Mit der Eagle 12 bietet das Schweizer Traditionsunternehmen Fritschi eine stabile Tourenbindung, die auch eine anspruchsvolle Freeride-Gangart verträgt, ohne dabei auf den Komfort einer herkömmlichen Tourenbindung zu verzichten. Wir haben das neue Modell Eagle 12 getestet.
Die Produkteigenschaften die der Hersteller der Tourenbindung Diamir Eagle verspricht, klingen, wie sollte es anders sein, äußerst vielversprechend: Vollkommener Gehkomfort, einfaches Handling, hervorragende Abfahrtseigenschaften sowie Stabilität beim Aufsteigen. Da Theorie und Praxis häufig zwei Paar Schuhe sind, habe ich der Eagle 12 im harten Freeride-Einsatz auf den Zahn gefühlt und sie einem Dauer-Praxistest unterzogen.
Die Aufstiegseigenschaften sind der wohl größte Pluspunkt der neuen Generation Tourenbindung der Schweizer Bindungsschmiede Diamir. Die sogenannte Gliding Technology ist dabei für Freerider, die oft in unflexiblen Freeride- oder Alpinschuhen gehen weniger relevant, als der generell sehr angenehme Drehpunkt. Durch den etwas zurück versetzten Drehpunkt wird so trotz unbequemer Alpinschuhe ein angenehmes Aufstiegsgefühl erreicht. Die verbreiterte und solide Bauart des Frontbackens wirkt sich ebenso positiv auf die Steigeigenschaften aus, da insbesondere bei breiten Ski hier hohe Hebelkräfte auftreten.
Bei der Abfahrt muss man sich zunächst an die hohe Bauweise gewöhnen. Die Fritschi Eagle wird in bewährter Fritschi Diamir Tradition mit Mittelsteg produziert. Das bringt eine Reihe Vorteile, mit sich, bedeutet aber auch, dass bei jedem Schritt der Hinterbacken und Steg mit angehoben werden müssen. Die Eagle gleicht diesen Nachteil mit einer gewichtsoptimierten Bauweise aus, die gute Werte bei der Kraftübertragung mit geringem Gewicht vereinen. Die Kraftübertragung an sich ist nicht herausragend. Da die Hebelkräfte mit der Breite des Skis zunehmen, ist man wohl gut beraten nicht extrem breite Ski für die Eagle zu nehmen. Das gesunde Maß, auch für angenehmes Aufsteigen liegt nach meiner Meinung etwa um 100 mm. Breitere Ski sollten eher mit einer anderen Tourenbindung besetzt werden.
Mit den guten Einstellmöglichkeiten kann man zwischen Alpinsohlen und Tourensohlen schnell wechseln und so für verschiedene Aufgaben verschiedene Schuhe einsetzen bzw. man muss sich kein neues Modell extra zulegen. Außerdem bietet der Auslösemechanismus das gewohnte Auslöseverhalten einer Alpinbindung. Der Verstellbereich der Bindung auf verschiedene Schuhlängen ist ausreichend bemessen.
Erfreulich ist zudem die leichte Bedienbarkeit der Steighilfe, die gleichzeitig Arretierung für den Abfahrtsmodus ist. Mit einer schnellen Stockbewegung kann man ohne aus der Bindung zu steigen zwischen Ski und Aufstiegsmodus bzw. zwischen der Höhe der Steighilfen umschalten.
Zum Lieferinhalt zählt neben der Bindung auch ein Handbuch, das nützliche Informationen bietet. Ausgeliefert wird standardmäßig mit einem 80 mm Stopper (erhältlich bis 115 mm), Harscheisen gibt es zusätzlich in 86 mm und 110 mm Breite.
Fazit
Die Diamir Eagle 12 ist eine mehr aufstiegsorientierte Bindung für Freerider. Ebenso das baugleiche Schwestermodell Eagle 10. Die Eagle überzeugt als Tourenbindung mit dem bekannt guten Aufstiegskomfort durch den nach hinten versetzten Drehpunkt und mit einfachem Handling. Außerdem hat man sowohl mit Alpin- als auch Tourensohle eine vollwertige Auslösungsmöglichkeit wie bei einer Alpinbindung. Für harte Freeride-Action ist die Eagle allerdings sicher nicht die erste Wahl, dazu ist die Kraftübertragung gerade bei breiten Ski über 100 mm Mittelbreite doch zu gering. Wer sich für ein eher konservatives Skimodell entscheidet, kann mit der Diamir Eagle 12 dennoch unbetrübt die Kuh fliegen lassen.
Vorteile
- Sehr angenehmer Drehpunkt und geringes Gewicht
- hoher Bedienungskomfort
- Gute Auslösewerte wie bei einer Alpinbindung und hoher maximaler Z-Wert
Nachteile
- Weniger gut für sehr breite Freerideski geeignet
- Hohe Bauweise
Erhältliches Zubehör
Skistopper in 90, 100 und 115mm, Fangriemen, Klappbare Harscheisen in 86 und 110mm
