Outdoor

Slackline - A One Inch World

24.04.2012

Slackline – A One Inch World

Slackline oder Slacklining ist ja schon des längeren in aller Munde. Dabei ist es allerdings immer wieder erstaunlich, wie wenig die Leute dann tatsächlich über die Sportart wissen!

Ja Sportart! Slacklining ist inzwischen sehr wohl als Sportart, mit verschiedenen Disziplinen, eigenen Wettkämpfen und Weltrekorden zu bezeichnen. Aufgrund des enorm großen Medieninteresses wird das Slacklinen allerdings oftmals etwas verzerrt oder nur bruchstückhaft der Öffentlichkeit präsentiert und so möchte ich hier mal ein runderes Bild dieser jungen Sportart “Slacklining” zeichnen.

Slackliner vs. "Jultagi" Performer

Slackliner vs. "Jultagi" Performer

Balancieren ist eine der ältesten Bewegungsformen der Menschheit und so kann man auf die Idee kommen auch die Wurzeln des Slacklinens in alten Kulturen zu suchen. In Korea zum Beispiel gibt es traditionellen Seiltanz, der bei näherer Betrachtung eigentlich die selben Elemente enthält wie modernes Slacklining!

Das Balancieren auf dynamischen Kunstfaserbändern ist allerdings nicht ganz so alt! Erfunden wurde das Slacklining im legendären Camp 4 im Yosemite National Park, Anfang der 1980er Jahre. Nach Europa kam das Slacklinen dann allerdings erst um die Jahrtausendwende. Heinz Zak leistete hier viel Pionierarbeit, aber auch viele andere motivierte Kletterer brachten das Balancieren aus dem Kletterurlaub mit in heimische Gefilde. Was Anfangs ein Zeitvertreib von Kletterern war, entwickelte sich dann in Europa explosionsartig zu einer Trendsportart für Jedermann.

Inzwischen muss man sogar einzelne Disziplinen des Slacklinens unterscheiden. Hauptdisziplinen sind das Tricklinen, Longlinen und Highlinen, neben ein paar anderen Spielarten wie Wasserlinen oder Rodeolinen.

Trickline

Backflip on a Trickline - Foto by Slackline-Tools

Backflip on a Trickline - Foto by Slackline-Tools

Das Tricklinen oder auch Jumplinen bedarf am wenigsten Equipment und ist die wohl am meisten ausgeübte Form des Slacklinens. Dabei braucht man nur eine kurze Slackline (ca. 15m) und eine möglichst weiche Wiese mit zwei Bäumen. Wie der Name schon verrät geht es hier darum, auf der nahe dem Boden gespannten Line möglichst schöne, schwierige und ausgefallene Tricks und Sprünge zu erlernen. Das Tricklinen ist die wohl populärste Form des Slacklinens und so ist es auch nicht verwunderlich, dass es hier inzwischen viele Wettkämpfe gibt und sogar ein Worldcup mit Stationen in Europa und den USA stattfindet. Tricklines eignen sich auch bestens, um das Slacklinen das erste Mal auszuprobieren. Aufgrund der hohen Spannung und der Kürze der Line ist es mit einer helfenden Hand sehr leicht die ersten Schritte zu wagen!

Longline

232m Longline

232m Longline

Die Longline ist sozusagen die logische Konsequenz des “Besser Werdens”. Wenn man seine erste Line von Baum zu Baum durchgelaufen ist, gibt es für die meisten Slackliner nur ein Ziel – seine Slackline noch länger aufzuspannen und wieder von A nach B zu spazieren. Was mit 15m Länge beginnt, steigert sich schnell auf 30m, dann 50m und ehe man sich versieht, träumt man von der magischen 100m Grenze! Diesen Traum verwirklichte als erster Heinz Zak mit der ersten 100m Longline beim zweiten Slackline-Event in Scharnitz! In den letzten Jahren hat sich der Horizont immer weiter hinausgeschoben und die heutigen Weltrekorde sind sehr materialabhängig geworden. Mit den üblichen Polyester Slacklines war bei 262m Schluss. Lukas Irmler konnte im Frühjahr 2011 diese Länge bezwingen, bewegte sich allerdings auf einem schmalen Grad zwischen Weltrekord und Katastrophe. Nach dem erfolgreichen Lauf riss das Band beim Nachspannen. Aufgrund dieser Gefahr setzten andere auf stabilere und noch leichtere Materialien, wie Dyneema und Vektran, welche nach und nach Longlines von 300m und auch den aktuellen Längenweltrekord von 384m ermöglichten.

Highline

Highline im Wilden Kaiser - Foto by Emil Ducke

Highline im Wilden Kaiser - Foto by Emil Ducke

Das Highlinen, Slacklinen in schwindelerregenden Höhen mit Absturzsicherung, wird oft als die Königsdisziplin bezeichnet. In der Tat ist das Highlinen nur für erfahrene und geübte Slackliner möglich und sollte niemals alleine auf eigene Faust erlernt werden. Denn auch wie beim Klettern lauert eine Vielzahl an versteckter Risiken. Will man über Schluchten oder zwischen Gipfeln balancieren, braucht man neben der Slackline auch noch ein zweites Sicherungssystem. Hier wird oftmals ein Seil unterhalb der Slackline gespannt und mit Tapesteifen mit der Slackline verbunden, damit das Redundanzseil beim Laufen nicht stört. Der Slackliner trägt einen Klettergurt und ist mit einer Least  (ein kurzes Seilstück, welches über Stahlringe mit der Line und dem Redundanzsystem verbunden ist) gesichert. Faktoren wie Länge und Höhe der Line, Ausgesetztheit sowie Wind und Wetter bestimmen die Schwierigkeit der Highline und machen das Laufen zu einem Erlebnis der besonderen Art.

Wasserline Uttendorfer See - Foto by Hans Hornberger

Wasserline Uttendorfer See - Foto by Hans Hornberger

Eine weitere Herausforderung ist die Wasserline, bei der die Slacklline über Seen oder Flüsse gespannt wird. Dabei ist das unruhige und spiegelnde Wasser eine zusätzliche Erschwernis beim Balancieren. Die Rodeoline, bei der die Slackline ganz ohne Vorspannung schlapp aufgehängt wird, ist sehr ähnlich dem Schlappseillaufen, das im Circus schon lange Tradition hat. Alle Formen des Slcklinens haben unterschiedliche Ansprüche an den Slackliner und auch an das Material und so werden wir im nächsten Beitrag unterschiedliche Slacklinesets, Spannmethoden und Slacklinebänder beleuchten.

 

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