Testberichte

Kletterschuhe Evolv Geshido

15.05.2012

Kletterschuhe Evolv Geshido

Geshido steht für get shit done und ist an alle gerichtet, die endlich mit ihren Projekten fertig werden wollen und dabei ihre Zehen nicht unnötig quälen möchten. An sich eine Spitzenidee die auch andere vor Evolv schon gehabt haben. Ob diese Idee in in den Kletterschuhen auch entsprechend umgesetzt wurde zeigt folgender Testbericht.

Optik, Verarbeitung

Grün ist die Hoffnung

Auf den ersten Blick erinnerte mich dieser neuer Kletterschuh von Evolv an den guten alten Miura (Lace). Nur mit drei Klettverschlüßen und einem etwas veränderten Leisten und einer modernen voll gummierten Ferse. Die Farbpalette ist im Gegensatz zum Shaman deutlich dezenter und weniger auffällig zusammengesetzt. Dunkles Grün und Schwarz des Gummis und der Klettverschlüße dominieren die Erscheinung dieses Modells. Die Designer von Evolv verstanden es schon immer mit einfachen Mitteln eigene Akzente zu setzen und so ein unverwechselbares Bild zu kreieren. Shaman ist keine Ausnahme von dieser Regel. Weißgraue Gummielemente, Firmenlogos und etwas Karbon Optik an Velcros ist alles was man an “Schnick-Schnack” findet und das ist auch gut so. Die Optik ist insgesamt recht ausgeglichen und wirkt auf mich weder aggressiv noch “waffenscheinpflichtig”.

Die Form und Farbe erinnern ungewollt an Miura

Geshido ist eben ein bescheidener Kletterschuh für “normale” Kletterer. Die Art und Weise verschiedene Materialien mit einander zu verbinden gefiel mir bei Evolv schon immer gut. Der in USA zusammengesetzte Kletterschuh überzeugt auf den ersten Blick mit richtig sauber geklebten Gummiteilen, super Nähten und einer scharfen Sohlenkante. Geshido suggeriert einfach Robustheit und drückt seinen Arbeitswillen deutlich aus. Dabei wirkt der Schuh nicht klobig sondern ist durchaus filigran in der Wahl der Materialienstärke und der Verbundart. Besonders gut gefällt mir immer wieder die Lösung der Ferse, welche nicht nur unzerstörbar wirkt sondern auch prima funktioniert, aber dazu gleich mehr.

Konstruktion

graue Gummielemente sind eine der wenigen Details

Evolv geht immer geschickt vor und verbessert ständig bestehende Technologien Macharten, um dem Modernen Klettern gerecht zu werden. Die Idee hinter diesem Schuh, so vermute ich, war es den guten altem Miura zu verfeinern und so einen eigenen besseren Kletterschuh zu schaffen. Jedenfalls finden wir zum ersten mal bei Evolv Leder als Obermaterial, was für mich ein weiterer Schritt nach vorn ist weniger ein Entwicklung zurück. Anfangs war ich etwas skeptisch, da das Leder des Evolv Geshido optisch doch etwas anders war als das von Leder-Meistern aus Italien und Spanien, aber im Nachhinein hat sich dieser optischer Unterschied in der Funktionalität und Haltbarkeit nicht bewahrheitet. Um die Ausdehnung zu minimieren wurde ein synthetischer Futter eingesetzt, welcher zwar nicht die kuscheligste Oberfläche besitzt, jedoch sein Zweck erfüllt. Die Zehenbox ist sehr flach und kaum vorgeformt. Der Leisten ist ganz leicht asymmetrisch und wenig vorgespannt. Der Downturn ist nur angedeutet. Der Hügel der Sohle im Schuh (Love Bump) ist relativ spitz geformt und so schwach ausgeprägt, dass er für mich mit dem Zeh nicht wahrnehmbar ist.

Zehenbox ist flach der Downturn kaum merklich

Die Zwischensohle bringt eine gewisse Härte in die Sohle rein, ohne sie gänzlich starr zu machen. Das Gummi war anfangs ein Rätsel für mich. Normalerweise ist das Eco Trax Rubber direkt aus der Box am “klebrigsten”, bei diesem Schuh findet man im Neuzustand jedoch eine Art glatte Außenschicht auf der Sohle. Nur ein halber Zentimeter an den Kanten ist von Anfang an etwas abgeschliffen, aber selbst dieser Bereich ist nicht so “sticky” wie es beim Shaman der Fall war. Die Sohle an sich ist durchgehend, nur sieht sie nicht so aus, da hier zu Design Zwecken Rillen reingegossen wurden. Das Gummi schwächt es meiner Meinung nach nicht, die Optik leidet auch nicht drunter, also warum nicht. Die Ferse ist im Gegensatz zum vorderen Teil des Schuh´s nicht aus Leder sondern aus Synthetik gefertigt und dazu noch von außen mit Gummi überdeckt.

Ferse ist ein echter HIT!

