Testberichte

Kletterschuhe La Sportiva Futura im Test

31.07.2012

Kletterschuhe La Sportiva Futura im Test

La Sportiva Futura ist das neue, langerwartete Modell 2012. Seit dem La Sportiva Speedster spalten sich die Kletterschuhe in Kanten und ohne Kanten Fraktion. Ob Futura nun der Speedster in Blau, Solution ohne Kanten oder ein Konglomerat aus beiden ist, zeigt dieser Testbericht.

Optik, Verarbeitung

Sieht schick aus, der neue La Sportiva

Als der La Sportiva Solution raus kam, dachte ich: “Wow!”. Beim ersten Anblick beim Test des Speedsters, schoß ein: “die schaffen es immer wieder” durch meinen Kopf. Die Kletterschuhe La Sportiva Futura rufen bei mir keine solche Reaktionen hervor, dennoch ist die Optik sehr in Ordnung – nur so richtig innovativ und neu sieht der Kletterschuh halt nicht aus. Das blau ist toll keine Frage, aber dieser Kletterschuh sieht nur mal aus wie Speedster mit einem Solution Verschluss. Soweit die oberflächliche Betrachtung. Letzten Endes ist der Futura sehr ansehnlich und könnte maximal wegen der Farbe bei jemanden in die Missgunst fallen. Ansonsten ist die Optik tadellos gestaltet und wirkt sehr harmonisch im Vergleich zum “giftigen” Speedster und dem wirklich futuristischen Solution.

Die Verarbeitung ist TOP

In der Vergangenheit stellte ich beim Testen einen kleinen Rückgang im Puncto Qualität der Verarbeitung bei La Sportiva fest. Ich meine damit eine kleine Abweichung von der gewohnten Perfektion in der Produktion. Nun, bei diesem Modell scheint die Entwicklung sich wieder zurück zu alten Standards zu bewegen. Kurz gesagt alles im Test ist Top – so wie früher eben. Kein Kleber schaut irgendwo raus, kein schlampiger Sohlenschliff, keine halb offenen Nähte. Der erste gute Eindruck täuschte selbst nach dem zehnten Check nicht. Futura ist einfach perfekt gemacht. Hapitisch und optisch ein richtiges Kunstwerk.

Konstruktion

Alles ähnelt dem Speedster ist jedoch etwas weniger extrem ausgeprägt

Die nun als No-Edge Technologie vermarktete Konstruktion existiert seit Speedster, welcher wirklich der erste seiner Art war. Alle waren damals skeptisch: keine Kanten, runde spitze, waren so die gängigsten Vorurteile. Das diese “Nachteile” eigentlich Vorteile sind stellten nun schon etliche Speedster Fan´s fest. Fakt ist, dass die Sohle nur im Vorfußbereich angesiedelt ist. Sie ist dünn, sensibel und besteht aus XSGrip2 Gummi. Ein Gummi welches im neuen, sauberen Zustand wirklich extrem klebrig ist. Die 1,1mm Zwischensohleist vor allem im vorderen Bereich der Sohle merkbar zu spüren. Die Kanten sind rundgeschliffen und am Innen- und Außenrist relativ dünn. Einzig die runde Spitze ist da etwas “fester”, denn das Sohlengummi läuft quasi nach oben über die Spitze weiter und bildet die Zehenboxgummierung. Diese ultra griffige, zungenförmige Gummierung hat sich seit Speedster nun auch schon beim Python erfolgreich bewährt. Neu ist die materielle Umsetzung der La Sportiva Berge auf dem Schaft. Was beim Speedster normale Farbe war, ist beim Futura gummiartige Beschichtung, die einen sehr haftenden Eindruck macht. Super Idee! Das Randgummi, welches beim Speedster schon weich war, ist irgendwie noch geschmeidiger und vor allem griffiger geworden. Der Schaft besteht leider bis auf die Ferse aus Lorica. Die Ferse und Fußbett sind aus Leder.

Die Materialien sind weich und geschmeidig

Das Lorica ist seit Speedster irgendwie auch anders geworden. Obwohl das Material dicker wirkt, ist es im Schuhinneren etwas kuscheliger als früher. Die Ferse ist genau so gummiert wie beim Speedster und nicht wie beim Python. Schade, denn so könnte man eine Schwachstelle in Sachen Haltbarkeit leicht eliminieren. Die Form der Ferse ist in etwa die selbe wie beim grünem Bruder. Einzig die Vorspannung der Ferse ist deutlich geringer geworden. Die Form des Leistens dagegen hat sich verändert. Futura ist schmaler geworden. Hat weniger Volumen im gesamten Schuh und wirkt tiefer geschnitten. Die Vorspannung ist nur ein wenig kleiner, der Downturn kaum wahrnehmbar, aber dennoch vorhanden. Die Zehenbox wirkt länger und ist nicht so hoch, was das Bestreben des Herstellers nach weniger aufgestellten Zehen widerspiegelt. Der Verschluss ist exakt das selbe wie beim Speedster und leistet gewohnt gute Arbeit. Die Öffnung ist auf der Außenseite ziemlich groß, da die Meschzunge dort nicht angenäht ist. Ein richtiger Slipper ist Futura nicht, ohne das Velcro fehlt etwas Dampf auf dem Fußspann. Alles in einem ist Futura eine konsequent und gut umgesetzte Fusion aus verschiedenen Schuhen zu einem (hoffentlich) zukunftsweisenden Kletterschuh.

