Outdoor

Ein Outdoor Abenteuer: 300km mit sechs Hunden durch die Alpen

18.01.2012

Ein Outdoor Abenteuer: 300km mit sechs Hunden durch die Alpen

Zu Fuß, mit dem Mountainbike, mit Tourenski oder dem Auto. Das sind die bekanntesten unter den zahllosen Arten sich durch die Alpen zu bewegen. Eine der unkonventionellsten Methoden ist wahrscheinlich die Fahrt auf dem Hundeschlitten. Das Schlittenhunderennen Alpentrail führt nun bereits im fünfzehnten Jahr auf sieben Etappen über 300 km durchs Engadin und die Dolomiten. Jedes Jahr treten ca. dreißig sogenannte Musher, also die Fahrer eines Hundeschlittens, gegeneinander an. Ich werde in diesem Jahr erstmalig an diesem ganz besonderen Rennen teilnehmen.

Hounds - nicht nur Huskies kommen beim Rennen zum Einsatz

Hounds - nicht nur Huskies kommen beim Rennen zum Einsatz

Zu Beginn muss gleich mit einer romantischen Outdoor-Vorstellung gebrochen werden: Den langsam durch die Wildnis ziehenden Trapper, der abends am Lagerfeuer mit seinen Hunden heult, wird man auf diesem Rennen nicht finden. Diejenigen, die dieses Rennen antreten, betreiben einen Sport, der zwar nicht sehr viele Anhänger hat, aber dennoch ernst zu nehmen ist. Auch wird man nur wenige Siberian Huskies auf dem Alpentrail finden. Anstelle der Hunde mit viel Fell und blauen Augen geht die Mehrheit der Musher mit einer Mischung aus Alaskan Huskies und Hounds an den Start. Die sind mindestens genauso schön, aber oft schneller als ihre pelzigen Artgenossen.

Das Besondere am Alpentrail

Das Alpentrail ist aus vielerlei Gründen ein ganz besonderes Rennen. Es weist nicht nur spezielle Rennregeln und die Einbettung in eine atemberaubende Landschaft auf; es vereint auch dieses Jahr wieder legendäre Musher wie Lutz Binzer, Helmut Peer, Volkmar Stuber oder Heinrich Winter. Sie alle betreiben diesen Sport seit Jahrzehnten und pflegen dabei einen Umgang mit ihren Hunden wie er vorbildhafter nicht sein könnte. Heinrich Winter, der gleichzeitig Veranstalter und Teilnehmer ist, kann man auf YouTube erleben, wie er auf dem Fahrrad mit einem Dutzend Hunde freilaufend und dabei völlig kontrolliert durch seine Heimatstadt Augsburg fährt. Dieser Umgang mit den Hunden drückt eine besondere Einstellung des Alpentrails aus: Es geht frei und fair, aber dennoch sportlich zu. Hat ein Musher auf der Strecke ernsthafte Probleme, kann er sich sicher sein, dass die anderen Teilnehmer ihm Hilfe anbieten werden.

Schlittenhundesport von klein an

Die Leithunde kurz vor dem Start des Hundeschlittenrennens

Die Leithunde kurz vor dem Start des Hundeschlittenrennens

Meine Familie betreibt diesen Wintersport seit inzwischen zwanzig Jahren. Als Benjamin bin ich mit diesem Sport aufgewachsen und habe ihn sehr intensiv vor ca. zehn Jahren betrieben.  Zu dieser Zeit waren es vor allem meine Geschwister und ich, die an den Rennen teilnahmen und auch manchmal auf internationale Treppchen steigen durften. Damals fuhren wir im Sprint-Style, das heisst die Rennstrecken waren meist nicht länger als 15km und es ging simpel darum, am schnellsten zu sein. Ich ging mit vier Hunden an den Start, denn die Anzahl der Hunde ist abhängig vom Alter des Mushers und der Klasse, in der er startet. Trainiert wurden die Hunde in der schneelosen Zeit mit einem Trainingswagen oder einem Quad. Im Winter waren wir dann jedes Wochenende auf Rennen im gesamten Bundesgebiet oder den Alpen unterwegs. Das bedeutete viele Stunden im Auto zu verbringen, wenn man aus dem Berliner Umland kommt. Und so kam es, dass obwohl der Sport von besonderer Bedeutung für die ganze Familie war, meine Geschwister sich entschieden, mit ihm aufzuhören. Meine Eltern jedoch wollten das nicht so einfach auf sich beruhen lassen und setzten die sportlichen Aktivitäten auf eine andere Art fort. Denn mein Vater entschied, das Alpentrail zu fahren, an dem meine Mutter schon lange als Chef-Veterinärin mitwirkte. Und damit entschied er sich, den Schlittenhundesport in unserer Familie in eine neue Phase zu führen.