Diese Gummierung ist wie ich finde einer der besten auf dem Markt. Die Ferse ist nicht ganz so schmal wie beim Five Ten Dragon, sondern etwas breiter, wird nach unten hin aber immer spitzer. Das Gummi an der Ferse ist von Anfang an wie auch die Sohle nicht das griffigste, wobei die oft benutzen Teile schon signifikant klebriger sind, als der Rest der Ferse. Die Vorspannung der selbigen ist nicht sonderlich groß, sie ähnelt der Pontas Ferse. Die dazugehörige Einstiegsschlaufen sind optimal geformt und erleichtern den Einstieg ohne zu nerven oder in die Finger einzuschneiden. Die Kombination aus verschiedensten Materialien ist aus meiner Sicht gar nicht nötig, denn die derart gummierte Ferse hat gar keinen Platz sich zu weiten. Leder würde hier eine Anpassung an die jeweilige Fersenform ermöglichen. Neben dem Anpassungseffekt sehe ich auch einen geringeren Aufwand in der Herstellung. Sei es drum. An der Konstruktion gibt es bis auf den sich kaum auswirkenden Love Bump nichts zu bemängeln. Alles ist ausgereift und sehr wohl überlegt auf den Einsatz abgestimmt.

Passform und Größe

recht schmal aber für mehrere Zehenformen geeignet

Den Evolv Geshido habe ich in der selben Größe (42,5 EU) gewählt wie den Shaman und stellte gleich zu Beginn fest, dass er nicht zu meinem Fuß passt. Zu schmal, zu gerade zu wenig Kontakt am großen Zeh. Eine kleinere Größe (42 EU) wäre aber nicht besser gewesen, da der Schuh noch schmaler wäre und meinen kleinen Zehe noch extremer geknechtet hätte. Bei Menschen mit langen Zehen und schmaleren Füßen kann meine Angabe jedoch nicht zutreffen, da sie in der Lage sind ihren Fuße stärker zu falten als ich meinen 43er. Für alle die sich im Komfortbereich bewegen empfiehlt sich Orientierung an der Strassenschuhgröße. Die Passform der Ferse ist relativ schwer zu charakterisieren. Die Ferse rastet beim Anziehen nicht ein, sondern klemmt in diesem voll gummierten Bereich des Schuh´s. Die Achillessehne bekommt dabei keinen großen Druck ab, dieser geht bei mir komischer Weise auf den Knochen links und rechts des Achillessehnenansatzes und ist rechts deutlich unangenehmer. Ist sicher von der Fersenform des einzelnen abhängig!

Die Velcros schliessen perfekt und sorgen für festen Halt am Fuß

Mein Fuß füllt die Evolv Geshido Ferse fast vollständig aus, so dass nirgendwo störende Luftblasen sind. Ansonsten könnte der Schuh für meinen Geschmack etwas mehr Vorspannung und Downturn vertragen, aber Menschen mit flacherem Längsgewölbe sehen das sicher anders. Durch das Leder im vorderen Teils des Geshido, lässt er sich in diesem Bereich etwas formen. Doch egal wie lange ich ihn am Stück klettere weitet er sich nicht aus. Das synthetische Futter leistet da wirklich solide Arbeit. Der Komfort out of the box könnte besser sein, denn sowohl Ferse als auch Zehenbox sind nicht wirklich kuschelig weich, sondern eher robust gefüttert. Der Leisten ist an der Spitze so geformt, dass Menschen mit einem überlangen zweiten Zeh (Mortens Toe) eine Chance bekommen da schmerzfrei Platz zu finden. Alles in einem finden sich Kletterer mit normal bis schmalen, Füßen mit langen Zehen aller Formen mit diesem Schuh am besten zurecht. All diejenigen, die einen breiten Hufen haben, werden so wie ich anfangs etwas leiden müssen, aber der Schmerz hält sich wirklich in Grenzen und hält nicht lange an.

Performance

kleine Tritte sind kein Problem, die Zwischensohle funktioniert prächtig

Dieser Kletterschuh hat es geschafft mich zu täuschen. Vom ersten Moment an dachte ich eigentlich, dass er nichts für mich wäre. Neben der Passform Problematik kam die rutschige und wenig flexible Sohle dazu. So rutschte ich bei den ersten Kletterversuchen im Test von problematischen Tritten sowohl am Fels als auch am Plastik öfters ab. Da der Geshido mir jedoch ein sicheres Gefühl des Haltes vermittelte, gab ich dem Schuh eine Chance und kletterte ihn ordentlich ein. Nach einigen Touren in der Halle und am Fels wurde die Sohle griffiger, da die oben genannte glatte Außenschicht weg war. Die Zwischensohle bietet eine wirklich gut abgestimmte Unterstützung auf kleinen Felstritten – ganz egal wie unförmig sie sind. Anfangs etwas unpräzise gewöhnte sich mein Hirn und der Zeh an den Schuh und so ist es nun kein Problem mehr Tritte auf anhieb richtig zu erwischen. Der Grund für diese anfängliche Unstimmigkeit ist einfach. Mein großer Zeh hat vorne einfach nicht so viel Kontakt zur Spitze wie er sollte. Macht aber nichts, denn ich spüre nach dieser Eingewöhnungsphase keine Nachteile. Geshido hat mich beim Treten bis jetzt voll überzeugt. Egal ob eine glatte 6er Reibungsplatte oder ein steiler 9er in Kochel dieser Kletterschuh gab mir immer ein sicheres Gefühl. Ich kann es mir selber nicht so recht erklären, aber Geshido wirkt sein Namen einfach gerecht! Das einzige was ich mir beim Treten wünschen würde, wäre etwas mehr Gefühl für den Tritt. Dieser gnadenloser Ami gibt zwar ein Hauch von Feedback aber dieser reicht maximal, um zu checken ob er am Tritt hält oder nicht. Die Sohle könnte etwas klebriger sein, denn an richtig speckigen Tritten ist die Haftung zwar gut aber zum Teil grenzwertig. Die Steilen Wände und Dächer im Boulderraum, sind für den Geshido auch kein Problem.

