Reise

Frühjahrstrekking auf Mallorca - Routa de Pedra en Sac

29.03.2012

Frühjahrstrekking auf Mallorca – Routa de Pedra en Sac

Wer sehnt sich mit dem ausklingendem Winter nicht nach etwas Wärme, Sonne und frischem Grün. Leider lässt all dies bei uns noch etwas auf sich warten. Aus diesem Grund ging es für uns einfach der Sonne entgegen, zu einem für viele eher unbekannten Trekkingziel – Mallorca. Auch ich brachte die Mittelmeerinsel eher mit Party- und Badespaß und zubetonierten Hotelpromenaden in Verbindung, als mit einem Urlaub per pedes. Der Urlaub belehrte mich eines besseren.

Möchte man Mallorca für einen ausgedehnten Trekkingurlaub nutzen bietet sich eine längere Tour auf dem Weitwanderweg GR 221 bestens an. Da uns die Zeit fehlte die 150 km lange Strecke an einem Stück zu gehen, haben wir uns die, wie wir meinen, schönsten Etappen herrausgesucht. Der GR 221 führt in etwa 8 Tagesetappen von Port d’Andratx im Süden über den Gebirgszug der Tramuntana bis nach Pollenca im Norden.

Aleppokiefern und Macchie

Aleppokiefern und Macchie

Unsere Tour startet im Norden im Kloster Luc, in welchen wir für eine Nacht ein Klosterzimmer beziehen. Obwohl wir die komplette Trekkingausrüstung dabei haben, und am Kloster ein Campingplatz existiert, sindn wir einem warmen Zimmer nicht abgeneigt, zumal dies auch noch bezahlbar ist.

Am nächsten Tag, wie eigentlich den ganzen Urlaub, empfängt uns bestes Wetter. Vor uns liegt die Etappe von Luc zum Cuberstausee. Bei vollem Sonnenschein, aber mit 10°C am Morgen doch recht frischen Temperaturen, geht es vorbei an alten Olivenhainen. Schnell gewinnt der Weg an Höhe. Gut so, müssen wir doch heute etwa 1000 HM schaffen. Den Olivenhainen weichen bald die für Mallorca typischen Steineichenwälder. Auf dem 1195m hohen Puig d’en Galileu haben wir die erste hervorragende Aussicht auf das vor uns liegende Gebirge und auf das azurblaue Meer, einfach traumhaft. Weiter führt uns der Weg über Altschneefelder, vorbei an Schneehäuser, tiefen mit Steinen ausgekleideten Gruben, in welchen man im Winter Schnee für den Sommer konservierte. Wir steigen ab Richtung Cuberstausee. Unterwegs decken wir uns an einer Quelle mit frischem Wasser ein. Das Kalkgebirge bietet dem Wanderer nur wenige Möglichkeiten Wasser an zu Tage tretenden Quellen nachzutanken. Sich im Vorfeld über die möglichen Wasserstellen zu informieren ist also fast ein Muss.

Wandern im Barrancs de Biniaraix

Wandern im Barrancs de Biniaraix

Am Ufer des Cuberstaussees verbringen wir eine Nacht im Zelt zwischen Steineichen und den überall auf der Insel vorkommenden Schafen. Gegen Morgen wird mit gerade 4°C doch recht frisch, und bringt meinen ultraleichten Schlafsack und die Neo Air Isomatte fast an die Grenzen.

Warum die Tour auch als „Routa de Pedra en Sec“ oder Trockenmauerroute bekannt ist, wird uns spätestens auf unserer zweiten Etappe vom Cuberstausee nach Soller bewusst. Praktisch im gesamten Gebirge trifft man auf terrassierte Hänge, auf welchen noch bis in den letzten Winkel Olivenbäume kultiviert werden. Eine wie ich finde enorme Leistung dem kargen steinigen Boden noch die letzten Erträge abzuringen. Besonders eindrucksvoll ist der in ewigen Serpentinen verlaufende, gepflasterte Abstieg durch das Barraix des Barrancs in das Orangental von Soller.

In Soller angekommen stärken wir uns erst einmal mit ein paar der frischen Früchte und leckerem mallorquinischem Gebäck. Unser Quartier, die „Casa Magerita“, finden wir in einer der engen Gassen, in einem typischem Stadthaus.