Die Entscheidung für das Alpentrail bedeutet auch sich auf ein sehr langes Rennen einzulassen, in dem es nicht ausschließlich darum geht, möglichst schnell über die Strecke zu kommen. Im Gegenteil zum Sprint-Style ist das Alpentrail ein Rennen, auf dem die sogenannte mittlere Distanz bestritten wird und dementsprechend mehr Wert auf die Taktik gelegt werden muss. Mittlere Distanz bedeutet, dass man 40-60km pro Tag fährt und mit dem Gespann stets wieder zum Ausgangsort zurückkommt. Ausserdem führt das Alpentrail durch hochalpine Landschaften mit entsprechenden kräfteraubenden Anstiegen und windigen Abfahrten. Die Rennstrecken sind zwar beschildert, aber nicht umfassend abgesperrt, so dass besondere Aufmerksamkeit auf den Verlauf vonnöten ist. Verfährt man sich, kostet das viel Zeit und die Kraft der Hunde. Von den Mushern verlangt dieses Rennen einiges ab. Alle Teilnehmer befahren gemeinsam die gleiche Strecke obwohl sie in drei Kategorien unterteilt werden. Neben der unlimitierten Klasse (mehr als sechs Hunde) und den Skijörern, gibt es die limitierte Klasse (maximal sechs Hunde), in der ich antreten werde.

Erwartungen

Los geht's - mit Hunden und warmer Outdoor-Bekleidung!

Los geht's - mit Hunden und warmer Outdoor-Bekleidung!

Als Neuling schaue ich der konditionellen und mentalen Herausforderung gespannt und etwas nervös entgegen. Auch wenn ich meine Hunde gut kenne und das Fahren schwieriger Strecken gewohnt bin, bleiben dennoch viele Unwägbarkeiten, die man einfach nur auf sich zukommen lassen kann. Finde ich die richtige Strecke; schaffe ich es, das Team dauerhaft entsprechend zu kontrollieren und sollte ich die Hunde jetzt zur Höchstleistung motivieren oder lieber ihre Kraft aufsparen lassen? Das sind ein paar der Fragen, die mich umtreiben werden und die für eine gewisse Angespanntheit sorgen. Die konditionelle Herausforderung des Alpentrails besteht in seinen langen Strecken, bei denen ich weitenteils entweder mitlaufen oder pedalen muss, um meinen sechs Hunden so viel Zuggewicht wie möglich zu ersparen. Denn natürlich bleibe ich nicht nur auf dem Schlitten stehen. Die erste Etappe in Lü, Val Mustair, im Engadin führt gleich zu Beginn von 1900m auf 2400m. Das meiste dieser 500m geht es wieder runter, um es gleich am Ende der Etappe wieder hochzufahren. Es sind solche Anstiege, die viele andere abschrecken, dieses Rennen zu fahren. Wenn man das Alpentrail zum ersten Mal fährt, kann es nur das Ziel sein, möglichst gut durchzukommen. Aufs Treppchen steigen zu dürfen, wird wohl ein Traum bleiben.

Am Morgen des 14. Januar geht es in der Schweiz los. Zwei Etappen führen durch das Engadin, am Dienstag geht es dann in den Dolomiten weiter. 300km, ca. 4000 Höhenmeter, zwei Massenstarts und eine Nachtetappe liegen bis zum 21. Januar vor mir. Es wird spannend!

Ein Kommentar

  1. …Glückwunsch für eine tolle Leistung in einem tollen Rennen, das seinesgleichen sucht…
    Ich wünsche Dir für Deine Ideen viel Elan und Kreativität…”am Anfang ist immer der Mut..”
    LG aus dem Norden. Andreas

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