Egal ob große oder kleine Hooks – Geshido hebt!

Ganz so natürlich und instinktiv wie die Slipper lässt er sich jedoch nicht klettern. Für Franken reicht mir das persönlich völlig aus auch wenn die ganz kleinen Löcher nicht ganz so leicht zu treten sind. Die flache Zehenbox eignet sich natürlich gut, um sie in Risse zu stopfen und zu verklemmen. Da ich bis jetzt noch keinen geeigneten Riss geklettert bin kann ich diese Qualität nicht beurteilen. Hooken ist eine wahre Freude. Ich übertreibe nicht denn, die bewährte Evolv Ferse ist eine der besten auf dem Markt. Bis jetzt konnte ich sie überall platzieren können und mit etwas Spannung und Druck bleibt sie überall hängen. Im Vergleich zum Shaman ist die Gummierung etwas stumpfer und nicht ganz so sticky, ihre Haftung reichte aber bis jetzt für alle Reibungshooks die ich legen musste aus. Gut finde ich das Gleichgewicht zwischen Robustheit, Gefühl und Funktionalität. Sprich: man spürt genug vom Hook erleidet aber keinerlei Schmerzen auf spitzen Felsdornen. Auch das Hooken und Aufhocken auf Leisten und schmalen Auflegern ist ganz entspannt und locker drin. Alles in einem kann man mit der Geshido Ferse alles anstellen was beim Klettern so anfällt. Das Hackeln mit den Zehen ist dagegen weniger perfekt. Die fehlende Zehenbox Gummierung ist bei jedem Toe-Hook spürbar. Die flache Zehenbox lässt zwar die Zehen gut anheben, das Leder stößt jedoch im Bereich Reibung sehr schnell an die Grenzen. Einwenig Gummi über den Zehen würde die ganze Sache deutlich angenehmer gestaltet auch beim Rißklettern.

Haltbarkeit

Die Sohle ist recht robust aber nicht unzerstörbar

Es ist mal ein Kletterschuh welches man auf jeden Fall wiederbesohlen kann und sollte. Der gesamte Schuh ist ziemlich langlebig gestaltet, das Obermaterial aus Leder ist recht nicht anfällig für Abrieb. Die Ferse löst sich nicht auf. Der Kletterschuh verliert mit der Zeit nicht an Form, sondern blieb stabil. Das Gummi ist also wie immer der Schwachpunkt Nummer eins. Anfangs habe ich gedacht, dass dieses komisch glattes Gummi sehr abriebfest ist. Nach nun fast zwei Monaten und vielen Routen zeigt die Spitze natürlich die üblichen Abnutzungserscheinungen. Von einem übermässigen Verschleiß zu sprechen wäre jedoch ungerecht, denn Eco Trax Ruber hält genau so lange Stand wie die gängigen Gummimischungen im Top Bereich. Die Klettverschlüße als ein weiterer Schwachpunkt funktionieren auch nach vielem Gebrauch und viel Staub vom Wandfuss immer noch tadellos. Die Problematik des Abriebs und des Reissens, die ich beim Shaman hatte, fällt bei diesem Schuh flach, da ich mit ihm zu einem weniger intensiv toe-hooke und zum anderen die Velcros deutlich dicker gestaltet worden sind. Alles in einem verdient Geshido in diesem Bereich die Bewertung gut bis sehr gut!

Fazit

Name ist Programm

Evolv Geshido ist ein Kletterschuh für das alltägliche Kletterleben. Weniger ein Spezialist mehr ein Allrounder. Bis auf die Toe-Hooks vermisse ich in der Praxis nichts. Dieser Schuh funktioniert einfach. Ich möchte nochmals die alltägliche Tauglichkeit im Training, am Fels und in Projekten hervorheben. Aus diesem Grund würde ich dieses Modell nicht allzu klein kaufen, denn das steigert die ohne hin gute Performance im Verhältnis zum Komfort nicht wirklich überzeugend. Dieser Kletterschuh hat die Empfehlung in jedem Bereich verdient. Sowohl im Kalk, in Franken als auch im Sandstein konnte ich alles was ich wollte und musste wegstehen, ohne Schmerzen ohne Abrutschen und ohne Angst. Was braucht man mehr? Ausprobieren!

Neuer Kommentar

Deine Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht!

*


*