikklemmknoten betreibt. Letztlich dürfte der Geschmack entscheiden. Für den Traditionalist und Puristen mit Heimat Hochgebirge hat es das ganze neumodische “Graffl” vielleicht eh noch nie gebraucht, für den (alpinen) Sportkletterer mit vielen Seilmetern auch in Hallen und Ausbouldern schwerer Routen aber dürfte der Mehrkomfort der fortschreitenden Materialtechnik erfreulich sein.

Persönliche Erfahrung aus dem Test und im Praxiseinsatz: Das Mammut Smart Alpine 8,9-10,5 mm läuft mit einem älteren, nicht direkt frisch beschichtetem Doppelseil auch am untern Rande des empfohlenen Seildurchmesserspektrums, sowie mit einem üblichem 10mm Hallenstrick gleichermaßen problemlos. Der Karabiner zum Einhängen des Smart Alpine als Sicherungsgerät im Vorstieg sollte hinreichend breit sein, etwa der Petzl William Ball-Lock leistet beste Dienste.

Mammut Smart Alpine und Petzl William Ball-Lock HMS-Karabiner

Allen viel Freude am Berg!

7 Kommentare

  1. Mammut schreibt in einer offiziellen Info zum Smart Alpine: “Für die Vorstiegssicherung mit dem Smart Alpine wird ausschliesslich die Sicherung vom Körper empfohlen”.

    Man beachte das Wörtchen “ausschliesslich” !

  2. NACHsichern vom Stand aus ist bei Smart durchaus möglich.
    Den VORsteiger vom Stand aus zu sichern nur leider NICHT!
    Das ist wohl was auch Malte bemängelte und wobei ich ihm vollkommen Recht geben muss!
    Grüße

  3. Größter Nachteil dürfte bei Smart Alpin aber sein, dass es nicht zur Sicherung vom Standplatz aus gemacht ist. Für Mehrseillängen ist die Möglichkeit vom Stand und nicht vom Körper aus zu sichern allerdings ein Feature auf das ich ungerne verzichten würde.

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