Passform und Größe

Der Einstieg ist trotz Verschluss nicht so einfach

Die Passform hat sich stark verändert. Während die Kletterschuhe La Sportiva Speedster mir in 40 EU (meiner Standart La Sportiva Größe) ganz locker passten, muss ich beim La Sportiva Futura Test meinen Fuß durch den engen Tunnel in die runde Spitze kräftig schieben. Das erinnerte mich stark an La Sportiva Python. Ich denke, dass man die Passform der Zehenbox durchaus mit diesem Modell vergleichen kann, um einen realistischen Eindruck für die Passform zu geben. Die Asymmetrie ist zwar vorhanden aber auch hier wurde etwas “entschärft”, so dass diese eher natürlich als unangenehm ist. Auch im Mittelfußbereich bleibt Futura schmal, so dass ich den Verschluss ordentlich langziehen muss, um den Kletterschuh fest zu verschliessen. Die Ferse sitzt nahe zu luftfrei. Die Zehnbox stellt den großen Zehn nicht so stark auf wie es beim Speedster der Fall war. Die restlichen Zehen sind bei meiner minimalen Größenwahl jedoch teilweise genau so stark aufgestellt wie beim Vorgänger. Leider kann ich Futura nicht größer klettern, da mein großer Zeh sonst nicht vorne ankommen würde. Trotz der Enge im vorderen Schuhteil fühlt sich der Fuß beim testen recht wohl. Die Druckverteilung ist irgendwie erträglicher als es noch beim Speedster war. Letztendlich spielen viele Faktoren beim Komfort eine Rolle. Das Zusammenspiel dieser ist beim Futura dennoch so gut, dass dieser Kletterschuh selbst bei so einer kleinen Größenwahl von Beginn an, ohne Qualen getragen werden kann. In die Nordwand der Zinne würde ich mit diesem Schuh zwar nicht sofort einsteigen, aber eine Bouldersession oder mehrere Touren nach einander sind durchaus drin. Lorica dehnt sich erfahrungsgemäß wirklich kaum. Das gilt bei der Wahl der Größe zwingend zu berücksichtigen. Ist Futura zu klein, quält man sich nämlich vergebens. Ich kann nur empfehlen sich an der eigenen “normalen” La Sportiva Größe zu orientieren. Kletterer mit längeren Zehen könnten dieses Modell sogar etwas größer wählen, dann sitzt er gemütlicher und man kann mit den Zehen richtig arbeiten.

Performance – wie klettert sich der La Sportiva Futura?

Klammern im Überhang – Super

Ohne Kanten tritt man nun mal anders als mit einer scharfen, harten Kante. So richtig “performen” tun die Kletterschuhe im Test meist aber erst wenn die Kante abgeklettert und etwas runder geworden ist. Dem entsprechend ist die Performance des Futura von Anfang an Perfekt. Man muss ihn nicht einklettert, oder die Kanten mit der Feile abschleifen. Einfach einsteigen und loslegen. Die runde Spitze hebt auch auf kleinen Tritten, dank der Zwischensohle ganz gut, ohne extrem viel an Zehenkraft abzuverlangen. Mit einem Miura kann man diesen Kletterschuh jedoch nicht vergleichen. Einen Schuh ohne Kanten kann man im Bereich der Trittperformance nur mit einem Kletterschuh ohne Kanten vergleichen. Da diese Riege nur zwei Modelle zählt ist die Vergleichsgruppe recht begrenzt. Im Vergleich mit dem Speedster bietet Futura zu Beginn mehr Unterstützung, wird jedoch von mal zu mal weicher. Mir fehlt die Wirkung der Zwischensohle im hinteren Bereich der Sohle, insbesondere unter dem Grundgelenk des großen Zeh´s. Da war selbst der sonst so weiche Speedster einen Tick härter. Ansonsten lassen sich beide Schuhe sehr ähnlich klettern. Gefühlvoll, agil und irgendwie natürlich. Ich meine No-edge hin oder her. Fakt ist, man tritt anders mit diesem Schuh und kann einfacher auf den Tritten drehen. Man muss es mögen, dann sind am Plastik auf Reibung und im Überhang keine Grenzen gesetzt. Mit dem Futura kann man spitzenmäßig saugen und von Anfang an richtig greifen. Problematisch sind die ganz kleinen Tritte. Dort muss man die Sohle aufrollen und steht quasi auf Reibung des Gummis, was beim XSGrip2 wahrlich kein Thema ist. Draußen schlägt sich Futura beim testen zu Beginn besser (da unterstützender) als Speedster. Mit weicher werdenden Sohle kommen die bekannten Probleme wieder zurück. Ansonsten lässt es sich gut Antreten und es macht auf bewährte Art und Weise Spaß.