Blick über den Wanderweg Richtung Valdemossa

Blick über den Wanderweg Richtung Valdemossa

Die dritte Etappe nach Deia verläuft zwar recht unspektakulär ohne hohe Gipfel oder tiefe Schluchten, dafür durch liebliche Orangen- und Zitronenplantagen mit Unmengen von Früchten. Immer wieder müssen wir Zäune überklettern oder Gatter schließen. Kein Wunder, verläuft doch ein Großteil des GR221 über Privatgrund. Obwohl die mallorcinische Verwaltung den Weitwanderweg deutlich ausbaut, ausschildert und bewirbt, gibt es von Seiten der Landbesitzer anscheinend noch einigen Wiederstand.

Der Weg zieht sich etwas oberhalb der Küste durch Kiefernwälder und bietet immer wieder grandiose Aussichten an die steinige Westküste Mallorcas. Rechts schnell erreichen wir Deia, eines der wohl hübschesten Dörfer Mallorcas. Enge Gassen, Treppen und die interessante Bauweise laden gerade dazu ein das Dorf zu erkunden. Irgendwann werden die Rucksäcke doch zu schwer und wir stärken uns bei frisch gepressten Orangensaft und Pasta.

Auch in Deia gibt es eines der am GR221 neu eingerichteten Refugis, Unterkünfte ähnlich den aus den Alpen bekannten Berghütten. Da wir keine Lust auf Bettenlager haben, die Reservierung ist zudem recht kompliziert, gönnen wir uns eine Nacht im sehr zu empfehlenden Hotel d’es Puig.

Trekking Richtung Pas d'en Galileu

Trekking Richtung Pas d'en Galileu

Unser vierter und letzter Tag auf dem GR221 nach Valdemossa sollte es landschaftlich und streckentechnisch noch einmal in sich haben. Mit etwas Mühe finden für hinter Deia den Einstieg zum Aufstieg in Richtung Puig de Teix. Zum Glück nordseitig, tragen uns unsere Wanderschuhe wieder durch Steineichenwälder und  über verwilderte Olivenhaine bergauf. Unterwegs stoßen wir wieder auf die überall vorkommenden Köhlerplätze und die dazugehörenden Unterkünfte. Wir entdecken in den Berg getriebene Stollen, welche zum Wassersammeln dienen, und können uns kaum an den sich immer wieder bietenden Blicken aufs Meer sattsehen. Auf dem Gipfel angekommen ist es leider auch vorbei mit der Einsamkeit. Nach dem Abstieg, in Valdemossa angekommen beenden wir unsere sehr eindrucksvolle 4 Tages-Kurztour auf dem GR221.

Letztendlich musste ich meine Meinung revidieren. Statt Bettenburgen fanden sich nur wunderschöne Landschaften, viel mediterrane Natur und ursprüngliche Dörfer und Städte. Für einen Trekking-light Urlaub auf der Suche nach Sonne genau das Richtige!

Noch ein paar Infos zum Trekking auf dem GR221.

- Beste Reisezeit ist Frühjahr und Herbst, den Sommer sollte man sich aufgrund der Hitze ersparen.

- Der Weg ist sehr gut als Hüttentour machbar. Die Berghütten sind erst alle in den letzten Jahren renoviert bzw. errichtet worden. Die Preise sind sehr moderat, die Anmeldung und Reservierung allerdings etwas umständlich.

- Eine gute Quelle für Information, Reservierungsmöglichkeit der Hütten, Etappenbeschreibung bietet die sich noch im Aufbau befindliche Seite www.conselldemallorca.net

- Trekking mit Zelt ist nicht unmöglich aber aufgrund der mangelnden Wasserversorgung und vor allem den vielen Privatbesitzes nicht unproblematisch.

- Als Kartenmaterial sind die beiden Karten „Mallorca- Serra de Tramuntana Nord“ und „Mallorca- Serra de Tramuntana Süd“ absolut zu empfehlen. Ein GPS ist mit entsprechendem Kartenmaterial nicht verkehrt, aber kein Muss, da der Weg auf den beschriebenen Etappen hervorragend mit Schildern und Wegweisern markiert ist.

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