Spaß macht auch das Hooken.  Die Gummierung der Ferse reibt gut. Die Ferse lässt sich gut platzieren und beim Hooken belasten Der Verschluss hält sie dabei gnadenlos am Fuß. Wieso man nicht die ganze Außenseite der Ferse gummiert hat, bleibt mir ein Rätsel, denn die Technologie ist nichts unbekanntes für La Sportiva. Einzig die dünnen Materialien des Futura lassen die schärferen Strukturen von Hooks etwas zu “dolle” durch. Ansonsten ist alles Top mit der Ferse. Das Toe-Hooken ist ebenfalls eine Wonne. Einfach nur die Zehen anheben und in die Gummierung hängen. Da kommt ein richtiges “Zweites paar Hände” Gefühl auf. Ich persönlich halte die Toe-Hook Gummierung von den oben besprochenen Modellen für das Beste auf dem Markt. Man muss es einfach sagen: Diese Gummierung hat es am wirklich drauf!

Haltbarkeit

Für 3mm hält die Sohle vergleichsweise lange

In dieser Kategorie schlägt sich der Kletterschuh Futura wirklich gut. Ich halte die runde mit dem Gummi überzogene “Spitze” für eine deutlich langlebigere Konstruktion, als die mit Kanten. In der Praxis übertreffen die No-Edge Kletterschuhe ihre “kantigen” Artgenossen in Sachen Haltbarkeit nur sehr knapp, aber wenn man bedenkt, dass die Sohle deutlich dünner ist, dann ist das für mich schon echt eine Leistung. Problematisch ist natürlich die Wiederbesohlung. Ich habe zwar keine Erfahrung damit, aber allzu viele Schuhmacher in Deutschland mit dieser Spezifikation gibt es sicher nicht. So ist man dann irgendwie gezwungen die guten La Sportiva Made in Italy wieder zu kaufen. Die Ferse ist definitiv anfällig für Ablösung am Rand der Außengummierung. Bis jetzt hält zwar alles, aber die Erfahrung mit dem Speedster zeigt, dass jeder härtere Hook fatal sein kann. Natürlich kann man mit dem Uhu selber was machen, wenn man nicht soeben 130 € bezahlt hat… Die Solution Problematik mit dem Riss des Verschlussbandes ist auch beim Futura vorhanden. Das dünne Band ist zwar gefühlt etwas massiver geworden, ist dennoch dünner als ein richtiger Velcro. Der Klettverschluss hält wirklich bombig und macht keine Anstalten durch mechanische Belastung schlechter zu haften. Die Toe-Hook Gummierung ist ebenfalls spitzenmäßig geklebt und bleibt mein Favorit. Alles in einem lohnt sich die Investition, durchaus.

Empfehlung/Einsatzbereich

Saugen mit allen Schuhteilen im Überhang ist sicher eine große Stärke

Dieser Kletterschuh ist für mich, genau so wie sein grüner Bruder – perfekt für das Bouldern und Klettern am Plastik geeignet. Überall da wo Reibung Treten und mit den Zehen Krallen gefragt wird, ist dieser Schuh ein fähiger Spezialist und bringt die richtige Antwort. Je flacher das Gelände und je kleiner die Tritte desto anstrengender wird es mit dem Futura dauerhaft zu treten. Mit dem ganzen Körpergewicht auf kleinem Zeug zu balancieren ist für ein Paar Züge zwar gut machbar, in langen Platten Routen erfordert es dennoch ordentlich Kraft im gesamten Fuß. Wird die dünne Sohle weicher, spürt man die Strukturen am Fels um so besser, was aber auch schmerzhaft werden kann. Für difizile Trittprobleme und Überhänge beim Bouldern ist dieser Kletterschuh optimal, während längere Klettereien eher etwas ungemütlicher sind.

Fazit

Die Passform ist schmal!

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass La Sportiva Futura kein Solution mit runden Kanten ist. Es unterscheidet sich vom Speedster vor allem durch die etwas festere Sohle und deutlich schmalere und Volumen reduzierte Passform. Wer also mit dem Speedster gut zurecht kam und sich keine stabilere Sohle wünschte, wird diesen Kletterschuh nicht wirklich benötigen. Wem Speedster nicht gepasst hat, sollte Futura unbedingt ausprobieren. Die Frage, nach Futura oder Speedster entscheidet für mich die Passform und weniger die Klettereigenschaften, da die Unterschiede in diesem Bereich minimal sind. Ob der recht teuerer Verkaufspreis gerechtfertigt ist, bleibt Überzeugungssache. Die Produktion des Futura ist sicher aufwendig und findet komplett in Italien statt. Die in China hergestellten Kletterschuhe sind deutlich schlechter und gleichzeitig kaum billiger. Also was soll der Geiz?

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